Schulden der Deutschen 2026: Kredite, Dispo und Überschuldung in Zahlen

10.09.93 Aufrufe0 Mal als hilfreich markiertZuletzt geprüft: 20.09.2026

Das Wichtigste in Kürze

Wie hoch sind die Schulden der Deutschen wirklich? Die Überschuldungsstatistik 2025 zeigt eine Durchschnittsschuld von 34.650 Euro, deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen und Krankheit als häufigsten Auslöser. Dieser Daten-Report bündelt die amtlichen Zahlen von Destatis und Bundesbank kompakt an einem Ort.

Schulden der Deutschen 2026: Kredite, Dispo und Überschuldung in Zahlen

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Das Wichtigste in Kürze

Überschuldung in Deutschland: die zentralen Zahlen

Überschuldete Menschen in Deutschland tragen im Schnitt 34.650 Euro an Schulden vor sich her. Das zeigt die Überschuldungsstatistik des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2025, veröffentlicht im Juli 2026.

Die Statistik stützt sich auf die anonymisierten Fälle der Schuldnerberatungsstellen. Für 2025 wertete Destatis rund 187.000 beratene Personen aus, gemeldet von 738 der etwa 1.360 Beratungsstellen bundesweit. Über alle Beratungsstellen hinweg suchen nach Destatis-Angaben jedes Jahr etwa 580.000 Menschen eine Schuldnerberatung auf.

Der Unterschied zwischen den 187.000 ausgewerteten Fällen und den rund 580.000 jährlichen Ratsuchenden erklärt sich durch die Meldequote: Nur ein Teil der Beratungsstellen liefert seine Daten für die Statistik. Die ausgewerteten Fälle gelten aber als repräsentativ und bilden die Struktur der Überschuldung zuverlässig ab.

Überschuldung ist dabei mehr als ein knappes Konto zum Monatsende. Der Begriff beschreibt eine Lage, in der das Einkommen dauerhaft nicht ausreicht, um die laufenden Zahlungsverpflichtungen zu decken – auch nicht durch Sparen oder den Verkauf von Vermögen. Das unterscheidet Überschuldung von einer vorübergehenden Zahlungsklemme, die sich mit dem nächsten Gehalt wieder auflöst. Auch ein geringfügiges Einkommen reicht oft nicht aus, um die Lebenshaltungskosten vollständig zu decken, wie die aktuelle Minijob-Statistik 2026 zeigt.

Warum diese Zahlen belastbar sind

Die Überschuldungsstatistik ist die einzige amtliche Erhebung, die die Schuldensituation privater Personen so detailliert abbildet. Sie erfasst nicht nur die Höhe der Schulden, sondern auch die Auslöser, die Haushaltsform und die Struktur der Gläubiger. Damit liefert sie ein deutlich schärferes Bild als reine Schätzungen zur Zahl überschuldeter Haushalte.

Wichtig zur Einordnung: Erfasst werden nur Menschen, die aktiv eine Beratungsstelle aufsuchen. Die tatsächliche Zahl überschuldeter Haushalte in Deutschland liegt höher, weil viele Betroffene keine Beratung in Anspruch nehmen – aus Scham, aus Unkenntnis oder weil sie ihre Lage lange verdrängen.

Die Zahlen sind deshalb kein vollständiges Register aller Schulden, sondern ein repräsentativer Ausschnitt jener Menschen, die den Schritt in die Beratung schon gegangen sind. Genau das macht sie für die Frage nach den Ursachen so wertvoll: Man sieht, was die Betroffenen tatsächlich in die Schieflage gebracht hat.

Schulden sind nicht gleich Überschuldung

Ein wichtiger Unterschied trennt normale Kredite von Überschuldung. Wer ein Haus finanziert oder ein Auto abbezahlt, hat Schulden – aber solange die Raten sicher aus dem Einkommen fließen, ist das kein Problem, sondern geplantes Wirtschaften. Für die Anschaffung gibt es verschiedene Wege, einen Gebrauchtwagen zu finanzieren.

Überschuldung beginnt erst dort, wo diese Balance dauerhaft kippt. Die Durchschnittsschuld von 34.650 Euro beschreibt genau diese kritische Gruppe, nicht den Durchschnittsbürger mit einem laufenden Ratenkredit. Wer die Zahl richtig lesen will, muss diesen Unterschied im Kopf behalten – sonst wirkt die Verschuldung der Deutschen dramatischer, als sie im Alltag der meisten Haushalte ist.

📌 Good to know

Die Durchschnittsschuld von 34.650 Euro ist ein Mittelwert über alle beratenen Fälle. Einzelne Haushalte liegen deutlich darüber oder darunter, je nach Einkommen, Haushaltsform und Art der Verbindlichkeiten.

Wer ist betroffen: Männer, Frauen und Alleinerziehende

Männer sind im Schnitt deutlich höher verschuldet als Frauen. Die amtlichen Zahlen zeigen bei Männern eine Durchschnittsschuld von 39.717 Euro, bei Frauen von 29.500 Euro. Männer liegen damit rund 35 Prozent über dem Wert der Frauen.

Diese Lücke hat mehrere Gründe. Männer nehmen häufiger höhere Kredite auf, etwa im Zusammenhang mit einer selbstständigen Tätigkeit, und geraten dadurch bei einem Scheitern tiefer in die Verschuldung. Bei Frauen sind die Beträge im Schnitt kleiner, die Zahl der Betroffenen aber ebenfalls hoch.

Besonders angespannt ist die Lage bei Menschen, die allein leben. Knapp 52 Prozent aller beratenen Personen führten 2025 einen Einpersonenhaushalt. Wer allein wirtschaftet, kann Einkommensausfälle schlechter abfedern als ein Paar mit zwei Einkommen – fällt das eine Gehalt weg, bricht das gesamte Budget weg.

Auffällig ist die Spanne bei Alleinerziehenden. Alleinerziehende Väter tragen mit 46.219 Euro die höchste Durchschnittsschuld aller ausgewiesenen Gruppen – deutlich mehr als alleinerziehende Mütter mit 34.386 Euro. Auch bei den Alleinlebenden setzt sich das Muster fort: Männer kommen auf 35.293 Euro, Frauen auf 27.629 Euro.

Durchschnittsschuld nach Haushaltsform

Die folgende Tabelle bündelt die durchschnittliche Schuldenhöhe für die wichtigsten Gruppen aus der Erhebung 2025.

Gruppe Durchschnittsschuld (2025)
Alle beratenen Personen 34.650 Euro
Männer 39.717 Euro
Frauen 29.500 Euro
Alleinerziehende Väter 46.219 Euro
Alleinerziehende Mütter 34.386 Euro
Alleinlebende Männer 35.293 Euro
Alleinlebende Frauen 27.629 Euro

Die Zahlen machen ein Muster sichtbar: Wer allein für ein Haushaltseinkommen sorgt und zusätzlich Kinder versorgt, hat das höchste Risiko für hohe Schulden. Ein einziger Einkommensausfall trifft solche Haushalte ohne Puffer – und aus einer Lücke wird schnell ein Berg.

Interessant ist auch, was die Zahlen nicht sagen. Sie messen die Höhe der Schulden, nicht das Verschulden. Ein alleinerziehender Vater mit 46.219 Euro hat nicht zwangsläufig leichtfertiger gewirtschaftet als eine Frau mit 27.629 Euro – oft steckt schlicht ein höheres Ausgangseinkommen und damit ein größerer Kreditrahmen dahinter, der beim Wegbrechen tiefer fällt.

Für die Vorbeugung heißt das: Je stärker ein Haushalt von einem einzigen Einkommen abhängt, desto wichtiger ist ein finanzieller Puffer. Drei Nettomonatsgehälter auf einem separaten Konto gelten als solide Reserve, um Krankheit oder eine Kündigung zu überbrücken, ohne sofort in den Dispo zu rutschen. Eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit oder eine der passenden BU-Alternativen sichert das Einkommen bei längeren Ausfällen ab.

Durchschnittsschuld nach Haushaltsform (2025)

0 €10000 €20000 €30000 €40000 €50000 €Alle beratenen PersonenAlle beratenen Personen — 34.650 €34.650 €Alleinerziehende VäterAlleinerziehende Väter — 46.219 €46.219 €MännerMänner — 39.717 €39.717 €Alleinlebende MännerAlleinlebende Männer — 35.293 €35.293 €Alleinerziehende MütterAlleinerziehende Mütter — 34.386 €34.386 €FrauenFrauen — 29.500 €29.500 €Alleinlebende FrauenAlleinlebende Frauen — 27.629 €27.629 €
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Überschuldung privater Personen 2025. Durchschnittliche Schuldenhöhe der beratenen Personen nach Haushaltsform; der graue Balken markiert den Gesamtdurchschnitt. Stand: Juli 2026.

Die Hauptauslöser der Überschuldung

Der häufigste Auslöser einer Überschuldung ist kein Konsumrausch, sondern ein Schicksalsschlag. Erkrankung, Sucht oder Unfall stehen mit einem Anteil von 18 Prozent an der Spitze der genannten Hauptauslöser für 2025.

Direkt dahinter folgt Arbeitslosigkeit mit rund 17 Prozent. Beide Ursachen haben eines gemeinsam: Sie treffen die Betroffenen unvermittelt und reißen ein Loch ins laufende Einkommen, während die Fixkosten unverändert weiterlaufen. Miete, Strom und Versicherungen fragen nicht, ob gerade Gehalt fließt. Strukturelle Veränderungen wie der Anstieg der Teilzeitbeschäftigung können dieses Risiko für Einkommensverluste zusätzlich verschärfen.

Bei Alleinerziehenden spielt die Familiensituation eine besondere Rolle. Hier nennen etwa 23 Prozent eine Trennung, Scheidung oder den Tod des Partners als Auslöser. Ein Haushalt, der bisher auf zwei Schultern ruhte, muss plötzlich von einer Person allein getragen werden - bei oft gleichbleibenden Kosten.

Auch bei Alleinlebenden sind gesundheitliche Probleme mit rund 24 Prozent überdurchschnittlich häufig. Wer allein lebt und krank wird, hat niemanden, der das Einkommen zwischenzeitlich stützt. Genau in dieser Kombination aus fehlendem Puffer und wegbrechendem Einkommen liegt das größte Risiko. Zwei Einkommen und ein zweiter Erwachsener im Haushalt wirken dagegen wie ein natürlicher Stoßdämpfer, der einen Ausfall zumindest zeitweise abfedert.

Auslöser im Überblick

Eine Person kann mehrere Auslöser gleichzeitig angeben, deshalb summieren sich die Anteile nicht auf 100 Prozent. Die Tabelle zeigt die zentralen amtlich ausgewiesenen Auslöser.

Auslöser Anteil (2025)
Erkrankung, Sucht oder Unfall 18 %
Arbeitslosigkeit rund 17 %
Trennung, Scheidung, Tod (Alleinerziehende) etwa 23 %
Gesundheitliche Probleme (Alleinlebende) rund 24 %

Die Erkenntnis dahinter ist entscheidend für die Vorbeugung: Überschuldung ist selten selbst verschuldet im moralischen Sinn. Sie ist meist die Folge eines Ereignisses, das ein bereits knappes Budget aus dem Gleichgewicht bringt.

Das widerlegt ein hartnäckiges Vorurteil. Der Mythos vom Schuldner, der über seine Verhältnisse lebt, hält der Statistik nicht stand. Unwirtschaftliche Haushaltsführung spielt zwar eine Rolle, steht aber hinter den großen Lebensrisiken Krankheit, Jobverlust und Trennung deutlich zurück.

Daraus folgt auch, wo Prävention ansetzen muss. Nicht Konsumverzicht ist der wichtigste Hebel, sondern die Absicherung gegen Einkommensausfälle - etwa durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung, eine Rücklage und den schnellen Kontakt zur Beratung, sobald das Einkommen wegbricht. Wer erst wartet, bis die Mahnungen sich stapeln, verliert wertvolle Zeit.

💡 Tip

Wer merkt, dass Krankheit oder ein Jobverlust das Budget aus der Balance bringt, sollte früh handeln. Je eher offene Posten sortiert werden, desto seltener eskaliert eine Zahlungslücke zur dauerhaften Überschuldung. Ein Haushaltsbudget-Rechner schafft hier schnell einen Überblick über die eigene finanzielle Situation.

Hauptauslöser der Überschuldung (Anteil 2025)

0 %10 %20 %30 %Gesundheitliche Probleme (Alleinlebende)Gesundheitliche Probleme (Alleinlebende) — rund 24 %24 %Trennung, Scheidung, Tod (Alleinerziehende)Trennung, Scheidung, Tod (Alleinerziehende) — etwa 23 %23 %Erkrankung, Sucht oder UnfallErkrankung, Sucht oder Unfall — 18 %18 %ArbeitslosigkeitArbeitslosigkeit — rund 17 %17 %
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Überschuldung privater Personen 2025. Mehrfachnennungen sind möglich, deshalb summieren sich die Anteile nicht auf 100 %. Werte teils gerundet (rund/etwa). Stand: Juli 2026.

Bei wem die Schulden stehen

Die Gläubiger überschuldeter Menschen sind vielfältiger, als viele vermuten. An der Spitze steht überraschend oft nicht die Bank, sondern der Staat. Bei rund 57 Prozent der beratenen Personen bestehen Zahlungsrückstände gegenüber der öffentlichen Hand, etwa bei Finanzämtern, Kommunen oder Sozialkassen.

Dahinter steckt oft ein Dominoeffekt: Wer in Zahlungsnot gerät, priorisiert Miete und Lebensmittel und lässt Steuern, Rundfunkbeitrag oder Gebühren zuerst liegen. Genau diese öffentlichen Forderungen wachsen dann durch Säumniszuschläge weiter an.

An zweiter Stelle folgen Telekommunikationsunternehmen mit etwa 47 Prozent. Offene Handy- und Internetrechnungen sind ein häufiger Einstieg in eine Schuldenspirale, weil kleine Beträge schnell an Inkassodienste übergeben und dadurch teuer werden.

Klassische Ratenkredite tauchen bei rund 37 Prozent der Fälle auf, offene Rechnungen im Online- und Versandhandel bei knapp 29 Prozent. Gerade der Kauf auf Rechnung und flexible Ratenzahlungen im Netz führen häufig zu unübersichtlichen Kleinbeträgen bei vielen unterschiedlichen Gläubigern. Diese Entwicklung wird durch neue Akteure aus Asien verstärkt, denn Temu und Shein erreichen Rekord-Marktanteil in Deutschland.

Gläubigerstruktur überschuldeter Personen

Gläubiger Anteil der Fälle (2025)
Öffentliche Hand rund 57 %
Telekommunikationsunternehmen etwa 47 %
Ratenkredite (Banken) rund 37 %
Online- und Versandhandel knapp 29 %

Das Bild zeigt: Überschuldung entsteht selten durch einen einzigen großen Kredit. Häufiger ist es die Summe vieler kleiner offener Posten, die zusammen unbeherrschbar wird - und genau diese Zersplitterung macht es Betroffenen so schwer, den Überblick zurückzugewinnen. Weitere Zusammenhänge aus Wirtschaft und Finanzen werden in unseren Infografiken anschaulich dargestellt.

Warum kleine Beträge gefährlich werden

Der Reiz von Ratenzahlung und Kauf auf Rechnung liegt in der scheinbaren Harmlosigkeit. Eine Rate von 30 Euro hier, ein offener Betrag von 80 Euro dort - jeder Posten für sich wirkt tragbar. In der Summe entsteht eine monatliche Belastung, die das Budget still auffrisst. Eine verbreitete Form dieser Finanzierung ist die Kreditkarte mit Ratenzahlung, die oft direkt im Bezahlvorgang angeboten wird.

Kommt dann ein Einkommenseinbruch dazu, kippen mehrere dieser Kleinschulden gleichzeitig. Weil sie bei unterschiedlichen Gläubigern liegen, prasseln Mahnungen, Inkassoschreiben und Zusatzgebühren aus allen Richtungen ein. Genau in dieser Phase verlieren viele den Überblick - und genau hier setzt eine gute Schuldnerberatung an, indem sie alle Forderungen zusammenträgt und ordnet.

Kredite und Dispo der privaten Haushalte

Nicht jede Schuld ist ein Problem. Die große Mehrheit der Kredite in Deutschland wird planmäßig bedient. Die Deutsche Bundesbank erfasst in ihrer Bankenstatistik laufend, wie stark private Haushalte Konsumenten- und Wohnungsbaukredite in Anspruch nehmen - der weitaus größte Teil des Kreditbestands entfällt dabei auf die Immobilienfinanzierung, ein kleinerer, aber wichtiger Teil auf klassische Konsumentenkredite.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Tragfähigkeit. Ein Wohnungsbaukredit ist langfristig kalkuliert, mit fester Zinsbindung und einem Gegenwert in Form der Immobilie. Ein Konsumkredit finanziert dagegen Güter, deren Wert schnell sinkt - hier ist die Belastung im Verhältnis zum Nutzen oft höher.

Warum der Dispo die teuerste Schuld ist

Zum Alltag gehört daneben der Dispositionskredit. Er ist die teuerste Form der kurzfristigen Verschuldung: Die Effektivzinsen für Überziehungskredite liegen laut MFI-Zinsstatistik der Bundesbank typischerweise im zweistelligen Prozentbereich und damit deutlich über einem klassischen Ratenkredit.

Genau hier entsteht ein schleichendes Risiko. Wer den Dispo dauerhaft nutzt, zahlt hohe Zinsen auf einen Betrag, der sich kaum von selbst zurückführt. Aus einem gedachten kurzfristigen Puffer wird so eine teure Dauerschuld, die jeden Monat einen festen Teil des Einkommens auffrisst. Eine Möglichkeit, diese Zinslast zu senken, ist die Umschuldung auf eine Kreditkarte zum Dispo-Ausgleich.

Als Faustregel gilt: Kredite sind tragbar, solange die monatliche Rate zuverlässig aus dem laufenden Einkommen bezahlbar ist und zusätzlich ein Notgroschen für unerwartete Ausgaben bleibt. Kippt dieses Gleichgewicht, beginnt der Weg in die Überschuldung.

Wie stark ein Dispo tatsächlich ins Budget schlägt, lässt sich vorab durchrechnen. Der Dispo-Rechner zeigt die Zinskosten schwarz auf weiß. Einen breiteren Überblick über Kreditarten und Finanzierungsfragen bietet unser Ratgeber-Bereich Kredite und Darlehen.

Ein zweiter Blick lohnt sich beim Zeithorizont. Konsumkredite mit fester Laufzeit sind planbar, weil Rate und Enddatum feststehen. Der Dispo dagegen hat kein festes Ende - er läuft, solange das Konto im Minus steht, und wird dadurch zur teuersten Dauerlösung, wenn er nicht bewusst zurückgeführt wird.

Wer dauerhaft im Dispo hängt, sollte deshalb prüfen, ob ein günstigerer Ratenkredit die teure Überziehung ablösen kann. Diese Umschichtung senkt den effektiven Zinssatz oft spürbar und ersetzt eine unbefristete Belastung durch eine klar terminierte Rückzahlung - ein einfacher, aber wirkungsvoller Schritt gegen die schleichende Verschuldung.

📌 Good to know

Ein hoher Kreditbestand allein ist kein Alarmsignal. Entscheidend ist das Verhältnis von Rate zu Einkommen. Erst wenn die Verpflichtungen dauerhaft nicht mehr bedient werden können, spricht man von Überschuldung. Die allgemeine Kaufkraftentwicklung spielt hierbei eine Rolle, da die Reallöhne in Deutschland zuletzt eine positive Entwicklung zeigten.

Insolvenzen und Auswege aus der Schuldenfalle

Wenn Schulden gar nicht mehr tragbar sind, bleibt die Insolvenz als letzter geordneter Ausweg. Bei den Unternehmen ist der Trend zuletzt deutlich nach oben gegangen: Die Zahl der beantragten Unternehmensinsolvenzen stieg 2025 laut Destatis um 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Auch 2026 setzt sich die Entwicklung fort. Im April 2026 meldeten die Amtsgerichte 2.276 beantragte Unternehmensinsolvenzen, ein Plus von 7,1 Prozent zum Vorjahresmonat. Steigende Firmenpleiten treffen indirekt auch Privathaushalte, etwa durch Kurzarbeit oder Jobverlust - und schließen damit den Kreis zum häufigsten Überschuldungsauslöser Arbeitslosigkeit.

Für private Personen führt der Weg über die Verbraucherinsolvenz. Sie ermöglicht nach einer festen Wohlverhaltensphase eine Restschuldbefreiung - also einen wirtschaftlichen Neustart, wenn alle anderen Wege ausgeschöpft sind. Das Verfahren ist kein Makel fürs Leben, sondern ein rechtlich vorgesehener Reset.

Anders als früher ist die Wohlverhaltensphase heute deutlich kürzer, was die Restschuldbefreiung schneller erreichbar macht. Für viele überschuldete Haushalte ist das der einzige realistische Weg zurück in ein Leben ohne Pfändung und ständige Mahnungen. Wichtig ist nur, das Verfahren als letzten Schritt zu verstehen - nach Beratung und Umschuldung, nicht als vorschnelle Abkürzung.

Der geordnete Weg zurück

Vor einer Insolvenz steht oft die Umschuldung. Dabei werden mehrere teure Einzelkredite zu einem günstigeren Darlehen zusammengefasst - das senkt die Zinslast und macht die monatliche Belastung planbar. Gerade wer viele kleine Posten mit hohen Zinsen bedient, kann so wieder Luft gewinnen.

Ob sich eine Zusammenlegung lohnt, lässt sich vorab prüfen. Der Umschuldungsrechner vergleicht die bestehende Belastung mit einer möglichen neuen Rate. Er ersetzt keine Beratung, macht aber schnell sichtbar, ob eine Umschuldung überhaupt Ersparnis bringt.

Der wichtigste Schritt bleibt der frühe Gang zur anerkannten Schuldnerberatung. Sie ist für Betroffene in der Regel kostenlos und sortiert die offenen Forderungen, verhandelt mit Gläubigern und bereitet - falls nötig - das Insolvenzverfahren vor. Je früher dieser Schritt erfolgt, desto größer die Chance, eine Insolvenz ganz zu vermeiden.

Der Blick auf die Insolvenzzahlen macht auch die Wechselwirkung mit der Konjunktur deutlich. Steigt die Zahl der Firmenpleiten, wächst das Risiko von Kurzarbeit und Kündigungen - und damit genau jener Auslöser, der die private Überschuldung anheizt. Wirtschaftliche und private Verschuldung sind keine getrennten Welten, sondern zwei Seiten derselben Entwicklung. Ein unerwarteter Rückgang in der Industrieproduktion ist oft ein frühes Warnsignal für eine solche konjunkturelle Abkühlung.

Für den Einzelnen zählt am Ende die Reihenfolge der Schritte: erst den Überblick über alle Forderungen herstellen, dann teure durch günstige Schulden ersetzen, und erst wenn das nicht reicht, die Verbraucherinsolvenz als geordneten Neustart nutzen. Wer diese Reihenfolge einhält, verliert weder Zeit noch unnötig Geld an Zinsen und Mahngebühren.

💡 Tip

Anerkannte Schuldnerberatungsstellen von Wohlfahrtsverbänden und Kommunen arbeiten kostenfrei. Wer früh dorthin geht, verhindert oft, dass aus einer Zahlungslücke eine Verbraucherinsolvenz wird.

Quellen und Methodik

Alle Zahlen in diesem Report stammen aus amtlichen Primärquellen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) und der Deutschen Bundesbank. Die Überschuldungsdaten beziehen sich auf das Erhebungsjahr 2025 (veröffentlicht im Juli 2026), die Insolvenzdaten auf das Jahr 2025 und den Berichtsmonat April 2026. Stand der Recherche: Juli 2026.

Häufig gestellte Fragen

Q

Wie hoch sind die Schulden der Deutschen im Durchschnitt?

Überschuldete Menschen in Deutschland tragen 2025 im Schnitt 34.650 Euro an Schulden. Der Wert stammt aus der amtlichen Überschuldungsstatistik des Statistischen Bundesamtes und bezieht sich auf beratene Personen der Schuldnerberatungsstellen.

Q

Was ist der häufigste Auslöser für Überschuldung?

Der häufigste Auslöser ist mit 18 Prozent Erkrankung, Sucht oder Unfall, gefolgt von Arbeitslosigkeit mit rund 17 Prozent. Überschuldung entsteht damit meist durch einen Einkommenseinbruch, nicht durch übermäßigen Konsum.

Q

Sind Männer oder Frauen stärker verschuldet?

Männer sind im Schnitt höher verschuldet. Ihre Durchschnittsschuld liegt 2025 bei 39.717 Euro, die der Frauen bei 29.500 Euro. Männer liegen damit rund 35 Prozent über dem Wert der Frauen.

Q

Bei wem haben überschuldete Menschen die meisten Schulden?

Am häufigsten bestehen Rückstände gegenüber der öffentlichen Hand (rund 57 Prozent der Fälle), gefolgt von Telekommunikationsunternehmen (etwa 47 Prozent) und Ratenkrediten (rund 37 Prozent). Es sind oft viele kleine Posten statt eines großen Kredits.

Q

Was kann ich bei drohender Überschuldung tun?

Am wichtigsten ist der frühe Gang zu einer anerkannten Schuldnerberatung, die für Betroffene meist kostenlos ist. Als Zwischenschritt kann eine Umschuldung teure Kredite bündeln und die Zinslast senken. Die Verbraucherinsolvenz ist der letzte geordnete Ausweg.