NFT Royalties: Wie Tantiemen funktionieren und was Künstler 2026 verdienen

Das Wichtigste in Kürze:

NFT Royalties sind automatische Tantiemen, die Künstler bei jedem Weiterverkauf ihres NFT erhalten – ohne Zwischenhändler, direkt via Smart Contract. Doch seit dem Royalty-Krieg zwischen OpenSea und Blur sind die Einnahmen um rund 97 % eingebrochen. Dieser Artikel erklärt, wie das System technisch funktioniert, was Künstler heute noch verdienen und wie Royalties in Deutschland korrekt…

NFT Royalties: Wie Tantiemen funktionieren und was Künstler 2026 verdienen

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Themen in diesem Artikel:

  • Was sind NFT Royalties: Erfahre, wie Smart Contracts automatisch 2,5–10 % Tantiemen bei jedem Weiterverkauf auszahlen.
  • On-Chain vs. Off-Chain: Vergleiche beide Durchsetzungsmodelle – von 92.000 USD Speicherkosten bis zu Plattform-Ausfallrisiken.
  • Der Royalty-Krieg: Verstehe, wie Blur OpenSea ab 2023 zur Abschaffung obligatorischer Tantiemen zwang.
  • Künstler-Einnahmen: Überblick über den Absturz von 76 Mio. USD/Woche (2022) auf 3,8 Mio. USD/Woche (2023).
  • Steuer in Deutschland: Finde heraus, ob deine Royalties nach § 18 oder § 15 EStG besteuert werden und wann 19 % USt. fällig sind.
  • Zukunft der Tantiemen: Entdecke, welche technischen und regulatorischen Entwicklungen NFT Royalties 2026 prägen.

Was sind NFT Royalties und wie funktionieren sie technisch?

NFT Royalties sind automatische Lizenzgebühren, die der ursprüngliche Ersteller eines NFT bei jedem Weiterverkauf auf dem Sekundärmarkt erhält. Der Prozentsatz wird beim sogenannten Minting – also beim Prägen des NFT – direkt im Smart Contract festgelegt. Bei jeder Folgetransaktion auf einem kompatiblen Marktplatz überweist der Smart Contract den vereinbarten Anteil automatisch an die Ersteller-Wallet. Kein Zwischenhändler, keine manuelle Intervention, keine Verzögerung.

Das klingt revolutionär – und ist es in gewisser Weise auch. In der analogen Kunstwelt verkauft ein Maler sein Bild einmal. Steigt der Wert später auf das Hundertfache, profitiert er davon keinen Cent. NFT Royalties durchbrechen dieses Prinzip: Der Ersteller partizipiert dauerhaft am Wertzuwachs seines Werks, solange es den Besitzer wechselt.

Der technische Mechanismus im Detail

Der Smart Contract speichert zwei zentrale Informationen: die Wallet-Adresse des Erstellers und den Royalty-Prozentsatz. Findet ein Weiterverkauf statt, prüft der Contract automatisch diese Parameter und leitet den entsprechenden Betrag direkt weiter. Der Käufer zahlt den Gesamtpreis, der Marktplatz zieht seine eigene Gebühr ab, und der Rest teilt sich zwischen Verkäufer und Ersteller auf.

Für NFTs auf Ethereum kommen dabei vor allem zwei Token-Standards zum Einsatz: ERC-721 für einzigartige, nicht teilbare Token und ERC-1155 für sogenannte Semi-Fungible Token, die sowohl einzigartige als auch fungible Eigenschaften kombinieren. Beide Standards allein definieren jedoch keine Royalty-Logik.

Genau hier kommt ERC-2981 ins Spiel. Dieser Ethereum-Standard – auch als EIP-2981 bezeichnet – legt fest, wie Royalty-Informationen im Smart Contract hinterlegt und von Marktplätzen abgerufen werden. Ein Marktplatz, der ERC-2981 unterstützt, fragt beim Verkauf automatisch ab: Wer ist der Royalty-Empfänger, und wie viel Prozent stehen ihm zu? Marktplätze wie OpenSea und Rarible haben diesen Standard implementiert.

Typische Royalty-Sätze beim Minting

Der übliche Bereich liegt zwischen 2,5 und 10 Prozent, wobei 5 Prozent der häufigste Einzelwert ist. Manche Projekte gehen bis auf 15 Prozent, andere setzen bewusst niedrigere Sätze, um Handelsvolumen zu fördern. Gaming-Sammlungen liegen tendenziell im oberen Bereich von 5 bis 10 Prozent, da dort Weiterverkäufe besonders häufig stattfinden und die Ersteller langfristig am Ökosystem partizipieren wollen.

Hier liegt aber auch die kritischste Einschränkung des gesamten Systems: NFT Royalties sind technisch nicht vollständig on-chain durchsetzbar. ERC-2981 definiert nur, wie Royalty-Daten abgerufen werden – nicht, ob ein Marktplatz sie tatsächlich auszahlt. Jede Durchsetzung ist letztlich freiwillig und abhängig davon, ob der jeweilige Marktplatz den Standard respektiert. Wer sein NFT über eine Plattform verkauft, die Royalties ignoriert, zahlt dem Ersteller schlicht nichts. Und genau das wurde ab 2022 zum zentralen Konflikt der gesamten Branche.

📌 Good to know

ERC-2981 ist ein Lesestandard, kein Zahlungsstandard. Er sagt Marktplätzen, wie viel sie zahlen sollen – aber er zwingt sie nicht dazu. Die Durchsetzung bleibt eine Frage der Plattform-Politik, nicht der Blockchain-Logik.

On-Chain vs. Off-Chain Royalty-Durchsetzung: Ein direkter Vergleich

Die Frage, ob Royalties on-chain oder off-chain durchgesetzt werden, ist keine rein technische Debatte. Sie entscheidet darüber, wie sicher, wie teuer und wie flexibel das gesamte System für Ersteller und Käufer ist. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung – und ihre blinden Flecken.

On-Chain: Robustheit hat ihren Preis

Bei der On-Chain-Durchsetzung ist die gesamte Royalty-Logik direkt im Smart Contract verankert. Das bedeutet: vollautomatische Auszahlung, keine Abhängigkeit von einer zentralen Plattform, und maximale Transparenz. Jede Transaktion ist öffentlich einsehbar und unveränderlich auf der Blockchain gespeichert. Sobald der Contract deployed ist, kann niemand die Royalty-Bedingungen nachträglich ändern – weder der Ersteller noch ein Marktplatz.

Das klingt ideal. Doch On-Chain-Speicherung ist teuer. Ein 200-MB-NFT vollständig on-chain auf Ethereum zu speichern kostet rund 92.000 USD allein an Speicherkosten – ein Betrag, der für die überwiegende Mehrheit der Projekte wirtschaftlich absurd ist. Deshalb nutzen die meisten NFTs Off-Chain-Metadaten über Systeme wie IPFS oder Arweave, während nur die Royalty-Parameter selbst on-chain hinterlegt werden.

Off-Chain: Flexibel, aber abhängig

Off-Chain-Systeme verlagern die Royalty-Verwaltung auf die Marktplatz-Infrastruktur. Der Marktplatz selbst hält fest, welche Royalties fällig sind, und zahlt sie aktiv aus. Das ist günstiger, schneller und flexibler – aber vollständig abhängig von der Compliance der Plattform. Ändert ein Marktplatz seine Politik (wie OpenSea es 2023 tat), verlieren Ersteller ihre Einnahmen ohne technische Gegenwehr.

Hinzu kommt das Ausfallrisiko: Geht eine Plattform offline, sind off-chain gespeicherte NFT-Metadaten potenziell verloren. On-Chain-Daten existieren so lange wie die Blockchain selbst.

Kriterium On-Chain Off-Chain
Datenspeicherung Direkt auf Blockchain Zentralisierter Server, IPFS oder Arweave
Transparenz Vollständig öffentlich, unveränderlich Abhängig von Plattform
Automatisierung Vollautomatisch via Smart Contract Marktplatz muss aktiv auszahlen
Kosten Hoch (Gas-Gebühren, Speicherkosten) Niedrig
Manipulationsrisiko Sehr gering (unveränderlich) Vorhanden (Daten änderbar)
Flexibilität Gering (nach Deployment kaum änderbar) Hoch
Durchsetzbarkeit Technisch robust, Marktplatz muss Standard respektieren Vollständig freiwillig
Ausfallrisiko Kein Serverausfall möglich Plattformausfall gefährdet NFT-Daten
Standard ERC-2981 (Ethereum) Plattform-spezifische APIs/Middleware

Das Fazit aus diesem Vergleich ist ernüchternd: Selbst das technisch robusteste On-Chain-System schützt Ersteller nicht, wenn Marktplätze den ERC-2981-Standard schlicht ignorieren. On-Chain-Durchsetzung bietet maximale technische Integrität – aber keine rechtliche Verbindlichkeit. Off-Chain-Systeme sind pragmatischer, aber vollständig von der Plattform-Goodwill abhängig. In der Praxis ist es deshalb die Marktplatz-Politik, nicht die Blockchain-Architektur, die über Royalty-Einnahmen entscheidet. Und genau diese Politik hat sich zwischen 2022 und 2024 dramatisch verändert.

Der Royalty-Krieg: Wie Blur und OpenSea die Tantiemen-Landschaft veränderten

Was im Oktober 2022 als neuer NFT-Marktplatz startete, wurde innerhalb weniger Monate zur größten Bedrohung für das Royalty-System, das Künstler aufgebaut hatten. Blur trat mit einem einfachen Versprechen an: null Prozent Marktplatzgebühren, optionale Royalties. Für Trader war das ein Geschenk. Für Künstler war es der Beginn eines Einbruchs, der bis heute anhält.

Der Zeitstrahl des Royalty-Kriegs

Oktober 2022: Blur startet. Das Modell ist aggressiv – keine Marktplatzgebühren, Royalties nur auf freiwilliger Basis. Professionelle Trader, die auf Volumen und Marge optimieren, wechseln in Scharen.

Februar 2023: Blur überholt OpenSea als meistgenutzten NFT-Marktplatz weltweit. OpenSea, das jahrelang mit obligatorischen Royalties von 5 bis 10 Prozent und einer eigenen Gebühr von 2,5 Prozent operiert hatte, verliert seinen dominanten Marktanteil.

April 2023: OpenSea reagiert und reduziert das Royalty-Minimum auf 0,5 Prozent – allerdings nur für Projekte ohne On-Chain-Durchsetzung. Gleichzeitig führt OpenSea den sogenannten „Operator Filter“ ein: Ersteller können damit Verkäufe über Plattformen blockieren, die keine Royalties zahlen. Theoretisch ein Schutzinstrument, praktisch ein Pflaster auf einer Schusswunde.

August 2023: OpenSea kündigt das Ende der obligatorischen Royalty-Erhebung zum 31. August 2023 an. Zu diesem Zeitpunkt ist das gesamte NFT-Handelsvolumen bereits von rund 5 Milliarden USD im Jahr 2022 auf 410 Millionen USD im August 2023 gefallen – ein Rückgang von über 90 Prozent. OpenSeas eigener Marktanteil liegt unter 30 Prozent.

September 2023: Die obligatorische Royalty-Zahlung bei OpenSea endet offiziell. Was einmal als Kernversprechen der NFT-Ökonomie galt – dauerhaftes Partizipieren des Erstellers am Wertzuwachs – ist nun de facto abgeschafft.

März 2024: OpenSea macht Royalties vollständig optional. Verkäufer entscheiden selbst, ob sie Tantiemen zahlen. Kein Minimum, keine Verpflichtung.

Wie andere Marktplätze reagierten

Blur hält bis heute an einem Minimum von 0,5 Prozent fest – bei gleichzeitig null Prozent Marktplatzgebühren. Im Juni 2024 entfielen trotzdem 34,3 Prozent aller Royalty-Zahlungen der Vorwoche auf Blur. Das zeigt: Auch ein Minimum-Modell kann relevante Einnahmen generieren, wenn das Handelsvolumen groß genug ist.

Magic Eden setzt auf ein anderes Modell: null Prozent Listing-Gebühr, optionale Royalties, wobei der Käufer entscheidet. Im Mai 2024 erzielte Magic Eden ein Handelsvolumen von 212 Millionen USD auf Solana-NFTs und zusätzlich 145 Millionen USD auf Bitcoin-Ordinals. LooksRare und X2Y2 folgen ebenfalls dem optionalen Modell, bei dem der Käufer die Royalty-Entscheidung trifft.

Marktplatz Royalty-Satz (Ersteller) Marktplatzgebühr Modell
OpenSea (vor Aug. 2023) 5–10 % 2,5 % Obligatorisch
OpenSea (Apr. 2023) 0,5 % Minimum 2,5 % Optional (ohne On-Chain-Durchsetzung)
OpenSea (ab März 2024) Optional, kein Minimum variabel Freiwillig
Blur 0,5 % Minimum 0 % Quasi-obligatorisch (Minimum)
Magic Eden variabel 0 % Optional / Käufer entscheidet
LooksRare optional variabel Käufer entscheidet
X2Y2 optional variabel Käufer entscheidet

Was dieser Marktplatz-Wettbewerb zeigt: Das Royalty-System war nie wirklich durch Technologie geschützt. Es war durch Marktmacht geschützt – solange OpenSea dominierte und obligatorische Royalties durchsetzte, funktionierte das Modell. Sobald ein Wettbewerber mit niedrigeren Kosten antrat, kollabierte die freiwillige Compliance innerhalb weniger Monate.

💡 Tip

Wer heute ein NFT-Projekt launcht, sollte nicht blind auf Marktplatz-Compliance vertrauen. On-Chain-Durchsetzung via ERC-2981 in Kombination mit Operator-Filter-Mechanismen bietet die technisch robusteste Absicherung – auch wenn sie keine vollständige Garantie darstellt.

Wie viel verdienen Künstler durch NFT Royalties? Zahlen und Entwicklung

Die Zahlen erzählen eine Geschichte, die kaum dramatischer sein könnte. Auf dem Höhepunkt des NFT-Booms im April 2022 flossen in einer einzigen Woche 28.000 ETH – umgerechnet rund 76 Millionen USD – als Royalties an NFT-Ersteller auf Ethereum. Bis Oktober 2022 hatten Ethereum-NFT-Ersteller kumuliert über 1,8 Milliarden USD aus Royalties eingenommen. Das war die goldene Ära.

Dann begann der Absturz. Im Juni 2023 – nach dem Einzug von Blur und der schrittweisen Abkehr von obligatorischen Royalties – lag die wöchentliche Spitze nur noch bei 2.000 ETH, entsprechend etwa 3,8 Millionen USD. Das ist ein Rückgang von rund 97 Prozent gegenüber dem Höhepunkt. Nicht 20 Prozent, nicht 50 Prozent – 97 Prozent.

Wöchentliche NFT Royalty-Einnahmen auf Ethereum – Absturz von 28.000 auf 2.000 ETH

0 5k 10k 15k 20k 25k 30k ETH / Woche 28.000 12.000 6.000 4.000 2.500 2.000 Apr. 2022 Okt. 2022 Feb. 2023 Apr. 2023 Aug. 2023 Jun. 2023 Blur-Start OpenSea-Ende
Wöchentliche Royalty-Einnahmen aller Ethereum-NFT-Ersteller in ETH. Rückgang von 28.000 ETH (Apr. 2022) auf 2.000 ETH (Jun. 2023) entspricht einem Minus von ca. 97 %.

Was einzelne Künstler verdienen

Die Gesamtzahlen klingen beeindruckend – doch sie verteilen sich extrem ungleich. Schätzungen aus dem Jahr 2023 gehen davon aus, dass ein durchschnittlicher NFT-Künstler mit aktiver Sammlung zwischen 10.000 und 30.000 USD pro Jahr aus Royalties verdient. Aber das ist ein Mittelwert, der von wenigen sehr erfolgreichen Projekten nach oben verzerrt wird. Die Mehrheit der Ersteller dürfte deutlich darunter liegen.

Die durchschnittliche Royalty-Rate der Top-Sammlungen lag laut Nansen-Daten vor der OpenSea-Abschaffung bei 2 bis 4 Prozent. Gaming-Sammlungen, bei denen Items besonders häufig gehandelt werden, erzielten 5 bis 10 Prozent. Das klingt nach soliden Einnahmen – aber nur, wenn das Handelsvolumen stimmt. Und das ist seit 2022 massiv eingebrochen.

Für deutsche NFT-Künstler gibt es keine öffentlich verfügbaren spezifischen Daten. Was sich aber sagen lässt: Wer heute ein NFT-Projekt ohne obligatorische Royalty-Durchsetzung launcht, kann nicht mehr darauf vertrauen, dass Tantiemen automatisch fließen. Die Einnahmen sind unsicher, marktplatzabhängig und im historischen Vergleich ein Schatten ihrer selbst.

NFT Royalties in Deutschland versteuern: Was du wissen musst

Die steuerliche Behandlung von NFT Royalties in Deutschland ist komplex – und rechtlich noch nicht vollständig geklärt. Das Bundesministerium der Finanzen hat in seinem Schreiben vom 10. Mai 2022 NFTs nicht explizit erfasst. Die Finanzverwaltung wendet stattdessen die Regeln für Krypto-Token sinngemäß an. Das bedeutet: erhebliche Rechtsunsicherheit, aber auch klare Grundprinzipien, an denen du dich orientieren kannst.

Einkommensteuer: Privat oder gewerblich?

Die entscheidende Weichenstellung ist, ob deine NFT-Aktivität als privates Veräußerungsgeschäft oder als gewerbliche Tätigkeit eingestuft wird.

Im privaten Bereich gilt § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG: Gewinne aus dem Verkauf von NFTs werden zum persönlichen Einkommensteuersatz versteuert. Hältst du ein NFT mindestens ein Jahr, sind die Gewinne steuerfrei. Die Freigrenze liegt bei 1.000 EUR pro Jahr für private Veräußerungsgewinne. Wichtig: Auch Tauschgeschäfte – etwa NFT gegen NFT – gelten als steuerpflichtige Veräußerung.

Wer NFTs hingegen selbstständig, nachhaltig und mit Gewinnerzielungsabsicht erstellt oder handelt, betreibt eine gewerbliche Tätigkeit nach § 15 EStG. Die Konsequenzen sind erheblich: Die Haltefrist-Steuerfreiheit entfällt vollständig, und ab einem Gewinn von 24.500 EUR pro Jahr fällt zusätzlich Gewerbesteuer an.

Royalty-Einnahmen für Künstler fallen je nach Einzelfall unter § 18 EStG (künstlerische oder selbstständige Einkünfte) oder § 15 EStG (gewerbliche Einkünfte). Die Abgrenzung hängt davon ab, wie systematisch und umfangreich die Tätigkeit betrieben wird. Staking-Rewards aus NFTs werden als sonstige Einkünfte nach § 22 Nr. 3 EStG behandelt und zum Marktwert bei Zufluss bewertet.

Umsatzsteuer: 19 Prozent im gewerblichen Rahmen

Wer NFTs gewerblich verkauft, schuldet auf diese Umsätze grundsätzlich 19 Prozent Umsatzsteuer. Das Finanzgericht Niedersachsen hat in einem Urteil vom 10. Juli 2025 (Az. 5 K 26/24) als erstes deutsches Gericht zur Umsatzsteuerpflicht bei NFT-Umsätzen Stellung genommen – ein Meilenstein für die Rechtssicherheit in diesem Bereich, auch wenn die Rechtslage weiterhin im Fluss ist.

Dokumentationspflichten

Unabhängig davon, ob du privat oder gewerblich tätig bist: Eine lückenlose Dokumentation aller Transaktionen ist zwingend erforderlich. Das umfasst Kauf, Verkauf, Minting, Royalty-Einnahmen – jeweils mit Datum, Betrag in EUR (Marktwert zum Zeitpunkt der Transaktion) und Wallet-Adressen. Ohne diese Aufzeichnungen wird eine korrekte Steuererklärung nahezu unmöglich. Spezialisierte Krypto-Steuersoftware kann dabei erheblich helfen.

Angesichts der erheblichen Rechtsunsicherheit ist professionelle Steuerberatung durch einen auf Krypto spezialisierten Steuerberater keine Luxus-Option, sondern eine sinnvolle Investition.

Die Zukunft der NFT Royalties: Was 2026 und danach kommt

Nach dem dramatischen Einbruch der Royalty-Einnahmen stellt sich die Frage: Ist das Modell der automatischen Tantiemen gescheitert, oder erlebt es eine Neuerfindung? Die Antwort ist differenzierter, als es die Absturz-Zahlen vermuten lassen.

Technische Weiterentwicklungen

Der ERC-2981-Standard ist nicht das letzte Wort. Entwickler arbeiten an Mechanismen, die Royalties tatsächlich on-chain erzwingen – nicht nur definieren. Sogenannte „Programmable Royalties“ erlauben es, Verkäufe über nicht-konforme Marktplätze technisch zu blockieren. Das ist der Ansatz hinter Operator-Filter-Mechanismen, die OpenSea 2023 kurzzeitig einführte. Langfristig könnten Layer-2-Lösungen wie Arbitrum oder Optimism die Gas-Kosten so weit senken, dass vollständige On-Chain-Durchsetzung wirtschaftlich wird.

Auf Solana und Bitcoin (via Ordinals) entwickeln sich eigene Royalty-Standards, die von Anfang an auf die Schwächen des Ethereum-Modells reagieren. Magic Edens starkes Handelsvolumen von 212 Millionen USD auf Solana und 145 Millionen USD auf Bitcoin-Ordinals im Mai 2024 zeigt, dass diese Ökosysteme ernstzunehmende Alternativen sind.

Regulatorische Perspektive

Die EU-Regulierung im Bereich digitaler Assets – insbesondere die MiCA-Verordnung – erfasst NFTs bisher nur am Rande. Doch das Finanzgericht Niedersachsen hat mit seinem Urteil zur Umsatzsteuerpflicht bei NFTs gezeigt, dass die Gerichte beginnen, klare Linien zu ziehen. Für Royalties als Einkommensquelle bedeutet das: Mehr Rechtssicherheit ist in Sicht, aber der Weg dorthin ist noch lang.

Das Modell lebt – unter anderen Bedingungen

Blur zahlt trotz null Prozent Marktplatzgebühren immer noch 34,3 Prozent aller wöchentlichen Royalties auf Ethereum. Das zeigt: Auch in einem wettbewerbsintensiven Markt können Tantiemen fließen, wenn das Handelsvolumen groß genug ist und Ersteller aktiv auf Marktplatz-Compliance achten. Gaming-NFTs und Sammlungen mit starker Community-Bindung haben dabei die besten Chancen – weil ihre Käufer ein Interesse daran haben, das Ökosystem und damit den Ersteller zu unterstützen.

Das ursprüngliche Versprechen – vollautomatische, unveränderliche Tantiemen ohne Zwischenhändler – ist in seiner reinen Form gescheitert. Was bleibt, ist ein hybrides Modell: technische Standards wie ERC-2981 als Grundlage, kombiniert mit Community-Druck, Marktplatz-Wettbewerb und zunehmend auch rechtlichen Rahmenbedingungen. Für Künstler, die langfristig von NFT Royalties profitieren wollen, ist das eine nüchterne, aber realistische Ausgangslage für 2026 und die Jahre danach.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Was sind NFT Royalties und wie funktionieren sie?

NFT Royalties sind automatische Tantiemen, die beim Weiterverkauf eines NFT via Smart Contract an den Ersteller fließen. Der Prozentsatz – typisch 2,5 bis 10 Prozent – wird beim Minting festgelegt und bei jeder Folgetransaktion auf kompatiblen Marktplätzen automatisch ausgezahlt, ohne Zwischenhändler.

Zahlt OpenSea noch Royalties an Künstler?

Seit März 2024 nur noch freiwillig. OpenSea schaffte obligatorische Royalties im August 2023 ab und machte sie ab März 2024 vollständig optional. Verkäufer entscheiden selbst, ob sie Tantiemen zahlen – ein Minimum gibt es nicht mehr.

Warum sind NFT Royalty-Einnahmen so stark gesunken?

Hauptursache ist der Wettbewerbsdruck durch Blur, das ab Oktober 2022 mit null Prozent Marktplatzgebühren und optionalen Royalties startete. Bis Februar 2023 überholte Blur OpenSea. Die wöchentlichen Royalty-Einnahmen fielen von 28.000 ETH (April 2022) auf 2.000 ETH (Juni 2023) – ein Rückgang von rund 97 Prozent.

Sind NFT Royalties wirklich technisch durchsetzbar?

Nicht vollständig. Der ERC-2981-Standard definiert, wie Royalty-Daten abgerufen werden, zwingt Marktplätze aber nicht zur Auszahlung. Jede Durchsetzung ist letztlich freiwillig – abhängig davon, ob der jeweilige Marktplatz den Standard respektiert und aktiv umsetzt.

Wie werden NFT Royalties in Deutschland versteuert?

Royalty-Einnahmen für Künstler fallen je nach Tätigkeit unter § 18 EStG (selbstständige Einkünfte) oder § 15 EStG (gewerblich). Beim privaten NFT-Handel gilt § 23 EStG mit Steuerfreiheit nach einem Jahr Haltedauer. Im gewerblichen Rahmen fällt 19 Prozent Umsatzsteuer an.

Was ist der Unterschied zwischen On-Chain und Off-Chain Royalties?

On-Chain bedeutet: Royalty-Logik direkt im Smart Contract, vollautomatisch, unveränderlich, aber teuer (200-MB-NFT on-chain ca. 92.000 USD). Off-Chain bedeutet: Marktplatz verwaltet die Auszahlung extern – günstiger und flexibler, aber vollständig von der Plattform-Compliance abhängig.

Lohnen sich NFT Royalties 2026 noch für Künstler?

Zunehmend unsicher. Ohne obligatorische Marktplatz-Durchsetzung sind Einnahmen nicht garantiert. Gaming-NFTs und Community-starke Sammlungen haben die besten Chancen. Blur zahlte im Juni 2024 immerhin 34,3 Prozent aller wöchentlichen Ethereum-Royalties – trotz null Prozent Marktplatzgebühren.


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