Charts in der Finanzwelt

Das Wichtigste in Kürze:

Ein Chart macht den Kursverlauf eines Wertpapiers sichtbar. Wir erklären dir die wichtigsten Chartarten – vom einfachen Linienchart bis zum Kerzenchart –, wie Zeiteinheiten den Blickwinkel verändern und welche Grundlagen hinter der Chartanalyse mit Trend, Unterstützung und Widerstand stecken.

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Themen in diesem Artikel:

Was ein Chart zeigt und wie Zeiteinheiten wirken

Ein Chart stellt die Kursentwicklung eines Wertpapiers über einen bestimmten Zeitraum grafisch dar. Er zeigt dir also, wie sich der Preis einer Aktie, einer Anleihe, eines Rohstoffs oder eines Derivats im Laufe der Zeit verändert hat. Statt eine lange Tabelle mit Zahlen zu lesen, erfasst du den Verlauf auf einen Blick – genau das macht den Chart zum wichtigsten Werkzeug in der Finanzanalyse.

Entscheidend ist dabei die gewählte Zeiteinheit. Die Zeitskala kannst du frei bestimmen, und sie verändert den Blickwinkel grundlegend. Je kleiner der insgesamt dargestellte Zeitraum ist, desto kleiner sind in der Regel auch die einzelnen Kursintervalle. Innerhalb eines Intervalls kann der Kurs selbst schwanken – deshalb lässt sich in vielen Chartarten nicht nur ein einzelner Preis, sondern der gesamte Schwankungsbereich eines Intervalls ablesen.

Vom Langfrist-Blick bis zum Minutentakt

Ein Beispiel: Willst du den kompletten Verlauf des DAX seit seiner Einführung sehen, blickst du auf einen Zeitraum von mehr als 35 Jahren – der deutsche Leitindex startete Ende der 1980er-Jahre. Damit die Darstellung übersichtlich bleibt, umfasst ein einzelnes Intervall dann etwa ein halbes Jahr. Betrachtest du dagegen nur den Kursverlauf eines einzigen Handelstags, entspricht ein Intervall eher einer Zeitspanne von einer bis 15 Minuten.

Eine Sonderform ist der Tick-Chart. Er stellt Kursbewegungen nicht auf einer festen Zeitskala dar, sondern anhand von Ticks. Ein Tick ist die kleinstmögliche Wertänderung, die ein Finanzinstrument vollziehen kann. Bei jeder solchen Änderung entsteht ein neuer Datenpunkt – unabhängig davon, wie viel Zeit vergangen ist. So macht der Tick-Chart auch in sehr ruhigen oder sehr hektischen Phasen die tatsächliche Handelsaktivität sichtbar.

📌 Good to know

Dieselbe Kursbewegung kann je nach Zeiteinheit völlig unterschiedlich aussehen. Ein Tages-Chart wirkt oft dramatisch, während derselbe Verlauf im Jahres-Chart nur eine kleine Zacke ist. Prüfe deshalb immer, welche Zeiteinheit du gerade betrachtest.

Chartarten im Überblick

Es gibt mehrere Möglichkeiten, einen Kursverlauf darzustellen. Am weitesten verbreitet sind Linien-, Balken- und Kerzencharts. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie viele Informationen sie pro Zeitintervall zeigen – vom einzelnen Schlusskurs bis zu vier Kurswerten je Intervall.

Linienchart: der Einfache

Liniencharts gehören zu den grundlegendsten und am häufigsten genutzten Charttypen. Dabei werden einzelne Punkte – in der Regel die Schlusskurse – im Zeitverlauf zu einer Linie verbunden. So entsteht ein gezacktes Muster, in dem sich das Auf und Ab der Kurse deutlich erkennen lässt. Der Vorteil: Der Linienchart ist besonders übersichtlich und eignet sich gut, um langfristige Entwicklungen und die grobe Richtung eines Kurses zu erfassen.

Balkenchart: der Komplexe

Balkencharts bestehen aus vertikalen Balken. Die obere Grenze markiert den Höchstkurs, die untere den Tiefstkurs eines Intervalls. Ein kleiner horizontaler Strich auf der linken Seite zeigt den Eröffnungskurs, einer auf der rechten Seite den Schlusskurs. Ist der Kurs im Laufe des Intervalls gefallen, liegt also der Eröffnungs- über dem Schlusskurs, wird der Balken üblicherweise rot dargestellt. Bei einem Anstieg ist die Farbe meist Grün oder Schwarz.

Point-&-Figure-Chart: der Reduzierte

Deutlich seltener, aber traditionsreich ist der Point-&-Figure-Chart. Er blendet die Zeitachse bewusst aus und zeichnet ausschließlich Kursbewegungen ab einer festgelegten Mindestgröße – dargestellt durch Säulen aus X (steigende Kurse) und O (fallende Kurse). Kleine, unbedeutende Schwankungen fallen dabei heraus. Das Ergebnis ist eine sehr reduzierte Darstellung, die den Fokus allein auf spürbare Trends und markante Kursmarken legt.

Welche Chartart die richtige ist, hängt vom Ziel ab. Für einen schnellen Langfrist-Überblick reicht meist der Linienchart. Wer einzelne Handelstage genauer verstehen und Eröffnung, Schluss sowie Extremwerte je Intervall ablesen möchte, greift zum Balken- oder Kerzenchart. Der Point-&-Figure-Chart wiederum spricht Anleger:innen an, die sich bewusst auf klare Trendbewegungen konzentrieren und den Lärm kleiner Schwankungen ausblenden wollen. In der Praxis dominiert heute der Kerzenchart, weil er viele Informationen kompakt und intuitiv zusammenfasst.

Chartart Was sie zeigt
Linienchart Nur den Schlusskurs je Intervall – maximal übersichtlich.
Balkenchart Eröffnung, Schluss, Höchst- und Tiefstkurs je Intervall.
Kerzenchart Dieselben vier Werte, optisch als Körper mit Docht.
Point & Figure Nur Kursbewegungen ohne Zeitachse, X und O.

Den Kerzenchart lesen

Kerzencharts, auch als Candlestick-Charts bekannt, sind unter aktiven Anleger:innen besonders beliebt. Sie zeigen dieselben vier Werte wie ein Balkenchart – Eröffnungs-, Schluss-, Höchst- und Tiefstkurs –, viele empfinden sie aber als optisch klarer und schneller lesbar. Zusammengesetzt werden sie aus sogenannten Kerzen, die jeweils ein Zeitintervall abbilden.

Der Körper der Kerze entsteht aus der Differenz zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs. Bei einer roten Kerze – je nach Software auch schwarz – liegt der Schlusskurs unter dem Eröffnungskurs, der Kurs ist im Intervall also gefallen. Bei einer grünen Kerze – oder weißen – liegt der Schluss über der Eröffnung, der Kurs ist gestiegen. Schon an der Farbe erkennst du somit auf einen Blick, ob ein Intervall positiv oder negativ verlaufen ist.

Docht, Schatten und die Doji-Kerze

Über und unter dem Körper können dünne Linien liegen. Der oberste Punkt des sogenannten Dochts markiert den Höchstkurs des Zeitraums, der unterste Punkt des Schattens den Tiefstkurs. Je nach Kursverlauf kann eine Kerze auch ohne Docht oder ohne Schatten auskommen. Stimmen Höchst- und Tiefstkurs mit Eröffnung und Schluss überein, besteht die Kerze nur aus ihrem Körper.

Ein Sonderfall ist die Doji-Kerze: Hier liegen Eröffnungs- und Schlusskurs nahezu gleichauf, sodass der Körper zu einem schmalen horizontalen Strich zusammenschrumpft. Ein Doji signalisiert ein Gleichgewicht zwischen Käufer- und Verkäuferseite und wird von vielen als möglicher Hinweis auf eine bevorstehende Richtungsentscheidung gedeutet – eine Garantie ist er allerdings nicht.

💡 Tip

Beginne beim Einlesen in die Chartanalyse mit dem Linienchart, um die grobe Richtung zu verstehen, und wechsle erst dann zum Kerzenchart. So verlierst du dich nicht sofort in Details, sondern behältst den übergeordneten Verlauf im Blick.

Der eigentliche Nutzen eines Charts liegt nicht in der schönen Grafik, sondern in dem, was du aus ihr ableiten kannst. Durch die Analyse vergangener Kursbewegungen versuchen Anleger:innen, Muster, Trends und Marktdynamiken zu erkennen, die möglicherweise auf künftige Entwicklungen hindeuten. Wichtig ist dabei das Wort „möglicherweise“: Ein Chart beschreibt die Vergangenheit, er kann die Zukunft nicht vorhersagen.

Ein zentrales Konzept ist der Trend – also die übergeordnete Richtung, in die sich ein Kurs über einen längeren Zeitraum bewegt. Man unterscheidet grob den Aufwärtstrend mit steigenden Hoch- und Tiefpunkten, den Abwärtstrend mit fallenden Punkten und die Seitwärtsbewegung, in der ein Kurs ohne klare Richtung pendelt. Trendlinien, die aufeinanderfolgende Hoch- oder Tiefpunkte verbinden, helfen dabei, diese Richtung sichtbar zu machen.

Wo Kurse häufig umkehren

Eng damit verbunden sind Unterstützungs- und Widerstandsniveaus. Eine Unterstützung ist ein Kursbereich, in dem in der Vergangenheit häufig genug Käufernachfrage auftrat, um einen fallenden Kurs abzubremsen. Ein Widerstand ist das Gegenstück: eine Marke, an der steigende Kurse oft ins Stocken geraten, weil dort verstärkt verkauft wird. Solche Zonen markieren Punkte, an denen ein Kurs erfahrungsgemäß umkehren oder sich nach einem Durchbruch beschleunigen kann.

Darüber hinaus achten viele auf wiederkehrende Chartmuster wie Kurslücken (Gaps), Spikes oder Formationen wie die Bullen- und die Bärenflagge. Solche Muster sind keine festen Regeln, sondern statistische Beobachtungen: Sie treten oft, aber eben nicht immer in einer bestimmten Weise auf. Genau deshalb dienen sie als Anhaltspunkt, nicht als Beweis.

Für die Praxis heißt das: Kurskonzepte wie Trend, Unterstützung und Widerstand entfalten ihren Wert vor allem im Zusammenspiel und über mehrere Zeiteinheiten hinweg. Bestätigt etwa der Wochen-Chart eine Widerstandszone, die auch im Tages-Chart sichtbar ist, gilt die Marke als aussagekräftiger, als wenn sie nur in einer einzigen Ansicht auftaucht. Mehr Grundlagenwissen zu Kapitalmärkten findest du in unserem Bereich Wirtschaftswissen.

Technische Analyse: Indikatoren und ihre Grenzen

Auf die reine Kursdarstellung lassen sich zusätzlich technische Indikatoren legen. Sie werden aus den Kursdaten berechnet und sollen weitere Einblicke liefern oder Handelssignale erzeugen. Zu den bekanntesten zählen gleitende Durchschnitte, die den Kurs glätten und die Trendrichtung betonen, sowie der Relative Strength Index (RSI), der anzeigen soll, ob ein Wert relativ stark gestiegen oder gefallen ist. Diese Werkzeuge bilden gemeinsam die Grundlage der technischen Analyse.

So hilfreich Indikatoren sein können – sie sollten mit Bedacht eingesetzt werden. Ein Chart, auf den gleichzeitig gleitender Durchschnitt, Bollinger-Bänder, Williams %R, Stochastik und Donchian-Kanal angewandt werden, wird schnell unübersichtlich. Häufig gilt hier: Weniger ist mehr. Wenige, gut verstandene Indikatoren liefern meist klarere Signale als ein überladenes Chartbild, in dem sich widersprüchliche Hinweise gegenseitig aufheben.

Was Charttechnik leisten kann – und was nicht

Wichtig ist eine realistische Erwartung. Die technische Analyse arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten, nicht mit Gewissheiten. Ein Muster, das in der Vergangenheit oft zu einer bestimmten Bewegung führte, kann sich jederzeit anders entwickeln – gerade in Phasen mit überraschenden Nachrichten, wirtschaftlichen Schocks oder plötzlichen Stimmungswechseln. Eine Kurshistorie ist eben kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Charttechnik ist deshalb kein Instrument, das sichere Gewinne verspricht, sondern ein Hilfsmittel zur Strukturierung von Entscheidungen. Viele kombinieren sie mit einer fundamentalen Betrachtung des zugrunde liegenden Unternehmens oder Marktes und mit einem klaren Risikomanagement. Der Handel mit Wertpapieren ist grundsätzlich mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Bilde dir dein eigenes Urteil und ziehe im Zweifel unabhängigen fachlichen Rat hinzu.

📌 Good to know

Kein Chartmuster und kein Indikator liefert eine Garantie. Sie zeigen Wahrscheinlichkeiten auf Basis vergangener Daten. Ein durchdachtes Risikomanagement bleibt deshalb wichtiger als jede einzelne Charttechnik.

Häufig gestellte Fragen

Q

Was ist unter einem Chart zu verstehen?

Ein Chart ist die grafische Darstellung eines Börsenkursverlaufs. Er zeigt, wie sich der Preis eines Wertpapiers über einen gewählten Zeitraum entwickelt hat, und macht Trends und Schwankungen auf einen Blick sichtbar.

Q

Welche Chartarten gibt es?

Zu den bekanntesten Chartarten zählen Linien-, Balken- und Kerzencharts. Seltener genutzt wird der Point-&-Figure-Chart, der die Zeitachse ausblendet und nur nennenswerte Kursbewegungen abbildet.

Q

Wie behalte ich bei der Chartanalyse den Überblick?

Weniger ist oft mehr. Nutze nur wenige, gut verstandene Indikatoren statt vieler gleichzeitig. Ein überladenes Chartbild mit widersprüchlichen Signalen erschwert Entscheidungen eher, als dass es sie erleichtert.

Q

Kann ich aus Charts die Kursentwicklung vorhersagen?

Nein. Charts zeigen die Vergangenheit und liefern nur Wahrscheinlichkeiten. Eine vergangene Kursentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft, und der Handel mit Wertpapieren bleibt stets mit Risiken verbunden.


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