Themen in diesem Artikel:
- Was ist eine Optionsanleihe?: Erfahre, wie die Zwei-Komponenten-Struktur aus Anleihe und Optionsschein funktioniert und warum die Anleihe nach Ausübung bestehen bleibt.
- Drei Handelsvarianten: cum, ex, Warrant: Verstehe den Unterschied zwischen vollen Stücken, leeren Stücken und dem separat notierten Optionsschein mit Hebelwirkung.
- Parameter des Optionsscheins: Lerne, was Bezugspreis, Bezugsverhältnis, Optionsfrist und American- vs. European-Style-Warrants bedeuten.
- Kuponvergleich der drei Anleihetypen: Vergleiche, warum der Kupon einer Optionsanleihe bei 3–7 % liegt und wie er sich zur Wandelanleihe verhält.
- Optionsanleihe vs. Wandelanleihe: Finde heraus, welche Struktur bei Kapitalaufwand, Gläubigerstatus und Handelbarkeit den entscheidenden Unterschied macht.
- Chancen und Risiken im Überblick: Überblick über Kursrisiken, Hebeleffekte und die Frage, für welches Anlegerprofil sich welches Instrument eignet.
- Häufige Fragen zur Optionsanleihe: Antworten auf die 6 meistgestellten Fragen zu Optionsanleihen, Wandelanleihen und dem Stripping-Prozess.
Was ist eine Optionsanleihe? Definition und Grundstruktur
Eine Optionsanleihe ist eine festverzinsliche Schuldverschreibung, der ein Optionsschein – auch Warrant genannt – beigefügt ist. Dieser Optionsschein verbrieft das Recht, aber nicht die Pflicht, eine festgelegte Anzahl von Aktien des Emittenten zu einem vorher bestimmten Preis innerhalb einer definierten Frist zu kaufen. Das Besondere: Beide Komponenten sind voneinander unabhängig und können nach der Abtrennung separat gehandelt werden.
Rechtlich handelt es sich um eine verzinsliche Schuldverschreibung im Sinne der §§ 793 ff. BGB. Das bedeutet: Die Optionsanleihe ist Fremdkapital des Emittenten. Durch den beigefügten Optionsschein enthält sie jedoch eine Eigenkapitalkomponente. Diese hybride Natur macht sie zu einem der interessanteren Instrumente im Bereich der strukturierten Finanzprodukte.
Die Zwei-Komponenten-Struktur im Detail
Die erste Komponente ist die Anleihe selbst. Sie funktioniert wie eine klassische Schuldverschreibung: Der Anleger erhält regelmäßige Zinszahlungen in Form eines festen Kupons und bekommt am Laufzeitende den Nennwert zurückgezahlt. Diese Anleihekomponente bleibt vollständig erhalten – auch dann, wenn der Optionsschein ausgeübt wird. Das ist der strukturelle Kernunterschied zur Wandelanleihe.
Die zweite Komponente ist der Optionsschein. Er verbrieft das Bezugsrecht auf Aktien zu einem festgelegten Bezugspreis, in einem festgelegten Bezugsverhältnis, innerhalb einer festgelegten Optionsfrist. Nach der Abtrennung vom Anleiheteil – dem sogenannten Stripping – ist der Optionsschein eigenständig börsennotiert und handelbar.
Das entscheidende Kernmerkmal
Wer den Optionsschein ausübt, muss zusätzliches Kapital aufbringen, um die Aktien zu erwerben. Die Anleihe läuft davon völlig unberührt weiter. Der Anleger ist nach der Ausübung gleichzeitig Gläubiger (über die Anleihe) und Aktionär (über die neu erworbenen Aktien). Dieses Nebeneinander von Gläubiger- und Aktionärsstatus ist ein wesentliches Merkmal der Optionsanleihe.
Rechenbeispiel zur Optionsanleihe
Ein konkretes Beispiel macht die Mechanik greifbar: Angenommen, du hältst eine Optionsanleihe mit einem Nennwert von 1.000 Euro und einem Zinssatz von 5 Prozent pro Jahr. Der beigefügte Optionsschein berechtigt dich, 10 Aktien des Emittenten zu einem Bezugspreis von je 50 Euro zu kaufen. Steigt der Aktienkurs auf 70 Euro, ergibt sich ein Optionsgewinn von 20 Euro je Aktie – bei 10 Aktien also 200 Euro. Gleichzeitig erhältst du weiterhin 50 Euro Zinsen pro Jahr aus der Anleihe und bekommst am Laufzeitende deine 1.000 Euro zurück. Beide Ertragsquellen laufen parallel.
📌 Good to know
Die Anleihe einer Optionsanleihe muss vom Emittenten am Ende ihrer Laufzeit vollständig getilgt werden – unabhängig davon, ob der Optionsschein ausgeübt wurde oder nicht. Das Rückzahlungsversprechen gilt immer.
Die drei Handelsvarianten: cum, ex und Optionsschein allein
Eine Optionsanleihe kann an der Börse in bis zu drei verschiedenen Formen notiert und gehandelt werden. Diese Besonderheit unterscheidet sie grundlegend von anderen Anleihetypen. Welche Variante für dich relevant ist, hängt von deiner Anlagestrategie ab.
Anleihe cum – die volle Stücke
Die Bezeichnung „cum“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „mit“. Eine Anleihe cum enthält also noch den Optionsschein. Der Kurs dieser Variante spiegelt den kombinierten Wert beider Komponenten wider: den Anleihewert auf der einen Seite und den Wert des Optionsscheins auf der anderen. Wer die Optionsanleihe zum Emissionszeitpunkt kauft, erwirbt immer zunächst die cum-Variante. Erst durch das Stripping – die physische Abtrennung des Optionsscheins – entstehen die beiden anderen Handelsvarianten.
Anleihe ex – die leeren Stücke
Nach der Abtrennung des Optionsscheins verbleibt die „leere“ Anleihe, die sogenannte Anleihe ex. Ihr Kurs orientiert sich ausschließlich am Markt für festverzinsliche Wertpapiere. Wichtig zu verstehen: Der Kurs der Anleihe ex liegt unter dem Kurs einer vergleichbaren regulären Anleihe gleicher Bonität und Laufzeit. Der Grund ist simpel – der Kupon der Optionsanleihe ist von vornherein niedriger angesetzt, weil der Optionsschein einen eigenständigen Wert besitzt. Wer die Anleihe ex kauft, verzichtet auf das Optionspotenzial und erhält dafür ein reines Zinsinstrument – allerdings zu einem unterdurchschnittlichen Zinssatz.
Optionsschein allein – der Warrant
Der abgetrennte Optionsschein wird eigenständig an der Börse gehandelt. Sein Kurs folgt dem Kurs der Bezugsaktie – mit einem entscheidenden Unterschied: dem Hebeleffekt. Steigt die Aktie um 10 Prozent, kann der Optionsschein deutlich stärker zulegen. Das macht den Warrant zu einem spekulativen Instrument mit erhöhtem Risiko. Fällt die Aktie dauerhaft unter den Bezugspreis, verfällt der Optionsschein am Ende der Optionsfrist wertlos. Wer den Optionsschein nicht ausüben möchte, kann ihn jederzeit an der Börse verkaufen – das ist in vielen Fällen sogar günstiger als die tatsächliche Ausübung.
Diese Dreiteilung ermöglicht eine sehr individuelle Nutzung der Optionsanleihe. Ein konservativer Anleger kauft die cum-Variante und trennt den Optionsschein ab, um ihn sofort zu verkaufen – er erhält damit effektiv eine leicht höher verzinste Anleihe ex plus einen Einmalerlös. Ein spekulativer Anleger kauft nur den Warrant und setzt auf den Hebeleffekt.
| Variante | Bezeichnung | Kursbestimmender Faktor | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Anleihe cum | Volle Stücke | Anleihewert + Kurs der Bezugsaktie | Beide Komponenten enthalten |
| Anleihe ex | Leere Stücke | Markt für festverzinsliche Wertpapiere | Kurs unter regulärer Anleihe wegen niedrigem Kupon |
| Optionsschein allein | Warrant | Kurs der Bezugsaktie | Hebelwirkung, spekulativer Charakter |
Parameter des Optionsscheins: Bezugspreis, Frist und Ausübungsstil
Der Optionsschein einer Optionsanleihe ist kein pauschales Bezugsrecht. Er ist durch mehrere Parameter präzise definiert, die bei der Emission festgelegt werden und für die gesamte Laufzeit des Optionsscheins gelten. Diese Parameter bestimmen maßgeblich, ob und wann die Ausübung wirtschaftlich sinnvoll ist.
Bezugspreis (Strike Price)
Der Bezugspreis ist der festgelegte Kaufpreis, zu dem du die Aktien des Emittenten erwerben kannst, wenn du den Optionsschein ausübst. Er wird bei der Emission der Optionsanleihe festgelegt und liegt in der Regel über dem aktuellen Aktienkurs – man spricht von einem Aufgeld oder einer Prämie. Das macht ökonomisch Sinn: Wäre der Bezugspreis gleich dem aktuellen Kurs, hätte der Optionsschein sofort einen hohen inneren Wert, was den Emittenten teuer käme. Die Ausübung des Optionsscheins ist nur dann wirtschaftlich sinnvoll, wenn der aktuelle Börsenkurs der Aktie über dem Bezugspreis liegt. Liegt er darunter, kannst du die Aktie günstiger direkt an der Börse kaufen – oder du verkaufst den Optionsschein, solange er noch einen Zeitwert besitzt.
Bezugsverhältnis
Das Bezugsverhältnis legt fest, wie viele Aktien du je Optionsschein erwerben kannst. Häufig ist das Verhältnis 1:1 – ein Optionsschein berechtigt zum Kauf einer Aktie. Andere Verhältnisse sind aber möglich, etwa 1:5 oder 1:10. Das Bezugsverhältnis beeinflusst direkt den Wert des Optionsscheins und muss bei der Bewertung immer berücksichtigt werden.
Optionsfrist
Die Optionsfrist ist der Zeitraum, innerhalb dessen du das Bezugsrecht ausüben kannst. Ein wichtiges Detail: Die Optionsfrist ist in der Regel kürzer als die Laufzeit der Anleihe selbst – teils deutlich kürzer. Das bedeutet, dass der Optionsschein verfallen kann, während die Anleihe noch weiterläuft. Nach Ablauf der Optionsfrist ohne Ausübung verliert der Optionsschein seinen Wert vollständig. Die Anleihe läuft davon unberührt bis zu ihrem eigenen Fälligkeitsdatum weiter.
American-Style vs. European-Style Warrants
Optionsscheine gibt es in zwei Ausübungsstilen. American-Style-Warrants können jederzeit während der gesamten Optionsfrist ausgeübt werden – du bist also flexibel und kannst auf günstige Kursentwicklungen reagieren. European-Style-Warrants hingegen können nur am Ende der Optionsfrist ausgeübt werden. Das schränkt die Flexibilität ein, hat aber keinen Einfluss auf den theoretischen Wert des Optionsscheins, solange keine Dividenden ausgeschüttet werden.
Verwässerungsschutz
Emissionsbedingungen von Optionsanleihen enthalten in der Regel Anpassungsklauseln, die den Optionsschein vor Entwertung durch Kapitalmaßnahmen schützen. Führt der Emittent etwa einen Aktiensplit durch, wird der Bezugspreis entsprechend angepasst, damit der wirtschaftliche Wert des Optionsscheins erhalten bleibt. Ohne solche Klauseln könnte eine Kapitalerhöhung den Optionsschein erheblich entwerten.
💡 Tip
Prüfe vor dem Kauf einer Optionsanleihe immer die genaue Optionsfrist. Sie kann deutlich kürzer sein als die Anleihelaufzeit. Ein abgelaufener Optionsschein ist wertlos – auch wenn die Anleihe noch Jahre läuft.
Kuponvergleich: Optionsanleihe, Wandelanleihe und klassische Anleihe
Der Kupon – also der jährliche Zinssatz – ist eines der wichtigsten Entscheidungskriterien beim Kauf einer Anleihe. Bei Optionsanleihen und Wandelanleihen gelten dabei besondere Regeln, die direkt aus ihrer hybriden Struktur folgen.
Warum der Kupon niedriger ist als bei klassischen Anleihen
Eine klassische Anleihe ohne Sonderrechte zahlt den vollen Marktzins. Bei einer Optionsanleihe liegt der Kupon darunter – und das aus gutem Grund. Der beigefügte Optionsschein hat einen eigenständigen Marktwert. Der Anleger „bezahlt“ diesen Mehrwert nicht in bar, sondern durch die Akzeptanz eines niedrigeren Zinssatzes. Je wertvoller der Optionsschein – etwa weil die Aktie des Emittenten volatil und wachstumsstark ist –, desto stärker fällt der Zinsabschlag aus.
Typische Kupons von Optionsanleihen liegen je nach Marktlage und Bonität des Emittenten zwischen 3 und 7 Prozent pro Jahr. Das ist eine grobe Orientierung; in Niedrigzinsphasen können die Werte deutlich darunter liegen.
Die Hierarchie der Kupons
Zwischen den drei Anleihetypen gibt es eine klare Rangfolge beim Kupon. Die klassische Anleihe zahlt den höchsten Zins – sie bietet kein Sonderrecht, also kein Zugeständnis beim Zins. Die Optionsanleihe liegt darunter, weil der Optionsschein einen Wert hat, der durch den Zinsabschlag kompensiert wird. Die Wandelanleihe hat den niedrigsten Kupon aller drei Typen. Das liegt daran, dass das Wandlungsrecht als besonders wertvoll gilt: Es erlaubt den direkten Tausch der Anleihe in Aktien ohne zusätzlichen Kapitalaufwand. Dieser Vorteil wird durch einen besonders deutlichen Zinsabschlag „bezahlt“.
Die Optionsanleihe liegt also in der Mitte: Sie bietet mehr Zins als die Wandelanleihe, aber weniger als eine reine Schuldverschreibung. Das macht sie für Anleger interessant, die planbare Zinserträge wünschen und gleichzeitig an einer möglichen Kurssteigerung der Aktie partizipieren möchten – ohne die Anleihe aufgeben zu müssen.
Zinsänderungsrisiko nicht vergessen
Steigen die Marktzinsen nach der Emission, sinkt der Kurs der Anleihekomponente – genau wie bei jeder anderen festverzinslichen Anleihe. Dieses Zinsänderungsrisiko trifft die Anleihe ex besonders hart, weil ihr Kupon ohnehin schon unter dem Marktniveau liegt. Wer die Anleihe bis zur Fälligkeit hält, bekommt seinen Nennwert zurück – wer vorzeitig verkauft, riskiert Kursverluste.
Schematischer Kuponvergleich: Klassische Anleihe, Optionsanleihe und Wandelanleihe
Optionsanleihe vs. Wandelanleihe: Der entscheidende Strukturvergleich
Optionsanleihe und Wandelanleihe werden oft in einem Atemzug genannt – und tatsächlich haben sie einiges gemeinsam. Beide sind Anleihen mit einem Recht auf Aktienbezug. Beide haben einen Kupon unter dem Marktzinsniveau. Und bei beiden profitiert der Anleger von steigenden Aktienkursen. Doch die strukturellen Unterschiede sind erheblich und bestimmen, welches Instrument für welchen Anleger geeignet ist.
Der Kernunterschied: Was passiert mit der Anleihe?
Das ist die wichtigste Frage. Bei der Optionsanleihe bleibt die Anleihe nach Ausübung des Optionsscheins vollständig bestehen. Zinszahlungen laufen weiter, der Nennwert wird am Laufzeitende zurückgezahlt. Der Anleger ist nach der Ausübung gleichzeitig Gläubiger und Aktionär.
Bei der Wandelanleihe ist das grundlegend anders. Wer das Wandlungsrecht ausübt, tauscht die Anleihe direkt in Aktien. Die Anleihe erlischt. Es gibt keine weiteren Zinszahlungen, keine Rückzahlung des Nennwerts. Der Anleger wechselt vollständig vom Gläubiger zum Aktionär. Wer das Wandlungsrecht nicht ausübt, behält die Anleihe und bekommt am Laufzeitende den Nennwert zurück – ganz wie bei einer klassischen Schuldverschreibung.
Kapitalaufwand: Ein entscheidender Unterschied
Bei der Optionsanleihe musst du bei der Ausübung des Optionsscheins zusätzliches Kapital aufbringen. Du kaufst die Aktien zum festgelegten Bezugspreis – das kostet Geld, das über die Anleihe hinausgeht. Bei der Wandelanleihe ist das nicht nötig. Der Nennwert der Anleihe wird direkt gegen Aktien getauscht. Ein Beispiel: Eine Wandelanleihe mit 1.000 Euro Nennwert wird bei Wandlung gegen fünf Aktien getauscht – kein zusätzlicher Cent fließt.
Handelbarkeit und Komplexität
Die Wandelanleihe ist ein einheitliches Wertpapier. Sie kann nicht aufgespalten werden und wird nur in einer einzigen Börsennotierung gehandelt. Die Optionsanleihe hingegen kann in bis zu drei separaten Notierungen gehandelt werden: cum, ex und Optionsschein allein. Das macht sie flexibler, aber auch komplexer in der Bewertung. Für die Optionsanleihe müssen zwei separat zu bewertende Instrumente analysiert werden – die Anleihekomponente und der Optionsschein.
Zugang für Kleinanleger
Beim Direktkauf von Wandelanleihen gelten oft Mindestkaufbeträge ab rund 30.000 Euro. Das macht sie für viele Privatanleger schwer zugänglich. Bei Optionsanleihen gibt es keine vergleichbare spezifische Mindestgrenze – sie sind tendenziell breiter handelbar, insbesondere wenn der Optionsschein separat erworben wird.
Verwässerungseffekte beim Emittenten
Aus Sicht des Emittenten unterscheiden sich beide Instrumente ebenfalls. Bei der Wandelanleihe wird bei Wandlung Fremdkapital direkt zu Eigenkapital – die Aktienanzahl steigt, das Fremdkapital sinkt. Das ist eine direkte Bilanzveränderung. Bei der Optionsanleihe fließt bei Ausübung des Optionsscheins frisches Kapital zu, und neue Aktien werden ausgegeben. Die Anleihe bleibt als Fremdkapital bestehen. Beide Instrumente können zu einer Verwässerung bestehender Aktionäre führen – der Mechanismus ist aber unterschiedlich.
| Merkmal | Optionsanleihe | Wandelanleihe |
|---|---|---|
| Grundstruktur | Anleihe + abtrennbarer Optionsschein (zwei Wertpapiere) | Einheitliches Wertpapier mit integriertem Wandlungsrecht |
| Handelbarkeit | Bis zu 3 separate Börsennotierungen | Nur als Einheit handelbar (1 Notierung) |
| Bestand der Anleihe nach Rechtsausübung | Bleibt vollständig bestehen | Erlischt bei Wandlung |
| Zinszahlungen nach Rechtsausübung | Laufen weiter | Entfallen nach Wandlung |
| Kapitalaufwand bei Rechtsausübung | Zusätzliches Kapital erforderlich | Kein zusätzliches Kapital (Tausch Nennwert gegen Aktien) |
| Kupon | Unter Marktzins, höher als Wandelanleihe (3–7 % p.a.) | Unter Marktzins (niedrigster der drei Typen) |
| Gläubigerstatus nach Ausübung | Gläubiger + Aktionär (parallel) | Nur noch Aktionär |
| Mindestkaufbetrag | Keine spezifische Mindestgrenze | Ab ca. 30.000 € beim Direktkauf |
| Bewertungskomplexität | Hoch (zwei separat zu bewertende Instrumente) | Mittel (ein Instrument mit zwei Komponenten) |
Chancen und Risiken im Überblick
Optionsanleihen bieten eine interessante Kombination aus planbaren Zinserträgen und spekulativem Aufwärtspotenzial. Doch wie bei jedem Finanzinstrument gibt es Risiken, die du kennen und einschätzen musst, bevor du investierst.
Die Chancen der Optionsanleihe
Der größte Vorteil liegt in der Kombination zweier Ertragsquellen. Du erhältst regelmäßige Zinszahlungen aus der Anleihe – das ist planbar und unabhängig von der Kursentwicklung der Aktie. Gleichzeitig profitierst du über den Optionsschein von steigenden Aktienkursen. Steigt die Aktie deutlich über den Bezugspreis, kann der Optionsgewinn den Zinsertrag um ein Vielfaches übersteigen – wie das Rechenbeispiel mit 200 Euro Optionsgewinn bei einem Kursanstieg von 50 auf 70 Euro zeigt.
Ein weiterer Vorteil ist die Flexibilität durch das Stripping. Du kannst den Optionsschein abtrennen und separat verkaufen, ohne die Anleihe aufzugeben. Das ermöglicht eine sehr individuelle Portfoliosteuerung. Wer den Optionsschein nicht selbst nutzen möchte, realisiert durch den Verkauf einen Einmalerlös und hält danach eine reine Anleihe ex.
Die Risiken der Optionsanleihe
Das größte Einzelrisiko ist der wertlose Verfall des Optionsscheins. Liegt der Aktienkurs am Ende der Optionsfrist unter dem Bezugspreis, verfällt der Warrant ohne jeden Wert. Der Anleger hat dann eine Anleihe ex gehalten – mit einem Kupon unter dem Marktniveau. Das ist kein Totalverlust, aber der erhoffte Zusatzertrag bleibt aus.
Dazu kommt das Zinsänderungsrisiko. Steigen die Marktzinsen, verliert die Anleihekomponente an Kurs. Da der Kupon der Optionsanleihe ohnehin unter dem Marktniveau liegt, ist dieser Effekt besonders spürbar. Wer vorzeitig verkaufen muss, riskiert Kursverluste.
Das Kreditrisiko des Emittenten ist ebenfalls relevant. Gerät der Emittent in finanzielle Schwierigkeiten, droht nicht nur der Verlust der Zinszahlungen, sondern auch ein Ausfall der Nennwertrückzahlung. Optionsanleihen sind Fremdkapital – im Insolvenzfall stehen Anleiheinhaber zwar vor Aktionären in der Gläubigerhierarchie, aber ein Totalverlust ist möglich.
Schließlich ist der Optionsschein allein ein hochspekulatives Instrument. Sein Kurs kann stark schwanken – deutlich stärker als der Kurs der Bezugsaktie selbst. Der Hebeleffekt wirkt in beide Richtungen: Bei steigenden Kursen überproportionale Gewinne, bei fallenden Kursen überproportionale Verluste bis hin zum Totalverlust.
Für wen eignet sich welches Instrument?
Die Optionsanleihe eignet sich für Anleger, die planbare Zinserträge wünschen und gleichzeitig an einem möglichen Kursanstieg der Aktie partizipieren möchten – ohne die Anleihe aufgeben zu müssen. Voraussetzung ist die Bereitschaft, bei Optionsausübung zusätzliches Kapital einzusetzen. Die Wandelanleihe ist besser geeignet für Anleger, die eine direkte Partizipation an Aktienkurssteigerungen ohne zusätzlichen Kapitalaufwand suchen. Wer rein auf den Hebeleffekt setzen möchte, kauft den Optionsschein allein – aber das ist eine spekulative Strategie mit erhöhtem Verlustrisiko.
| Anlegerprofil | Geeignetes Instrument | Begründung |
|---|---|---|
| Stabiler Zinsertrag + Aktienchance, Kapital verfügbar | Optionsanleihe (cum) | Anleihe bleibt bestehen; Optionsschein separat nutzbar oder verkaufbar |
| Direkte Aktienpartizipation ohne Zusatzkapital | Wandelanleihe | Tausch ohne Kapitalaufwand; höhere Aktienexponierung |
| Spekulation auf Kurssteigerung mit Hebelwirkung | Optionsschein allein (abgetrennt) | Starke Kursschwankungen, Hebeleffekt – hohes Verlustrisiko |
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Optionsanleihe und Wandelanleihe?
Bei der Optionsanleihe bleibt die Anleihe nach Ausübung des Optionsscheins bestehen; der Anleger muss zusätzliches Kapital für den Aktienkauf aufbringen. Bei der Wandelanleihe wird die Anleihe direkt in Aktien getauscht und erlischt – kein zusätzlicher Kapitalaufwand entsteht.
Was passiert mit der Anleihe, wenn ich den Optionsschein ausübe?
Nichts – die Anleihe läuft vollständig weiter. Zinszahlungen und die Rückzahlung des Nennwerts am Laufzeitende bleiben unverändert erhalten. Die Ausübung des Optionsscheins hat keinen Einfluss auf die Anleihekomponente.
Was bedeuten „cum“ und „ex“ bei Optionsanleihen?
„Cum“ bezeichnet die Anleihe inklusive Optionsschein – beide Komponenten sind noch verbunden. „Ex“ bezeichnet die Anleihe nach Abtrennung des Optionsscheins. Die Anleihe ex hat einen niedrigeren Kurs als eine vergleichbare reguläre Anleihe, weil ihr Kupon unter dem Marktniveau liegt.
Wann lohnt sich die Ausübung des Optionsscheins?
Die Ausübung ist sinnvoll, wenn der aktuelle Börsenkurs der Aktie über dem festgelegten Bezugspreis liegt. Alternativ kann der Optionsschein an der Börse verkauft werden – das ist oft günstiger, weil der Zeitwert des Optionsscheins erhalten bleibt.
Warum ist der Kupon einer Optionsanleihe niedriger als bei einer normalen Anleihe?
Der beigefügte Optionsschein hat einen eigenständigen Marktwert. Der Anleger akzeptiert einen niedrigeren Zinssatz als Gegenleistung für dieses Bezugsrecht. Je wertvoller der Optionsschein, desto stärker fällt der Zinsabschlag aus. Typische Kupons liegen zwischen 3 und 7 Prozent.
Welche Risiken trägt der Anleger bei einer Optionsanleihe?
Die Hauptrisiken sind: wertloser Verfall des Optionsscheins bei Kurs unter dem Bezugspreis, Zinsänderungsrisiko für die Anleihekomponente, Kreditrisiko des Emittenten sowie starke Kursschwankungen des Optionsscheins durch den Hebeleffekt.
Muss ich bei einer Wandelanleihe zusätzliches Kapital aufbringen?
Nein. Bei der Wandelanleihe wird der Nennwert direkt gegen Aktien getauscht – zum Beispiel 1.000 Euro Nennwert gegen fünf Aktien. Es entsteht kein zusätzlicher Kapitalaufwand. Das ist einer der wesentlichen Vorteile gegenüber der Optionsanleihe.


