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Festnahmen und Razzien wegen Schwarzarbeit und Menschenhandel

1. Oktober 2026, 13:50 Uhr11 AufrufeZuletzt geprüft: 01.10.2026

Das Wichtigste in Kürze

Bei einer groß angelegten Razzia wurden bundesweit zehn Verdächtige wegen Schwarzarbeit und Menschenhandel festgenommen. Der mutmaßliche Bandenchef schleuste Menschen nach Deutschland, um sie im Reinigungsgewerbe auszubeuten. Über 2.200 Einsatzkräfte waren beteiligt, Vermögen in Millionenhöhe wurde eingefroren.

Bei bundesweiten Razzien gegen Schwarzarbeit und Menschenhandel in der Reinigungsbranche sind zehn Verdächtige festgenommen worden. Unter ihnen befindet sich ein 50-jähriger Mann, der als mutmaßlicher Anführer der Organisation gilt. Die Staatsanwaltschaft Berlin wirft ihm vor, seit 2022 gemeinsam mit 22 weiteren Bandenmitgliedern Menschen gezielt nach Deutschland eingeschleust und im Reinigungssektor eingesetzt zu haben. Insgesamt richten sich die Ermittlungen gegen 23 Beschuldigte im Alter zwischen 31 und 59 Jahren.

Einsatz von 2.200 Beamten in sieben Bundesländern

An den Durchsuchungen beteiligten sich rund 2.200 Beamte von Zoll und Polizei. Die Einsätze erstreckten sich über Berlin, Hamburg, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Mehr als hundert Objekte wurden durchsucht, darunter Wohnungen, Unterkünfte, Firmengebäude und Hotels. Parallel führte die österreichische Finanzpolizei Prüfungen in Hotels durch.

Die mutmaßliche Bande soll Menschen aus osteuropäischen Ländern wie der Ukraine und Georgien mit gefälschten Urkunden und Ausweisen nach Deutschland gebracht haben. Die Arbeitsbedingungen für diese Beschäftigten waren nach Angaben der Ermittler deutlich schlechter als jene deutscher Kollegen, sowohl beim Lohn als auch bei anderen Arbeitsbedingungen.

Vermögensarrest über 106 Millionen Euro verhängt

Die Organisation soll durch Scheinrechnungen und fingierte Anmeldungen bei Subunternehmen die tatsächlichen Arbeitsverhältnisse verschleiert haben. Dies führte zu erheblichen Bargeldbewegungen innerhalb des Netzwerks. Das Berliner Amtsgericht Tiergarten ordnete daraufhin Vermögensarreste im Wert von insgesamt 106 Millionen Euro an.

Carsten Glad, Präsident der Bundespolizeidirektion Berlin, bezeichnete die Aktion als bedeutenden Schlag gegen bandenmäßig organisierte Schleusungskriminalität verbunden mit gewerblicher Ausbeutung am Arbeitsplatz. Constanze Voß, Chefin der Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Zoll, verwies darauf, dass der Zoll immer wieder illegale Netzwerke bestehend aus Schein- und Nachunternehmen in der Gebäudereinigung aufdecke.

Sonderermittlungsgruppe Purgatio koordiniert Ermittlungen

Zur Aufklärung des Falls wurde die Sonderermittlungsgruppe Purgatio eingerichtet. Sie besteht aus Personal der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung und des Hauptzollamts Berlin. Die beteiligten Behörden planen, weitere Details um 11 Uhr bekanntzugeben.