Die deutschen Gasspeicher weisen mit rund 56 Prozent Füllstand einen vergleichsweise niedrigen Wert für die Jahreszeit auf. Deutschland verfügt über etwa 45 unterirdische Speicheranlagen mit einer Gesamtkapazität von 24 Milliarden Kubikmetern Arbeitsgas, was einem Viertel des jährlichen Gasverbrauchs entspricht. Geopolitische Spannungen und hohe Großhandelspreise erschweren die übliche Sommereinspeicherung.
Speicherkapazitäten in Deutschland
Deutschland besitzt die größten Gasspeicherkapazitäten innerhalb der Europäischen Union. Die 45 unterirdischen Speicheranlagen verteilen sich über das gesamte Bundesgebiet und nutzen hauptsächlich zwei Technologien: Kavernen- und Porenspeicher. Diese Infrastruktur ermöglicht die flexible Verschiebung von Gas zwischen Angebot und Nachfrage.
Nach Angaben von Sebastian Heinermann, Geschäftsführer des Branchenverbands Initiative Energien Speichern (Ines), nehmen Gasspeicher Gas aus dem Netz auf und führen es zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurück. Die Speicherbetreiber lagern das Gas nicht selbst ein, sondern bieten ihre Kapazitäten als Dienstleistung an.
Nutzung durch Energiewirtschaft und Industrie
Energieversorger, Stadtwerke und industrielle Verbraucher nutzen die Speicherkapazitäten zur Einlagerung von Erdgas. Unternehmen kaufen Gas ein, wenn es reichlich vorhanden oder preislich günstig ist, um es bei Bedarf wieder abzurufen. Die Speicherung erfüllt mehrere strategische Funktionen:
- Sicherung von Lieferverpflichtungen
- Auffangen saisonaler Verbrauchsschwankungen
- Schnelle Reaktion auf Veränderungen im Marktangebot oder der Nachfrage
Kerstin Andreae vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft verweist zusätzlich auf den Aufbau neuer Flüssigerdgas-Terminals als ergänzende Stütze für die Versorgungssicherheit.
Ursachen niedriger Füllstände
Normalerweise nutzen Großhändler den Sommer, um Erdgas günstig einzukaufen und im Winter mit Gewinn weiterzuverkaufen. Dieser Prozess wird durch den Sommer-Winter-Spread wirtschaftlich attraktiv gestaltet. Aktuell erschweren jedoch geopolitische Spannungen und hohe Großhandelspreise die Einspeicherung erheblich.
Unternehmen speichern weiterhin Mengen ein, um vertragliche Verpflichtungen abzusichern. Es fehlt derzeit jedoch der wirtschaftliche Anreiz zur Einspeicherung größerer Mengen über die Mindestanforderungen hinaus.
