So investierst du mit ETFs in Familienunternehmen

03.10.42 Aufrufe0 Mal als hilfreich markiertZuletzt geprüft: 04.10.2026

Das Wichtigste in Kürze

Familienunternehmen prägen die deutsche Wirtschaft: Rund 86 Prozent aller Firmen gelten als familiengeführt. Mit ETFs auf spezialisierte Indizes kannst du breit in börsennotierte Familienunternehmen investieren. Der Artikel erklärt neutral die Grundlagen, die wichtigsten Auswahlkriterien wie TER und Replikationsmethode sowie die Besteuerung – und ordnet Chancen und Risiken ein.

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Das sind Familienunternehmen

Für den Begriff Familienunternehmen gibt es keine einheitliche gesetzliche Definition. Weit verbreitet ist die Beschreibung, die die Europäische Kommission 2007 für die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union empfohlen hat. Danach liegt ein Familienunternehmen vor, wenn die Mehrheit der Entscheidungsrechte direkt oder indirekt bei den Gründerinnen und Gründern beziehungsweise bei den Personen liegt, die das Gesellschaftskapital erworben haben. Dazu zählt auch der Besitz durch Nachkommen, Eltern oder Ehepartner. Zusätzlich muss mindestens eine der Familie angehörige Person an der Geschäftsleitung beteiligt sein.

Für die Einstufung als familiengeführte Firma spielt die Größe keine Rolle. In der Praxis machen kleinere Betriebe mit wenigen Beschäftigten den Großteil der Familienunternehmen aus, doch auch einige der bekanntesten deutschen Konzerne fallen unter die Definition. Familienunternehmen sind außerdem nicht an eine bestimmte Rechtsform gebunden. Sie können als Personengesellschaft oder als Kapitalgesellschaft agieren. Häufig gewählt wird die Kommanditgesellschaft, für deren Gründung kein Mindestkapital nötig ist und bei der später weitere Kommanditisten hinzukommen können. Weil bei dieser Form weitreichende Vertretungsbefugnisse gelten, ist eine hohe Vertrauensbasis unter den Gesellschaftern üblich.

Ihr Gewicht in der deutschen Wirtschaft

Familienunternehmen sind ein zentraler Bestandteil der deutschen Wirtschaft. Von den rund 3,3 Millionen Unternehmen in Deutschland gelten nach Untersuchungen der Mittelstandsforschung etwa 2,8 Millionen – also rund 86 Prozent – als familienkontrolliert und familiengeführt. Sie stellen zudem einen erheblichen Anteil der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze. Diese Zahlen zeigen die volkswirtschaftliche Bedeutung, sagen für sich genommen aber noch nichts über die Wertentwicklung einzelner Aktien oder ganzer Indizes aus. Für ein Investment ist entscheidend, welche dieser Unternehmen überhaupt börsennotiert und damit über einen Fonds handelbar sind.

📌 Good to know

Nur ein Bruchteil der Familienunternehmen ist an der Börse gelistet. Schätzungen zufolge trifft das auf rund jedes dritte Unternehmen dieser Kategorie zu, und nicht alle veröffentlichen ihre Notierung aktiv. Über ETFs erreichst du daher nur den börsennotierten Teil dieses Segments.

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So investierst du mit ETFs in Familienunternehmen

Möchtest du gezielt in Familienunternehmen investieren, kannst du das unter anderem über Exchange Traded Funds tun, kurz ETFs. Das sind börsengehandelte Indexfonds, die einen zugrunde liegenden Index möglichst genau nachbilden. Ein DAX-ETF bildet zum Beispiel den deutschen Leitindex ab, ein ETF auf einen Familienunternehmen-Index entsprechend einen Korb aus familiengeführten Firmen. Über einen einzigen Fondsanteil streust du dein Geld so auf viele Titel gleichzeitig, statt einzelne Aktien auswählen zu müssen.

Bei diversen Anbietern findest du Fonds, die anteilig Werte von Familienunternehmen enthalten oder vollständig darauf aufbauen. Je nach Ausrichtung des Portfolios stecken darin deutsche, europäische oder international aufgestellte Unternehmen. Vor einem Investment lohnt es sich zu überlegen, welchen regionalen und thematischen Schwerpunkt du setzen möchtest, weil sich Zusammensetzung und Wertentwicklung der Indizes deutlich unterscheiden können.

In diesen Indizes sind Familienunternehmen vertreten

Unter den 40 im DAX gelisteten Werten finden sich einzelne Familienunternehmen, etwa aus den Bereichen Konsumgüter, Chemie und Pharma. Darüber hinaus gibt es spezialisierte Indizes, die ausschließlich familiengeführte Firmen abbilden. Investierst du in einen ETF auf einen solchen Index, ist das Investment gezielt auf dieses Segment ausgerichtet. Zu den bekannten Beispielen zählen:

  • Ein deutscher Familienindex, der Unternehmen aus dem Prime Standard der Frankfurter Börse bündelt. Als Aufnahmekriterium gilt üblicherweise, dass die Gründerfamilie mindestens 25 Prozent der Stimmrechte hält oder mit einem kleineren Anteil im Vorstand oder Aufsichtsrat vertreten ist. Eine Untergruppe fasst die 30 größten und liquidesten dieser Werte zusammen.
  • Ein Index für eigentümergeführte Wachstumswerte, der überwiegend mittelständische Unternehmen umfasst, deren Börsengang noch nicht lange zurückliegt. Hier gelten Firmen als familiengeführt, bei denen der Anteil der Gründenden, Vorstände oder Aufsichtsratsmitglieder in einer definierten Spanne von rund 25 bis 75 Prozent liegt.
  • Ein internationaler Familienindex, der die weltweit umsatzstärksten Familienunternehmen erfasst. Für die Aufnahme muss die Familie bei börsennotierten Firmen einen festgelegten Mindestanteil an den Stimmrechten halten.

Die genauen Regelwerke und Anbieter dieser Indizes ändern sich im Zeitverlauf. Einzelne Familienindizes werden von den Indexanbietern angepasst, umbenannt oder eingestellt, weshalb es sinnvoll ist, vor einem Kauf die aktuelle Methodik und Zusammensetzung zu prüfen.

📌 Good to know

Für die Aufnahme in einen Familienindex gilt bei vielen Anbietern die Vorgabe, dass mindestens 25 Prozent der Stimmrechte bei der Gründerfamilie liegen. Ist das nicht der Fall, kann ein niedrigerer Anteil in Kombination mit einem Sitz im Vorstand oder Aufsichtsrat ausreichen. Die genauen Schwellen legt jeder Index selbst fest.

ETF-Merkmale: Diese Kriterien solltest du kennen

ETFs auf denselben oder auf ähnliche Indizes können sich in wichtigen Details unterscheiden. Wer die zentralen Merkmale kennt, kann Angebote sachlich vergleichen, ohne auf einzelne Produktnamen angewiesen zu sein. Diese Merkmale beeinflussen Kosten, Steuerbehandlung und die Frage, wie eng ein Fonds seinen Index tatsächlich nachbildet.

Ausschüttend oder thesaurierend

Ein ausschüttender ETF zahlt Dividenden und andere Erträge regelmäßig an dich aus. Ein thesaurierender ETF legt diese Erträge automatisch wieder im Fonds an. Für den langfristigen Vermögensaufbau kann die Wiederanlage den Zinseszinseffekt unterstützen, während ausschüttende Varianten planbare Zahlungen liefern. Steuerlich werden beide Varianten in Deutschland grundsätzlich vergleichbar behandelt.

Gesamtkostenquote (TER)

Die Total Expense Ratio, kurz TER, gibt die laufenden Kosten eines Fonds pro Jahr in Prozent an. Sie umfasst unter anderem Verwaltungs- und Lizenzgebühren, nicht aber Handelskosten oder Steuern. Spezialisierte Themen- und Familienindizes weisen häufig eine höhere TER auf als breite Standardindizes, weil sie kleiner und aufwendiger in der Pflege sind. Über lange Zeiträume wirken sich schon kleine Kostenunterschiede spürbar auf das Ergebnis aus.

Physische oder synthetische Replikation

Bei der physischen Replikation kauft der Fonds die im Index enthaltenen Aktien tatsächlich – entweder vollständig oder in einer repräsentativen Auswahl (Sampling). Bei der synthetischen Replikation bildet der Fonds den Index über ein Tauschgeschäft mit einem Partner nach, einen sogenannten Swap. Das kann die Nachbildung präziser oder günstiger machen, bringt aber ein zusätzliches Kontrahentenrisiko mit sich, falls der Swap-Partner ausfällt. Beide Methoden sind reguliert und weit verbreitet.

Neben diesen Punkten spielen die Fondsgröße, das Alter des Fonds und die Handelbarkeit eine Rolle. Größere und länger bestehende Fonds sind oft liquider, was sich in engeren Handelsspannen zwischen An- und Verkaufskurs zeigen kann.

💡 Tip

Vergleiche mehrere ETFs auf ähnliche Indizes anhand objektiver Kennzahlen: TER, Fondsvolumen, Replikationsmethode und Ertragsverwendung. Das offizielle Basisinformationsblatt und das Factsheet des Anbieters enthalten diese Angaben in standardisierter Form.

Chancen und Risiken von Investments in Familienunternehmen

Familienunternehmen gelten in der öffentlichen Wahrnehmung häufig als besonders solide. Als Begründung wird angeführt, dass sie sich vergleichsweise oft aus eigenem Kapital finanzieren und dadurch eine höhere Eigenkapitalquote aufweisen können. Eine geringere Abhängigkeit von Fremdfinanzierung kann in Krisenphasen ein Stabilitätsfaktor sein. Zudem wird familiengeführten Firmen oft ein langfristiger, über einzelne Quartale hinausreichender Planungshorizont zugeschrieben.

Diese Eigenschaften sind jedoch keine Garantie für eine überdurchschnittliche Rendite. Ob ein Index aus Familienunternehmen besser oder schlechter abschneidet als ein breiter Markt, hängt von der konkreten Zusammensetzung, der Branchengewichtung, dem Betrachtungszeitraum und der allgemeinen Marktlage ab. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft.

Diese Risiken solltest du berücksichtigen

Wie jede Aktienanlage unterliegen ETFs auf Familienunternehmen Kursschwankungen und dem allgemeinen Marktrisiko. Ein Totalverlust ist bei breit gestreuten ETFs zwar unwahrscheinlich, Kursrückgänge von zeitweise erheblichem Ausmaß sind aber möglich. Spezialisierte Familienindizes enthalten häufig weniger Titel als breite Weltindizes und können stärker auf einzelne Länder oder Branchen ausgerichtet sein. Diese geringere Streuung erhöht das Klumpenrisiko: Läuft ein Sektor oder eine Region schlecht, wirkt sich das deutlicher aus.

Hinzu kommen Konzentrationsrisiken durch Kappungsgrenzen einzelner Werte, mögliche Wechselkursrisiken bei international aufgestellten Indizes sowie das bereits erwähnte Kontrahentenrisiko bei synthetischer Replikation. Ein Familienindex ersetzt daher in der Regel keinen breit diversifizierten Basisbaustein, sondern kann allenfalls eine Ergänzung sein. Wer unsicher ist, welche Strategie zur eigenen Situation passt, kann eine unabhängige, kostenpflichtige Finanz- oder Anlageberatung in Anspruch nehmen. Dieser Artikel liefert ausschließlich allgemeine Informationen und stellt keine Anlageberatung dar.

💡 Tip

Prüfe vor dem Kauf, wie viele Titel ein Familienindex enthält und wie stark die größten Positionen gewichtet sind. Je konzentrierter ein Index ist, desto genauer solltest du überlegen, welchen Anteil er in deinem Gesamtdepot einnehmen soll.

Besteuerung und Einordnung ins Depot

Erträge aus ETFs unterliegen in Deutschland grundsätzlich der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Für ETFs, die zu mindestens 51 Prozent in Aktien investiert sind – dazu zählen Familienindizes in der Regel –, gilt die sogenannte Teilfreistellung: 30 Prozent der Erträge bleiben steuerfrei. Besteuert wird damit nur der verbleibende Teil. Bis zum jährlichen Sparer-Pauschbetrag bleiben Kapitalerträge zudem generell unversteuert, sofern du bei deiner depotführenden Stelle einen Freistellungsauftrag erteilt hast.

Vorabpauschale bei thesaurierenden ETFs

Damit auch bei thesaurierenden Fonds regelmäßig eine Mindestbesteuerung erfolgt, gibt es die Vorabpauschale. Sie fällt an, wenn ein Fonds im Jahr an Wert gewinnt und nicht ausschüttet. Berechnet wird sie aus dem Fondswert zu Jahresbeginn multipliziert mit dem jährlich festgelegten Basiszins und dem Faktor 0,7, abzüglich tatsächlicher Ausschüttungen. Für 2026 hat das Bundesfinanzministerium den Basiszins auf 3,20 Prozent festgesetzt. Die Vorabpauschale wird typischerweise zu Beginn des Folgejahres fällig und beim späteren Verkauf angerechnet, damit keine Doppelbesteuerung entsteht. Auch auf die Vorabpauschale wird die Teilfreistellung von 30 Prozent angewendet.

Einordnung ins Gesamtdepot

Mit einem ETF lässt sich unkompliziert und mit einem einzigen Produkt in börsennotierte Familienunternehmen investieren. Als thematischer Baustein kann ein solcher Fonds ein bestehendes, breit gestreutes Depot ergänzen und einen zusätzlichen Schwerpunkt setzen. Wegen der geringeren Streuung eignet er sich für die meisten Anleger jedoch eher als Beimischung denn als alleiniges Fundament. Wie hoch der Anteil im Depot ausfällt, hängt von deinen Zielen, deinem Anlagehorizont und deiner Risikotragfähigkeit ab. Weitere Grundlagen zu passiven Investments findest du in unserer Rubrik Geldanlagen. Die genannten Steuerangaben geben den Stand 2026 wieder und ersetzen keine steuerliche Beratung.

Häufig gestellte Fragen

Q

Was macht ein börsennotiertes Familienunternehmen aus?

In vielen Familienindizes gilt als Voraussetzung, dass mindestens 25 Prozent der Stimmrechte bei der Gründerfamilie, deren Nachkommen, Eltern oder Ehepartnern liegen. Alternativ kann ein kleinerer Anteil kombiniert mit einem Sitz im Vorstand oder Aufsichtsrat genügen. Die genauen Schwellen legt jeder Index selbst fest.

Q

Welche Rechtsform hat ein Familienunternehmen?

Familienunternehmen sind nicht an eine bestimmte Rechtsform gebunden. Sie können als Personengesellschaften oder Kapitalgesellschaften agieren. Häufig gewählt wird die Kommanditgesellschaft, bei der kein Mindestkapital für die Gründung nötig ist und später weitere Kommanditisten beitreten können.

Q

Wie werden ETFs auf Familienunternehmen besteuert?

Es gelten die üblichen Regeln für Aktien-ETFs: Erträge unterliegen der Abgeltungsteuer, wobei bei einem Aktienanteil von mindestens 51 Prozent eine Teilfreistellung von 30 Prozent greift. Bei thesaurierenden Fonds kann zusätzlich die Vorabpauschale anfallen; der Basiszins liegt 2026 bei 3,20 Prozent.

Q

Sind Familienunternehmen-ETFs eine sichere Geldanlage?

Nein, eine sichere Anlage gibt es bei Aktien-ETFs nicht. Auch Familienindizes unterliegen Kursschwankungen und Marktrisiken. Da sie oft weniger Titel enthalten als breite Weltindizes, besteht ein höheres Klumpenrisiko. Vergangene Renditen sind kein verlässlicher Hinweis auf die künftige Entwicklung.

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