Dispozinsen: So teuer ist die Kontoüberziehung wirklich

Das Wichtigste in Kürze:

Dispozinsen können zur teuren Kostenfalle werden – das betrifft 6,6 Millionen Deutsche, die regelmäßig ihr Konto überziehen. Mit durchschnittlich 10 bis 14 Prozent Zinsen zahlst du für die Kontoüberziehung deutlich mehr als für jeden anderen Kredit. Wer dauerhaft im Minus lebt, verliert schnell hunderte Euro im Jahr.

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Was sind Dispozinsen beim Girokonto?

Wenn du ein Girokonto mit regelmäßigen Geldeingängen hast, räumt dir deine Bank normalerweise die Möglichkeit ein, dein Konto bis zu einer bestimmten Summe zu überziehen. Üblich ist dabei ein Vielfaches deines monatlichen Nettoeinkommens. Dieser Kredit wird Dispositionskredit genannt – kurz Dispokredit oder einfach Dispo. Die genaue Höhe des Disporahmens ist bei deiner Bank erfragbar.

Nutzt du diese Möglichkeit, zahlst du dafür deutlich höhere Zinsen als bei einem Ratenkredit, der für eine bestimmte Zeit zu festgelegten Rückzahlungsraten abgeschlossen wird. Der Dispo ist also als kurzfristige Überbrückung vorübergehender Liquiditätsengpässe gedacht und nicht als langfristige Lösung, um dir Geld von der Bank zu leihen.

💡 Tip

Prüfe regelmäßig deinen Kontostand und richte einen Puffer-Betrag auf einem separaten Tagesgeldkonto ein. So vermeidest du ungewollte Überziehungen und sparst teure Dispozinsen. Als Faustregel gilt: Mindestens ein Monatsgehalt als Notgroschen zurücklegen.

Die meisten Banken erlauben ihren Kund:innen zudem, ihr Konto über den Disporahmen hinaus zu überziehen. In solchen Fällen werden sogenannte Überziehungszinsen fällig, deren Satz noch deutlich über den Dispozinsen liegt. Allerdings nehmen immer mehr Banken davon Abstand und berechnen den Dispo ohne Aufschlag. Überziehungszinsen fallen außerdem an, wenn das Konto überzogen wird, obwohl die Bank gar keinen Dispokredit eingeräumt hatte.

Zinsdeckel für den Dispo in der Diskussion

Die Unterschiede bei der Höhe der Dispozinsen sind von Bank zu Bank teilweise erheblich. Für einige Finanzinstitute sind die Einnahmen aus diesen Zinsen ein wichtiger Teil der Geschäftskalkulation. Daher fordern Verbraucherschützer:innen und einige Politiker:innen schon lange einen Zinsdeckel – also einen Höchstwert, der nicht überschritten werden darf.

📌 Good to know

Trotz jahrelanger Forderungen wurde bisher kein gesetzlicher Zinsdeckel für Dispokredite eingeführt. Die Banken argumentieren mit der Notwendigkeit der Risikoabsicherung und der freien Marktwirtschaft. Ein Vergleich verschiedener Anbieter ist daher umso wichtiger.

Doch bisher wurde ein solcher Schritt noch nicht umgesetzt. Die Diskussion darüber bleibt aber bestehen, besonders in Zeiten steigender Zinsen.

Folgen der Zinswende: Zinsen für Dispokredite steigen deutlich

Die Höhe der Dispozinsen ist variabel und hängt von einem Referenzzins ab, wie beispielsweise dem Drei-Monats-Euribor oder dem EZB-Leitzinssatz. Steigt dieser, erhöhen die Banken in der Regel auch leicht zeitversetzt die Zinsen für den Dispo.

Während der langen Phase der Niedrigzinspolitik befanden sich die Zinssätze für den Dispositionskredit bereits auf vergleichsweise hohem Niveau. Seit der von der Europäischen Zentralbank (EZB) eingeleiteten Zinswende steigen die Zinsen für eine Überziehung des Girokontos weiter an. Die Dispozinsen variieren je nach Bank erheblich, wobei einige Institute deutlich höhere Zinssätze verlangen als andere. Die aktuellen Durchschnittszinsen und Bandbreiten sind bei Verbraucherportalen wie Finanztest oder Stiftung Warentest einsehbar.

💡 Tip

Berechne deine tatsächlichen Kosten: Bei einer längeren Überziehung summieren sich die Zinsen schnell auf erhebliche Beträge pro Jahr! Ein Ratenkredit mit niedrigeren Zinsen kann deutlich günstiger sein. Die aktuellen Konditionen für Ratenkredite und Dispokredite sind bei deiner Bank oder Vergleichsportalen erfragbar.

Ein konkretes Beispiel macht die Dimension deutlich: Wer sein Konto im Rahmen seines Dispositionskredits über längere Zeit im höheren vierstelligen Bereich überzieht, muss am Ende des Jahres bei vielen Banken mit einem beträchtlichen Betrag an Zinsen rechnen.

Der Dispozins kann der Anfang von Verschuldungskarrieren sein

Der Dispositionskredit ist eigentlich eine feine Sache: Wer nur für kurze Zeit mehr Geld benötigt als auf dem Konto zur Verfügung steht, kann seinen Dispo in Anspruch nehmen und muss sich nicht umständlich auf anderem Wege Geld leihen. Und tageweise fallen die vergleichsweise hohen Zinsen dafür kaum ins Gewicht.

Wer aber regelmäßig an der Schwelle zum Minus lebt, kann finanziell schnell in eine Abwärtsspirale geraten. Die Kombination aus hoher Inflation, steigenden Lebenshaltungskosten und zunehmenden Dispozinsen macht es für viele Menschen schwierig, aus dem Minus herauszukommen. Was als kurzfristige Lösung gedacht war, entwickelt sich dann zur dauerhaften Belastung.

📌 Good to know

Die Schuldnerberatung empfiehlt: Wer längere Zeit im Dispo ist, sollte über eine Umschuldung nachdenken. Ein Ratenkredit ist zwar auch eine Verschuldung, aber mit deutlich niedrigeren Zinsen und einem festen Tilgungsplan.

Steigen die Zinsen weiter, könnte es manche Verbraucher:innen hart treffen. Denn durch die hohe Inflation sinkt die Kaufkraft des Geldes ohnehin schon stark, sodass Kontoinhaber:innen schneller in den Dispo rutschen als zuvor. Und das müssen sie nun auch noch teuer bezahlen. So droht der Dispo zur Überschuldungsfalle zu werden.

Häufig gestellte Fragen

Wie kann ich Dispozinsen vermeiden?

Du kannst Dispozinsen vermeiden, indem du einen finanziellen Puffer aufbaust, deine Ausgaben planst und bei längerfristigem Geldbedarf einen günstigeren Ratenkredit in Betracht ziehst. Ein Haushaltsbuch hilft dir, den Überblick zu behalten.

Was ist der Unterschied zwischen Dispozinsen und Überziehungszinsen?

Dispozinsen fallen bei Überziehung innerhalb des eingeräumten Rahmens an. Überziehungszinsen werden fällig, wenn du über den Disporahmen hinaus überziehst oder ohne eingeräumten Dispo ins Minus gehst. Sie sind meist noch höher als normale Dispozinsen.

Wie hoch sind die durchschnittlichen Dispozinsen aktuell?

Die durchschnittlichen Dispozinsen liegen im zweistelligen Prozentbereich. Die genaue Höhe variiert je nach Bank erheblich. Die aktuellen Zinssätze sind bei Verbraucherportalen wie Finanztest oder direkt bei deiner Bank erfragbar.

Wann lohnt sich eine Umschuldung des Dispokredits?

Eine Umschuldung lohnt sich, wenn du längere Zeit im Dispo bist oder die Überziehung einen höheren Betrag erreicht. Ein Ratenkredit ist in der Regel deutlich günstiger als der Dispo und hilft dir, strukturiert aus den Schulden zu kommen. Die aktuellen Konditionen sind bei Banken und Vergleichsportalen erfragbar.

Kann die Bank meinen Dispokredit kündigen?

Ja, die Bank kann deinen Dispokredit mit einer bestimmten Frist kündigen. Bei Zahlungsverzug oder verschlechterter Bonität kann die Kündigung auch fristlos erfolgen. Du musst dann den überzogenen Betrag zurückzahlen. Die genauen Kündigungsfristen sind in deinen Kontobedingungen einsehbar.

Wie wird die Höhe meines Dispokredits berechnet?

Die Höhe des Dispokredits beträgt üblicherweise ein Vielfaches deines monatlichen Nettoeinkommens. Die genaue Höhe legt jede Bank individuell basierend auf deiner Bonität fest. Den für dich geltenden Disporahmen kannst du bei deiner Bank erfragen.


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