Aufzinsungspapier: Wissenswertes zu dieser Anlageoption

Das Wichtigste in Kürze:

Ein Aufzinsungspapier – auch Zerobond oder Nullkupon-Anleihe genannt – zahlt keinen laufenden Zins. Dein Ertrag entsteht aus der Differenz zwischen Ausgabe- und Rückzahlungskurs und fließt erst bei Fälligkeit. Wie die Aufzinsung funktioniert, wie Rendite und Zinsänderungsrisiko zusammenhängen und wie die Besteuerung über die Abgeltungsteuer läuft, erfährst du hier.

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Das sind Aufzinsungspapiere

Ein Aufzinsungspapier ist eine besondere Form der Anleihe. International und im Börsenjargon wird es meist als Zerobond oder Nullkupon-Anleihe bezeichnet. Wie jede Anleihe ist es ein festverzinsliches Wertpapier, also eine Schuldverschreibung: Ein Unternehmen oder ein Staat nimmt darüber Kapital auf und verpflichtet sich, es zu einem festgelegten Zeitpunkt zurückzuzahlen. Der Herausgeber wird als Emittent bezeichnet.

Der entscheidende Unterschied zur klassischen Anleihe steckt im Namen: Bei einer gewöhnlichen Anleihe bekommst du während der Laufzeit regelmäßig – in der Regel jährlich – einen Zins ausgezahlt, den sogenannten Kupon. Ein Zerobond hat genau diesen laufenden Kupon nicht. Es findet also keine jährliche Ausschüttung statt. Stattdessen wird der Zinsertrag angesammelt und erst am Ende der Laufzeit auf einmal fällig.

Konkret bedeutet das: Dein Ertrag ist nicht ein separat gezahlter Zins, sondern die Differenz zwischen dem Betrag, den du beim Kauf einsetzt, und dem Betrag, den du bei Fälligkeit zurückerhältst. Bei einem klassischen Aufzinsungspapier kaufst du zum Nennwert und bekommst am Ende den Nennwert plus die über die Laufzeit aufgelaufenen Zinsen und Zinseszinsen zurück. Der Rückzahlungsbetrag liegt also über dem Ausgabebetrag.

Ein historisches Beispiel

Ein bekanntes Beispiel aus Deutschland waren die Bundesschatzbriefe vom Typ B, bei denen die Zinsen ebenfalls angesammelt und erst am Laufzeitende ausgezahlt wurden. Diese Papiere gibt es allerdings nicht mehr: Der Bund hat die Ausgabe von Bundesschatzbriefen bereits vor Jahren eingestellt. Als Anlegerin oder Anleger begegnest du Zerobonds heute vor allem als Unternehmens- oder Staatsanleihen, die über die Börse oder deine depotführende Stelle handelbar sind.

Zins und Laufzeit werden bei der Emission festgelegt und bleiben bis zur Rückzahlung unverändert. Die Laufzeit reicht typischerweise von wenigen Jahren bis zu mehreren Jahrzehnten. Gerade weil kein Geld zwischendurch zurückfließt, sind lange Laufzeiten bei dieser Papierart durchaus üblich.

So funktioniert die Aufzinsung

Der Begriff Aufzinsung beschreibt genau den Mechanismus, der diesem Papier seinen Namen gibt. Beim Kauf steht bereits fest, mit welchem Zinssatz das eingesetzte Kapital rechnerisch verzinst wird. Dieser Zins wird aber nicht ausgezahlt, sondern in jeder Periode – meist jährlich oder halbjährlich – dem Kapital zugeschlagen. Im nächsten Zeitraum wird dann auf diesen erhöhten Betrag erneut verzinst.

Dadurch entsteht der Zinseszinseffekt: Der Betrag, auf den Zinsen berechnet werden, wächst mit jeder Periode. Je länger die Laufzeit, desto stärker fällt dieser Effekt ins Gewicht. Genau das macht Zerobonds für manche Anlegerinnen und Anleger interessant, die einen festen Betrag zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft benötigen und den Zinseszins bereits eingerechnet haben wollen.

Die Rechnung dahinter

Rechnerisch wird der Endbetrag über eine Aufzinsungsformel bestimmt. Sie berücksichtigt drei Größen: den eingesetzten Anfangsbetrag, den festen Zinssatz und die Anzahl der Perioden. Der Anfangswert wird mit dem Zinssatz über die gesamte Zahl der Perioden aufgezinst. So lässt sich schon beim Kauf ziemlich genau ausrechnen, welchen Betrag das Papier am Laufzeitende wert sein wird.

Ein vereinfachtes Zahlenbeispiel verdeutlicht das Prinzip: Legst du 10.000 Euro bei einem festen Zins von rund drei Prozent über zehn Jahre an, wächst der Betrag durch den Zinseszins auf gut 13.400 Euro an. Die Differenz von rund 3.400 Euro ist dein Ertrag – und dieser wird komplett am Ende ausgezahlt, nicht in jährlichen Raten. Die konkreten Zahlen hängen vom jeweiligen Papier und dem Zinsniveau bei der Emission ab.

📌 Good to know

Weil beim Zerobond nichts zwischendurch zurückfließt, kannst du die laufenden Zinsen auch nicht anderweitig neu anlegen. Der Zinssatz des Papiers ist deshalb zugleich die Wiederanlagerendite – ein Punkt, der Zerobonds bei der Planung berechenbar macht.

Aufzinsungs- und Abzinsungspapiere

Neben dem Aufzinsungspapier gibt es das eng verwandte Abzinsungspapier. Beide gehören zur Familie der Zerobonds, weil bei beiden während der Laufzeit kein laufender Zins ausgezahlt wird. Auch bei beiden steht der Zinssatz bereits fest, sobald das Wertpapier ausgegeben wird. Der Unterschied liegt darin, an welcher Stelle der Ertrag rechnerisch entsteht.

Beim Aufzinsungspapier kaufst du in der Regel zum Nennwert und erhältst am Ende den Nennwert plus die aufgelaufenen Zinsen. Der Rückzahlungsbetrag liegt also über dem Kaufbetrag. Der Ertrag wird dem Kapital gewissermaßen oben aufgeschlagen.

Beim Abzinsungspapier ist es umgekehrt: Du kaufst mit einem Abschlag, also unter dem Nennwert. Der Kaufpreis ist genau um den Betrag geringer, der den Zinsen für die gesamte Laufzeit entspricht. Am Laufzeitende wird das Papier dann zum vollen Nennwert eingelöst. Dein Ertrag ergibt sich hier aus der Differenz zwischen dem niedrigen Kaufkurs und dem höheren Rückzahlungskurs.

Das gemeinsame Prinzip

Wirtschaftlich laufen beide Varianten auf dasselbe hinaus: Es gibt keinen laufenden Zins, und der komplette Ertrag entsteht aus der Differenz zwischen Ausgabe- und Rückzahlungskurs. Für die Praxis ist vor allem wichtig, dass du beim Kauf auf die sogenannte Emissions- oder Abzinsungsrendite achtest. Diese Kennzahl macht Zerobonds mit unterschiedlichen Kursen und Laufzeiten vergleichbar, weil sie den gesamten Ertrag über die Laufzeit auf eine jährliche Rendite umrechnet.

Ein Vorteil dieser Bauweise ist die Planbarkeit: Weil weder Kupon-Termine noch eine Wiederanlage laufender Zinsen anfallen, kennst du beim Halten bis zur Fälligkeit deinen Endbetrag von Anfang an. Das unterscheidet Zerobonds von klassischen Anleihen, bei denen die Rendite auch davon abhängt, zu welchen Konditionen du zwischenzeitlich erhaltene Kupons wieder anlegen kannst. Für Anlegerinnen und Anleger, die auf einen festen Zeitpunkt hin sparen, kann diese Eigenschaft ein Argument sein.

Zugleich solltest du bedenken, dass eben dieser Verzicht auf laufende Zahlungen die Kapitalbindung erhöht. Über viele Jahre steht das eingesetzte Geld nicht zur Verfügung, ohne dass es einen Ausgleich in Form von Ausschüttungen gäbe. Ob ein Auf- oder Abzinsungspapier zu dir passt, hängt deshalb stark von deinem Anlagehorizont und deinem Liquiditätsbedarf ab.

Rendite und Risiken bei Aufzinsungspapieren

Wie bei allen Anleihen gilt auch beim Zerobond der Zusammenhang: Mehr Risiko wird tendenziell mit mehr Rendite entlohnt. Ein zentraler Faktor ist die Bonität des Emittenten, also seine Kreditwürdigkeit. Je geringer die Bonität, desto höher ist meist der gebotene Zins, weil das Papier ein höheres Ausfallrisiko trägt. Internationale Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit und geben mit ihren Noten eine erste Orientierung.

Das Bonitäts- oder Ausfallrisiko ist beim Zerobond besonders relevant, weil du bis zum Laufzeitende auf einen einzigen Rückzahlungstermin wartest. Fällt der Emittent bis dahin aus, ist nicht nur ein einzelner Kupon betroffen, sondern der gesamte aufgelaufene Betrag. Staatsanleihen von Ländern mit stabiler Bonität gelten deshalb als sicherere Variante, Unternehmensanleihen können je nach Emittent ein deutlich höheres Risiko tragen.

Warum das Zinsänderungsrisiko höher ist

Ein Punkt, den viele unterschätzen: Zerobonds reagieren besonders stark auf Zinsänderungen. Der Grund liegt in der langen Duration. Da während der Laufzeit kein Geld zurückfließt und der gesamte Ertrag erst am Ende anfällt, ist das Kapital sehr lange gebunden. Steigen die Marktzinsen, fällt der Kurs eines bereits laufenden Zerobonds stärker als der einer vergleichbaren Anleihe mit laufendem Kupon. Umgekehrt profitieren Zerobonds bei fallenden Zinsen überdurchschnittlich.

Praktisch heißt das: Hältst du das Papier bis zur Fälligkeit, kennst du deinen Rückzahlungsbetrag von Anfang an. Musst du aber vorher verkaufen, kann der Kurs deutlich schwanken – nach oben wie nach unten. Wer flexibel bleiben will, sollte dieses Kursrisiko einplanen. Mehr Grundlagen zu festverzinslichen Wertpapieren findest du in unserer Kategorie Geldanlagen.

💡 Tip

Wenn du einen Zerobond gezielt auf einen späteren Zeitpunkt hin nutzt – etwa für einen fest geplanten Ausgabenposten – reduziert das Halten bis zur Fälligkeit das Kursrisiko, weil der Rückzahlungsbetrag dann von Anfang an feststeht.

Risikohinweis: Aufzinsungspapiere sind trotz fester Verzinsung keine risikofreie Anlage. Neben dem Ausfall- und dem Zinsänderungsrisiko können Inflation die reale Rendite mindern und ein vorzeitiger Verkauf zu Kursverlusten führen. Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung.

Besteuerung von Zerobonds

Der Ertrag aus einem Aufzinsungspapier zählt steuerlich zu den Kapitalerträgen und unterliegt damit der Abgeltungsteuer. Der Steuersatz beträgt pauschal 25 Prozent, hinzu kommen der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls die Kirchensteuer. Die Steuer wird bei inländischen depotführenden Stellen in der Regel automatisch einbehalten und abgeführt.

Der zeitliche Ablauf ist beim Zerobond der entscheidende Punkt: Weil während der Laufzeit kein Zins ausgezahlt wird, entsteht auch kein jährlich zu versteuernder Ertrag. Steuerlich relevant wird der Gewinn erst bei Fälligkeit oder bei einem vorherigen Verkauf. Dann wird die gesamte Differenz zwischen Ausgabe- beziehungsweise Kaufkurs und Rückzahlungs- beziehungsweise Verkaufskurs auf einen Schlag als Kapitalertrag versteuert.

Sparerpauschbetrag nutzen

Für Kapitalerträge gilt ein steuerlicher Freibetrag, der Sparerpauschbetrag. Er liegt bei 1.000 Euro für Alleinstehende und 2.000 Euro für zusammen veranlagte Ehepaare oder eingetragene Lebenspartner. Diese Höhe gilt unverändert seit 2023 und wurde auch zum Jahreswechsel 2025/2026 nicht angepasst. Erträge bis zu diesem Betrag bleiben steuerfrei.

Damit deine depotführende Stelle den Freibetrag berücksichtigt, musst du einen Freistellungsauftrag erteilen. Ohne diesen Auftrag wird die Abgeltungsteuer ab dem ersten Euro einbehalten, selbst wenn deine Erträge deutlich unter dem Freibetrag liegen. Zu viel gezahlte Steuer kannst du dir über die Anlage KAP im Rahmen der Steuererklärung zurückholen.

Weil beim Zerobond der gesamte Ertrag geballt in einem Jahr anfällt, kann der Sparerpauschbetrag in diesem Jahr schnell überschritten sein. Es kann sich lohnen, die Fälligkeit und andere Kapitalerträge zeitlich im Blick zu behalten. Steuerliche Details hängen von deiner persönlichen Situation ab – eine individuelle Beratung durch eine Steuerberaterin oder einen Steuerberater ist hier sinnvoll.

Häufig gestellte Fragen

Q

Was ist ein Aufzinsungspapier?

Ein Aufzinsungspapier, auch Zerobond oder Nullkupon-Anleihe genannt, ist eine Anleihe ohne laufenden Zins. Der Ertrag entsteht aus der Differenz zwischen Ausgabe- und Rückzahlungskurs und wird erst am Ende der Laufzeit ausgezahlt.

Q

Wie funktioniert die Aufzinsung?

Der feste Zins wird nicht ausgezahlt, sondern in jeder Periode dem Kapital zugeschlagen. Auf diesen erhöhten Betrag wird erneut verzinst. So entsteht über die Laufzeit der Zinseszinseffekt, berechnet über Anfangswert, Zinssatz und Anzahl der Perioden.

Q

Welche Risiken haben Zerobonds?

Zentral sind das Ausfallrisiko, wenn der Emittent zahlungsunfähig wird, und das Zinsänderungsrisiko. Wegen der langen Duration reagieren Kurse von Zerobonds besonders stark auf steigende oder fallende Marktzinsen, was bei einem Verkauf vor Fälligkeit spürbar wird.

Q

Wie werden Aufzinsungspapiere besteuert?

Der Ertrag zählt als Kapitalertrag und unterliegt der Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Versteuert wird erst bei Fälligkeit oder Verkauf. Der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro (2.000 Euro bei Zusammenveranlagung) bleibt steuerfrei.


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