Das Wichtigste im Überblick
Themen in diesem Artikel:
- Die vier Kostenblöcke: Depotführung, Order, Sparplan und Spread bestimmen zusammen, was dein Depot kostet.
- Filialbank, Direktbank, Neobroker: Drei Depotmodelle mit sehr unterschiedlichem Leistungsumfang und Preisniveau im direkten Vergleich.
- Wann Depotführung kostenlos ist: Viele Gratis-Depots sind an Trades, Sparpläne oder Mindestguthaben gekoppelt und kosten sonst doch.
- Fünf Kostenszenarien gerechnet: Von 10.000 bis 500.000 Euro Depotwert: die Jahreskosten je Modell komplett durchgerechnet.
- Depotübertrag und Wechselprämien: Der Wechsel ist in Deutschland kostenfrei, dauert aber Wochen und bringt teils vierstellige Prämien.
- Verrechnungskonto und Sicherheit: Zinsen auf den Cash-Puffer, Einlagensicherung bis 100.000 Euro und der Schutz als Sondervermögen.
- Steuern im Depot verstehen: Freistellungsauftrag, Vorabpauschale mit 3,20 Prozent Basiszins und die zwei Verlustverrechnungstöpfe.
- Welches Depot zu dir passt: Vier Anlegertypen und die Depotwahl, die für sie rechnerisch und praktisch am besten aufgeht.
Depot-Vergleich 2026: Worauf es beim Depot wirklich ankommt
Ein Depot-Vergleich entscheidet sich 2026 an vier Kostenblöcken: der Depotführungsgebühr, der Ordergebühr, den Sparplankosten und den Handelsplatzentgelten. Neobroker verlangen für die reine Depotführung 0 Euro, Direktbanken meist ebenfalls nichts, aber häufig nur unter Bedingungen. Filialbanken nehmen 20 bis 60 Euro pro Jahr. Über ein Anlegerleben summiert sich diese Spanne zu vierstelligen Beträgen. Im 500.000-Euro-Szenario dieses Artikels trennen das günstigste und das teuerste Modell 3.138 Euro pro Jahr.
Depot und Verrechnungskonto sind zwei Dinge
Das Depot verwahrt deine Wertpapiere. Das Verrechnungskonto wickelt Geld ab: Käufe, Verkäufe, Dividenden, Steuerabzüge. Beide hängen zusammen, aber sie sind rechtlich unterschiedlich gestellt. Deine Aktien, ETFs und Fonds gelten als Sondervermögen. Sie bleiben dein Eigentum, auch wenn die Bank insolvent geht. Das Guthaben auf dem Verrechnungskonto dagegen ist eine Forderung gegen die Bank und fällt unter die Einlagensicherung.
Diese Unterscheidung wird in vielen Vergleichen übergangen. Sie ist aber der Grund, warum die Frage nach der Bonität des Anbieters bei einem reinen Buy-and-Hold-Depot eine andere Rolle spielt als bei einem Konto mit großem Cash-Bestand.
Warum die Ordergebühr allein irreführt
Die meisten Anbieter werben mit dem Preis pro Order. Das ist die falsche Leitgröße, wenn du selten handelst. Wer zwölfmal im Jahr eine Order aufgibt und ansonsten einen Sparplan laufen lässt, zahlt am meisten über Sparplangebühren und Depotführung. Wer dagegen große Einzelbeträge bewegt, spürt vor allem prozentuale Ordermodelle.
Entscheidend ist deshalb dein eigenes Profil: Depotwert, Anzahl der Orders, durchschnittliches Ordervolumen und Sparplanrate. Erst mit diesen vier Zahlen lässt sich sagen, welches Depot für dich das günstigste ist. Genau diese Rechnung machen wir weiter unten für fünf typische Depotgrößen auf. Wer tiefer in die einzelnen Gebührenarten einsteigen will, findet die Depotgebühren im Detail in einem eigenen Ratgeber.
Depotmodelle im Vergleich: Filialbank, Direktbank, Neobroker
Der deutsche Depotmarkt teilt sich in drei Lager. Sie unterscheiden sich nicht nur im Preis, sondern im gesamten Leistungsumfang. Wer nur auf die Kostenzeile schaut, wählt schnell ein Depot, das eine benötigte Funktion gar nicht anbietet.
| Kriterium | Filialbank-Depot | Direktbank-Depot | Neobroker-Depot |
|---|---|---|---|
| Depotführung | 20 bis 60 € pro Jahr, oft volumenabhängig | 0 €, teils an Trades oder Sparplan gekoppelt | 0 €, ohne Bedingungen |
| Ordergebühr | rund 1 % vom Volumen, mindestens 30 € | 4,90 € plus 0,25 % vom Volumen, 9,90 bis 69,90 € | 0 bis 1 € pro Order, unabhängig vom Volumen |
| Sparplan | rund 2,5 % der Rate | rund 1,5 % der Rate, viele ETFs kostenlos | meist 0 € ab 1 € Rate |
| Handelsplätze | börslich und außerbörslich, breite Auswahl | mehrere Regionalbörsen, Xetra, Direkthändler | häufig nur ein oder zwei Handelsplätze |
| Service | persönliche Beratung in der Filiale | Telefon, Chat, umfangreiche Hilfebereiche | App und E-Mail, kaum Telefonsupport |
| Zusatzdepots | Junior-, Gemeinschafts- und Firmendepot | Junior- und Gemeinschaftsdepot meist verfügbar | teilweise nur Einzeldepot |
| Passt zu | Anlegern mit Beratungsbedarf | Anlegern zwischen Kosten und Komfort | kostenbewussten Sparplan-Anlegern |
Filialbank: Beratung hat einen Preis
Sparkassen und Volksbanken bieten persönliche Beratung, ein breites Produktangebot und Zugang zu vielen Handelsplätzen. Dafür zahlst du eine jährliche Depotführungsgebühr und deutlich höhere Ordergebühren, die meist prozentual vom Volumen abhängen. Bei kleinen Ordern greift eine Mindestgebühr von rund 30 Euro, bei großen Ordern schlägt der Prozentsatz voll durch.
Direktbank: der Mittelweg
ING, DKB, Comdirect und Consorsbank verzichten meist auf die Depotführungsgebühr, verlangen aber ein Grundentgelt plus einen Volumenanteil pro Order. Ein typisches Modell liegt bei 4,90 Euro plus 0,25 Prozent, gedeckelt zwischen 9,90 und 69,90 Euro. Dafür bekommst du mehr Handelsplätze, Telefonsupport, Junior- und Gemeinschaftsdepots und häufig ein Girokonto aus derselben Hand.
Neobroker: Fixpreis statt Prozent
Trade Republic, Scalable Capital, Finanzen.net Zero und Traders Place rechnen mit einem festen Betrag zwischen null und einem Euro pro Order. Der Preis ändert sich nicht, egal ob du für 500 oder für 50.000 Euro kaufst. Der Preis dafür ist ein schmaleres Handelsuniversum, oft nur ein oder zwei Handelsplätze und Support fast ausschließlich über App und E-Mail. Welche Anbieter sich in dieser Gruppe wie schlagen, zeigt der Ratgeber zu Neobrokern im Vergleich.
Good to know
Nicht jedes Neobroker-Depot erlaubt ein Gemeinschaftsdepot oder ein Depot für Kinder. Wenn du beides brauchst, scheiden einige der günstigsten Anbieter aus, bevor du überhaupt Preise vergleichst.
Depotführungsgebühren 2026: Wann das Depot wirklich kostenlos ist
Kostenlos ist nicht gleich kostenlos. Bei Neobrokern gilt die 0 Euro Depotführung bedingungslos. Bei vielen Direktbanken hängt sie an Aktivität. Wer ein Jahr lang nichts tut, zahlt plötzlich doch.
Typische Bedingungen für Gratis-Depots
Comdirect führt das Depot kostenlos, wenn du pro Quartal mindestens zwei Trades oder einen Sparplan ausführst. Erfüllst du das nicht, fallen 1,95 Euro pro Monat an, also 23,40 Euro im Jahr. Die TARGOBANK verzichtet auf die Gebühr bei Nutzung des Online-Postfachs oder ab 50.000 Euro Gesamtguthaben, sonst werden 2,50 Euro pro Monat fällig, das sind 30 Euro pro Jahr.
Weitere geläufige Bedingungen sind ein Mindestdepotvolumen, ein aktives Girokonto beim selben Haus oder eine Altersgrenze für junge Anleger. Diese Klauseln stehen im Preis- und Leistungsverzeichnis, nicht auf der Werbeseite. Ein Blick dorthin lohnt vor jeder Eröffnung.
Volumenabhängige Modelle
Filialbanken koppeln die Depotführung häufig an den Depotwert. Ein prozentuales Modell klingt harmlos, wird mit wachsendem Vermögen aber teuer. Für die Rechnungen in diesem Artikel setzen wir 0,15 Prozent pro Jahr, mindestens 30 Euro an. Bei 100.000 Euro Depotwert sind das 150 Euro, bei 500.000 Euro bereits 750 Euro allein für die Verwahrung, ohne dass du eine einzige Order aufgegeben hättest.
Tip
Prüfe einmal im Jahr deinen Kontoauszug auf die Position Depotführungsentgelt. Viele Anleger übersehen, dass eine früher erfüllte Bedingung inzwischen nicht mehr greift, weil sie ihren Sparplan pausiert haben.
Was ein Depot pro Jahr kostet: Fünf Szenarien durchgerechnet
Damit die Zahlen vergleichbar bleiben, rechnen wir mit klaren Annahmen. Neobroker: 0 Euro Depotführung, 1 Euro pro Order, kostenlose Sparpläne. Direktbank: 0 Euro Depotführung, 4,90 Euro plus 0,25 Prozent pro Order mit Spanne 9,90 bis 69,90 Euro, 1,5 Prozent auf die Sparplanrate. Filialbank: 0,15 Prozent Depotführung mit 30 Euro Minimum, 1 Prozent pro Order mit 30 Euro Minimum, 2,5 Prozent auf die Sparplanrate.
| Depotwert | Handelsprofil | Neobroker | Direktbank | Filialbank | Differenz |
|---|---|---|---|---|---|
| 10.000 € | 200 € Sparplan pro Monat, 4 Orders à 1.000 € | 4 € | 76 € | 210 € | 206 € |
| 50.000 € | 500 € Sparplan pro Monat, 6 Orders à 2.500 € | 6 € | 157 € | 405 € | 399 € |
| 100.000 € | 500 € Sparplan pro Monat, 8 Orders à 5.000 € | 8 € | 229 € | 700 € | 692 € |
| 250.000 € | kein Sparplan, 12 Orders à 10.000 € | 12 € | 359 € | 1.575 € | 1.563 € |
| 500.000 € | kein Sparplan, 12 Orders à 20.000 € | 12 € | 659 € | 3.150 € | 3.138 € |
Jahreskosten nach Depotgröße und Depotmodell
Wie die 700 Euro im 100.000-Euro-Szenario zustande kommen
Ein Beispiel zum Nachrechnen. Bei 100.000 Euro Depotwert, 500 Euro Sparplanrate pro Monat und acht Orders zu je 5.000 Euro zahlt die Filialbank: 150 Euro Depotführung (0,15 Prozent von 100.000 Euro), 150 Euro Sparplangebühr (2,5 Prozent von 6.000 Euro Jahresrate) und 400 Euro Ordergebühren (achtmal 50 Euro). Macht 700 Euro.
Die Direktbank kommt im selben Profil auf 229 Euro: keine Depotführung, 90 Euro Sparplan und 139,20 Euro für acht Orders zu je 17,40 Euro. Der Neobroker liegt bei 8 Euro. Die Differenz zwischen teuerstem und günstigstem Modell beträgt 692 Euro pro Jahr.
Warum der Abstand mit dem Depot wächst
Bei 10.000 Euro Depotwert liegen 206 Euro zwischen Filialbank und Neobroker. Bei 500.000 Euro sind es 3.138 Euro. Der Grund ist einfach: Zwei der drei Kostenblöcke der Filialbank laufen prozentual. Die Depotführung wächst mit dem Vermögen, die Ordergebühr mit dem Ordervolumen. Beim Neobroker bleibt der Fixpreis unverändert, egal wie groß das Depot wird.
Ein Zahlenpaar macht das greifbar. Eine Order über 1.000 Euro kostet beim Neobroker 1 Euro, bei der Direktbank 9,90 Euro und bei der Filialbank 30 Euro. Eine Order über 20.000 Euro kostet beim Neobroker weiterhin 1 Euro, bei der Direktbank 54,90 Euro und bei der Filialbank 200 Euro.
Depotübertrag und Wechselprämien: So wechselst du das Depot
Ein Depotwechsel bedeutet nicht, dass du verkaufen musst. Beim Depotübertrag wandern die Positionen samt Anschaffungsdaten und Haltefristen zum neuen Anbieter. Steuerlich passiert dabei nichts, es entsteht kein Veräußerungsgewinn.
Ablauf und Dauer
Zuerst eröffnest du das neue Depot. Dann füllst du das Übertragsformular aus, meist beim neuen Anbieter, der die Abwicklung mit der alten Bank übernimmt. Inländische Wertpapiere sind in der Regel nach ein bis drei Wochen umgebucht. Bei ausländischen Positionen kann es bis zu sechs Wochen dauern, weil eine Lagerstelle im Ausland beteiligt ist. Die BaFin nennt drei Wochen als Orientierung und verlangt eine Information an den Kunden, wenn es länger dauert.
Während des Übertrags sind die betroffenen Papiere nicht handelbar. Wer eine Position kurzfristig verkaufen könnte, sollte den Wechsel also nicht in eine Phase legen, in der er handeln will.
Kosten und Prämien
Innerhalb Deutschlands ist der Depotübertrag gesetzlich kostenfrei. Banken dürfen dafür kein Entgelt verlangen. Eine Ausnahme sind echte Fremdkosten, die anfallen, wenn für ausländische Papiere die Lagerstelle gewechselt werden muss. Diese Beträge dürfen weitergereicht werden.
Weil Depotkunden lange bleiben, werben viele Anbieter mit Prämien. Stand August 2026 reicht die Spanne von einem 100-Euro-Bonus bei Comdirect über 80 ETF-Anteile bei Smartbroker und 60 Euro in ETF-Anteilen bei Traders Place bis zu 0,75 Prozent Geldprämie auf das übertragene Volumen bei der TARGOBANK, gedeckelt bei 5.000 Euro und ab 7.000 Euro Mindestübertrag mit zwölf Monaten Haltefrist. Alternativ bietet dieselbe Bank eine Zinsaktion mit 2,80 Prozent pro Jahr für zwölf Monate. Fondsplattformen zahlen bei sehr großen Volumina gestaffelt bis zu 4.000 oder 5.000 Euro, verlangen dafür aber 24 Monate Mindesthaltedauer.
Was bei Prämien steuerlich passiert
Barprämien gelten als sonstige Einkünfte. Dafür gilt eine Freigrenze von 256 Euro pro Jahr, oberhalb davon wird der volle Betrag mit dem persönlichen Steuersatz belastet. Zinsaktionen dagegen sind Kapitalerträge und laufen über die Abgeltungsteuer. Rechne eine Prämie deshalb immer netto, bevor du sie gegen jährliche Kostenvorteile aufwiegst.
Tip
Löse das alte Depot erst auf, wenn alle Positionen angekommen sind und die Verlustverrechnungstöpfe geklärt sind. Eine Verlustbescheinigung musst du bis zum 15. Dezember des laufenden Jahres beantragen, sonst wandert der Verlustvortrag bei der alten Bank ins nächste Jahr.
Verrechnungskonto: Zinsen, Einlagensicherung und Cash-Puffer
Das Verrechnungskonto ist der unterschätzte Teil des Depots. Über es laufen alle Buchungen, und auf ihm liegt das Geld, das gerade nicht investiert ist. Genau dafür zahlen die Anbieter sehr unterschiedliche Zinsen.
Zinsen auf nicht investiertes Guthaben
Einige Neobroker verzinsen das Guthaben inzwischen deutlich. Scalable Capital nennt für sein Tagesgeldangebot 2,5 Prozent pro Jahr, Trade Republic verzinst nicht investiertes Geld ebenfalls. Bei Direktbanken liegen die Sätze auf dem Verrechnungskonto oder einem angeschlossenen Tagesgeldkonto niedriger, Beispielwerte sind 0,75 bis 0,80 Prozent.
Die Differenz ist größer, als viele denken. Wer dauerhaft 10.000 Euro als Puffer hält, bekommt bei 2,5 Prozent 250 Euro im Jahr und bei 0,8 Prozent nur 80 Euro. Das sind 170 Euro Unterschied und damit mehr als die gesamte Depotführungsgebühr, um die viele Vergleiche kreisen.
Einlagensicherung und Sondervermögen
Für Guthaben auf dem Verrechnungskonto gilt die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank. Viele deutsche Institute gehören zusätzlich einem freiwilligen Sicherungsfonds an, dessen Grenze typischerweise bei 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals der Bank liegt. Bei großen Häusern sind das zweistellige Millionenbeträge pro Kunde.
Die Wertpapiere selbst brauchen diesen Schutz nicht. Als Sondervermögen werden sie getrennt vom Bankvermögen verwahrt und bleiben in deinem Eigentum. Bei einer Insolvenz würden sie an dich herausgegeben oder auf ein anderes Institut übertragen.
Good to know
Wenn du bei einer Bank sowohl Tagesgeld als auch ein Verrechnungskonto führst, zählen beide Guthaben zusammen auf die 100.000 Euro der gesetzlichen Sicherung. Die Grenze gilt pro Kunde und Institut, nicht pro Konto.
Steuern im Depot: Freistellungsauftrag, Vorabpauschale, Verlusttöpfe
Auf Kapitalerträge fällt Abgeltungsteuer von 25 Prozent an, plus Solidaritätszuschlag ergibt das 26,375 Prozent. Kommt Kirchensteuer dazu, liegt die Gesamtbelastung bei 27,82 Prozent mit 8 Prozent Kirchensteuer in Bayern und Baden-Württemberg und bei 27,99 Prozent mit 9 Prozent in den übrigen 14 Bundesländern. Die Bank ruft das Kirchensteuerabzugsmerkmal automatisch ab und führt die Steuer direkt ab.
Freistellungsauftrag richtig verteilen
Der Sparerpauschbetrag liegt bei 1.000 Euro pro Person und 2.000 Euro bei Zusammenveranlagung. Er wirkt aber nur, wenn du der Bank einen Freistellungsauftrag erteilst. Ohne ihn zieht das Institut ab dem ersten Euro Steuer ein. Zurückholen kannst du das über die Steuererklärung, aber erst im Folgejahr.
Wichtig bei mehreren Depots: Der Pauschbetrag ist ein Gesamtbudget. Du kannst ihn auf mehrere Banken aufteilen, aber nicht mehrfach vergeben. Wer bei zwei Instituten je 1.000 Euro hinterlegt, fällt beim Bundeszentralamt für Steuern auf.
Vorabpauschale: der Basiszins 2026 macht sie spürbar
Thesaurierende Fonds schütten nicht aus. Damit der Fiskus trotzdem jährlich etwas bekommt, gibt es die Vorabpauschale. Der Basisertrag ergibt sich aus dem Fondswert am 1. Januar, multipliziert mit dem Basiszins und dem Faktor 0,7. Für 2026 liegt der Basiszins bei 3,20 Prozent nach 2,53 Prozent im Vorjahr. Der Basisertrag beträgt damit 2,24 Prozent des Depotwerts. Bei Aktienfonds bleiben davon 30 Prozent steuerfrei, bei Mischfonds 15 Prozent. Abgebucht wird im Januar des Folgejahres vom Verrechnungskonto.
| Depotwert am 1. Januar | Basisertrag (2,24 %) | Nach Teilfreistellung | Nach 1.000 € Freistellung | Steuer bei 26,375 % |
|---|---|---|---|---|
| 10.000 € | 224,00 € | 156,80 € | 0 € | 0,00 € |
| 25.000 € | 560,00 € | 392,00 € | 0 € | 0,00 € |
| 50.000 € | 1.120,00 € | 784,00 € | 0 € | 0,00 € |
| 100.000 € | 2.240,00 € | 1.568,00 € | 568,00 € | 149,81 € |
| 200.000 € | 4.480,00 € | 3.136,00 € | 2.136,00 € | 563,37 € |
| 500.000 € | 11.200,00 € | 7.840,00 € | 6.840,00 € | 1.804,05 € |
Steuer auf die Vorabpauschale 2026 nach Depotwert
Die entscheidende Schwelle liegt bei rund 63.800 Euro. Ab diesem Fondsvermögen übersteigt allein die Vorabpauschale den Sparerpauschbetrag eines Singles. Wer darunter bleibt und den Freistellungsauftrag gesetzt hat, zahlt dafür nichts. Wichtig ist trotzdem: Auf dem Verrechnungskonto muss im Januar Geld liegen, sonst bucht die Bank ins Soll oder verkauft im Zweifel Anteile.
Zwei Verlustverrechnungstöpfe
Jede Bank führt zwei getrennte Töpfe. Im Aktientopf landen Verluste aus dem Verkauf einzelner Aktien. Sie lassen sich ausschließlich mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnen. Im allgemeinen Topf stehen alle übrigen Erträge und Verluste, also ETFs, Fonds, Zinsen und Dividenden. Innerhalb eines Kalenderjahres verrechnet die Bank automatisch, ein Überhang wird ins Folgejahr vorgetragen.
Eine Neuerung greift seit dem 1. Januar 2026: Die frühere Deckelung der Verlustverrechnung bei wertlos gewordenen Wertpapieren ist mit dem Jahressteuergesetz 2024 entfallen, und die Banken müssen das seither technisch umsetzen. Wie die Töpfe im Alltag wirken, zeigt der Ratgeber zur Verlustverrechnung im Depot.
Bei mehreren Depots verrechnet keine Bank über Institutsgrenzen hinweg. Das geht nur über die Steuererklärung, und dafür brauchst du eine Verlustbescheinigung, die du bis zum 15. Dezember beantragen musst.
Welches Depot zu welchem Anlegertyp passt
Aus den Zahlen ergeben sich klare Muster. Sie ersetzen keine individuelle Prüfung, aber sie zeigen, wo die Kostenhebel liegen.
Sparplan-Einsteiger mit kleinen Raten
Wer mit 50 bis 200 Euro im Monat startet, zahlt bei prozentualen Sparplangebühren am meisten drauf. 2,5 Prozent auf eine 100-Euro-Rate sind 2,50 Euro pro Ausführung, also 30 Euro im Jahr auf 1.200 Euro Anlagesumme. Ein Anbieter mit kostenlosen Sparplänen spart hier den größten Anteil. Wichtig ist zusätzlich eine niedrige Mindestrate, damit du flexibel bleibst.
Aktiver Anleger mit großen Einzelorders
Bei Ordervolumina ab 10.000 Euro entscheidet allein das Ordermodell. Der Unterschied zwischen einem Fixpreis von 1 Euro und einem Prozentmodell mit 1 Prozent beträgt bei zwölf Orders über je 20.000 Euro 2.388 Euro pro Jahr. Wer häufig große Beträge bewegt, sollte zudem auf den Handelsplatz achten, denn außerbörsliche Spreads können einen niedrigen Orderpreis wieder auffressen.
Großes Depot mit Beratungsbedarf
Bei 500.000 Euro Depotwert kostet das Filialbankmodell im Beispiel 3.150 Euro pro Jahr. Wenn du die Beratung tatsächlich nutzt, kann das gerechtfertigt sein. Wenn du sie nicht nutzt, zahlst du für eine Leistung, die du nicht abrufst. Eine Zwischenlösung ist ein zweites, günstiges Depot für den selbst verwalteten Teil des Vermögens.
Mehrere Depots parallel führen
Die Anzahl der Depots ist nicht begrenzt. Zwei Depots können sinnvoll sein, etwa um Altersvorsorge und spekulative Positionen zu trennen oder um die Zinsen zweier Verrechnungskonten zu nutzen. Der Preis dafür ist Verwaltungsaufwand: Freistellungsaufträge musst du aufteilen, Verlusttöpfe laufen getrennt, und die Steuererklärung wird aufwendiger. Ab drei Depots überwiegt der Aufwand für die meisten Privatanleger den Nutzen.
Was du vor der Eröffnung prüfen solltest
Rechne dein eigenes Profil durch: Depotwert, Zahl der Orders, durchschnittliches Ordervolumen, Sparplanrate. Prüfe dann die Bedingungen für die kostenlose Depotführung, den Zinssatz auf dem Verrechnungskonto und die Verfügbarkeit der Depotarten, die du brauchst. Erst danach ist ein Preisvergleich aussagekräftig.
Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Anlageempfehlung dar. Wertpapieranlagen sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Kurse können schwanken, vergangene Wertentwicklungen lassen keine Rückschlüsse auf künftige Ergebnisse zu. Alle genannten Konditionen entsprechen dem Stand August 2026 und können sich jederzeit ändern. Prüfe Angebote vor einer Entscheidung selbst und ziehe bei Bedarf fachkundigen Rat hinzu.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet ein Depot wirklich pro Jahr?
Das hängt vom Modell ab. Bei 100.000 Euro Depotwert, acht Orders und einem Sparplan zahlst du beim Neobroker rund 8 Euro, bei der Direktbank 229 Euro und bei der Filialbank 700 Euro pro Jahr.
Ist ein Depotübertrag kostenlos und wie lange dauert er?
Innerhalb Deutschlands ist der Übertrag gesetzlich kostenfrei. Inländische Papiere brauchen ein bis drei Wochen, ausländische bis zu sechs Wochen. Die BaFin nennt drei Wochen als Orientierung für die Abwicklung.
Was passiert mit meinem Depot, wenn der Anbieter insolvent wird?
Deine Wertpapiere sind Sondervermögen und bleiben dein Eigentum. Sie fallen nicht in die Insolvenzmasse. Nur Guthaben auf dem Verrechnungskonto fällt unter die Einlagensicherung bis 100.000 Euro.
Was ist die Vorabpauschale und ab wann trifft sie mich?
Die Vorabpauschale besteuert nicht ausgeschüttete Fondsgewinne jährlich vorab. Mit dem Basiszins 3,20 Prozent liegt der Basisertrag bei 2,24 Prozent. Spürbar wird sie ab rund 63.800 Euro Fondsvermögen.
Kann ich mehrere Depots gleichzeitig führen?
Ja, die Anzahl ist nicht begrenzt. Beachte aber, dass Freistellungsauftrag und Verlustverrechnungstöpfe pro Bank gelten. Du musst den Pauschbetrag also auf die Institute aufteilen.
Lohnt sich eine Wechselprämie für den Depotübertrag?
Nur wenn der neue Anbieter auch dauerhaft passt. Prämien sind an Haltefristen von 12 bis 24 Monaten gekoppelt. Barprämien zählen steuerlich als sonstige Einkünfte mit 256 Euro Freigrenze.
Brauche ich für jedes Depot ein eigenes Verrechnungskonto?
Ja, jedes Depot ist fest mit einem Verrechnungskonto verknüpft. Es wickelt Käufe, Verkäufe, Dividenden und Steuerabzüge ab und hält nicht investiertes Guthaben zwischen zwei Transaktionen.



