Entscheidungen der US-Notenbank in Zeiten der Krise
Angesichts der aktuellen Energiekrise und wachsender Inflationssorgen, die durch den Iran-Krieg ausgelöst wurden, hat die Federal Reserve beschlossen, den Leitzins unverändert zu lassen. Der Zentralbankrat hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, die Zinsspanne zum vierten Mal in diesem Jahr bei 3,5 bis 3,75 Prozent zu belassen. Selbst der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh setzte sich nicht für die von US-Präsident Donald Trump geforderten Zinssenkungen ein. Stattdessen kündigte er umfassende Reformen an.
Ankündigungen des neuen Fed-Chefs
Eines seiner Hauptanliegen ist es, die Kommunikationsstrategie der Fed zu überarbeiten. Die bisher umfangreichen Stellungnahmen sollen künftig deutlich kürzer ausfallen. Auch Pressekonferenzen und vierteljährliche Projektionen werden einer genauen Überprüfung unterzogen – letzteres ist ein Punkt, den Warsh schon lange kritisch sieht. Er ermutigte seine Kollegen zwar dazu, weiterhin ihre Einschätzungen abzugeben; selbst jedoch entschied er sich gegen eine Teilnahme an diesen Bewertungen.
Kritik an bisherigen Datenerhebungsmethoden
Warsh nutzte seinen Auftritt vor Pressevertretern auch dazu, Kritik an den bisherigen Methoden zur Datenerhebung zu üben: „Die meisten Datenquellen stammen aus veralteten Umfragemethoden“, erklärte er und betonte das Potenzial neuer Datenquellen im Privatsektor.
Veränderung in den Projektionen seit März
Die Projektionen sind Einschätzungen des siebenköpfigen Fed-Vorstands sowie der zwölf Regionalbankpräsidenten hinsichtlich Wirtschaftswachstum, Inflation und Zinspolitik. Im März erwartete niemand eine straffere Geldpolitik; jetzt jedoch rechnen neun von 18 befragten Mitgliedern mit mindestens einer Erhöhung um einen Schritt (25 Basispunkte). Sechs dieser Mitglieder halten sogar noch weitreichendere Straffungsmaßnahmen für möglich.
- Acht Mitglieder erwarten eine Zinspause bis 2026.
- Nur ein Mitglied prognostiziert einen Rückgang des Zinsniveaus.
Laut Thomas Gitzel von der VP Bank ist eine Zinsanhebung angesichts dieser Prognosen wahrscheinlicher geworden – allerdings sei dies keineswegs sicher.
Energiekrise und Arbeitsmarkt als treibende Kräfte
Zentrale Gründe für diese neuen Prognosen sowie die Entscheidung zur Zinspause sind die Auswirkungen des Iran-Kriegs sowie Blockaden in strategischen Handelswegen wie dem Hormus-Streifen auf das globale Energieangebot – was Unternehmen zwingt höhere Ausgaben für Öl-, Gas- oder Düngemittelpreise hinzunehmen.
- „23% mehr Kosten fielen allein innerhalb eines Jahres nur im Energiebereich Amerikas aufgrund solcher Entwicklungen an! Besonders Benzinpreise stiegen drastisch um etwa vierzig Prozent!„
