Themen in diesem Artikel:
- Gründe für den PKV-Austritt: Finanzielle Überforderung und geänderte Familienverhältnisse führen häufig zum Wunsch nach einem Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung.
- Wechselmöglichkeiten unter der Altersgrenze: Arbeitnehmer:innen und Selbstständige unter der gesetzlichen Altersgrenze können bei sinkendem Einkommen unter die Entgeltgrenze relativ einfach zurück in die GKV wechseln.
- Besondere Regelungen ab der Altersgrenze: Nach Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze wird der Wechsel deutlich schwieriger und ist nur unter strengen Voraussetzungen wie Sozialversicherungspflicht möglich.
- Alternativen bei unmöglichem Wechsel: Basis- und Standardtarife bieten kostengünstigere Optionen innerhalb der PKV, wenn ein Wechsel in die GKV nicht mehr möglich ist.
- Finanzielle Unterstützung für Rentner:innen: Im Rentenalter sinken die PKV-Beiträge automatisch, zusätzlich können Zuschüsse von der Rentenkasse beantragt werden.
Welche Gründe für ein Verlassen der PKV sprechen können
Du möchtest die private Krankenversicherung verlassen? Das ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Die wichtigste Bedingung: Dein Einkommen muss unter die Versicherungspflichtgrenze fallen und du solltest die gesetzliche Altersgrenze noch nicht erreicht haben. Allerdings gibt es auch für ältere Versicherte Wege zurück in die gesetzliche Krankenversicherung oder zumindest kostengünstigere Alternativen innerhalb der PKV. Die Lebensumstände ändern sich, und manchmal passt die einst gewählte private Absicherung nicht mehr zur aktuellen Situation.
Die private Krankenversicherung punktet mit einem oftmals größeren Leistungsspektrum gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung. Du kannst deine Beiträge durch gezielte Auswahl von Leistungen individuell gestalten und senken. Doch genau diese Besonderheiten können bei veränderten Lebensumständen zum Problem werden.
Die einkommensunabhängige Prämie der PKV wird dann zur Belastung, wenn dein Einkommen sinkt. Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung passen sich die Beiträge nicht automatisch nach unten an. Du zahlst weiterhin den gleichen Betrag, auch wenn dir weniger Geld zur Verfügung steht. Diese finanzielle Überforderung ist einer der häufigsten Gründe für den Wunsch nach einem Wechsel.
Geänderte Familienverhältnisse stellen einen weiteren wichtigen Grund dar. Die PKV kennt keine kostenlose Familienversicherung. Jedes Familienmitglied benötigt eine separate Versicherung – egal ob Kinder oder Ehepartner:innen ohne eigenes Einkommen. Die monatlichen Beiträge summieren sich schnell, hinzu kommen die Kosten für medizinische Behandlungen, die du zunächst selbst begleichen musst. Gerade bei wachsenden Familien kann diese Konstellation zur erheblichen finanziellen Herausforderung werden.
📌 Good to know
Die PKV kalkuliert ihre Beiträge nach dem Äquivalenzprinzip – deine individuelle Gesundheit und dein Eintrittsalter bestimmen die Höhe. In der GKV gilt hingegen das Solidarprinzip mit einkommensabhängigen Beiträgen. Diese grundlegenden Unterschiede solltest du bei deiner Entscheidung berücksichtigen.
Wie kann ich die private Krankenversicherung verlassen?
Bist du unter der gesetzlichen Altersgrenze und Arbeitnehmer:in, gestaltet sich das Verlassen der PKV verhältnismäßig einfach. Der Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung wird möglich, sobald dein jährliches Einkommen wieder unter die Entgeltgrenze sinkt. Deine private Krankenversicherung endet dann automatisch. Diesen Einkommensrückgang kannst du beispielsweise durch einen Wechsel in Teilzeit herbeiführen oder durch längeren unbezahlten Urlaub erreichen.
Als Selbstständige:r unter der Altersgrenze steht dir ein anderer Weg offen: der Wechsel ins Angestelltendasein. Über deinen neuen Arbeitgeber wirst du wieder gesetzlich krankenversichert und verlässt damit die PKV. Diese Option bietet sich besonders an, wenn du ohnehin über eine berufliche Neuorientierung nachdenkst.
💡 Tip
Plane deinen Wechsel strategisch: Wenn du als Angestellte:r in Teilzeit wechseln möchtest, um unter die Versicherungspflichtgrenze zu kommen, berechne vorher genau dein neues Jahresbruttoeinkommen. Die aktuell geltende Grenze ist bei der jeweiligen Krankenkasse erfragbar. Bedenke auch, dass Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld mitzählen.
Eine Sonderregelung gilt für alle, die bereits vor einem bestimmten Stichtag in der PKV versichert waren. Hier greift eine besondere Einkommensgrenze. Die genauen Details erfährst du bei den Krankenkassen, da diese Regelung individuell geprüft wird.
Erzielst du kein sozialversicherungspflichtiges Einkommen mehr, eröffnet sich eine weitere Möglichkeit: die Familienversicherung über deine:n Lebenspartner:in. Voraussetzung ist, dass diese Person in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist. Dann kannst du dich kostenfrei mitversichern lassen.
📌 Good to know
Das schwierige Verlassen der PKV hat einen wichtigen Grund. Die Beitragstöpfe von PKV und GKV sind strikt getrennt. Mit den strikten Regeln für einen Wechsel wird vermieden, dass Personen in jungen Jahren die Vorteile der PKV nutzen, wenn sie wenig Kosten verursachen, später dann aber mit im Alter zunehmenden Erkrankungen Leistungen aus der GKV beziehen. Dieses System schützt die Solidargemeinschaft der gesetzlich Versicherten.
Älter als die Altersgrenze? Dann wird es schwieriger, die PKV zu verlassen
Nach Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze kannst du die PKV nur noch in Ausnahmefällen verlassen. Selbst wenn dein Einkommen unter die Bemessungsgrenze gefallen ist, reicht das allein nicht aus. Eine zusätzliche Bedingung muss erfüllt sein: Du musst während eines Großteils der vergangenen Jahre sozialversicherungspflichtig gewesen sein. Die genauen Voraussetzungen bezüglich des Zeitraums sind bei der jeweiligen Krankenkasse erfragbar.
Eine zweite Möglichkeit steht auch dieser Altersgruppe offen: die Familienversicherung über Ehe- oder Lebenspartner:innen. Wenn diese gesetzlich versichert sind und du nur ein geringfügiges Einkommen erzielst, kannst du selbst oberhalb der Altersgrenze die Familienversicherung nutzen. Diese Option bietet sich besonders an, wenn du in den Vorruhestand gehst oder deine Erwerbstätigkeit reduzierst.
💡 Tip
Dokumentiere deine Versicherungszeiten sorgfältig! Sammle alle Nachweise über deine GKV-Mitgliedschaft der letzten Jahre. Diese Unterlagen brauchst du für den Nachweis der Vorversicherungszeit. Auch Zeiten der Arbeitslosigkeit mit Bezug von ALG I zählen als GKV-Zeiten und können dir den Wechsel ermöglichen.
Wenn das Verlassen der PKV nicht (mehr) möglich ist
Ist der Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung nicht möglich, übersteigen die Kosten aber dein Leistungsvermögen, kannst du dennoch die monatlichen Prämien senken. Die privaten Krankenversicherungen sind verpflichtet, sogenannte Basis- und Standardtarife anzubieten. Diese beiden Optionen funktionieren unterschiedlich.
Der Basistarif bietet Leistungen, die etwa mit der GKV vergleichbar sind. Der Höchstbetrag entspricht dabei dem Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung. Dieser Tarif steht allen Versicherten offen und kann eine deutliche finanzielle Entlastung bedeuten, wenn die regulären PKV-Beiträge zu hoch geworden sind. Die aktuellen Beitragssätze sind beim jeweiligen Versicherer erfragbar.
Der Standardtarif ist ein besonderer Sozialtarif der PKV, allerdings mit eingeschränktem Zugang. Er steht nur denjenigen offen, die bereits vor einem bestimmten Stichtag in der PKV waren und eine bestimmte Altersgrenze erreicht haben. Erfüllst du diese Voraussetzungen, kann dieser Tarif eine kostengünstige Alternative darstellen. Die genauen Zugangsvoraussetzungen sind beim jeweiligen Versicherer erfragbar.
📌 Good to know
Im Basistarif kannst du bei Hilfebedürftigkeit eine Halbierung der Beiträge beantragen. Reicht das nicht aus, springt das Sozialamt ein und übernimmt die restlichen Kosten. So ist sichergestellt, dass niemand ohne Krankenversicherungsschutz bleibt.
Finanzielle Unterstützung im Rentenalter
Gerade ältere Versicherte sollten wissen, dass sie die PKV nicht zwangsläufig verlassen müssen, wenn das Rentenalter erreicht ist. Einerseits sinken die Beiträge automatisch, weil kein Krankentagegeld mehr gezahlt wird. Zum anderen gibt es auf Antrag Zuschüsse von der Rentenkasse. Diese finanzielle Unterstützung kann die PKV-Beiträge im Alter deutlich erträglicher machen.
💡 Tip
Stelle den Antrag auf Zuschuss zur PKV rechtzeitig bei deiner Rentenversicherung! Der Zuschuss beträgt einen prozentualen Anteil deiner Bruttorente, höchstens aber die Hälfte deines tatsächlichen PKV-Beitrags. Vergiss nicht, auch einen Zuschuss für die Pflegeversicherung zu beantragen. Die aktuellen Zuschusssätze sind bei der Deutschen Rentenversicherung erfragbar.
Verlassen der PKV gut überlegen und rechtzeitig handeln
Es ist möglich, die private Krankenversicherung zu verlassen. Der Wechsel ist allerdings an Einkommensgrenzen und dein Alter gekoppelt. Wer die PKV verlassen will, muss aktiv werden und rechtzeitig handeln. Je früher du dich mit deinen Optionen auseinandersetzst, desto mehr Gestaltungsspielraum hast du. Dank der Basis- und Standardtarife gibt es aber auch für Notsituationen einen Ausweg, um weiterhin die Prämien bezahlen zu können. Diese Tarife sichern dir eine Grundversorgung zu bezahlbaren Konditionen, selbst wenn der Wechsel in die GKV nicht mehr möglich ist.
Häufig gestellte Fragen
Wie kommt man aus einer privaten Krankenversicherung wieder raus?
Ein Wechsel aus der PKV in die gesetzliche Krankenversicherung ist möglich, wenn du unter der gesetzlichen Altersgrenze bist und dein Einkommen unter die Versicherungspflichtgrenze sinkt. Als Arbeitnehmer:in wirst du dann automatisch versicherungspflichtig, als Selbstständige:r musst du ins Angestelltenverhältnis wechseln. Die aktuell geltenden Grenzen sind bei der jeweiligen Krankenkasse erfragbar.
Kann ich oberhalb der Altersgrenze noch in die GKV wechseln?
Ja, aber nur unter strengen Voraussetzungen: Du musst in den vergangenen Jahren während eines Großteils der Zeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt und damit gesetzlich versichert gewesen sein. Alternativ kannst du dich über die Familienversicherung deines gesetzlich versicherten Partners mitversichern lassen, wenn du nur geringfügig verdienst. Die genauen Voraussetzungen sind bei der jeweiligen Krankenkasse erfragbar.
Was kostet der Basistarif in der PKV?
Der Basistarif kostet maximal so viel wie der Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung plus Pflegeversicherung. Bei nachgewiesener Hilfebedürftigkeit kann der Beitrag halbiert werden. Die Leistungen entsprechen etwa dem GKV-Niveau. Die aktuellen Beitragssätze sind beim jeweiligen Versicherer erfragbar.
Kann ich als Selbstständiger zurück in die gesetzliche Krankenversicherung?
Ja, wenn du unter der gesetzlichen Altersgrenze bist und eine sozialversicherungspflichtige Anstellung annimmst. Sobald dein Angestelltenverhältnis beginnt und dein Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze liegt, wirst du automatisch GKV-versichert. Die Selbstständigkeit kannst du nebenberuflich weiterführen, solange die Anstellung überwiegt.
Welche Zuschüsse gibt es für PKV-Versicherte im Rentenalter?
Rentner:innen können einen prozentualen Zuschuss ihrer Bruttorente zur Krankenversicherung und zusätzlich einen weiteren Zuschuss zur Pflegeversicherung erhalten. Der Zuschuss ist auf maximal die Hälfte des tatsächlichen PKV-Beitrags begrenzt. Zusätzlich entfallen im Rentenalter die Beiträge für das Krankentagegeld, was die Kosten automatisch senkt. Die aktuellen Zuschusssätze sind bei der Deutschen Rentenversicherung erfragbar.
Was passiert mit meinen Altersrückstellungen beim PKV-Wechsel?
Beim Wechsel von der PKV in die GKV verfallen deine Altersrückstellungen komplett – sie können nicht mitgenommen werden. Bei einem Wechsel innerhalb der PKV zu einem anderen Anbieter können Teile der Rückstellungen übertragen werden. Beim Wechsel in den Basis- oder Standardtarif beim selben Versicherer bleiben die Rückstellungen vollständig erhalten.



