Deutsche Haushalte könnten ihre Stromkosten durch zeitlich flexiblen Verbrauch deutlich senken. Eine Studie von Eon und der Forschungsstelle für Energiewirtschaft zeigt: Im Jahr 2023 ließen sich 18,3 Terawattstunden Strom auf günstigere Tageszeiten verschieben. Die schleppende Einführung digitaler Stromzähler verhindert jedoch, dass Verbraucher von schwankenden Börsenstrompreisen profitieren können.
Analogzähler: Keine Erfassung zeitabhängiger Tarife
Die in deutschen Haushalten vorherrschenden analogen Stromzähler messen ausschließlich die Gesamtmenge des verbrauchten Stroms. Eine zeitliche Zuordnung des Verbrauchs erfolgt nicht. Dadurch entfällt der finanzielle Anreiz, stromintensive Geräte wie Waschmaschinen oder Geschirrspüler in Zeiten niedriger Börsenstrompreise zu betreiben. Besonders teuer ist Strom am frühen Morgen und in den Abendstunden, während mittags und nachts günstigere Tarife gelten, erläutert Serafin von Roon von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft.
Verlagerungspotenzial: 18,3 Terawattstunden im Jahr 2023
Die Studie ermittelte den Anteil des zeitlich nicht gebundenen Stromverbrauchs in deutschen Haushalten. Für 2023 ergibt sich ein Verlagerungspotenzial von 18,3 Terawattstunden. Bis 2031 könnte dieser Wert durch den Ausbau erneuerbarer Energien auf 34 Terawattstunden steigen. Zum Vergleich: Der gesamte jährliche Energiebedarf Bayerns liegt bei etwa 80 Terawattstunden.
Unterschiedliche Voraussetzungen nach Wohnform
- Hausbesitzer mit Solaranlagen: Können ihren Energieverbrauch relativ einfach flexibel gestalten
- Mieter: Stehen vor größeren Herausforderungen durch fixe Tarifstrukturen ohne finanzielle Anreize zur Nutzung günstigerer Zeitfenster
Digitale Zähler: Zielmarke 2030
Trotz gesetzlicher Verpflichtung verläuft der Austausch analoger gegen digitale Stromzähler schleppend. Die Bundesregierung plant eine vollständige Umstellung bis 2030. Deutschland hinkt dabei anderen Ländern wie Italien oder dem Vereinigten Königreich hinterher, die bereits seit Jahren flächendeckend mit intelligenten Messsystemen ausgestattet sind, erklärt Filip Thon von Eon Energie Deutschland.
