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Klingbeil bittet Unicredit-Chef zum Gespräch über Commerzbank

1. September 2026, 12:29 Uhr246 AufrufeZuletzt geprüft: 19.09.2026

Das Wichtigste in Kürze

Die Bundesregierung mischt sich in das Übernahmeringen zwischen Commerzbank und Unicredit ein. Vize-Kanzler Lars Klingbeil lädt den Unicredit-Chef zu Gesprächen ein, um deutsche Interessen zu wahren. Ein Kurswechsel deutet auf mögliche Flexibilität beim Verkauf des Commerzbank-Anteils hin.

Die Bundesregierung schaltet sich aktiv in die Verhandlungen zwischen Commerzbank und Unicredit ein. SPD-Vize-Kanzler Lars Klingbeil hat Unicredit-Chef Andrea Orcel zu einem Treffen im Bundesfinanzministerium am 14. September eingeladen. Ziel ist es, die Position der Bundesregierung zu kommunizieren und einen Dialog mit der italienischen Großbank aufzunehmen.

Änderung der Regierungshaltung

Die Einladung markiert einen Kurswechsel in der Haltung der Bundesregierung. Im Juli hatte sie das Vorgehen von Unicredit noch als aggressiv bezeichnet und die Annäherungsversuche als inakzeptabel abgelehnt. Nun sucht die Regierung den direkten Austausch mit dem italienischen Institut.

Beteiligungsstruktur und strategische Bedeutung

Unicredit kontrolliert derzeit fast 50 Prozent der Commerzbank-Anteile. Die Bundesregierung hält noch gut 12 Prozent aus Zeiten der Finanzkrise. Diese Beteiligung verschafft dem Bund eine entscheidende Rolle bei einer möglichen Übernahme. Der damalige Staatseinstieg erfolgte über eine Kapitalerhöhung, die als Fremdemission, einfach erklärt als Ausgabe über die Bank, strukturiert war.

Die strategische Bedeutung der Commerzbank für Deutschland umfasst mehrere Aspekte:

  • Zentrale Rolle bei der Finanzierung des deutschen Mittelstands
  • Bedeutender Arbeitgeber am Finanzstandort Frankfurt
  • Der Bund sieht sich als Garant für Stabilität

Sparpläne und Arbeitsplatzabbau

Unicredit-Chef Andrea Orcel plant im Falle einer erfolgreichen Übernahme Einsparungen in Milliardenhöhe. Dies könnte den Abbau tausender Arbeitsplätze und eine Verkleinerung des internationalen Filialnetzes zur Folge haben. Arbeitnehmervertreter stehen solchen Maßnahmen skeptisch gegenüber.

Position des Aufsichtsrats

Jens Weidmann, Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank, äußerte gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass es sinnvoll sei, wenn der Staat vorerst engagierter Aktionär bleibe. Dies ermögliche es, die Interessen Deutschlands während der laufenden Fusionsgespräche bestmöglich zu vertreten.