Themen in diesem Artikel:
- Was ist Karenzzeit?: Zeitraum nach BU-Eintritt, in dem noch keine Rente gezahlt wird.
- Längere Karenzzeit wählen: Ob das Beiträge spart und wann sich das lohnt.
- Wartezeit vs. Karenzzeit: Beide Begriffe klingen ähnlich, bedeuten aber unterschiedliche Dinge.
- Leistungsfreie Zeiten: Warum solche Warteperioden in BU-Verträgen üblich sind.
- Häufig gestellte Fragen: Erfahre, was Karenzzeit bedeutet und wie sie sich von der Wartezeit unterscheidet.
Was bedeutet Karenzzeit?
Das Wort Karenz stammt vom lateinischen carere und bedeutet verzichten. Unter welchen Bedingungen jemand auf etwas verzichtet – und auf was genau – ist je nach Kontext ganz verschieden. Im Versicherungsbereich ist unter Karenzzeit eine leistungsfreie Zeit nach Schadenseintritt zu verstehen. Die Versicherten verzichten also im Leistungsfall für einen bestimmten Zeitraum auf die Auszahlung der vereinbarten Leistung.
Karenzzeiten sind im Versicherungsbereich üblich, doch gerade bei der Berufsunfähigkeitsversicherung, abgekürzt mit BU, spielen die leistungsfreien Zeiten eine große Rolle für den Beginn der monatlichen Rentenzahlung. In der Berufsunfähigkeitsversicherung beträgt die Karenzzeit meist drei bis sechs Monate. In diesem Fall zahlt die Versicherung die monatliche Berufsunfähigkeitsrente nicht sofort aus, nachdem die Berufsunfähigkeit festgestellt wurde.
📌 Good to know
Karenzzeiten sind aus den Bereichen Finanzen, Wirtschaft und Politik bekannt: Bei Kreditverträgen beschreibt die Karenzzeit die Pause zwischen Auszahlung des Kreditbetrags und erster Ratenzahlung. In der Politik nennt sich der Zeitraum zwischen Ausscheiden aus einem politischen Amt und anschließender Tätigkeit im wirtschaftlichen Bereich ebenfalls Karenzzeit. Vor dem Börsengang eines Unternehmens ist eine Karenzzeit, die auch stille Phase genannt wird, vorgeschrieben, in der dieses keine Werbemaßnahmen durchführen oder Einschätzungen zum Unternehmenswert veröffentlichen darf.
Längere Karenzzeit vereinbaren: Sinnvoll oder nicht?
In der Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine Karenzzeit häufig sinnvoll, da im Krankheitsfall zuerst andere finanzielle Absicherungen greifen. Arbeitnehmer:innen haben im Krankheitsfall zunächst sechs Wochen lang das Recht auf Lohnfortzahlung. Gesetzlich Sozialversicherte erhalten danach noch bis zu 18 Monate Krankengeld von ihrer Krankenversicherung. Diese zeitliche Staffelung kann eine Karenzzeit von drei bis sechs Monaten durchaus rechtfertigen.
📌 Good to know
Wenn die Karenzzeit mit Feststellung der BU greift, entfällt das Krankengeld ab diesem Zeitpunkt für Versicherte. Das Krankengeld beträgt nur 70 Prozent deines letzten beitragspflichtigen Gehalts, jedoch maximal 90 Prozent des Nettogehalts. Das kann unter Umständen nicht genug sein, um den Lebensstandard zu erhalten.
Bei den meisten BU-Tarifen muss der Versicherungsbeitrag während der Karenzzeit weitergezahlt werden. Und wenn du einen Immobilienkredit abbezahlst oder anderweitige größere Ausgaben hast, kann es in der Karenzzeit finanziell eng werden. Diese finanzielle Lücke solltest du realistisch einschätzen, bevor du dich für eine längere Karenzzeit entscheidest. Die Beitragsersparnis mag verlockend sein, doch im Ernstfall können die fehlenden Einnahmen existenzbedrohend werden.
💡 Tip
Kalkuliere genau, wie lange du im Ernstfall ohne BU-Rente finanziell durchhalten kannst. Berücksichtige dabei Lohnfortzahlung, Krankengeld, Rücklagen und laufende Verpflichtungen. Erst wenn du diese Lücke sicher überbrücken kannst, solltest du eine längere Karenzzeit in Betracht ziehen. Erstelle dafür am besten eine detaillierte Aufstellung deiner monatlichen Fixkosten und prüfe, wie viel Puffer deine Rücklagen bieten.
Wartezeit und Karenzzeit: Das ist der Unterschied
Die Karenzzeit ist nicht mit der Wartezeit bei Versicherungen zu verwechseln: Die Wartezeit bezieht sich auf den Zeitraum nach Abschluss der Versicherung. Du musst also eine bestimmte Zeit warten, bevor du bestimmte Leistungen in Anspruch nehmen kannst. Ein klassisches Beispiel sind Leistungen für Zahnersatz, bei denen viele Krankenversicherungen Wartezeiten von mehreren Monaten bis hin zu Jahren vereinbaren.
Bei den meisten Berufsunfähigkeitsversicherungen gibt es keine Wartezeit. Du bist direkt nach Abschluss der Versicherung abgesichert. Die Karenzzeit hingegen greift erst, wenn der Leistungsfall tatsächlich eintritt – also wenn deine Berufsunfähigkeit festgestellt wurde. Dieser fundamentale Unterschied ist wichtig für deine Absicherungsplanung.
Leistungsfreie Zeiten: In der BU üblich
Vor allem im Falle einer Berufsunfähigkeit ist es für Versicherer oft schwierig zu beurteilen, ob und wann ein Leistungsfall eingetreten ist. Sie vereinbaren deswegen eine Karenzzeit, in der sie die Feststellung der Berufsunfähigkeit sowie mögliche Reha-Maßnahmen oder Wiedereingliederungsmöglichkeiten in den früheren Beruf prüfen. Diese Zeit verschafft den Versicherern nicht nur Raum zur gründlichen Bearbeitung, sondern schützt sie auch davor, dass Antragsteller:innen bewusst Versicherungsleistungen ausnutzen.
Versicherte können neben den üblichen drei bis sechs Monaten eine längere Karenzzeit von bis zu zwei Jahren vereinbaren. Ohne diese Wartefrist könnten Versicherte rückwirkend ihre Risiken absichern, indem sie sich erst bei absehbarer Berufsunfähigkeit versichern. Mit der Karenzzeit stellen die Anbieter also sicher, dass sie Versicherungsleistungen erst erbringen müssen, wenn sie vorher auch Beiträge der Versicherten erhalten haben.
Die Karenzzeit hat aber auch für Versicherte einen klaren Vorteil: Sie macht die Versicherungsbeiträge günstiger. Wenn der Versicherer die BU-Rente nicht direkt ab Eintritt der Berufsunfähigkeit, sondern erst später zahlt, spart er Geld und honoriert dies mit günstigeren Beiträgen. Je länger die Karenzzeiten, desto reduzierter sind die monatlichen Beiträge in der Regel. Diese Ersparnis kann über die Laufzeit der Versicherung durchaus beträchtlich sein.
Häufig gestellte Fragen
Was ist eine Karenzzeit bei der Berufsunfähigkeitsversicherung?
Die Karenzzeit ist ein leistungsfreier Zeitraum nach Eintritt der Berufsunfähigkeit, in dem die Versicherung noch keine Rente auszahlt. Sie beträgt bei BU-Verträgen üblicherweise drei bis sechs Monate.
Was ist der Unterschied zwischen Karenzzeit und Wartezeit bei der BU?
Die Wartezeit ist der Zeitraum zwischen Vertragsabschluss und dem frühestmöglichen Leistungsbeginn. Die Karenzzeit beginnt erst nach Eintritt des Versicherungsfalls und verzögert die Rentenzahlung zusätzlich.
Wie viel Beitrag lässt sich durch eine längere Karenzzeit sparen?
Eine längere Karenzzeit senkt den monatlichen Beitrag, da das Versicherungsrisiko für den Anbieter sinkt. Die genaue Ersparnis hängt vom Anbieter, dem Tarif und dem individuellen Risikoprofil ab.
Lohnt sich eine längere Karenzzeit bei der BU?
Eine längere Karenzzeit kann sinnvoll sein, wenn andere Absicherungen wie Lohnfortzahlung oder Krankengeld die Lücke überbrücken. Wer keine ausreichenden Rücklagen hat, sollte jedoch eine kurze Karenzzeit bevorzugen.
Welche finanziellen Absicherungen greifen während der Karenzzeit?
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erhalten bis zu sechs Wochen Lohnfortzahlung, danach zahlt die gesetzliche Krankenversicherung bis zu 18 Monate Krankengeld. Diese Leistungen können eine kurze Karenzzeit überbrücken.
Warum sind Karenzzeiten in BU-Verträgen üblich?
Karenzzeiten reduzieren das Risiko für Versicherer, da kurzfristige Erkrankungen meist durch andere Leistungen abgedeckt sind. Dadurch können Anbieter die Beiträge für Versicherte günstiger kalkulieren.



