Themen in diesem Artikel:
- Definition: Was ausschüttende Fonds sind und wie sie arbeiten.
- Vorteile: Regelmäßige Erträge ohne Anteile zu verkaufen.
- Nachteile: Warum dir der Zinseszinseffekt entgeht.
- Besteuerung 2026: Abgeltungsteuer, Vorabpauschale und Freibeträge.
- Die Wahl: Für wen sich welche Fondsart eignet.
Das sind ausschüttende Fonds
Ausschüttende Fonds sind Investmentfonds, die Kapital vieler Anlegerinnen und Anleger bündeln und an den Finanzmärkten investieren. Das Besondere: Die Erträge, die im Fonds anfallen, werden nicht im Fonds behalten, sondern in regelmäßigen Abständen an dich ausgezahlt. Zu diesen Erträgen zählen Zinsen aus Anleihen, Dividenden aus Aktien sowie Mieteinnahmen bei Immobilienfonds. Ob Aktienfonds, Rentenfonds, Immobilienfonds oder börsengehandelter Indexfonds (ETF) – nahezu jede Variante offener Investmentfonds lässt sich ausschüttend gestalten.
Die Auszahlung erfolgt in der Regel einmal jährlich, bei manchen Produkten auch quartalsweise oder monatlich. Das Geld landet dann auf dem Referenzkonto, das mit deinem Wertpapierdepot verknüpft ist. Genau darin liegt der zentrale Unterschied zu thesaurierenden Fonds: Diese behalten die Erträge ein und legen sie automatisch wieder im Fondsvermögen an, sodass sich der Wert der Anteile erhöht, ohne dass Geld an dich fließt.
Wie du ausschüttende Fonds erkennst
Im Produktnamen und in den Stammdaten findest du häufig die Kürzel „Dist“ (distributing/ausschüttend) oder „Acc“ (accumulating/thesaurierend). Auch das Basisinformationsblatt und das Factsheet weisen die Ausschüttungspolitik aus. Wer gezielt auf regelmäßige Zahlungen setzt, sollte vor dem Kauf immer prüfen, ob und wie oft ein Fonds tatsächlich ausschüttet – denn der Name allein ist nicht immer eindeutig.
Die Höhe der Ausschüttung ist nicht garantiert. Sie hängt davon ab, wie viele Zinsen, Dividenden und sonstige Erträge die im Fonds enthaltenen Wertpapiere im jeweiligen Geschäftsjahr abgeworfen haben. In Jahren mit schwacher Marktentwicklung können die Zahlungen entsprechend geringer ausfallen oder ganz ausbleiben. Ausschüttende Fonds sind daher keine Garantie für ein festes Einkommen, sondern spiegeln die tatsächlichen Erträge des Portfolios wider – mit allen Schwankungen, die dazugehören.
📌 Good to know
Bei ausländischen Fonds taucht mitunter der Begriff „ausschüttungsgleiche Erträge“ auf. Dabei handelt es sich um thesaurierende Produkte, deren Erträge rechnerisch als ausgeschüttet gelten und beim Anleger versteuert werden, obwohl sie im Fonds verbleiben. Solche Erträge unterliegen der gleichen Besteuerung wie echte Ausschüttungen.
Vorteile dieser Art von Fonds
Der größte Vorteil ausschüttender Fonds ist der regelmäßige Geldfluss. Du erhältst laufende Erträge, ohne Fondsanteile verkaufen zu müssen. Das schafft Planbarkeit und kann besonders dann attraktiv sein, wenn du dein Kapital bereits aufgebaut hast und daraus ein zusätzliches Einkommen ziehen möchtest – etwa als Ergänzung zur Rente. Statt bei Bedarf Anteile zu veräußern und dabei möglicherweise zu einem ungünstigen Kurs zu verkaufen, kommt die Auszahlung automatisch aufs Konto.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Flexibilität. Du entscheidest selbst, was mit den Ausschüttungen geschieht: Du kannst sie für laufende Ausgaben nutzen, auf einem Tagesgeldkonto parken oder gezielt in andere Anlagen umschichten. Willst du das Geld doch wieder im selben Fonds anlegen, ist häufig eine Wiederanlage – teils mit reduziertem Ausgabeaufschlag – möglich. Ausschüttende Fonds geben dir damit ein hohes Maß an Selbstbestimmung über die erwirtschafteten Erträge.
Ausschüttungen sind kein Renditegeschenk
Wichtig zu verstehen: Eine Ausschüttung ist keine zusätzliche Rendite und kein „Bonus“. Sie mindert das Fondsvermögen, der Anteilspreis sinkt am Ausschüttungstag rechnerisch um den ausgezahlten Betrag. Ob ein Fonds ausschüttet oder thesauriert, ändert also nichts an der zugrunde liegenden Wertentwicklung der Anlage – nur daran, ob das Geld bei dir landet oder im Fonds bleibt. Diesen Unterschied solltest du nicht mit einer höheren Gesamtrendite verwechseln.
💡 Tip
Wer regelmäßige Ausschüttungen erhält, aber langfristig Vermögen aufbauen will, kann die Zahlungen konsequent wieder anlegen. So lässt sich der ansonsten entgehende Zinseszinseffekt teilweise selbst nachbilden – vorausgesetzt, du bleibst diszipliniert und reinvestierst zuverlässig.
Nachteile ausschüttender Fonds
Der wichtigste Nachteil ausschüttender Fonds betrifft den langfristigen Vermögensaufbau: Weil die Erträge ausgezahlt und nicht automatisch reinvestiert werden, entgeht dir der Zinseszinseffekt. Bei thesaurierenden Fonds arbeiten die einbehaltenen Erträge sofort weiter und erwirtschaften ihrerseits neue Erträge. Über lange Zeiträume und bei positiver Wertentwicklung kann das bei sonst identischer Anlagestrategie zu einem spürbar höheren Endvermögen führen.
Ein Rechenbeispiel verdeutlicht das Prinzip: Legst du Kapital an, das jährlich Erträge abwirft, und diese Erträge werden sofort wieder investiert, wächst die Basis, auf die künftige Renditen anfallen, Jahr für Jahr. Wird stattdessen jede Ausschüttung entnommen, bleibt die investierte Summe konstant – der Vermögenszuwachs fällt langsamer aus. Gerade bei Sparzielen, die Jahrzehnte in der Zukunft liegen, etwa der Altersvorsorge oder einem ETF-Sparplan für Kinder, wirkt sich dieser Unterschied deutlich aus.
Zusätzlicher Verwaltungsaufwand
Hinzu kommt ein praktischer Aspekt: Ausschüttungen erfordern von dir aktive Entscheidungen. Du musst dich immer wieder darum kümmern, was mit dem ausgezahlten Geld geschieht. Bleibt es ungenutzt auf dem Referenzkonto liegen, erwirtschaftet es keine Erträge und verliert durch die Inflation real an Wert. Wer die Zahlungen nicht konsequent weiterverwendet, verschenkt Rendite. Thesaurierende Fonds nehmen dir diese Entscheidung ab, weil die Wiederanlage automatisch erfolgt.
Für viele Anlegerinnen und Anleger, die vor allem langfristig und ohne laufenden Kapitalbedarf investieren, sprechen diese Punkte eher für thesaurierende Produkte. Der Reiz ausschüttender Fonds liegt hingegen klar im regelmäßigen, verfügbaren Einkommen.
Ein weiterer Punkt betrifft die Wiederanlage: Legst du Ausschüttungen selbst erneut an, können erneut Kaufkosten oder Ausgabeaufschläge anfallen, und die reinvestierten Beträge zählen steuerlich als neue Anlage. Bei thesaurierenden Fonds erfolgt die Wiederanlage dagegen ohne solchen Zwischenschritt innerhalb des Fondsvermögens. Über viele Jahre summieren sich diese kleinen Reibungsverluste – ein Grund, warum die automatische Thesaurierung für den reinen Vermögensaufbau oft als der bequemere und effizientere Weg gilt.
So ist ihre Besteuerung geregelt
Erträge aus ausschüttenden Fonds sind – wie alle Kapitalerträge – grundsätzlich steuerpflichtig. Es fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag darauf an, gegebenenfalls zusätzlich Kirchensteuer. Bei einer Ausschüttung wird die Steuer direkt fällig: Die depotführende Stelle behält sie automatisch ein und führt sie ans Finanzamt ab. Anders als früher musst du dich in der Steuererklärung im Normalfall nicht mehr aktiv darum kümmern.
Grundlage ist das Investmentsteuerreformgesetz, das seit 2018 alle Fonds nach einheitlichen Regeln besteuert – unabhängig davon, wo der Fonds aufgelegt wurde und ob er ausschüttet oder thesauriert. Das Gesetz sollte Steuerschlupflöcher schließen und die Fondsgesellschaften stärker in die Pflicht nehmen. Für dich bedeutet das vor allem eine Vereinfachung: In der Steuererklärung musst du dir seither keine Gedanken mehr darüber machen, in welchem Land ein Fonds ansässig ist und wie genau er seine Erträge verwendet.
Vorabpauschale für thesaurierende Fonds
Weil thesaurierende Fonds nichts auszahlen, greift bei ihnen die sogenannte Vorabpauschale. Sie sorgt dafür, dass auch bei einbehaltenen Erträgen jährlich ein Mindestbetrag versteuert wird. Berechnet wird sie aus dem Fondswert zu Jahresbeginn, multipliziert mit dem Basiszins und dem Faktor 0,7. Der Basiszins für 2026 liegt bei 3,20 Prozent (2025: 2,53 Prozent). Die tatsächliche Wertsteigerung des Fonds bildet dabei die Obergrenze – wirft der Fonds keinen Gewinn ab, fällt auch keine Vorabpauschale an. Bei ausschüttenden Fonds reduzieren die laufenden Ausschüttungen die Vorabpauschale, oft bis auf null.
Freibeträge und Teilfreistellung
Über den Sparer-Pauschbetrag bleibt ein Teil deiner Kapitalerträge steuerfrei: 1.000 Euro pro Jahr für Einzelpersonen, 2.000 Euro für gemeinsam veranlagte Paare. Damit die Freibeträge automatisch berücksichtigt werden, musst du bei der depotführenden Stelle einen Freistellungsauftrag einreichen. Bei Aktienfonds kommt zusätzlich die Teilfreistellung ins Spiel: 30 Prozent der Erträge bleiben von vornherein steuerfrei, um die Vorbelastung auf Unternehmensebene auszugleichen. Bei Mischfonds mit mindestens 25 Prozent Aktienanteil sind es 15 Prozent.
📌 Good to know
Bei Aktien-ETFs sind wegen der 30-prozentigen Teilfreistellung nur 70 Prozent der Ausschüttung steuerpflichtig. Nutzt du zusätzlich deinen Freistellungsauftrag über den Sparer-Pauschbetrag, kannst du kleinere Erträge unter Umständen komplett steuerfrei vereinnahmen.
Ausschüttende Fonds: Nicht immer die beste Wahl
Ob ein ausschüttender oder ein thesaurierender Fonds besser passt, lässt sich nicht pauschal beantworten – es hängt von deinem Anlageziel ab. Möchtest du aus deinem Depot regelmäßige Zahlungen erhalten, etwa als Zusatzeinkommen im Ruhestand, sind ausschüttende Fonds die naheliegende Wahl. Steht dagegen der langfristige Vermögensaufbau im Vordergrund und benötigst du das Geld während der Ansparphase nicht, spielen thesaurierende Fonds ihren Vorteil aus: Durch die automatische Wiederanlage und den Zinseszinseffekt wächst der Anteilswert kontinuierlich.
Für viele langfristig orientierte Sparpläne gelten thesaurierende Varianten daher als effizient, weil sie Aufwand und Reinvestitionsdisziplin überflüssig machen. Wer hingegen Wert auf Kontrolle über die Erträge legt oder ein laufendes Einkommen sucht, findet in ausschüttenden Fonds das passende Werkzeug. Steuerlich sind beide Formen seit der Reform weitgehend gleichgestellt, sodass die Entscheidung heute vor allem eine Frage des persönlichen Bedarfs ist.
Worauf du bei der Auswahl achten solltest
Unabhängig von der Ausschüttungspolitik sollten Kosten, Streuung und Anlagestrategie im Mittelpunkt stehen. Ein breit gestreuter, kostengünstiger Fonds ist meist wichtiger als die Frage, ob er ausschüttet oder thesauriert. Prüfe die laufenden Kosten (TER), die Größe und Historie des Fonds sowie die Zusammensetzung. Und bedenke: Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Kapitalanlagen an den Finanzmärkten sind mit Kursschwankungen und Verlustrisiken verbunden; im ungünstigen Fall kannst du auch weniger zurückerhalten, als du eingezahlt hast. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung – im Zweifel lohnt das Gespräch mit einer unabhängigen Fachperson.
Manche Anlegerinnen und Anleger kombinieren beide Welten bewusst: Sie nutzen thesaurierende Fonds für die lange Ansparphase und schichten mit näher rückendem Ziel in ausschüttende Varianten um, wenn ein regelmäßiges Einkommen wichtiger wird als weiteres Wachstum. So lässt sich der Zinseszinseffekt in jungen Jahren mitnehmen und später ein planbarer Zahlungsstrom aufbauen – vorausgesetzt, die Umschichtung passt zu deiner Steuersituation und deinem Anlagehorizont.
Häufig gestellte Fragen
Welche Fonds sind besser: ausschüttend oder thesaurierend?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht, denn beide Fondsarten haben Vor- und Nachteile. Ausschüttende Fonds zahlen Erträge regelmäßig aus und eignen sich für laufendes Einkommen. Thesaurierende Fonds legen Erträge automatisch wieder an und passen besser zum langfristigen Vermögensaufbau.
Wie werden ausschüttende Fonds 2026 besteuert?
Auf Ausschüttungen fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag an, gegebenenfalls Kirchensteuer. Bis zum Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro (2.000 Euro für Paare) bleiben Erträge steuerfrei. Bei Aktienfonds sind zudem 30 Prozent der Erträge über die Teilfreistellung befreit.
Was ist die Vorabpauschale und betrifft sie mich?
Die Vorabpauschale sorgt dafür, dass thesaurierende Fonds jährlich einen Mindestbetrag versteuern, obwohl sie nichts auszahlen. Sie wird aus Fondswert, Basiszins (2026: 3,20 Prozent) und dem Faktor 0,7 berechnet. Bei ausschüttenden Fonds mindern die Ausschüttungen die Pauschale, oft bis auf null.
Was passiert bei Fonds mit der Dividende?
Je nach Ausschüttungspolitik wird die Dividende entweder an dich ausgezahlt oder direkt wieder ins Fondsvermögen investiert. In beiden Fällen zählt sie zu den Kapitalerträgen und unterliegt der Abgeltungsteuer, sobald dein Freistellungsauftrag über den Sparer-Pauschbetrag ausgeschöpft ist.



