Der VDAX: Volatilitätsindex für den DAX

Das Wichtigste in Kürze:

Der VDAX-NEW zeigt, welche Schwankungsbreite der Markt für den DAX in den nächsten 30 Tagen erwartet. Werte über 30 signalisieren Stress, Werte zwischen 10 und 20 ein ruhiges Umfeld. Du erfährst, wie sich der Index berechnet, wie er sich vom alten VDAX unterscheidet und wie du ihn für deine Anlageentscheidungen nutzt.

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Was der VDAX-NEW ist und misst

Der VDAX-NEW ist der Volatilitätsindex für den DAX. Er gibt in Prozentpunkten an, welche Schwankungsbreite der Markt für den deutschen Leitindex in den kommenden 30 Tagen erwartet. Berechnet und veröffentlicht wird er von der Deutschen Börse. Ein hoher Wert steht für Unsicherheit und mit Kursschwankungen rechnende Anleger, ein niedriger Wert für eine ruhige, stabile Marktlage. Genau deshalb trägt der Index seinen bekannten Spitznamen: Angstbarometer.

Wichtig zu verstehen ist, dass der VDAX-NEW keine Richtung vorhersagt. Er sagt dir nicht, ob der DAX steigt oder fällt. Er misst allein die erwartete Intensität der Bewegung. Ein hoher Wert kann sowohl vor einem starken Kursrutsch als auch vor einer kräftigen Erholung stehen. Die Aussage beschränkt sich auf die Frage: Wie stark könnte es in den nächsten Wochen ruckeln?

Diese Erwartung leitet sich nicht aus Vergangenheitswerten ab, sondern aus den Preisen von Optionen auf den DAX. Man spricht deshalb von impliziter Volatilität. Weil professionelle Marktteilnehmer bereit sind, in unsicheren Phasen mehr für Absicherung zu zahlen, steigen die Optionspreise und damit der Indexwert. Der VDAX-NEW verdichtet dieses Verhalten zu einer einzigen, laufend aktualisierten Kennzahl.

Warum die 30-Tage-Frist zählt

Der Bezug auf 30 Tage macht den Index besonders für kurz- und mittelfristig orientierte Anleger interessant. Wer Zertifikate, Optionsscheine oder Optionen auf den DAX handelt, findet hier einen zeitnahen Gradmesser für das Marktklima. Für langfristige Sparpläne spielt der Tageswert dagegen kaum eine Rolle. Der Index wird börsentäglich zwischen der Eröffnung und dem Handelsschluss minütlich neu berechnet und annualisiert veröffentlicht. Die erwartete Schwankung wird also auf ein ganzes Jahr hochgerechnet, was den Vergleich mit anderen Volatilitätsindizes erleichtert und einheitliche Maßstäbe schafft. Wer sich intensiver mit diesem Thema befasst, sollte die genannten Punkte stets im Zusammenhang mit der eigenen Situation bewerten und bei Unsicherheiten fachkundigen Rat einholen, bevor bindende Entscheidungen getroffen werden.

Unterschiede zwischen VDAX und VDAX-NEW

Der ursprüngliche VDAX wurde 1994 eingeführt und bildete die erwartete Schwankungsbreite des DAX für die kommenden 45 Tage ab. Er wurde am 29. Juli 2016 zum letzten Mal berechnet und ist seither Geschichte. Sein Nachfolger, der VDAX-NEW, wird seit dem 18. April 2005 ermittelt und lief damit rund elf Jahre parallel zum alten Index, bevor er ihn vollständig ablöste.

Beide Indizes verfolgen denselben Zweck, unterscheiden sich aber in zwei zentralen Punkten. Erstens der Zeithorizont: Der VDAX-NEW bezieht sich auf 30 statt auf 45 Tage. Zweitens die Berechnungsgrundlage. Der alte VDAX stützte sich nur auf Optionen, die nahe am aktuellen Kurs notierten, also „am Geld“ (at the money). Der VDAX-NEW bezieht zusätzlich Optionen ein, die „aus dem Geld“ (out of the money) liegen, deren Basispreis also deutlich vom aktuellen DAX-Stand entfernt ist.

Diese breitere Datenbasis ist der eigentliche Fortschritt. Sie erfasst auch die Absicherung gegen größere Kurssprünge und bildet damit das tatsächliche Risikoempfinden am Markt genauer ab. Grundlage sind die an der Terminbörse Eurex gehandelten DAX-Optionen, aus denen der Index minütlich neu berechnet wird.

📌 Good to know

Die Methodik des VDAX-NEW wurde vom VSTOXX übernommen, dem Volatilitätsindex für den EURO STOXX 50. Entwickelt wurde das Berechnungsverfahren von der Deutschen Börse gemeinsam mit einer großen internationalen Investmentbank. Der Index wird annualisiert notiert, gibt die Schwankung also auf ein Jahr hochgerechnet an.

Entwicklung und historische Werte

Weil der VDAX-NEW in Prozentpunkten dargestellt wird, hat er eine natürliche Bezugsgröße, auch wenn er theoretisch weit steigen kann. In ruhigen Phasen bewegt sich der Index meist zwischen 10 und 20 Punkten. Werte zwischen 20 und 30 gelten als Zeichen eines unruhigeren Marktes, Werte über 30 stehen für spürbaren Stress und Hektik. Nach den turbulenteren Jahren 2024 und 2025 pendelte sich der Index bis Anfang 2026 wieder in seinem langfristigen Mittelbereich um die 18 bis 20 Punkte ein, was auf ein moderates, gesundes Umfeld hindeutet.

Die eindrucksvollsten Ausschläge liefern historische Krisen. Während der Finanzkrise 2008 kletterte der VDAX-NEW auf über 85 Punkte. Beim Ausbruch der Coronapandemie im Frühjahr 2020 erreichte er mit rund 86 Punkten sein bisheriges Rekordhoch. Solche Extremwerte sind seltene Ausnahmen und markieren Momente maximaler Verunsicherung, in denen Absicherung um fast jeden Preis nachgefragt wird.

Der Blick auf diese Spitzenwerte zeigt eine typische Eigenschaft von Volatilitätsindizes: Sie steigen in Panikphasen sprunghaft an und fallen anschließend oft schneller, als viele erwarten. Die Volatilität kehrt also tendenziell zu ihrem Mittelwert zurück. Wer die historische Bandbreite kennt, kann aktuelle Werte besser einordnen und einen Wert von 25 von einem echten Krisenwert von 60 unterscheiden.

Typische Wertebereiche im Überblick

Als grobe Orientierung lassen sich die Werte des VDAX-NEW in Klimazonen einteilen. Die folgende Tabelle fasst zusammen, wie ein Wert einzuordnen ist. Die Grenzen sind keine harten Regeln, sondern Erfahrungswerte aus vielen Marktphasen und verschieben sich je nach Gesamtlage leicht.

Wertebereich Bedeutung für den Markt
10 bis 20 Ruhiges, stabiles Umfeld mit geringen erwarteten Schwankungen.
20 bis 30 Unruhigerer Markt, wachsende Nervosität und höhere Absicherungskosten.
über 30 Deutlicher Stress und Hektik, oft in Phasen akuter Verunsicherung.
über 80 Extreme Krisenwerte wie 2008 und 2020, seltene Ausnahmesituationen.

Was ein einzelner Wert nicht verrät

Ein Momentwert allein sagt wenig aus. Aussagekräftig wird der Index erst im Verlauf: Steigt er von 15 auf 25, wächst die Nervosität. Fällt er von 40 zurück auf 20, beruhigt sich der Markt. Die Bewegung ist die Information, nicht die reine Zahl. Genau deshalb lohnt es sich, den VDAX-NEW regelmäßig zu beobachten statt nur punktuell abzulesen. Ein steigender Trend über mehrere Tage signalisiert, dass sich Unsicherheit im Markt aufbaut, oft noch bevor sie sich deutlich in den Kursen des DAX niederschlägt. Wer diesen Vorlauf erkennt, gewinnt Zeit für ruhige Entscheidungen.

Konkreter Nutzen für deine Anlagen

Der VDAX-NEW hilft dir vor allem dabei, das Risikoklima einzuschätzen und deine Strategie daran auszurichten. Am unmittelbarsten ist der Nutzen beim Handel mit Zertifikaten, Optionsscheinen und Optionen, die den DAX als Basiswert haben. Bei diesen Produkten fließt die erwartete Volatilität direkt in den Preis ein. Steigt der VDAX-NEW, werden Optionsscheine tendenziell teurer, weil die Wahrscheinlichkeit größerer Kursbewegungen zunimmt.

Ein Wert über 30 kann für dich der Auslöser sein, defensiver zu agieren, Gewinne abzusichern oder das Portfolio breiter aufzustellen. Umgekehrt erleichtern niedrige Werte den Einstieg in etwas offensivere Positionen, weil der Markt Ruhe signalisiert und Absicherung günstiger ist. Der Index ersetzt keine eigene Analyse, liefert aber einen wertvollen Kontext für den Zeitpunkt deiner Entscheidungen.

Interessant ist auch der Zusammenhang zwischen Volatilität und Kursverlauf. Historisch steigt der VDAX-NEW meist dann, wenn der DAX fällt, weil Verunsicherung und Kursverluste häufig zusammenfallen. Diese gegenläufige Bewegung erklärt, warum Absicherungsstrategien in fallenden Märkten teurer werden: Die Nachfrage nach Schutz und die erwartete Schwankung steigen gleichzeitig. Wer diesen Mechanismus kennt, sichert sein Portfolio idealerweise ab, solange die Werte niedrig und die Kosten überschaubar sind, und nicht erst mitten in der Panik, wenn jede Absicherung ihren Höchstpreis erreicht hat.

💡 Tip

Nutze den VDAX-NEW nicht als isoliertes Kaufsignal, sondern als Stimmungsfilter. Prüfe vor einer Order, ob der Index gerade ruhig oder aufgeregt notiert, und passe Positionsgröße und Absicherung entsprechend an. So handelst du bewusster statt gegen ein aufgeheiztes Marktumfeld.

Auch für spezielle Handelsansätze ist der Index relevant. Mit bestimmten Produkten lässt sich gezielt auf eine steigende oder fallende Volatilität setzen, unabhängig von der Kursrichtung des DAX. Wer etwa mit Produkten arbeitet, die von seitlichen Bewegungen profitieren, findet im VDAX-NEW einen direkten Anhaltspunkt. Für langfristige Anlagen wie breit gestreute ETFs oder aktiv gemanagte Fonds ist der Tageswert dagegen nur bedingt aussagekräftig. Mehr Grundlagen zu solchen Themen findest du in unserem Bereich Wirtschaftswissen.

VDAX-NEW richtig einordnen

Der VDAX-NEW ist ein hilfreicher, aber kein allmächtiger Indikator. Seine größte Stärke ist zugleich seine größte Grenze: Er misst ausschließlich die erwartete Schwankung, nie die Richtung. Ein hoher Wert warnt vor Bewegung, sagt aber nichts darüber, ob diese nach oben oder unten geht. Wer den Index als Kursprognose missversteht, zieht falsche Schlüsse.

Sinnvoll ist er als Teil eines Gesamtbilds. Kombiniert mit der Kursentwicklung des DAX, dem Nachrichtenumfeld und deiner eigenen Anlagestrategie liefert er eine zusätzliche Ebene an Information. Der VDAX-NEW ist dabei das deutsche Gegenstück zu international bekannten Angstbarometern. Für den US-Leitindex S&P 500 übernimmt der VIX diese Rolle, für den EURO STOXX 50 der VSTOXX. Alle drei folgen demselben Grundprinzip und lassen sich zur Einschätzung der globalen Marktstimmung nebeneinanderlegen.

📌 Good to know

Der DAX ist der bedeutendste deutsche Aktienindex. Er bildet die Wertentwicklung der 40 nach Marktkapitalisierung und Umsatz größten Unternehmen ab, die an der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet sind. Der VDAX-NEW bezieht sich immer auf genau diesen Index.

Für dich als Anlegerin oder Anleger bedeutet das: Der VDAX-NEW ist ein Werkzeug zur Risikoeinschätzung, kein Wahrsager. Er zeigt dir, wie nervös der Markt gerade ist, und gibt dir damit die Chance, ruhiger und überlegter zu handeln. Gerade in hektischen Phasen kann dieser nüchterne Blick auf die erwartete Volatilität helfen, Entscheidungen weniger aus dem Bauch und mehr auf Basis der tatsächlichen Marktlage zu treffen. Behandle den Index also als festen Bestandteil deiner Marktbeobachtung, ohne ihm blind zu vertrauen. In Kombination mit klaren eigenen Regeln für Positionsgröße und Absicherung wird er zu einem verlässlichen Begleiter, der dir hilft, Chancen und Risiken realistisch gegeneinander abzuwägen.

Häufig gestellte Fragen

Q

Was sagt der VDAX-NEW aus?

Der VDAX-NEW drückt die vom Markt erwartete Schwankungsbreite des DAX für die kommenden 30 Tage in Prozent aus. Er misst nur die Intensität möglicher Bewegungen, nicht deren Richtung, und gilt deshalb als Angstbarometer der Börse.

Q

Was bedeutet ein niedriger VDAX-NEW?

Ein niedriger Wert, meist zwischen 10 und 20 Punkten, deutet auf ein stabiles Marktumfeld mit geringen erwarteten Kursschwankungen hin. Absicherung ist dann günstig, und der Markt rechnet kurzfristig nicht mit starker Nervosität.

Q

Worin unterscheiden sich VDAX und VDAX-NEW?

Der alte VDAX bezog sich auf 45 Tage und nur auf Optionen am Geld. Der VDAX-NEW nutzt einen 30-Tage-Horizont und bezieht zusätzlich Optionen aus dem Geld ein. Dadurch bildet er das Risikoempfinden am Markt genauer ab. Der alte VDAX wurde 2016 eingestellt.

Q

Gibt es ein Pendant zum VDAX-NEW im Ausland?

Ja. Für den US-Leitindex S&P 500 misst der VIX die erwartete Volatilität, für den EURO STOXX 50 der VSTOXX. Alle drei Indizes funktionieren nach demselben Prinzip und dienen als Angstbarometer der jeweiligen Märkte.


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