Die Renditen für Staatsanleihen steigen in vielen großen Volkswirtschaften deutlich an. US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit erreichten zwischenzeitlich eine Rendite von 5,2 Prozent – der höchste Stand seit 2007. Deutsche Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit kletterten seit Jahresbeginn von 2,9 auf 3,6 Prozent. Experten führen diese Entwicklung auf einen hohen Kapitalbedarf in der Weltwirtschaft zurück.
Energiepreise und Inflationserwartungen als Haupttreiber
Gestiegene Energiepreise erhöhen die Inflationserwartungen und befeuern Spekulationen über weitere Zinsanhebungen. Sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank hoben im September ihre Leitzinsen an. An den Finanzmärkten wird mit zusätzlichen Zinsschritten gerechnet, was die Anleiherenditen weiter nach oben treibt.
In den USA wächst der Schuldenberg täglich um mehr als sechs Milliarden Dollar und hat eine Gesamthöhe von 40 Billionen US-Dollar erreicht. Diese hohe Verschuldung verstärkt die Unsicherheit an den Märkten und dämpft das Interesse an US-Staatsanleihen.
Deutsche Bundesanleihen: Renditen steigen trotz niedrigerem Niveau
Auch bei deutschen Staatsanleihen treiben Inflationsängste aufgrund hoher Energiekosten die Renditen. Obwohl das Niveau unter dem der US-Anleihen liegt, sind die Finanzierungskosten für den Staat deutlich gestiegen. Im Frühjahr 2022 lagen die Kosten für Staatsschulden noch nahe Null.
- Zehnjährige Bundesanleihen stiegen von 2,9 auf 3,6 Prozent
- Höhere Renditen verteuern neue Kreditaufnahmen erheblich
- Ratingagenturen warnen vor wachsender Zinslast durch steigende Verschuldungskosten
Auswirkungen auf Kreditnehmer und Immobilienmarkt
Steigende Marktzinsen belasten alle Schuldner spürbar. Bauzinsen orientieren sich häufig an zehnjährigen Bundesanleihen, weshalb bereits kleine Zinsschritte für Immobilienkäufer und Bauherren teuer werden. Geplante Projekte können gefährdet sein, falls die Finanzierungskosten weiter steigen.
