Rund 800 Einsatzkräfte haben in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Belgien Wohn- und Geschäftsräume durchsucht. Die Razzia richtet sich gegen 50 Beschuldigte, die über ein Netzwerk von Scheinfirmen Bargeld aus illegalen Aktivitäten gewaschen und Steuern hinterzogen haben sollen. Die Behörden beziffern den Schaden durch nicht gezahlte Steuern und Sozialversicherungsbeiträge auf mehr als 60 Millionen Euro.
Bargeld-gegen-Buchgeld-System mit dreiprozentige Provision
Die Beschuldigten sollen für ihre Vermittlungsdienste eine Provision von drei Prozent erhalten haben. Unternehmen aus der Transport- und Logistikbranche nutzten das Bargeld zur Bezahlung von Schwarzarbeitern. Parallel erstellten die Beteiligten Scheinrechnungen, um unberechtigte Vorsteuerabzüge geltend zu machen und Umsatzsteuer-Karusselle zu betreiben. Zahlungsströme im Wert von rund 150 Millionen Euro wurden nachverfolgt.
Stephanie Thien vom Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität NRW erklärte, das System sei mit professioneller Raffinesse darauf ausgelegt gewesen, Gelder an mehreren Besteuerungsebenen vorbei ins Ausland abzuzweigen. Scheinfirmen wurden regelmäßig gegründet und liquidiert, um eine Entdeckung zu vermeiden. Anstelle echter Geschäftsführer fungierten Strohmänner als Verantwortliche.
Vier Haftbefehle vollstreckt, Vermögenswerte gesichert
Bei den Durchsuchungen vollstreckten die Ermittler vier Haftbefehle und sicherten Vermögenswerte im Wert von knapp 500.000 Euro. Dazu gehörten Bargeld, Goldbarren sowie Luxusgüter wie hochwertige Uhren, teure Handtaschen und Schmuckstücke. Auch Fahrzeuge wurden beschlagnahmt. Zudem entdeckten die Beamten eine Schusswaffe mit Munition und konfiszierten diese.
Schwerpunkt der Durchsuchungen in Hessen
Der Einsatzschwerpunkt lag in Hessen: Dort richteten sich die Maßnahmen gegen 41 Verdächtige und 22 Unternehmen. Insgesamt überprüften die Ermittler mehr als 60 Wohn- und Geschäftsadressen sowie neun Banken. In Nordrhein-Westfalen durchsuchten die Beamten zehn Wohnobjekte und weitere zehn Firmenadressen. Die Koordination erfolgte durch das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität NRW, das Europäische Staatsanwaltschaftsnetzwerk, die Staatsanwaltschaften Frankfurt am Main und Darmstadt sowie das Hauptzollamt Frankfurt und belgische Behörden.
