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Bund drängt auf rasche Zusagen von Orcel zur Commerzbank

30. September 2026, 14:08 Uhr3 AufrufeZuletzt geprüft: 30.09.2026

Das Wichtigste in Kürze

Die Bundesregierung fordert von Unicredit-Chef Andrea Orcel verbindliche Zusagen im Übernahmekampf um die Commerzbank. Finanzminister Lars Klingbeil betont, dass der Standort Frankfurt gesichert und das Mittelstandsgeschäft ausgebaut werden soll. Währenddessen plant Orcel tiefgreifende Veränderungen im Aufsichtsrat.

Die Bundesregierung fordert von Unicredit-Chef Andrea Orcel verbindliche Zusagen zur geplanten Übernahme der Commerzbank. Finanzminister Lars Klingbeil verlangt nach einem Treffen mit Orcel konkrete Garantien: Die Commerzbank soll börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleiben, ihr Mittelstandsgeschäft ausbauen können und wesentliche Entscheidungen in Deutschland treffen. Aus Regierungskreisen heißt es, man erwarte zeitnahe Zusagen zu Standort, Arbeitnehmerrechten und konstruktivem Dialog mit dem Betriebsrat.

Orcels Konfrontationskurs bei Übernahmeplänen

Laut Financial Times plant Andrea Orcel einen radikalen Umbau der Commerzbank-Führung. Der Unicredit-Chef will alle zehn Aufsichtsratsmitglieder austauschen und Vorstandschefin Bettina Orlopp absetzen. Die Umsetzung soll über eine außerordentliche Hauptversammlung erfolgen, sofern behördliche Genehmigungen vorliegen. Im besten Fall könnte dies bis Januar geschehen, andernfalls bis Ende Februar.

Orcel lehnt zudem die Forderung ab, dem Bund weiterhin zwei Aufsichtsratssitze zu gewähren. Dies gilt als Affront gegenüber den bisherigen Vereinbarungen, die Finanzminister Klingbeil im September formuliert hatte.

Position der Commerzbank-Führung

Bettina Orlopp bekräftigt ihre Absicht, das Amt der Vorstandsvorsitzenden bis 2029 auszuüben. Voraussetzung sei das Vertrauen des Aufsichtsrates und Einigkeit über die Strategie. Damit signalisiert sie Widerstand gegen Orcels Pläne.

Unicredit zeigt sich gesprächsbereit, vermeidet aber konkrete Verpflichtungen. Ein Sprecher erklärte, man wolle angesichts der Art dieser Gespräche keine öffentlichen Kommentare zu Einzelheiten abgeben, bevor abschließende Ergebnisse erzielt wurden.

Bundesbeteiligung und Einflussmöglichkeiten

Der Bund hält 13 Prozent an der Commerzbank und ist damit zweitgrößter Aktionär. Diese Beteiligung stammt aus Rettungsmaßnahmen während der Finanzkrise. Unicredit kontrolliert mittlerweile fast die Hälfte aller relevanten Stimmrechte, nachdem die italienische Bank im September Bundesanteile erworben hatte. Die staatliche Beteiligung reicht nicht aus, um die Übernahme zu verhindern, verschafft der Bundesregierung aber Mitspracherechte bei künftigen Entscheidungen.