Futures ETFs: Leitfaden für Terminkontrakt-ETFs

Das Wichtigste in Kürze:

Futures ETFs ermöglichen dir den Zugang zu Terminkontrakten über börsengehandelte Fonds. Diese Seite erklärt dir die Funktionsweise, Vorteile und Risiken von Futures ETFs und zeigt, wie sie sich von herkömmlichen ETFs unterscheiden. Ideal für dich, wenn du dein Portfolio diversifizieren und von Rohstoffen, Währungen oder Indizes profitieren möchtest.

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Themen in diesem Artikel:

Was sind Futures ETFs?

Definition und Funktionsweise

Futures ETFs sind börsengehandelte Fonds, die ihr Anlageziel durch den Handel mit Futures-Kontrakten verfolgen. Ein Futures-Kontrakt ist ein standardisiertes Termingeschäft, bei dem sich zwei Parteien verpflichten, einen bestimmten Basiswert zu einem festgelegten Preis und Zeitpunkt zu kaufen oder zu verkaufen.

Der ETF-Anbieter verwendet das eingesammelte Kapital der Anleger, um Futures-Kontrakte zu erwerben. Da diese Kontrakte nur einen Bruchteil des Kontraktwertes als Margin erfordern, kann der Emittent das verbleibende Kapital in sichere Geldmarktinstrumente anlegen. Diese Konstruktion ermöglicht es dem Fonds, die Wertentwicklung des Basiswertes nachzubilden, ohne diesen physisch zu besitzen.

Ein wesentlicher Unterschied zu physisch replizierten ETFs liegt im Rolling-Prozess. Da Futures-Kontrakte ein Verfallsdatum haben, muss der ETF regelmäßig auslaufende Kontrakte verkaufen und neue mit späteren Fälligkeiten kaufen. Dieser Vorgang kann Kosten verursachen und die Performance beeinflussen.

📌 Good to know

Futures ETFs bilden nicht direkt den Spot-Preis des Basiswertes ab, sondern die Entwicklung der Futures-Kurve. Dies kann zu erheblichen Abweichungen zwischen ETF-Performance und der Preisentwicklung des zugrundeliegenden Rohstoffs führen.

Arten von Futures ETFs

Die Vielfalt der Futures ETFs ermöglicht Anlegern den Zugang zu verschiedenen Märkten und Strategien:

Rohstoff-Futures ETFs konzentrieren sich auf Rohstoffe wie Öl, Gold, Silber oder Agrarprodukte. Diese ETFs bieten Exposure zu Märkten, die für Privatanleger sonst schwer zugänglich wären. Energie-ETFs folgen beispielsweise Öl- oder Erdgas-Futures, während Edelmetall-ETFs Gold- oder Silber-Kontrakte handeln.

Index-Futures ETFs verwenden Futures auf bekannte Aktienindizes wie den S&P 500 oder NASDAQ. Diese Produkte ermöglichen es Anlegern, gehebelte oder inverse Positionen auf Aktienmärkte einzunehmen, ohne die einzelnen Aktien zu kaufen.

Währungs-Futures ETFs bieten Exposure zu Wechselkursentwicklungen zwischen verschiedenen Währungen. Sie nutzen Devisenterminkontrakte, um die Wertentwicklung von Währungspaaren wie EUR/USD oder GBP/USD nachzubilden.

Volatilitäts-Futures ETFs handeln mit VIX-Futures und anderen Volatilitätsinstrumenten. Diese komplexen Produkte sind besonders für Hedging-Strategien oder spekulative Positionen auf Marktvolatilität geeignet.

Vorteile von Futures ETFs

Zugänglichkeit und Liquidität

Der wichtigste Vorteil von Futures ETFs liegt in ihrer Zugänglichkeit. Während der direkte Handel mit Futures-Kontrakten ein spezielles Brokerkonto, hohe Mindesteinlagen und detailliertes Fachwissen erfordert, können Anleger Futures ETFs wie normale Aktien über ihr Wertpapierdepot kaufen und verkaufen.

Die Liquidität dieser ETFs ist in der Regel hoch, da sie täglich an der Börse gehandelt werden. Market Maker sorgen für enge Spreads zwischen Geld- und Briefkurs, wodurch auch größere Positionen problemlos gehandelt werden können. Die geringe Mindestanlagesumme macht diese Produkte auch für Kleinanleger interessant, die mit wenigen hundert Euro einsteigen können.

Ein weiterer praktischer Vorteil ist die Transparenz. Die meisten Futures ETFs veröffentlichen täglich ihre Positionen und Nettoinventarwerte, sodass Anleger jederzeit nachvollziehen können, in welche Kontrakte der Fonds investiert ist. Diese Transparenz fehlt bei vielen anderen Finanzprodukten.

💡 Tip

Prüfe vor dem Kauf die täglichen Handelsvolumina des ETFs. Hohe Volumina deuten auf gute Liquidität hin und sorgen für engere Spreads beim Handel.

Diversifikation und Absicherung

Futures ETFs bieten Portfolio-Diversifikation über traditionelle Anlageklassen hinaus. Rohstoff-Futures ETFs können als Inflationsschutz dienen, da Rohstoffpreise oft steigen, wenn die allgemeine Preisentwicklung anzieht. Diese negative Korrelation zu Aktien und Anleihen kann die Gesamtvolatilität eines Portfolios reduzieren.

Für Hedging-Strategien eignen sich Futures ETFs besonders gut. Ein Anleger mit einer großen Aktienposition kann beispielsweise inverse Index-Futures ETFs kaufen, um sein Risiko zu reduzieren. Währungs-Futures ETFs ermöglichen es, Wechselkursrisiken bei internationalen Investments abzusichern.

Die Inflationsabsicherung durch Rohstoffe ist ein weiterer strategischer Vorteil. Während Aktien und Anleihen bei steigender Inflation oft leiden, können Rohstoff-Investments von höheren Preisen profitieren. Gold-Futures ETFs gelten traditionell als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten.

Risiken und Herausforderungen

Rollkosten und Contango

Das größte Risiko bei Futures ETFs liegt in den Rollkosten. Wenn ein Futures-Kontrakt kurz vor dem Verfall steht, muss der ETF diesen verkaufen und einen neuen mit späterer Fälligkeit kaufen. Befinden sich die Futures-Preise im Contango „“ das bedeutet, spätere Kontrakte sind teurer als frühere „“ entstehen systematische Verluste beim Rollen.

Der Contango-Effekt kann die Performance erheblich beeinträchtigen. Ein Rohstoff-ETF kann trotz steigender Spot-Preise Verluste erleiden, wenn die Rollkosten die Preissteigerungen überwiegen. Besonders bei Öl-ETFs war dieser Effekt in der Vergangenheit deutlich sichtbar.

Das Gegenteil von Contango ist die Backwardation, bei der frühere Kontrakte teurer sind als spätere. In diesem Fall profitiert der ETF vom Rolling-Prozess, da er teure Kontrakte verkauft und günstigere kauft. Diese Situation tritt seltener auf und meist nur bei akuten Angebotsengpässen.

Die langfristigen Performance-Auswirkungen können dramatisch sein. Manche Rohstoff-ETFs haben über Jahre hinweg deutlich schlechter abgeschnitten als der zugrundeliegende Spot-Preis, hauptsächlich aufgrund anhaltender Contango-Situationen.

Komplexität und Volatilität

Futures ETFs sind komplexer als herkömmliche ETFs. Anleger müssen die Futures-Kurve, Rolling-Strategien und mögliche Tracking-Differenzen verstehen. Diese Komplexität macht es schwieriger, die tatsächliche Performance vorherzusagen.

Tracking-Differenzen entstehen nicht nur durch Rollkosten, sondern auch durch Managementgebühren, Transaktionskosten und die unterschiedliche Entwicklung von Futures- und Spot-Preisen. Ein Gold-Futures ETF kann anders performen als der Goldpreis selbst.

Die Volatilität von Futures ETFs übersteigt oft die des zugrundeliegenden Basiswertes. Leverage-Effekte und die Struktur der Futures-Märkte können zu extremen Preisschwankungen führen. VIX-ETFs sind besonders volatil und können binnen weniger Tage erhebliche Verluste erleiden.

📌 Good to know

Gehebelte und inverse Futures ETFs sind ausschließlich für Tagestradings konzipiert. Bei längerfristigen Haltedauern können erhebliche Verluste durch den Compounding-Effekt entstehen, selbst wenn die Marktrichtung korrekt prognostiziert wurde.

Für wen eignen sich Futures ETFs?

Erfahrene Anleger und Trader

Futures ETFs richten sich primär an erfahrene Anleger mit solidem Verständnis von Derivaten und Terminmärkten. Das notwendige Fachwissen umfasst die Funktionsweise von Futures-Kontrakten, Rolling-Mechanismen und die Auswirkungen von Contango und Backwardation auf die Performance.

Kurzfristige Handelsstrategien profitieren am meisten von Futures ETFs. Day-Trader und Swing-Trader nutzen die hohe Liquidität und Volatilität für spekulative Positionen. Die tägliche Handelbarkeit ermöglicht es, schnell auf Marktbewegungen zu reagieren.

Professionelle Portfolio-Manager setzen Futures ETFs für taktische Asset-Allokation und Absicherungsstrategien ein. Sie verstehen die komplexen Risiken und können diese in ihr Gesamtportfolio einordnen. Institutionelle Investoren nutzen diese Instrumente oft für Overlay-Strategien.

Eine hohe Risikobereitschaft ist unerlässlich. Futures ETFs können erhebliche Verluste verursachen, insbesondere gehebelte und volatile Produkte. Anleger sollten nur Kapital einsetzen, dessen Verlust sie verkraften können.

Strategische Portfolio-Anwendungen

Für die taktische Asset-Allokation bieten Futures ETFs flexible Möglichkeiten. Ein Anleger kann schnell Rohstoffexposure aufbauen oder reduzieren, je nach Markteinschätzung und makroökonomischen Entwicklungen. Diese Flexibilität ist bei physischen Rohstoffen nicht gegeben.

Rohstoffexposure ohne physische Lagerung ist ein praktischer Vorteil. Niemand möchte Ölfässer oder Goldbarren lagern, aber über Futures ETFs kann man dennoch von Preisbewegungen profitieren. Die Handelbarkeit über normale Brokerage-Konten vereinfacht den Prozess erheblich.

Inflationsschutz-Strategien verwenden oft Rohstoff-Futures ETFs als Baustein. In Zeiten steigender Inflation können diese Investments das Portfolio stabilisieren. Allerdings sollten Anleger die komplexe Beziehung zwischen Inflation, Rohstoffpreisen und Futures-Performance verstehen.

Als Alternative zu direkten Futures-Investitionen eliminieren ETFs viele praktische Hürden. Keine Margin-Anforderungen, keine Nachschusspflicht und keine komplexen Kontostrukturen machen den Zugang deutlich einfacher.

Auswahl des richtigen Futures ETFs

Auswahlkriterien

Die Kostenquote (TER) sollte bei der ETF-Auswahl prioritär geprüft werden. Futures ETFs haben oft höhere Gebühren als traditionelle ETFs, da die Verwaltung komplexer ist. Vergleiche verschiedene Anbieter und berücksichtige auch die indirekten Kosten durch Rolling und Tracking-Differenzen.

Handelsvolumen und Liquidität sind entscheidend für enge Spreads und problemlose Ein- und Ausstiege. ETFs mit niedrigen Volumina können hohe Transaktionskosten verursachen. Prüfe die durchschnittlichen täglichen Handelsvolumina der letzten Monate.

Die Roll-Strategie des ETFs bestimmt maßgeblich die Performance. Manche ETFs verwenden Near-Month-Kontrakte, andere setzen auf längere Laufzeiten oder spezielle Optimierungsstrategien. Verstehe, welche Strategie der ETF verfolgt und wie sich diese auf deine Anlageziele auswirkt.

Die Tracking-Qualität lässt sich durch Vergleich der ETF-Performance mit dem zugrundeliegenden Index beurteilen. Große und anhaltende Abweichungen können auf Probleme in der Fondsführung hindeuten.

💡 Tip

Lies das Factsheet und die Fondsdokumente sorgfältig durch. Dort findest du detaillierte Informationen zur Roll-Strategie, zu den Risiken und zur historischen Performance des ETFs.

Beliebte Futures ETF Kategorien

Öl- und Energie-Futures ETFs gehören zu den am häufigsten gehandelten Rohstoff-ETFs. Sie bieten Exposure zu Crude Oil, Erdgas und anderen Energierohstoffen. Beachte, dass diese ETFs stark von Contango betroffen sein können und oft erheblich vom Spot-Preis abweichen.

Gold- und Edelmetall-Futures ETFs ermöglichen Investments in Edelmetalle ohne physische Lagerung. Während physisches Gold Lagerkosten verursacht, haben Gold-Futures ETFs andere Kostenstrukturen. Sie können als Diversifikationsinstrument und Inflationsschutz dienen.

Agrar-Futures ETFs investieren in landwirtschaftliche Rohstoffe wie Weizen, Mais, Sojabohnen oder Zucker. Diese Märkte sind oft von saisonalen Schwankungen und Wetterereignissen geprägt, was zu hoher Volatilität führen kann.

VIX-Futures ETFs handeln mit Volatilitäts-Futures und sind ausschließlich für sehr erfahrene Anleger geeignet. Sie können als Absicherung gegen Marktturbulenzen dienen, sind aber extrem komplex und volatil. Die meisten VIX-ETFs verlieren langfristig an Wert aufgrund struktureller Eigenschaften der Volatilitätsmärkte.

Häufig gestellte Fragen

Q

Können Futures ETFs auch bei fallenden Preisen Verluste durch Contango erleiden?

Ja, Contango verursacht Rollverluste unabhängig von der Preisrichtung des Basiswertes und kann die Performance erheblich beeinträchtigen.

Q

Wie oft findet das Rolling bei Futures ETFs statt?

Das Rolling erfolgt typischerweise einige Tage vor Kontraktverfall, meist monatlich oder quartalsweise je nach ETF-Strategie.

Q

Sind Futures ETFs für langfristige Investments geeignet?

Futures ETFs eignen sich meist besser für kurz- bis mittelfristige Strategien, da Rollkosten die langfristige Performance beeinträchtigen können.

Q

Welches Mindestkapital benötige ich für Futures ETFs?

Futures ETFs haben keine speziellen Mindestanlagebeträge und können wie normale Aktien bereits ab wenigen hundert Euro gehandelt werden.

Q

Können Futures ETFs auch zur Portfolioabsicherung verwendet werden?

Ja, Futures ETFs eignen sich für Hedging-Strategien, inverse ETFs können bestehende Positionen absichern und Volatilität reduzieren.

Q

Was ist der Unterschied zwischen Futures ETFs und physischen ETFs?

Futures ETFs halten Terminkontrakte statt physischer Rohstoffe und müssen regelmäßig rollen, was Kosten und Tracking-Differenzen verursachen kann.


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