Tagesgeld: Bestandskunden vs. Neukunden – Zinsgefälle & Strategien 2026

Das Wichtigste in Kürze:

Neukunden kassieren bis zu 4,00 % Tagesgeldzins, Bestandskunden oft nur 0,25 %. Das Zinsgefälle kostet dich bei 50.000 Euro Anlage bis zu 1.875 Euro pro Jahr. Dieser Artikel zeigt, welche Banken faire Konditionen für alle zahlen, wie groß die Unterschiede wirklich sind und welche Strategie sich für dich lohnt.

Tagesgeld Bestandskunden Neukunden

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Zuletzt von der Redaktion geprüft: 28.06.2026

Themen in diesem Artikel:

  • Zinsgefälle im Überblick: Erfahre, warum Neukunden bis zu 4,00 % bekommen, Bestandskunden im Schnitt aber nur 0,25 % p.a. erhalten.
  • Beste Neukundenangebote 2026: Vergleiche Chase, Crédit Agricole und Co. mit konkreten Laufzeiten, Limits und Einlagensicherung.
  • Warum Banken so handeln: Verstehe die Akquisitionslogik hinter Lockangeboten und warum treue Kunden draufzahlen.
  • Direktvergleich nach Anbieter: Finde heraus, bei welchen Banken die Differenz bis zu 2,00 Prozentpunkte beträgt – mit Euro-Rechenbeispiel.
  • Faire Anbieter ohne Unterschied: Entdecke Banken wie eToro (3,55 %) und Trade Republic, die Neu- und Bestandskunden gleich behandeln.
  • Strategie für Sparer: Lerne, ob Wechseln, Bleiben oder Kombinieren für deine Situation die beste Option ist.
  • Häufige Fragen: Überblick über die wichtigsten Antworten rund um Neukundenbonus, Befristung und Einlagensicherung.

Tagesgeld und Bestandskunden – das ist 2026 eine Geschichte über systematische Benachteiligung. Neukunden erhalten aktuell bis zu 4,00 % Zinsen pro Jahr, während der durchschnittliche Bestandskunde laut Marktanalysen gerade einmal 0,25 % bekommt. Das ist kein kleiner Unterschied – das ist ein Faktor 16. Wer 50.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto parkt und nicht wechselt, verliert im Extremfall fast 1.875 Euro Zinsen pro Jahr. Dieser Artikel zeigt dir, wie groß das Gefälle wirklich ist, welche Banken fair agieren und welche Strategie sich für dich rechnet.

Wie groß ist der Zinsunterschied wirklich? Aktuelle Zahlen im Überblick

Der Tagesgeldmarkt im Juni 2026 zeigt ein klares Bild: Wer neu kommt, wird belohnt. Wer bleibt, zahlt drauf. Die Spanne zwischen dem besten Neukundenangebot und dem typischen Bestandskundenzins ist so groß wie seit Jahren nicht mehr.

An der Spitze stehen aktuell Chase, Crédit Agricole Savings und die norisbank mit je 4,00 % pro Jahr für Neukunden. Das ist kein Ausreißer – der Durchschnitt der fünf besten Banken liegt bei 3,36 % p.a. und damit auf einem 16-Monats-Hoch. Der Gesamtmarktdurchschnitt über alle verglichenen Angebote hinweg beträgt 1,85 % p.a. – ebenfalls ein 15-Monats-Hoch, ein Basispunkt mehr als im Mai 2026.

Auf der anderen Seite des Spektrums: Bestandskunden. Wer seinen Zins nicht aktiv verhandelt oder seinen Anbieter nicht wechselt, landet im Schnitt bei gerade einmal 0,25 % p.a. Das ist der Marktdurchschnitt für Bestandskonditionen laut einer umfassenden Analyse von Vergleichsportalen. Sparkassen zahlen ihren Stammkunden im Schnitt 0,37 %, Genossenschaftsbanken und Volksbanken kommen auf 0,42 %. Beide Werte liegen weit unter dem, was Neukunden anderswo bekommen.

Die maximale Einzeldifferenz im Markt ist noch drastischer. Die Advanzia Bank bietet Neukunden 3,51 % p.a., zahlt Bestandskunden aber nur 1,51 % – eine Lücke von exakt 2,00 Prozentpunkten. Bei einer Anlage von 50.000 Euro bedeutet das: Neukunde kassiert 1.755 Euro Zinsen pro Jahr, Bestandskunde nur 755 Euro. Der Unterschied beträgt 1.000 Euro – allein durch den Kundenstatus.

Was steckt hinter dem aktuellen Anstieg der Durchschnittszinsen? Der Markt befindet sich seit Monaten in einem interessanten Spannungsfeld. Die Europäische Zentralbank hat ihren Einlagenzins von 4,00 % im September 2023 schrittweise auf 3,00 % im Dezember 2024 gesenkt. Tagesgeldzinsen folgen dieser Bewegung – aber mit Verzögerung und ungleichmäßig. Einige Direktbanken und Neobroker haben ihre Konditionen sogar leicht erhöht, um Einlagen zu gewinnen. Das treibt den Marktdurchschnitt nach oben, hilft aber vor allem Neukunden.

Für dich als Sparer bedeutet das konkret: Der Markt bietet gerade gute Möglichkeiten – aber nur, wenn du aktiv handelst. Wer passiv bleibt, bekommt den schlechtesten Zins.

Zinsgefälle Tagesgeld: Neukunden-Spitze bis Bestandskunden-Schnitt (Juni 2026)

0 % 1 % 2 % 3 % 4 % 4,00 % Neukunden- Spitze 3,36 % Top-5- Durchschnitt 1,85 % Markt- durchschnitt 0,42 % Genossen- schaftsbanken 0,37 % Sparkassen Ø Bestandskunden-Schnitt (Verivox-Analyse): 0,25 % p.a. – nicht dargestellt (zu klein für Skalierung)
Zinssätze in % p.a., Stand Juni 2026. Bestandskunden-Schnitt (0,25 %) aus Darstellungsgründen nicht als Balken abgebildet.

Neukundenangebote 2026: Die besten Tagesgeldzinsen im Vergleich

Der Wettbewerb um Neukunden ist im Sommer 2026 intensiv. Gleich drei Anbieter bieten den Spitzenwert von 4,00 % p.a. – aber die Bedingungen dahinter unterscheiden sich erheblich. Wer blind auf den Zinssatz schaut, übersieht entscheidende Details.

Chase bietet 4,00 % für vier Monate auf bis zu eine Million Euro. Danach fällt der Zins auf rund 2,00 % variabel. Das ist ein solides Angebot für größere Summen, aber die kurze Laufzeit erfordert Aufmerksamkeit. Crédit Agricole Savings garantiert ebenfalls 4,00 %, allerdings bis zum 31. Januar 2027 – das ist eine ungewöhnlich lange Garantiefrist. Bedingung: Du musst ein Girokonto bei der Bank führen. Danach gilt ein variabler Zins von 2,20 %. Die norisbank bietet ihr Top-Zinskonto ebenfalls mit 4,00 % an, als klassisches Aktionsangebot für Neukunden.

Etwas darunter, aber mit interessanten Konditionen: Die Stellantis Direktbank (Frankreich) zahlt 3,52 % auf bis zu 100.000 Euro mit drei Monaten Zinsgarantie. Die Advanzia Bank aus Luxemburg kommt auf 3,51 % mit ebenfalls drei Monaten Garantie. Die Consorsbank sticht mit fünf Monaten Zinsgarantie auf bis zu eine Million Euro heraus – das ist die längste Garantiefrist unter den deutschen Direktbanken. Der Zinssatz beträgt 3,40 %.

Die ING bietet 3,20 bis 3,21 % für vier Monate auf bis zu 250.000 Euro. Das ist für viele Sparer die komfortabelste Wahl, weil die ING als etablierte Direktbank mit breitem Service punktet. Die BBVA startet bei 3,00 % für Neukunden, staffelt den Bestandskundenzins danach aber auf 1,50 bis 2,50 % – je nach Einlagenhöhe.

Ein wichtiger Aspekt, den viele übersehen: das Herkunftsland der Bank. Es bestimmt, welches Einlagensicherungssystem greift. Innerhalb der EU gilt überall der gesetzliche Schutz bis 100.000 Euro je Kunde und Bank. Aber das zuständige System ist unterschiedlich. Bei der Advanzia Bank ist es Luxemburg, bei Bigbank Estland, bei Renault Bank direkt und Crédit Agricole Frankreich. Das bedeutet: Im Insolvenzfall wendest du dich an die jeweilige nationale Behörde – nicht an die deutsche BaFin. In der Praxis ist das für seriöse EU-Banken kein Problem, aber du solltest es wissen.

Stiftung Warentest hat klare Kriterien für die Aufnahme in ihre Tagesgeld-Datenbank: Der Zins muss noch mindestens drei Monate garantiert sein, die Anlagesumme mindestens 20.000 Euro betragen und das Angebot darf nicht von vornherein auf weniger als zwei Monate befristet sein. Diese Kriterien sind ein guter Filter für seriöse Angebote.

📌 Good to know

Typische Neukundenbefristungen liegen aktuell bei drei bis sechs Monaten. Chase und ING bieten vier Monate, Consorsbank fünf Monate. Nach Ablauf fällt der Zins automatisch auf den variablen Standardsatz – ohne Benachrichtigungspflicht der Bank. Trage den Ablauftermin in deinen Kalender ein.

Neukundenangebote Tagesgeld: Spitzenzinsen Juni 2026
Anbieter Zins p.a. Bedingungen Land
Chase 4,00 % 4 Monate, max. 1.000.000 €, danach ~2,00 % USA/DE
Crédit Agricole Savings 4,00 % Bis 31.01.2027, Girokonto erforderlich, danach 2,20 % Frankreich
norisbank Top-Zinskonto 4,00 % Aktionsangebot Neukunden Deutschland
Stellantis Direktbank 3,52 % Bis 100.000 €, 3 Monate garantiert Frankreich
Advanzia Bank 3,51 % 3 Monate Zinsgarantie Luxemburg
Renault Bank direkt 3,50 % Neukundenangebot Frankreich
Consorsbank 3,40 % Bis 1.000.000 €, 5 Monate Zinsgarantie Deutschland
ING 3,21 % Bis 250.000 €, 4 Monate Zinsgarantie Deutschland
BBVA 3,00 % Neukunden, danach 1,50–2,50 % gestaffelt Deutschland

Warum zahlen Banken Neukunden mehr? Die Logik hinter dem Zinsgefälle

Das Zinsgefälle zwischen Neu- und Bestandskunden ist kein Zufall und kein Fehler. Es ist eine bewusste strategische Entscheidung der Banken – und sie folgt einer klaren betriebswirtschaftlichen Logik. Wenn du diese Logik verstehst, kannst du sie zu deinem Vorteil nutzen.

Neukundengewinnung als Wachstumsziel: Banken – besonders Direktbanken und Neobanken – konkurrieren intensiv um Einlagenvolumen. Höhere Einlagen bedeuten mehr Kapital, das die Bank verleihen oder investieren kann. Ein attraktives Neukundenangebot ist im Grunde ein Marketing-Budget. Die Bank zahlt für einige Monate einen erhöhten Zins, gewinnt dafür einen neuen Kunden mit einem potenziell langfristigen Wert. Laut Marktbeobachtungen bieten aktuell mindestens 13 Banken Neukunden Zinsen von 3,00 % oder mehr – der Wettbewerb ist also real und intensiv.

Die Amortisationslogik: Banken kalkulieren, dass sich die höheren Akquisitionskosten über die Laufzeit der Kundenbeziehung amortisieren. Nach dem Neukundenbonus – typisch drei bis zwölf Monate – fällt der Zins auf den Standardsatz. Wenn der Kunde dann bleibt, sinken die Kosten für die Bank erheblich. Die Differenz zwischen dem Neukundenzins und dem Bestandskundenzins ist im Grunde die Amortisation der Akquisitionskosten.

Die Psychologie der Trägheit: Banken wissen aus Erfahrung, dass viele Kunden nach dem Ende des Bonuszeitraums nicht wechseln. Der Aufwand erscheint zu groß, die Zeit fehlt, oder der Zinsrückgang wird nicht bemerkt. Diese Trägheit ist für Banken profitabel. Wer 50.000 Euro bei einem Anbieter hat, der nach dem Bonusende von 3,50 % auf 2,00 % fällt, verliert 750 Euro Zinsen pro Jahr – ohne es aktiv zu merken.

Regulatorischer Spielraum: Tagesgeldzinsen sind variabel. Die Bank kann sie jederzeit und ohne Vorankündigung ändern. Es gibt keine gesetzliche Pflicht, Bestandskunden über Zinssenkungen aktiv zu informieren. Du musst selbst aktiv bleiben. Das ist der entscheidende Unterschied zu Festgeld, wo der Zins für die gewählte Laufzeit vertraglich fixiert ist.

Historischer Kontext: Die EZB hat ihren Einlagenzins von 4,00 % im September 2023 schrittweise auf 3,00 % im Dezember 2024 gesenkt. Banken haben diese Senkung bei Bestandskunden schnell weitergegeben – oft schneller als bei Neukunden. Das bedeutet: Bestandskundenzinsen sind in den letzten Monaten stärker gefallen als Neukundenangebote. Das Gefälle hat sich also vergrößert, nicht verkleinert.

Ist das fair? Aus Verbrauchersicht ist das Modell problematisch. Treue Kunden werden schlechter behandelt als neue. Wer keine Zeit hat, regelmäßig zu vergleichen, zahlt eine Art „Trägheitssteuer“. Einige Anbieter haben dieses Modell bewusst abgelehnt – dazu mehr im nächsten Abschnitt.

Bestandskunden vs. Neukunden: Direktvergleich nach Anbieter

Zahlen sagen mehr als Worte. Hier siehst du, wie groß die Zinsdifferenz bei den wichtigsten Anbietern wirklich ist – und was das in Euro bedeutet.

Die größte Differenz im Markt hat aktuell die Advanzia Bank: 3,51 % für Neukunden, 1,51 % für Bestandskunden. Das sind 2,00 Prozentpunkte Unterschied. Bei 50.000 Euro Anlage ergibt das 1.755 Euro Zinsen für Neukunden und 755 Euro für Bestandskunden – eine Differenz von 1.000 Euro pro Jahr. Allein durch den Kundenstatus.

Renault Bank direkt folgt mit 1,50 Prozentpunkten Differenz: 3,50 % für Neukunden, 2,00 % für Bestandskunden. Bei 50.000 Euro sind das 750 Euro weniger Zinsen pro Jahr als Bestandskunde. Die Suresse Direkt Bank liegt bei 1,37 Prozentpunkten (3,27 % vs. 1,90 %), Bigbank bei 1,20 Prozentpunkten (3,25 % vs. 2,05 %).

Die BBVA hat ein gestaffeltes Modell: Neukunden bekommen 3,00 %, Bestandskunden je nach Einlagenhöhe zwischen 1,50 % und 2,50 %. Das klingt nach einem fairen Kompromiss, bedeutet aber im schlechtesten Fall ebenfalls 1,50 Prozentpunkte Differenz.

Deutlich fairer agiert die Openbank: Neukunden erhalten 2,50 %, Bestandskunden bis zu 2,20 %. Die Differenz beträgt nur rund 0,30 Prozentpunkte. Das ist im Marktvergleich sehr gering und zeigt, dass ein anderes Modell möglich ist.

Konkretes Rechenbeispiel für 50.000 Euro Anlage über 12 Monate:

Zinsdifferenz in Euro: 50.000 € Anlage, 12 Monate
Anbieter Neukunde Bestandskunde Differenz (€/Jahr)
Advanzia Bank 3,51 % / 1.755 € 1,51 % / 755 € – 1.000 €
Renault Bank direkt 3,50 % / 1.750 € 2,00 % / 1.000 € – 750 €
Suresse Direkt Bank 3,27 % / 1.635 € 1,90 % / 950 € – 685 €
Bigbank 3,25 % / 1.625 € 2,05 % / 1.025 € – 600 €
Openbank 2,50 % / 1.250 € 2,20 % / 1.100 € – 150 €

Zinsdifferenz Neukunden vs. Bestandskunden nach Anbieter (Prozentpunkte)

0,0 1,0 2,0 3,0 2,00 Advanzia 1,50 Renault 1,37 Suresse 1,20 Bigbank 1,50 BBVA 0,30 Openbank 0,00 Trade Rep. 0,00 eToro Prozentpunkte Differenz
Differenz in Prozentpunkten zwischen Neukunden- und Bestandskundenzins, Stand Juni 2026.

Faire Alternativen: Anbieter ohne Neukunden-Bestandskunden-Unterschied

Es gibt sie: Banken und Finanzdienstleister, die Neu- und Bestandskunden exakt gleich behandeln. Kein Lockangebot, kein Zinsrückgang nach drei Monaten, keine Überraschungen. Das Modell ist transparenter – aber es bedeutet auch, dass du auf die höchsten Spitzenzinsen verzichtest.

eToro ist aktuell die interessanteste Option in dieser Kategorie. Der Anbieter zahlt 3,55 % p.a. für alle Kunden mit einem in Deutschland registrierten Konto – ohne Befristung, ohne Unterschied nach Kundenstatus. Das ist nicht nur das höchste unbefristete Angebot im Markt, sondern liegt auch über dem Durchschnitt der Top-5-Banken (3,36 %). Der Haken: eToro ist primär eine Handelsplattform, kein klassisches Kreditinstitut. Das Tagesgeld ist an das eToro-Konto gebunden.

Trade Republic bietet 2,25 % für alle Kunden auf unbegrenzte Einlagen. Das ist solide, aber nicht spektakulär. Der Vorteil: Vollständige Transparenz, keine Befristung, kein Kleingedrucktes. Trade Republic hat in den letzten Jahren seinen Zinssatz mehrfach angepasst – immer für alle Kunden gleichzeitig. Das ist das Gegenteil des Neukunden-Modells.

Ferratum zahlt 2,60 % ohne Differenzierung nach Kundenstatus. Scalable Capital bietet 2,50 % auf einem separaten Tagesgeldkonto, ebenfalls ohne Betragslimit und ohne Neukundenbevorzugung.

Wer dauerhaft stabile Zinsen ohne Befristung sucht, findet laut dem Finanztip-Zinsbarometer drei Anbieter, die seit mindestens zwölf Monaten konstante Konditionen bieten: Ayvens Bank mit 2,30 % p.a., Gefa Bank mit 2,11 % p.a. und Yapi Kredi Deutschland (App) mit 2,00 % p.a. Diese Stabilität hat einen Wert, der sich in reinen Zinszahlen nicht abbildet: Du musst nicht alle drei Monate prüfen, ob dein Zins noch stimmt.

💡 Tip

Für wen lohnen sich Anbieter ohne Neukundenstrategie besonders? Für alle, die keine Zeit haben, regelmäßig zu vergleichen und zu wechseln. Wer 20.000 Euro anlegt und sich drei Jahre nicht darum kümmern will, ist mit eToro (3,55 %) oder Ferratum (2,60 %) besser bedient als mit einem 4,00 %-Angebot, das nach vier Monaten auf 1,50 % fällt.

Der Nachteil dieser Modelle ist klar: Du erreichst nicht die absoluten Spitzenzinsen. Wer aktiv vergleicht und bereit ist zu wechseln, kann mit Neukundenangeboten mehr herausholen. Aber das erfordert Disziplin, Zeit und ein gutes Kalender-Management. Für viele Sparer ist die Transparenz der fairen Anbieter das bessere Angebot – auch wenn der Zinssatz auf dem Papier niedriger aussieht.

Strategie für Sparer: Wechseln, bleiben oder kombinieren?

Die Frage ist nicht, ob das Zinsgefälle unfair ist. Die Frage ist, was du konkret dagegen tust. Es gibt drei grundlegende Strategien – und die richtige hängt von deiner Situation ab.

Strategie 1: Aktives Hopping (Wechselstrategie)
Du nutzt systematisch Neukundenangebote. Alle drei bis sechs Monate wechselst du zu einem neuen Anbieter mit dem besten Aktionszins. Aktuell kannst du so 4,00 % p.a. erzielen – das ist das Maximum, was der Markt bietet. Der Aufwand ist real: Kontoeröffnung, Legitimation, Überweisung, Kündigung des alten Kontos. Aber der finanzielle Vorteil ist erheblich. Bei 50.000 Euro und einem Wechsel von 0,25 % (Bestandskunde) auf 4,00 % (Neukunde) sind das 1.875 Euro mehr Zinsen pro Jahr.

Wichtig beim Hopping: Nicht alle Banken akzeptieren dich als Neukunden, wenn du bereits früher Kunde warst. Manche Anbieter haben Sperrfristen von 12 bis 24 Monaten. Plane also voraus und führe eine Liste der bereits genutzten Angebote.

Strategie 2: Fairer Anbieter ohne Befristung
Du wählst einen Anbieter, der Neu- und Bestandskunden gleich behandelt, und bleibst dort. eToro mit 3,55 % ist aktuell die beste Option in dieser Kategorie. Du verzichtest auf die letzten 0,45 Prozentpunkte gegenüber dem Spitzenwert, sparst aber Zeit und Nerven. Diese Strategie eignet sich besonders für Sparer mit größeren Beträgen, die keine Lust auf regelmäßige Kontowechsel haben.

Strategie 3: Kombination aus Tagesgeld und Festgeld
Du parkst einen Teil deines Geldes auf einem Tagesgeldkonto für die kurzfristige Liquidität und legst den Rest als Festgeld an. Zweijähriges Festgeld bringt aktuell im Schnitt 2,34 % p.a. – das ist mehr als der Tagesgeld-Durchschnitt, aber weniger als Tagesgeld-Spitzenangebote. Der Vorteil: Festgeldzinsen sind für die gewählte Laufzeit garantiert. Du bist gegen Zinssenkungen geschützt.

Eine sinnvolle Aufteilung könnte so aussehen: 30 % auf einem Tagesgeldkonto mit gutem Zins für kurzfristige Ausgaben, 70 % in Festgeld für zwei Jahre. So kombinierst du Flexibilität mit Zinssicherheit.

Was du auf jeden Fall tun solltest: Prüfe deinen aktuellen Tagesgeldzins. Wenn du nicht weißt, was du gerade bekommst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es deutlich unter dem Marktdurchschnitt von 1,85 % liegt. Bestandskunden erhalten im Schnitt nur 0,25 % – das ist fast nichts. Ein einfacher Vergleich auf einem der großen Portale dauert fünf Minuten und kann dir Hunderte Euro pro Jahr bringen.

Denke auch an die Einlagensicherung: Verteile Beträge über 100.000 Euro auf mehrere Banken. Die gesetzliche EU-Sicherung gilt je Kunde und Bank bis zu diesem Betrag. Wer 200.000 Euro bei einer einzigen Bank hat, ist für die zweite Hälfte ungesichert.

Häufig gestellte Fragen

Warum bieten Banken Neukunden höhere Tagesgeldzinsen als Bestandskunden?

Banken nutzen hohe Neukundenzinsen als Marketing-Instrument zur Einlagengewinnung. Bestandskunden wechseln seltener, weshalb Banken bei ihnen weniger Anreize setzen müssen. Die Akquisitionskosten amortisieren sich über die Laufzeit der Kundenbeziehung – sobald der Bonus endet und der Kunde bleibt.

Wie groß ist der Zinsunterschied zwischen Neu- und Bestandskunden aktuell?

Im Extremfall beträgt die Differenz 2,00 Prozentpunkte – zum Beispiel bei der Advanzia Bank (3,51 % Neukunden vs. 1,51 % Bestandskunden). Im Marktdurchschnitt erhalten Bestandskunden nur 0,25 % p.a., während Neukunden bis zu 4,00 % bekommen können (Stand Juni 2026).

Welche Banken zahlen Neu- und Bestandskunden den gleichen Tagesgeldzins?

eToro (3,55 %), Trade Republic (2,25 %), Ferratum (2,60 %) und Scalable Capital (2,50 %) machen keinen Unterschied nach Kundenstatus. Dauerhaft stabile Zinsen bieten laut Zinsbarometer auch Ayvens Bank (2,30 %), Gefa Bank (2,11 %) und Yapi Kredi Deutschland App (2,00 %).

Wie lange gelten Neukundenangebote beim Tagesgeld?

Typisch drei bis sechs Monate. Chase und ING bieten vier Monate, Consorsbank fünf Monate, Crédit Agricole Savings sogar bis Januar 2027. Nach Ablauf gilt automatisch der variable Standardzins – ohne Benachrichtigungspflicht der Bank.

Sind Tagesgeldangebote ausländischer EU-Banken sicher?

Ja, innerhalb der EU gilt die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro je Kunde und Bank. Das Herkunftsland bestimmt das zuständige Sicherungssystem – bei Advanzia Bank Luxemburg, bei Bigbank Estland, bei Renault Bank direkt Frankreich. Im Insolvenzfall wendet man sich an die jeweilige nationale Behörde.

Lohnt sich ein Bankwechsel für Bestandskunden beim Tagesgeld?

Fast immer ja. Wer als Bestandskunde 0,25 % bekommt und zu einem Neukunden-Angebot mit 4,00 % wechselt, erzielt bei 50.000 Euro Anlage rund 1.875 Euro mehr Zinsen pro Jahr. Mindestens 13 Banken bieten Neukunden aktuell 3,00 % oder mehr.

Was ist der Unterschied zwischen Tagesgeld und Festgeld?

Tagesgeld hat einen variablen Zins und ist täglich verfügbar – die Bank kann den Zins jederzeit senken. Festgeld hat einen fixen Zins für die gewählte Laufzeit, ist aber nicht vorzeitig verfügbar. Zweijähriges Festgeld bringt aktuell im Schnitt 2,34 % p.a. – mehr als der Tagesgeld-Durchschnitt, aber weniger als Spitzenangebote.


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