Themen in diesem Artikel:
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Was sind Negativzinsen?:
Eine Erklärung, was Negativzinsen sind, warum Sparer:innen von 2019 bis 2022 für Guthaben zahlen mussten und welche Rolle Freibeträge auf Spar- und Tagesgeldkonten dabei spielten. -
Ursachen von Negativzinsen:
Ein Überblick, wie die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank, insbesondere Hauptrefinanzierungs- und Einlagenzins, zu Negativzinsen führte und warum Banken diese an ihre Kundschaft weitergaben. -
Negativzinsen vermeiden:
Strategien zur damaligen optimalen Nutzung von Freibeträgen, zur Verteilung von Guthaben auf Konten und Banken sowie zum Umgang mit Strafzinsen durch ein Wertpapierdepot samt ETFs und Fonds. -
Negativzinsen bei Krediten:
Informationen, warum niedrige und negative Zinsen für Kreditnehmer:innen vorteilhaft waren, wie sie zu historisch günstigen Baufinanzierungen führten und welche Chancen sich für Umschuldungen boten. -
Entwicklung seit Juli 2022:
Ein Rückblick, wie die EZB mit der Zinswende die Negativzinsphase beendete, welche Auswirkungen das auf Einlagen- und Guthabenzinsen hatte und warum Sparer:innen wieder positivere Perspektiven hatten. -
Aktuelle Situation 2026:
Die aktuellen EZB-Leitzinsen, die Entwicklung seit 2022 und was das für Sparer:innen heute bedeutet. -
Häufige Fragen zu Negativzinsen:
Kompakte Antworten dazu, wann Negativzinsen anfielen, wie sie legal vermieden werden konnten, warum sie eingeführt wurden, welche Begriffe synonym verwendet werden und ob Kreditnehmer:innen davon profitierten.
Was sind Negativzinsen?
Beim klassischen Sparen profitierst du von Zinsen, denn du erhältst Sparzinsen im Gegenzug dafür, dass du dein Geld bei einer Bank oder Sparkasse anlegst. Selbst niedrige Zinsen lassen dein Kapital wachsen, solange die Inflationsrate darunter liegt. Befand sich der Zinssatz allerdings im negativen Bereich, drehte sich das Prinzip um: Dann zahlten Sparer:innen dem Kreditinstitut Zinsen dafür, dass sie ihr Geld dort anlegten.
Diese Negativzinsen, die auch als Strafzinsen oder Verwahrgeld bezeichnet werden, fielen vor allem bei Geldbeständen auf sogenannten Sichteinlagen an. Dazu gehörten Gelder auf Spar- oder Tagesgeldkonten. Die meisten Banken gewährten allerdings einen Freibetrag in Höhe von 50.000 oder 100.000 Euro, bis zu dessen Erreichen keine Negativzinsen fällig wurden.
📌 Good to know
Historischer Kontext: Negativzinsen waren in Deutschland hauptsächlich zwischen 2019 und 2022 ein Thema. Seit der Zinswende der Europäischen Zentralbank im Juli 2022 gehören sie der Vergangenheit an. Dieser Artikel erklärt das damalige Phänomen und seine Hintergründe. [Stand: Februar 2026]
📌 Good to know
Nur auf das Geld, das den Freibetrag überstieg, wurden Zinsen verlangt. Das bedeutete: Solange das Guthaben unterhalb dieser Grenze blieb, mussten Sparer:innen keine Strafzinsen befürchten. Die Freibeträge variierten je nach Bank und konnten sich auf einzelne Konten oder pro Person beziehen.
Negativzinsen und ihre Ursachen
Die Banken orientierten sich bei ihrer Zinspolitik an der Europäischen Zentralbank, kurz EZB, die den Leitzins vorgibt. Sehr lange befand sich dieser Leitzins im positiven Bereich: 2008 lag er beispielsweise bei 4,25 Prozent (im Juli, vor der Finanzkrise). Nach der Finanzkrise schwankte er von 2009 bis 2012 zwischen 0,25 und 0,5 Prozent und fiel 2013 auf null. Mit dieser Zinspolitik sollte mehr Geld in Umlauf gebracht werden, um die Wirtschaftslage zu verbessern.
Der wichtigste Leitzins, der sogenannte Hauptrefinanzierungssatz, lag zwischen März 2016 und Juli 2022 bei null Prozent. Der sogenannte Einlagenzins, einer der drei Leitzinsen, auf die die EZB Einfluss nehmen kann, lag seit September 2019 bei -0,5 Prozent. Dieser Einlagenzins ist der Zinssatz, den Banken für die überschüssigen Gelder erhalten, die sie bei der Zentralbank parken.
Banken mussten also selbst Negativzinsen zahlen. Diese gaben sie an ihre Kundschaft weiter, um selbst ihre eigenen Geschäfte weiter ausüben zu können. Der Einlagenzins bestimmte maßgeblich die Zinssätze für Sparanlagen von Verbraucher:innen. Die Weitergabe der Negativzinsen war für viele Kreditinstitute eine wirtschaftliche Notwendigkeit, um ihre Geschäftsmodelle aufrechtzuerhalten.
So konntest du Negativzinsen vermeiden
Da Negativzinsen von Banken und Sparkassen üblicherweise erst ab einem Freibetrag von 50.000 oder 100.000 Euro erhoben wurden, hatten Sparer:innen einen gewissen Spielraum, die Strafzinszahlung zu umgehen. Welcher Freibetrag galt, konnte bei der jeweiligen Bank erfragt werden. In diesem Zuge war es auch wichtig herauszufinden, ob sich der Freibetrag auf das einzelne Konto bezog oder pro Person galt.
💡 Tip
Eine bewährte Strategie war es, Geld in ein Wertpapierdepot umzuschichten und das Vermögen beispielsweise in ETFs oder andere Fonds zu investieren. Diese Anlagestrategie bot nicht nur Schutz vor Strafzinsen, sondern auch Chancen auf Rendite durch Wertsteigerungen der Investments. Eine breite Streuung der Anlagen sorgte für optimale Risikoverteilung.
Bezog sich der Freibetrag nur auf das Konto, konnten Sparer:innen ein zusätzliches Konto eröffnen und ihr Geld so verteilen, dass die Summen pro Konto den Freibetrag nicht überschritten. Allerdings waren die Kontoführungsgebühren in der Regel in den Jahren zuvor ebenfalls gestiegen. Waren die anfallenden Gebühren niedriger als die Negativzinsen, die hätten gezahlt werden müssen, konnte diese Option lohnend sein. Eine sorgfältige Kosten-Nutzen-Rechnung half dabei, die beste Entscheidung zu treffen.
Negativzinsen bei Krediten
Während Niedrig- und Negativzinsen beim Sparen nicht profitabel waren, war die Situation für Kreditnehmer:innen umso günstiger. Die auf Kredite zu zahlenden Zinsen waren ebenfalls äußerst niedrig, sodass es sich lohnen konnte, einen neuen Kredit aufzunehmen oder zum Beispiel einen bereits länger laufenden Baukredit umzuschulden. Diese Niedrigzinsphase bot Verbraucher:innen historisch günstige Konditionen für Immobilienfinanzierungen und andere größere Anschaffungen.
📌 Good to know
Die günstigen Kreditkonditionen während der Negativzinsphase führten zu einem Boom am Immobilienmarkt. Viele Kreditnehmer:innen konnten von historisch niedrigen Bauzinsen profitieren und langfristige Finanzierungen zu außergewöhnlich guten Konditionen abschließen.
Entwicklung seit Juli 2022
Am 21. Juli 2022 beschloss die EZB das Ende der Negativzinsen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde verkündete in einer Pressekonferenz: Nachdem der wichtigste Leitzins, der sogenannte Hauptrefinanzierungssatz, sechs Jahre lang bei null Prozent lag, hob die EZB ihn mit Wirkung zum 27. Juli 2022 auf 0,5 Prozent an. Im September 2022 folgte eine weitere Anhebung auf 1,25 Prozent und im Oktober 2022 auf 2,0 Prozent.
Seit Juli 2022 schafften viele deutsche Banken die Negativzinsen ganz oder zumindest zum Teil ab. Auf dem Höhepunkt im Mai 2022 verlangten noch 455 Banken und Sparkassen Negativzinsen. Schon einen Monat nach der EZB-Entscheidung im Juli 2022 hatten vier von fünf Geldhäuser die Verwahrentgelte für ihre Sparer komplett gestrichen. Waren es Anfang 2022 noch rund 600 deutsche Banken, die Strafzinsen an ihre Kundinnen und Kunden verrechneten, waren es nach der Entscheidung der EZB im Juli 2022 nur noch 13 Banken.
Durch den erhöhten Einlagenzins waren wieder höhere Guthabenzinsen möglich. Diese Zinswende markierte einen fundamentalen Wandel in der europäischen Geldpolitik und brachte für Sparer:innen wieder positive Aussichten. Die schrittweise Anhebung der Leitzinsen zeigte, dass die EZB auf veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen reagierte und die Phase der Negativzinsen beendete.
Aktuelle Situation 2026
Negativzinsen sind seit der Zinswende 2022 vollständig Geschichte. Stand Februar 2026 verlangt keine deutsche Bank mehr Negativzinsen. Im Gegenteil: Sparer:innen profitieren wieder von positiven Guthabenzinsen auf Tagesgeld- und Sparkonten.
Aktuelle EZB-Leitzinsen (Februar 2026)
- Hauptrefinanzierungssatz: 2,15%
- Einlagenzins: 2,00%
- Spitzenrefinanzierungssatz: 2,40%
Die EZB hält die Leitzinsen seit Juni 2025 unverändert. Der Zinssenkungszyklus gilt als abgeschlossen. Am 5. Februar 2026 beschloss der EZB-Rat zum fünften Mal in Folge, alle drei Leitzinsen unverändert zu belassen.
Was bedeutet das für Sparer?
- Keine Strafzinsen: Banken erheben keine Negativzinsen mehr
- Positive Guthabenzinsen: Tagesgeld und Sparbriefe bieten wieder Renditen von 2-3%
- Rechtssicherheit: BGH-Urteil vom 4. Februar 2025 bestätigte: Negativzinsen auf Spar-/Tagesgeld waren generell unzulässig
💡 Tip
Prüfe regelmäßig die Konditionen deiner Bank und vergleiche verschiedene Anbieter. In der aktuellen Zinsumgebung sind Renditen von 2-3% auf Tagesgeldkonten realistisch. Ein Wechsel zu einer Bank mit besseren Konditionen kann sich lohnen, um von den verbesserten Bedingungen zu profitieren. Nutze Online-Vergleichsportale für einen schnellen Überblick.
Häufig gestellte Fragen
Wann mussten Negativzinsen gezahlt werden?
Negativzinsen wurden von 2019 bis 2022 fällig, wenn Banken einen negativen Einlagenzins für überschüssiges Geld bei der EZB auf ihre Kund:innen umlegten. Dies geschah meist erst ab Freibeträgen von 50.000 oder 100.000 Euro auf Spar- und Tagesgeldkonten. Seit der Zinswende im Juli 2022 existieren Negativzinsen nicht mehr.
Gibt es aktuell noch Negativzinsen in Deutschland?
Nein. Negativzinsen sind seit 2022 vollständig Geschichte. Nach der EZB-Zinswende im Juli 2022 schafften zunächst 80% der Banken die Strafzinsen ab, die restlichen 13 Banken folgten bis 2023. Stand Februar 2026 verlangt keine deutsche Bank mehr Negativzinsen. Im Gegenteil: Sparer profitieren wieder von positiven Guthabenzinsen auf Tagesgeld- und Sparkonten. Der aktuelle EZB-Einlagenzins liegt bei +2,00%.
Wie konnte man Negativzinsen legal vermeiden?
Während der Negativzinsphase (2019-2022) konnten Sparer:innen Negativzinsen vermeiden, indem sie die Freibeträge ihrer Bank nutzten, ihr Geld auf mehrere Konten bei verschiedenen Banken verteilten oder in Wertpapierdepots wie ETFs und Fonds umschichteten. Auch ein Bankwechsel zu einem Institut ohne Negativzinsen war eine Option. Heute ist diese Frage nicht mehr relevant, da keine Bank mehr Negativzinsen erhebt.
Was ist der Unterschied zwischen Negativzinsen und Verwahrgeld?
Es gibt keinen Unterschied – Negativzinsen, Verwahrgeld und Strafzinsen sind unterschiedliche Begriffe für dasselbe Phänomen. Alle bezeichnen die Gebühren, die Banken zwischen 2019 und 2022 für die Verwahrung von Kundengeldern erhoben, als der EZB-Einlagenzins im negativen Bereich lag.
Warum hat die EZB überhaupt Negativzinsen eingeführt?
Die EZB führte Negativzinsen als Reaktion auf die Finanzkrise ein, um die Wirtschaft anzukurbeln. Banken sollten motiviert werden, Geld als Kredite zu vergeben statt es bei der Zentralbank zu parken. Dies sollte Investitionen fördern und die Konjunktur stärken. Die Maßnahme war Teil der expansiven Geldpolitik von 2014 bis 2022.
Waren Negativzinsen für Kreditnehmer von Vorteil?
Ja, während der Negativzinsphase (2014-2022) profitierten Kreditnehmer:innen von historisch niedrigen Kreditzinsen. Dies machte Immobilienfinanzierungen, Umschuldungen und andere Kredite besonders günstig. Die niedrigen Zinsen ermöglichten vielen Menschen den Zugang zu günstigen Finanzierungen und führten zu einem Boom am Immobilienmarkt.



