Themen in diesem Artikel:
- Dispozins 2026: Im Schnitt 11,34 Prozent, Spitze über 15 Prozent.
- Dispo-Rechner: Deine Kosten aus Betrag, Zins und Dauer.
- Zinsformel: Betrag x Satz x Tage geteilt durch 365.
- Zins-Schere: Leitzins 2,40 Prozent, Dispo fast fünffach.
- Umschuldung: Bei 5.000 Euro rund 333 Euro Ersparnis.
- Alternativen: Rahmenkredit, Kontowechsel, Beratung nach 504a.
- Quellen: Bundesbank, EZB, Stiftung Warentest — Stand Juli 2026.
Was der Dispo 2026 wirklich kostet
Der durchschnittliche Dispozins in Deutschland liegt im Juli 2026 bei rund 11,34 Prozent. Das ist die Auswertung von rund 5.000 Girokontomodellen von über 1.000 Banken und Sparkassen. Eine parallele Erhebung auf Basis des BaFin-Datensatzes kommt auf 11,28 Prozent im Schnitt — die Größenordnung ist also stabil, unabhängig davon, wer zählt.
Interessant wird es erst unterhalb des Durchschnitts. Die Spanne reicht je nach Anbieter von unter 3 Prozent bis über 15 Prozent; der teuerste am Markt gefundene Satz lag bei 15,31 Prozent. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Viertel des Marktes liegen rund vier Prozentpunkte. Der Dispozins ist damit kein Marktpreis, sondern eine Hausentscheidung deiner Bank.
Geduldete Überziehung: der teure Bruder
Teurer als der Dispo ist nur die geduldete Überziehung. Sie greift, wenn du über den eingeräumten Rahmen hinausgehst und die Bank die Zahlung trotzdem ausführt. Der Durchschnitt liegt hier bei rund 13,12 Prozent. Etwa 45 Prozent aller Konten berechnen dafür einen Aufschlag, der im Mittel 4,25 Prozentpunkte über dem Dispozins liegt. Einzelne Institute verlangen bis zu 19,75 Prozent.
Wie viele Deutsche stehen im Minus?
Im Juni 2026 hatten laut fortlaufender Civey-Befragung 11,4 Prozent der volljährigen Deutschen ihr Konto im Minus. Die Verteilung ist dabei aufschlussreich: 5,1 Prozent stehen mit bis zu 1.000 Euro im Soll, 1,6 Prozent mit 1.001 bis 2.000 Euro — und 4,7 Prozent mit über 2.000 Euro. Fast die Hälfte aller Überzieher trägt also ein Minus mit vierstelligem Zinsschaden über die Jahre.
Die genannten Gründe sind selten Luxus. An erster Stelle stehen laufende Lebenshaltungskosten wie Miete und Lebensmittel, danach Jahresrechnungen wie Versicherungsbeiträge und unerwartete Reparaturen. Der Dispo ist in der Praxis kein Konsum-, sondern ein Puffer-Instrument — nur eben ein sehr teures.
Diese Struktur erklärt auch, warum das Minus so hartnäckig ist. Wer wegen laufender Kosten ins Soll rutscht, hat per Definition keinen monatlichen Überschuss, aus dem sich das Minus zurückführen ließe. Der Sollstand wandert dann von Monat zu Monat mit, wird jedes Quartal mit Zinsen aufgeladen und wächst still weiter. Das ist der Unterschied zwischen einer Überziehung und einem Dispo-Sockel: Ersteres ist ein Ereignis, Letzteres ein Dauerzustand mit Abo-Charakter.
In der Gesamtschau ist das Volumen beachtlich. Die Konsumentenkredite an private Haushalte in Deutschland lagen Ende März 2026 bei rund 203 Milliarden Euro — dazu zählen sowohl Ratenkredite über Kreditkonten als auch Überziehungskredite über laufende Konten. Der Dispo ist damit kein Randphänomen, sondern eine der breitesten Kreditformen des Landes.
Wer wissen will, was das eigene Konto darüber hinaus an laufenden Gebühren frisst, findet die Marktzahlen im Kontogebühren-Report 2026. Weitere Auswertungen rund ums Girokonto sammeln wir in der Kategorie Konto.
📌 Good to know
Der Dispozins ist ein variabler Sollzins. Deine Bank darf ihn nach den vereinbarten Bedingungen anpassen — meist mit Verweis auf einen Referenzzins. Ein Blick ins Preis- und Leistungsverzeichnis lohnt sich mindestens einmal im Jahr.
Dispo-Kosten-Rechner
Der Rechner zeigt dir in Sekunden, was dein Minus tatsächlich kostet — und was passiert, wenn du es stattdessen umschuldest.
Betrag im Minus: Trage den durchschnittlichen Sollstand ein, nicht den Spitzenwert. Wenn dein Konto zwischen 0 und 2.000 Euro pendelt, ist die realistische Basis ungefähr die Hälfte des Maximums.
Dispozins: Den exakten Satz findest du in deinem Kontoauszug oder im Preis- und Leistungsverzeichnis deiner Bank. Wenn du ihn nicht zur Hand hast, ist der Marktdurchschnitt von 11,34 Prozent eine brauchbare Näherung.
Dauer: Gib an, wie viele Tage im Jahr du im Minus stehst. Wer jeden Monat zwei Wochen ins Soll rutscht, kommt auf rund 180 Tage — nicht auf 14.
Das Ergebnis stellt die Dispokosten den Zinskosten eines Ratenkredits gegenüber und weist die Differenz als Ersparnis aus. Die Rechnung ist eine Modellrechnung ohne Kontoführungsgebühren, Bearbeitungsentgelte oder Sondertilgungen.
Modellrechnung mit taggenauer Zinsformel (Betrag × Satz × Tage/365) bei konstantem Sollsaldo. Der Ratenkredit-Vergleich unterstellt eine Umschuldung der gleichen Summe mit gleichbleibender Laufzeit und Annuitätentilgung — die Zinslast sinkt dort, weil die Restschuld fällt. Geduldete Überziehungen jenseits des Limits sind teurer. Keine Schuldnerberatung.
So rechnest du Dispozinsen taggenau nach
Dispozinsen werden taggenau auf den tatsächlichen Sollstand berechnet, nicht pauschal pro Monat. Die Formel dahinter ist simpel:
Zins = Betrag × Zinssatz × Tage ÷ 365
Ein Beispiel: 500 Euro für 10 Tage bei 11,28 Prozent ergeben 500 × 0,1128 × 10 ÷ 365 = 1,55 Euro. Das klingt nach nichts — und genau das ist die psychologische Falle des Dispos. Die Einzeldosis ist harmlos, die Dauerdosis nicht.
365 oder 360 Tage?
Nicht jede Bank rechnet mit 365 Tagen. Ein Teil der Institute nutzt die kaufmännische 360-Tage-Basis, bei der jeder Monat pauschal 30 Tage hat. Der Unterschied ist klein, aber systematisch zu deinen Ungunsten: Bei der 360er-Basis kostet dasselbe Beispiel 1,57 Euro statt 1,55 Euro, weil der Tageszins um rund 1,4 Prozent höher ausfällt. Abgerechnet wird üblicherweise quartalsweise, danach werden die Zinsen dem Sollstand zugeschlagen und verzinsen sich mit.
Was ein Dauer-Minus kostet
Die folgende Tabelle zeigt die reinen Zinskosten beim Marktdurchschnitt von 11,34 Prozent — gerechnet auf einen konstanten Sollstand, taggenau, ohne Zinseszins innerhalb der Periode.
| Betrag im Minus | 30 Tage | 90 Tage | 180 Tage | 365 Tage |
|---|---|---|---|---|
| 500 € | 4,66 € | 13,98 € | 27,96 € | 56,70 € |
| 1.000 € | 9,32 € | 27,96 € | 55,92 € | 113,40 € |
| 2.500 € | 23,30 € | 69,90 € | 139,81 € | 283,50 € |
| 5.000 € | 46,60 € | 139,81 € | 279,62 € | 567,00 € |
| 10.000 € | 93,21 € | 279,62 € | 559,23 € | 1.134,00 € |
Ablesbar ist vor allem eins: Ab etwa 2.500 Euro Dauerminus liegst du im dreistelligen Jahresbereich. Bei 10.000 Euro zahlst du mit 1.134 Euro jährlich mehr Zinsen, als viele Haushalte im Jahr für Strom ausgeben — ohne dass sich am Sollstand ein einziger Euro bewegt.
Der Zinssatz macht den Unterschied
Der zweite Hebel neben der Dauer ist der Satz selbst. Dieselben 2.500 Euro über ein volles Jahr kosten beim Spitzensatz von 15,31 Prozent rund 383 Euro, beim Marktdurchschnitt 283,50 Euro und bei einem günstigen Anbieter um 6,6 Prozent nur etwa 165 Euro. Zwischen dem teuersten und dem günstigsten Konto liegen also gut 218 Euro pro Jahr — für ein identisches Produkt, dieselbe Summe, denselben Zeitraum.
Rutschst du zusätzlich über den Rahmen, greift der Satz für die geduldete Überziehung. Bei 1.000 Euro über 30 Tage kostet der Dispo 9,32 Euro, die geduldete Überziehung zu 13,12 Prozent dagegen 10,78 Euro. Pro Vorgang sind das eineinhalb Euro Unterschied — über ein Jahr Dauernutzung werden daraus rund 18 Euro allein für das Überschreiten einer Zahl, die deine Bank selbst festgelegt hat.
Leitzins 2,40 Prozent, Dispo 11,34 Prozent
Die Zins-Schere zwischen Notenbank und Girokonto ist der eigentliche Skandal des Dispos. Die Europäische Zentralbank hat am 11. Juni 2026 die Leitzinsen erstmals seit September 2023 wieder um 25 Basispunkte angehoben. Seit 17. Juni 2026 liegt der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,40 Prozent, der Einlagesatz bei 2,25 Prozent, die Spitzenrefinanzierungsfazilität bei 2,65 Prozent.
Der durchschnittliche Dispozins von 11,34 Prozent liegt damit rund 9 Prozentpunkte über dem Hauptrefinanzierungssatz — er ist fast fünfmal so hoch wie der Preis, zu dem sich Banken bei der Notenbank refinanzieren.
Warum die Marge so stabil bleibt
Die gängige Begründung der Institute: Der Dispo ist ein unbesicherter, jederzeit abrufbarer Kredit ohne feste Laufzeit, dessen Bereitstellung Eigenkapital bindet und dessen Ausfallrisiko höher liegt als beim geprüften Ratenkredit. Das erklärt einen Aufschlag — aber nur einen Teil davon.
Der Rest ist Trägheit. Der Dispo ist ein Produkt, das niemand aktiv kauft. Er ist bereits da, wenn man ihn braucht, und der Preis taucht auf keinem Vergleichsportal auf, bevor man das Konto eröffnet. Ein Markt ohne Preissuche produziert keine Preiskonkurrenz. Deshalb bewegten sich die Dispozinsen in der Niedrigzinsphase kaum nach unten — und in der Zinswende nur zögerlich nach oben, was Banken gern als Kulanz verkaufen.
Historisch ist die Marge der eigentliche Beleg. Ende 2023 lagen die Zinsen für gezogene Überziehungskredite bei rund 10,8 Prozent — bei einem damals deutlich höheren Leitzinsniveau. Heute, nach einem kompletten Zinssenkungszyklus und einer ersten Erhöhung, liegen sie bei 11,34 Prozent. Der Dispozins hat sich also praktisch entkoppelt: Er folgt der Notenbank nach unten kaum und nach oben prompt.
Auffällig ist auch die Struktur der Spitzenreiter. Unter den 20 teuersten Konten am Markt fanden sich überwiegend Genossenschaftsbanken und Sparkassen, nur ein einziges Institut kam aus dem privaten Bankensektor. Regionale Institute mit starker Kundenbindung haben schlicht weniger Anlass, über den Preis zu konkurrieren — der Kunde bleibt ohnehin.
Dispo runter, Guthabenzins hoch?
Der zweite Teil der Schere betrifft die Habenseite. Während der Dispo bei über 11 Prozent verharrt, bewegen sich Tagesgeldzinsen im Nachlauf des Leitzinses. Aktuelle Konditionen und die Entwicklung verfolgen wir im Zins-Monitor. Wer parallel Tagesgeld hält und Dispo zieht, verliert die Differenz — mehrere Prozentpunkte pro Jahr, garantiert und ohne Marktrisiko.
💡 Tip
Wenn du Tagesgeld hast und gleichzeitig im Dispo stehst, ist die Reihenfolge eindeutig: Erst das Minus ausgleichen, dann wieder ansparen. Die Tilgung des Dispos ist eine risikofreie Rendite in Höhe deines Dispozinses — die kein Sparprodukt schlägt.
Die Zins-Schere: Was die Notenbank kostet und was dein Konto verlangt
Umschuldung auf den Ratenkredit rechnet sich
Ein Ratenkredit ist bei gleichem Betrag deutlich günstiger als der Dispo. Die Bundesbank weist für neu vergebene Konsumentenkredite an private Haushalte im Mai 2026 einen durchschnittlichen Effektivzins von 8,52 Prozent aus; bei Zinsbindungen von einem bis fünf Jahren waren es 6,98 Prozent. Der Abstand zum Dispo beträgt also knapp drei Prozentpunkte — und darauf kommt ein zweiter, größerer Effekt.
Der Tilgungseffekt ist der eigentliche Hebel
Beim Dispo verzinst sich der volle Betrag, solange du ihn nicht ausgleichst. Beim Ratenkredit sinkt die Restschuld mit jeder Rate — im Schnitt zahlst du über eine 12-monatige Laufzeit nur auf etwa die Hälfte der Summe Zinsen. Der Ratenkredit ist deshalb nicht drei Prozentpunkte billiger, sondern in der Praxis deutlich mehr als die Hälfte.
Die Tabelle vergleicht ein zwölf Monate durchgehend gezogenes Dispo-Minus zu 11,34 Prozent mit einem Ratenkredit über 8,52 Prozent effektiv und 12 gleichbleibende Raten.
| Betrag | Dispo 11,34 % (12 Mon., ohne Tilgung) | Ratenkredit 8,52 % (12 Raten) | Monatsrate | Ersparnis |
|---|---|---|---|---|
| 1.000 € | 113,40 € | 46,75 € | 87,23 € | 66,65 € |
| 2.500 € | 283,50 € | 116,87 € | 218,07 € | 166,63 € |
| 5.000 € | 567,00 € | 233,74 € | 436,15 € | 333,26 € |
| 10.000 € | 1.134,00 € | 467,49 € | 872,29 € | 666,51 € |
Bei 5.000 Euro sparst du im ersten Jahr rund 333 Euro — und bist nach zwölf Monaten schuldenfrei, statt weiter zu zahlen. Wer die Rate nicht stemmen kann, streckt auf 24 Monate: Dann kostet der Kredit rund 456 Euro Zinsen bei einer Rate von etwa 227 Euro, während zwei Jahre Dispo mit 1.134 Euro zu Buche schlagen. Die Ersparnis liegt auch dann bei knapp 680 Euro.
Worauf du bei der Umschuldung achtest
Sondertilgungsrecht: Kostenfreie Sondertilgungen und vorzeitige Ablösung sollten vertraglich möglich sein. Bei Verbraucherdarlehen ist die Vorfälligkeitsentschädigung gesetzlich gedeckelt, aber vermeidbar ist besser.
Effektivzins statt Sollzins: Nur der effektive Jahreszins enthält alle Kosten und ist vergleichbar. Bonitätsabhängige Spannen bedeuten, dass der Werbezins selten dein Zins ist.
Dispo danach reduzieren: Die Umschuldung wirkt nur, wenn der Dispo-Rahmen anschließend gekürzt oder gestrichen wird. Sonst füllt sich das Minus binnen Monaten wieder auf — und du zahlst beides.
Rate ehrlich kalkulieren: Eine Rate, die das Konto am Monatsende wieder ins Soll drückt, verlagert das Problem nur. Setze die Laufzeit lieber etwas länger an und halte die Rate sicher tragbar — die Zinsdifferenz zum Dispo bleibt auch über 24 oder 36 Monate klar positiv.
Wenn die Umschuldung nicht klappt
Nicht jeder Antrag geht durch. Die Bundesbank meldete im Frühjahr 2026, dass Banken ihre Kreditrichtlinien für Konsumentenkredite erneut verschärft haben und die Nachfrage erstmals seit 2023 sank. Bonitätsschwache Antragsteller bekommen entweder eine Absage oder einen Zins, der nahe am Dispo liegt — dann rechnet sich der Wechsel kaum noch.
In diesem Fall bleiben zwei Wege. Erstens der Kontowechsel zu einem Anbieter mit deutlich niedrigerem Dispozins, der keine Bonitätsprüfung im Kreditsinne erfordert, sondern nur eine Rahmeneinräumung. Zweitens die Reduktion des Betrags statt des Satzes: Jeder Euro, den du dauerhaft aus dem Minus holst, spart dir garantiert 11,34 Prozent pro Jahr.
📌 Good to know
Restschuldversicherungen werden bei Ratenkrediten oft mitverkauft und können den tatsächlichen Effektivzins spürbar erhöhen. Sie sind freiwillig. Lass dir immer ein Angebot ohne Versicherung geben und vergleiche beide Effektivzinsen.
Umschuldung auf den Ratenkredit: Zinskosten im ersten Jahr
Rahmenkredit, Kontowechsel und deine Rechte
Zwischen Dispo und Ratenkredit liegt der Rahmenkredit, auch Abrufkredit genannt. Er funktioniert wie ein Dispo — du ziehst flexibel, zahlst Zinsen nur auf den genutzten Betrag, hast keine feste Laufzeit — ist aber meist deutlich günstiger. Typische Effektivzinsen liegen zwischen rund 5 und 11 Prozent; einzelne Anbieter wie die ING lagen Anfang 2026 bei 8,28 Prozent, die Volkswagen Bank startete bei 6,96 Prozent im ersten Jahr und stieg ab dem 13. Monat auf 8,96 Prozent.
Die Einschränkung: Der Markt ist dünn. Stiftung Warentest fand bei ihrem Rahmenkredit-Vergleich nur fünf überregionale und zehn regionale Anbieter. Für den unvorhersehbaren Puffer ist der Rahmenkredit trotzdem die sauberere Lösung als ein Dispo zu 11 Prozent.
Der Kontowechsel als schnellster Hebel
Der günstigste Weg aus hohen Dispozinsen führt oft schlicht über einen Anbieterwechsel. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter liegen mehr als acht Prozentpunkte — bei 2.500 Euro über 90 Tage sind das 94,42 Euro zum Spitzensatz von 15,31 Prozent gegenüber 40,68 Euro bei einem günstigen Anbieter um 6,6 Prozent. Rund 54 Euro Unterschied für exakt dieselbe Leistung, in einem einzigen Quartal.
Beratungspflicht nach § 504a BGB
Bei dauerhafter Überziehung hast du einen gesetzlichen Anspruch. Nach § 504a BGB muss die Bank dir ein Beratungsgespräch anbieten, wenn du deine Überziehungsmöglichkeit sechs Monate ununterbrochen und dabei im Durchschnitt zu mehr als 75 Prozent des vereinbarten Höchstbetrags in Anspruch genommen hast.
Das Angebot muss in Textform erfolgen und dokumentiert werden. Nimmst du es an, muss die Bank dich über kostengünstigere Alternativen zur Überziehung und über die Folgen weiterer Inanspruchnahme beraten — und gegebenenfalls auf geeignete Beratungsstellen hinweisen. Das Gespräch ist persönlich zu führen, auch per Fernkommunikation. Lehnst du ab oder kommt kein Vertrag zustande, muss die Bank das Angebot bei erneutem Vorliegen der Voraussetzungen wiederholen.
Wenn sich das Minus über Monate nicht zurückführen lässt und Umschuldung mangels Bonität ausscheidet, ist das kein Rechen-, sondern ein Budgetproblem. Die anerkannten Schuldnerberatungsstellen der Wohlfahrtsverbände und Verbraucherzentralen beraten in solchen Fällen kostenfrei oder gegen geringes Entgelt — deutlich früher aufzusuchen, als die meisten es tun.
💡 Tip
Setze dir eine Kontobenachrichtigung bei Unterschreiten von 0 Euro. Wer sieht, wann das Minus beginnt, verkürzt die Tage — und die Tage sind in der Zinsformel der einzige Faktor, den du sofort selbst steuerst.
Quellen und Methodik
Stand aller Zins- und Marktdaten: Juli 2026. Die Beispielrechnungen sind eigene Berechnungen auf Basis der taggenauen Zinsformel (Betrag × Zinssatz × Tage ÷ 365) beziehungsweise der Annuitätenformel bei Ratenkrediten. Sie enthalten keine Kontoführungs- oder Nebenkosten und keinen Zinseszins innerhalb der Periode. Reale Konditionen sind bonitätsabhängig und anbieterspezifisch.
- Europäische Zentralbank: Geldpolitische Beschlüsse vom 11. Juni 2026
- Deutsche Bundesbank: Konsumentenkredite an private Haushalte / Ratenkredite (2026)
- Deutsche Bundesbank: MFI-Zinsstatistik, Bestände und Neugeschäft (2026)
- Bundesministerium der Justiz: § 504a BGB — Beratungspflicht bei Inanspruchnahme der Überziehungsmöglichkeit
- Stiftung Warentest: Rahmenkredite im Vergleich — Raus aus dem teuren Dispo
Häufig gestellte Fragen
Wie berechne ich meine Dispozinsen selbst?
Die Formel lautet: Betrag × Zinssatz × Tage ÷ 365. Bei 1.000 Euro, 11,34 Prozent und 30 Tagen sind das 9,32 Euro. Manche Banken rechnen mit 360 statt 365 Tagen, dann fällt der Betrag geringfügig höher aus. Abgerechnet wird meist quartalsweise.
Wie hoch ist der durchschnittliche Dispozins 2026?
Der Marktdurchschnitt liegt im Juli 2026 bei rund 11,34 Prozent, je nach Erhebung zwischen 11,28 und 11,34 Prozent. Die Spanne reicht von unter 3 bis über 15 Prozent. Die geduldete Überziehung kostet im Schnitt rund 13,12 Prozent.
Ab wann lohnt sich eine Umschuldung auf einen Ratenkredit?
Sobald das Minus dauerhaft besteht und nicht binnen weniger Wochen ausgeglichen wird. Bei 2.500 Euro über zwölf Monate sparst du rund 167 Euro, bei 5.000 Euro rund 333 Euro. Voraussetzung ist, dass der Dispo-Rahmen anschließend reduziert wird.
Was ist der Unterschied zwischen Dispo und geduldeter Überziehung?
Der Dispo ist ein vertraglich eingeräumter Rahmen. Die geduldete Überziehung greift, wenn du darüber hinausgehst und die Bank die Zahlung trotzdem ausführt. Rund 45 Prozent der Konten berechnen dafür einen Aufschlag von im Mittel 4,25 Prozentpunkten.
Muss meine Bank mich bei dauerhaftem Dispo beraten?
Nach § 504a BGB muss die Bank ein Beratungsgespräch anbieten, wenn du sechs Monate ununterbrochen und im Schnitt zu über 75 Prozent des Rahmens im Minus warst. Das Angebot erfolgt in Textform. Angenommen, muss über günstigere Alternativen beraten werden.
Ist ein Rahmenkredit die bessere Dispo-Alternative?
Für den flexiblen Puffer ja: Ein Rahmenkredit ist ebenso jederzeit abrufbar, kostet aber typischerweise 5 bis 11 Prozent effektiv. Für dauerhafte Schulden bleibt der Ratenkredit günstiger, weil dort die Restschuld planmäßig sinkt.



