Das Wichtigste in Kürze
- Wer ein Gewerbe anmelden muss: Die Anzeigepflicht nach § 14 GewO greift, sobald du ein stehendes Gewerbe selbständig beginnst.
- Gewerbe oder Freiberuf: Katalogberufe nach § 18 EStG melden sich beim Finanzamt, nicht beim Gewerbeamt.
- Ablauf beim Gewerbeamt und online: Formular GewA 1, Ausweis und Nachweise; die Behörde bescheinigt den Empfang innerhalb dreier Tage.
- Kosten nach Kommune: Die Gebühr legt die Kommune fest, deshalb unterscheidet sie sich von Ort zu Ort.
- Was danach folgt: Finanzamt, IHK, Geschäftskonto: Das Gewerbeamt informiert Finanzamt, Kammern und Berufsgenossenschaft automatisch.
- Rechtlicher Rahmen und Pflichten: Wer die Anzeige versäumt, begeht eine Ordnungswidrigkeit mit Geldbuße bis zu eintausend Euro.
- Kleingewerbe, Kleinunternehmer und Handelsgewerbe: Die Kleinunternehmergrenze liegt bei 25.000 Euro Vorjahresumsatz und 100.000 Euro im laufenden Jahr.
- Kosten und laufende Aufwände: Gewerbesteuer-Freibetrag 24.500 Euro, IHK-Freistellung bis 5.200 Euro Gewinn, Software und Versicherung.
- Sonderfälle: nebenberuflich, rückwirkend, ummelden: Ummeldung und Abmeldung sind ebenso anzeigepflichtig wie der Start.
- Schritt für Schritt: So gehst du vor: Acht Schritte von der Abgrenzung bis zur ersten Rechnung.
- Häufige Fehler und wie du sie vermeidest: Falsches Startdatum, fehlende Erlaubnis und Drittanbieter-Gebühren.
Stand: Oktober 2026 · Rechtsstand laut gesetze-im-internet.de, Preise laut Anbieterseiten. Dieser Artikel ist keine Steuer- oder Rechtsberatung.
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Wer ein Gewerbe anmelden muss
Ein Gewerbe anmelden muss jeder, der selbständig, dauerhaft und mit Gewinnabsicht eine Tätigkeit beginnt, die weder Freiberuf noch Land- und Forstwirtschaft ist. Die Anzeige geht an das Gewerbeamt der Gemeinde, in der dein Betrieb sitzt.
Rechtsgrundlage ist § 14 Abs. 1 der Gewerbeordnung (GewO): Wer den selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes anfängt, muss dies der zuständigen Behörde gleichzeitig anzeigen. Dieselbe Pflicht gilt bei Verlegung des Betriebs, bei Änderung des Gegenstands, bei Namensänderung und bei Aufgabe (§ 14 GewO, Stand: Oktober 2026).
Die Gewerbeordnung kennt keine Mindestumsatzgrenze. Auch ein kleiner Onlineshop, ein Hausmeisterservice oder ein Nebengewerbe mit wenigen Aufträgen im Jahr ist anzeigepflichtig, sobald die Tätigkeit auf Dauer angelegt ist.
Ab wann muss man ein Gewerbe anmelden?
Der Zeitpunkt der Anmeldung ist der Betriebsbeginn. Das Gesetz verlangt die Anzeige gleichzeitig mit dem Start, also unmittelbar mit der ersten Tätigkeit, die nach außen auf Gewinn gerichtet ist: erstes Angebot, erste Rechnung, Eröffnung des Shops.
Reine Vorbereitungen wie Businessplan, Marktrecherche oder Gespräche mit der Bank lösen die Anmeldepflicht noch nicht aus. Eine feste Frist in Tagen nennt § 14 GewO nicht, das Wort „gleichzeitig“ lässt aber keinen Puffer.
Als Gewerbetreibende gelten nach Rechtsprechung und Verwaltungspraxis Personen, die selbständig, nachhaltig (auf Wiederholung angelegt) und mit Gewinnabsicht handeln. Ein einmaliger privater Verkauf gebrauchter Sachen fällt nicht darunter. Wer dagegen auf Kleinanzeigen-Plattformen regelmäßig Ware ankauft und weiterverkauft, betreibt in der Regel ein Gewerbe.
Wo muss ich mein Gewerbe anmelden?
Zuständig ist das Gewerbeamt der Gemeinde, in der dein Betriebssitz liegt. Je nach Kommune heißt die Stelle Gewerbeamt, Ordnungsamt, Bürgeramt oder Amt für öffentliche Ordnung. Arbeitest du von zu Hause, ist deine Wohnadresse zugleich der Betriebssitz.
- Gewerbe anmelden in Berlin: Die Bezirksämter nehmen die Anzeige entgegen, zuständig ist der Bezirk deines Betriebssitzes; die Online-Anmeldung läuft über das Serviceportal des Landes.
- Gewerbe anmelden in München: Zuständig ist das Kreisverwaltungsreferat der Landeshauptstadt.
- Gewerbe anmelden in Hamburg: Die Bezirksämter bearbeiten die Gewerbeanzeigen, online über das Hamburg-Serviceportal.
- Köln, Düsseldorf, Frankfurt, Dortmund und andere Städte: Die Stadtverwaltung führt das Gewerbeamt; die Online-Anmeldung bietet das jeweilige Serviceportal von Stadt oder Bundesland.
Die Adresse deines Gewerbeamts in der Nähe findest du über das Serviceportal deines Bundeslandes oder über die Website deiner Stadt. Für Gründungsfragen bietet auch das Existenzgründungsportal des Bundes eine Übersicht.
Wer ist von der Anmeldepflicht ausgenommen?
- Freiberufler: Ärzte, Rechtsanwälte, Architekten, Ingenieure, Steuerberater sowie wissenschaftlich, künstlerisch, schriftstellerisch, unterrichtend oder erzieherisch Tätige melden sich beim Finanzamt.
- Land- und Forstwirtschaft: Sie unterliegt nicht der Gewerbeordnung.
- Vermögensverwaltung: Wer eigenes Vermögen verwaltet, etwa eine Wohnung vermietet, betreibt kein Gewerbe.
- Reisegewerbe: Hier gilt nicht die Anzeige, sondern eine Erlaubnis, die Reisegewerbekarte nach § 55 GewO.
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Gewerbe oder Freiberuf: Was ist der Unterschied?
Der Unterschied zwischen Gewerbe und Freiberuf entscheidet, ob du zum Gewerbeamt musst: Freiberufler nach § 18 EStG zeigen ihre Tätigkeit nur dem Finanzamt an, Gewerbetreibende zuerst der Gemeinde.
Beide sind „selbständig“. Selbständigkeit ist der Oberbegriff, Gewerbebetrieb und Freiberuf sind die zwei steuerlichen Kategorien darunter. Das Einkommensteuergesetz (EStG) ordnet Einkünfte aus Gewerbebetrieb § 15 zu und Einkünfte aus selbständiger Arbeit § 18.
Was ist der Unterschied zwischen selbständig und Gewerbebetrieb?
Ein Gewerbebetrieb ist eine selbständige, nachhaltige Tätigkeit mit Gewinnabsicht, die kein Freiberuf ist. Für ihn gelten Gewerbeanmeldung, Gewerbesteuer und in der Regel die Pflichtmitgliedschaft in der IHK oder Handwerkskammer.
Freiberufler sind ebenfalls selbständig, zahlen aber keine Gewerbesteuer und sind nicht IHK-Mitglied. Viele Freiberufe haben eigene Berufskammern, etwa für Ärzte, Anwälte oder Steuerberater.
Welche Katalogberufe nennt § 18 EStG?
Zur freiberuflichen Tätigkeit gehören laut § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit. Dazu kommen die Katalogberufe, darunter Ärzte, Rechtsanwälte, Architekten, Ingenieure und Steuerberater.
Daneben gibt es „ähnliche Berufe“. Ob deine Tätigkeit einem Katalogberuf ähnelt, beurteilt das Finanzamt anhand von Ausbildung und konkreter Arbeit. Im Zweifel ordnet es die Einkünfte als gewerblich ein.
Grenzfälle: Wann wird ein Freiberufler gewerblich?
Typische Grenzfälle sind IT-Beratung, Webdesign, Coaching und Content-Produktion. Programmierst du als Informatiker eigene Software, kann das freiberuflich sein. Verkaufst du zusätzlich Hardware oder Lizenzen, entstehen gewerbliche Einkünfte.
Mischt eine Personengesellschaft freiberufliche und gewerbliche Tätigkeiten, kann die gesamte Gesellschaft als gewerblich gelten. Solche Einzelfragen klärst du mit der Steuerberatung, bevor du den Fragebogen beim Finanzamt abgibst.
Ablauf beim Gewerbeamt und online
Der Ablauf beim Gewerbeamt besteht aus drei Teilen: Formular GewA 1 ausfüllen, mit Ausweis und Nachweisen einreichen, Empfangsbescheinigung erhalten. Online läuft derselbe Weg über das Serviceportal deines Bundeslandes oder deiner Stadt.
Für die Anzeige gibt es bundeseinheitliche Vordrucke: GewA 1 für die Anmeldung, GewA 2 für die Ummeldung und GewA 3 für die Abmeldung. Das Formular fragt Person, Betriebsadresse, Rechtsform, Tätigkeit, Beginn und Zahl der Beschäftigten ab.
Welche Unterlagen brauche ich für die Gewerbeanmeldung?
- Identität: Personalausweis oder Reisepass mit Meldebescheinigung.
- Formular: das ausgefüllte Gewerbeanmeldeformular GewA 1.
- Gesellschaften: Handelsregisterauszug oder notariell beurkundeter Gesellschaftsvertrag sowie ein Beiblatt für weitere Vertretungsberechtigte.
- Erlaubnispflichtige Gewerbe: die Erlaubnis selbst oder den Antrag, bei Handwerk die Eintragung in die Handwerksrolle.
- Nicht-EU-Staatsangehörige: einen Aufenthaltstitel, der die selbständige Tätigkeit erlaubt.
- Vertretung: Vollmacht und Ausweiskopie, wenn jemand anderes für dich anmeldet.
Kann man ein Gewerbe online anmelden?
Ein Gewerbe online anmelden kannst du in allen Bundesländern, die Verfahren unterscheiden sich aber. Meist führt das Serviceportal von Land oder Kommune durch ein elektronisches Formular, die Identifizierung erfolgt über die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises oder ein Nutzerkonto.
Elektronisch eingereichte Anzeigen gelten wie die persönliche Abgabe. In manchen Städten ist die Online-Anmeldung der Regelweg und ein Termin vor Ort nur noch für Sonderfälle vorgesehen. Prüfe vorab, ob dein Portal Gesellschaften oder erlaubnispflichtige Gewerbe online annimmt.
Wie lange dauert die Gewerbeanmeldung?
Die Behörde bescheinigt nach § 15 Abs. 1 GewO innerhalb dreier Tage den Empfang der Anzeige. Diese Empfangsbescheinigung ist das, was umgangssprachlich „Gewerbeschein“ heißt.
Bei persönlicher Vorsprache stellen viele Ämter die Bescheinigung direkt am Termin aus. Bei schriftlicher oder elektronischer Anmeldung kommt sie per Post oder digital, vorausgesetzt, das Formular ist vollständig. Die Bearbeitung verzögert sich vor allem, wenn Nachweise fehlen.
Die Empfangsbescheinigung ist keine Genehmigung. Sie bestätigt nur, dass du deine Pflicht erfüllt hast. Erlaubnispflichtige Tätigkeiten darfst du erst ausüben, wenn die Erlaubnis tatsächlich vorliegt.
Kosten nach Kommune
Die Kosten der Gewerbeanmeldung legt jede Kommune über ihre Gebührensatzung selbst fest, deshalb gibt es keinen bundesweit einheitlichen Betrag. Die aktuelle Gebühr nennt dein zuständiges Gewerbeamt auf seiner Website.
Die Gebühr deckt den Verwaltungsaufwand für Prüfung, Eintrag ins Gewerberegister und Weitergabe der Daten. Sie fällt in der Regel einmalig an und wird bei der Abgabe oder mit dem Bescheid fällig. Ob Online-Anmeldung und Termin vor Ort gleich viel kosten, regelt ebenfalls die Kommune.
Was kostet die Gewerbeanmeldung?
Was die Gewerbeanmeldung kostet, hängt vom Ort ab und davon, was du zusätzlich brauchst. Zur Grundgebühr können Kosten für Führungszeugnis, Auskunft aus dem Gewerbezentralregister, Handelsregistereintrag oder eine Erlaubnis hinzukommen.
Für GmbH und UG fallen außerdem Notar- und Registerkosten an, die sich nach den jeweiligen Kostengesetzen richten. Die Gewerbeanmeldung selbst ist dabei der kleinste Posten.
| Posten | Wann nötig | Höhe |
|---|---|---|
| Gewerbeanmeldung (GewA 1) | immer bei stehendem Gewerbe | je nach Kommune (Gebührensatzung) |
| Ummeldung (GewA 2) / Abmeldung (GewA 3) | bei Umzug, neuer Tätigkeit, Aufgabe | je nach Kommune |
| Führungszeugnis und Gewerbezentralregisterauszug | bei erlaubnispflichtigen Gewerben | laut Gebührenordnung des Bundesamts für Justiz |
| Erlaubnis (z. B. Gaststätte, Bewachung, Makler) | bei erlaubnispflichtigen Gewerben | je nach Behörde und Gewerbe |
| Notar und Handelsregister | bei Kaufleuten, GmbH, UG | nach Gerichts- und Notarkostengesetz |
| Reisegewerbekarte | bei Reisegewerbe nach § 55 GewO | je nach Kommune |
| Stand: Oktober 2026 · konkrete Gebühren laut Website deines Gewerbeamts | ||
Vorsicht bei Drittanbietern und Gebühren-Abzocke
Offizielle Gewerbeanmeldungen laufen ausschließlich über das Gewerbeamt oder das amtliche Serviceportal. Private Drittanbieter, die gegen Gebühr „Gewerbe online anmelden“ anbieten, reichen die Anzeige nur weiter.
Nach der Anmeldung verschicken unseriöse Firmen zudem Schreiben, die wie amtliche Rechnungen aussehen, etwa für Einträge in private Register. Eine Zahlungspflicht entsteht dadurch nicht. Echte Gebührenbescheide kommen von deiner Kommune, Beitragsbescheide von IHK oder Handwerkskammer.
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Was danach folgt: Finanzamt, IHK, Geschäftskonto
Nach der Gewerbeanmeldung informiert die Gemeinde das Finanzamt, das dir den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung abverlangt; parallel melden sich IHK oder Handwerkskammer und die Berufsgenossenschaft.
Das Gewerbeamt übermittelt die Daten aus deiner Anzeige laut § 14 Abs. 8 GewO regelmäßig an die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer und die Berufsgenossenschaft. Du musst dich bei diesen Stellen deshalb nicht gesondert anmelden, solltest ihre Post aber beantworten.
Was passiert nach der Gewerbeanmeldung beim Finanzamt?
Nach § 138 AO unterrichtet die Gemeinde das Finanzamt unverzüglich über die Eröffnung deines Betriebs. Mitteilungen ans Finanzamt sind innerhalb eines Monats nach dem meldepflichtigen Ereignis zu erstatten.
Den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung reichst du elektronisch über ELSTER ein. Darin schätzt du Umsatz und Gewinn, wählst zwischen Kleinunternehmerregelung und Regelbesteuerung und gibst deine Bankverbindung an. Auf dieser Grundlage vergibt das Finanzamt die Steuernummer und setzt Vorauszahlungen fest.
Freiberufler gehen den umgekehrten Weg: Sie zeigen die Aufnahme ihrer Tätigkeit direkt dem Finanzamt an (§ 138 Abs. 1 AO), eine Gewerbeanzeige entfällt für sie.
IHK, Handwerkskammer und Berufsgenossenschaft
Mit der Gewerbeanmeldung wirst du Pflichtmitglied der Industrie- und Handelskammer, bei Handwerksbetrieben der Handwerkskammer. Die Mitgliedschaft ist gesetzlich geregelt, der Beitrag hängt vom Gewerbeertrag ab.
Nicht im Handelsregister eingetragene natürliche Personen und Personengesellschaften sind laut § 3 Abs. 3 IHKG vom IHK-Beitrag freigestellt, soweit ihr Gewerbeertrag oder Gewinn aus Gewerbebetrieb 5.200 Euro nicht übersteigt.
Die Berufsgenossenschaft ist Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Für Unternehmen ist die Anmeldung dort Pflicht, sobald Mitarbeiter beschäftigt werden; für Unternehmer selbst ist die Versicherung je nach Branche Pflicht oder freiwillig.
Betriebsnummer und Sozialversicherung bei Mitarbeitern
Stellst du Mitarbeiter ein, brauchst du eine Betriebsnummer vom Betriebsnummern-Service der Bundesagentur für Arbeit. Mit ihr meldest du Beschäftigte zur Sozialversicherung an, auch Minijobber.
Brauche ich ein Geschäftskonto?
Ein separates Geschäftskonto ist für Einzelunternehmer gesetzlich nicht vorgeschrieben, die Trennung von Privatkonto und Betrieb erleichtert aber Buchhaltung und Betriebsprüfung. Bei GmbH und UG ist ein eigenes Konto der Gesellschaft schon für die Einzahlung des Stammkapitals nötig.
Manche Banken akzeptieren für ein Geschäftskonto ein privates Girokonto nicht als Ersatz, wenn die Umsätze gewerblich sind; das regeln die jeweiligen Kontobedingungen. Wie eine klassische Kontoeröffnung abläuft, zeigt der Ratgeber zum Commerzbank Geschäftskonto eröffnen 2026. Digitale Modelle beschreiben die Beiträge Vivid Erfahrungen 2026 und bunq Erfahrungen 2026.
Ein Beispiel für ein App-Konto: Accountable bietet laut Anbieterseite ein kostenloses Geschäftskonto mit deutscher IBAN und virtueller Mastercard, ohne Schufa-Abfrage (Stand: Oktober 2026). Bankdienstleistungen erbringt der Partner Swan SAS aus Frankreich, die Gelder liegen bei der BNP und sind bis zu 100.000 Euro durch den französischen Fonds de Garantie des Dépôts et de Résolution geschützt.
Für die Freigabe von Zahlungen im Online-Banking gelten beim Geschäftskonto dieselben Verfahren wie privat; einen Überblick gibt der Beitrag zu den TAN-Verfahren beim Girokonto. Wer online verkauft, trifft zudem auf Bezahlverfahren für Überweisungen, die der Ratgeber zu paydirekt & giropay erklärt.
Gewerbe anmelden auf einen Blick
Die Übersicht fasst zusammen, was der Ratgeber erklärt: der Weg von der Anzeige bis zum Finanzamt, die gesetzlichen Schwellen und die wichtigsten Fristen.
Vom Formular bis zum Finanzamt
Die Anzeige geht an das Gewerbeamt, der Rest läuft von dort aus weiter.
Quelle: gesetze-im-internet.de, Stand: Oktober 2026.
Stand: 29.10.2026
Rechtlicher Rahmen und Pflichten
Der rechtliche Rahmen der Gewerbeanmeldung steht in der Gewerbeordnung: § 14 regelt die Anzeigepflicht, § 15 die Empfangsbescheinigung, § 146 die Geldbuße bei Verstößen.
Daneben greifen Steuergesetze: die Abgabenordnung (AO) für Meldepflichten und Buchführung, das Umsatzsteuergesetz (UStG) für Kleinunternehmer und Rechnungen, das Gewerbesteuergesetz für Freibetrag und Hebesatz.
- Gewerbeanzeige
- Pflichtmitteilung an die Gemeinde nach § 14 GewO bei Beginn, Verlegung, Änderung oder Aufgabe eines stehenden Gewerbes.
- Empfangsbescheinigung
- Bestätigung der Behörde über den Eingang der Anzeige, umgangssprachlich Gewerbeschein; keine Erlaubnis.
- Stehendes Gewerbe
- Gewerbe mit fester Betriebsstätte oder festem Sitz, im Gegensatz zum Reisegewerbe.
- Reisegewerbe
- Tätigkeit ohne vorherige Bestellung außerhalb einer Niederlassung; braucht nach § 55 GewO eine Reisegewerbekarte.
- Gewerbeertrag
- Bemessungsgrundlage der Gewerbesteuer, abgeleitet vom Gewinn mit Hinzurechnungen und Kürzungen.
- Hebesatz
- Prozentsatz, den jede Gemeinde für die Gewerbesteuer festlegt; er unterscheidet sich von Ort zu Ort.
Was passiert, wenn ich kein Gewerbe anmelde?
Eine fehlende Gewerbeanmeldung ist eine Ordnungswidrigkeit. Laut § 146 GewO droht eine Geldbuße bis zu eintausend Euro, wenn die Anzeige nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig erstattet wird.
Teurer wird oft die steuerliche Seite. Erfährt das Finanzamt nachträglich von gewerblichen Einkünften, folgen Nachforderung von Einkommen-, Umsatz- und Gewerbesteuer samt Zinsen. Ohne Steuernummer kannst du zudem keine ordnungsgemäßen Rechnungen schreiben.
Brauche ich für mein Gewerbe eine Erlaubnis?
Eine Erlaubnis brauchst du nur für bestimmte Gewerbe, die die Gewerbeordnung oder Spezialgesetze nennen. Dazu gehören etwa Gaststätte mit Alkoholausschank, Bewachung, Makler und Bauträger, Finanzanlagen- und Versicherungsvermittlung sowie Spielhallen.
Die Behörde prüft dann die Zuverlässigkeit, meist über ein Führungszeugnis und eine Auskunft aus dem Gewerbezentralregister. Zulassungspflichtige Handwerke setzen die Eintragung in die Handwerksrolle voraus, die die Handwerkskammer führt.
Buchführung, Aufbewahrung und E-Rechnung
Gewerbliche Unternehmer müssen Bücher führen, wenn der Umsatz 800.000 Euro im Kalenderjahr oder der Gewinn 80.000 Euro im Wirtschaftsjahr übersteigt (§ 141 AO). Darunter genügt in der Regel die Einnahmenüberschussrechnung.
Unterlagen bewahrst du nach § 147 Abs. 3 AO auf: Bücher, Aufzeichnungen und Jahresabschlüsse zehn Jahre, Buchungsbelege acht Jahre, sonstige Unterlagen sechs Jahre.
Rechnungen an andere inländische Unternehmer sind nach § 14 Abs. 2 UStG als E-Rechnung in einem strukturierten elektronischen Format auszustellen. Laut § 27 Abs. 38 UStG dürfen Rechnungen für Umsätze bis Ende 2026 noch auf Papier oder mit Zustimmung des Empfängers in anderem elektronischen Format übermittelt werden (Rechtsstand: Oktober 2026).
Für Umsätze im Jahr 2027 gilt diese Übergangsregel nur noch, wenn dein Gesamtumsatz im Vorjahr nicht mehr als 800.000 Euro betrug. Die Details zu Formaten und Übergangsfristen veröffentlicht das Bundesfinanzministerium.
Kleingewerbe, Kleinunternehmer und Handelsgewerbe: Wo liegen die Grenzen?
Kleingewerbe ist kein eigener Rechtsbegriff, sondern meint ein Gewerbe, das keinen kaufmännisch eingerichteten Betrieb braucht und deshalb nicht ins Handelsregister muss. Die Kleinunternehmerregelung ist davon getrennt eine Frage der Umsatzsteuer.
Für die Gewerbeanmeldung macht das keinen Unterschied: Kleingewerbe, Einzelunternehmen und GmbH nutzen dasselbe Formular GewA 1. Unterschiede entstehen bei Handelsregister, Buchführung, Umsatzsteuer und Kammerbeiträgen.
Wie viel darf ich im Monat als Kleingewerbe verdienen?
Eine Verdienstgrenze für ein Kleingewerbe gibt es nicht. Relevant sind mehrere gesetzliche Schwellen, die sich auf das Jahr beziehen, nicht auf den Monat. Die wichtigste ist die Kleinunternehmerregelung nach § 19 Abs. 1 UStG.
Als Kleinunternehmer giltst du, wenn dein Gesamtumsatz im vorangegangenen Kalenderjahr höchstens 25.000 Euro betrug und im laufenden Kalenderjahr höchstens 100.000 Euro beträgt. Dann weist du keine Umsatzsteuer aus. Verzichtest du nach Abs. 3 auf die Regelung, bindet dich das mindestens fünf Kalenderjahre.
Die Grenze bezieht sich auf den Umsatz, nicht auf den Gewinn. Wie viel du davon behältst, hängt von Kosten, Einkommensteuer und Sozialversicherung ab.
Gesetzliche Schwellen für kleine Gewerbe im Vergleich (in Euro)
Was braucht man für ein Handelsgewerbe?
Ein Handelsgewerbe liegt nach § 1 HGB vor, wenn dein Unternehmen nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert. Dann bist du Kaufmann und musst die Firma ins Handelsregister eintragen lassen, über einen Notar.
Als Kaufmann gelten für dich die Buchführungspflichten des Handelsgesetzbuchs, die über § 140 AO auch steuerlich wirken. Die Firma führst du mit Rechtsformzusatz, etwa „e. K.“ beim eingetragenen Kaufmann. Kleingewerbetreibende können sich freiwillig eintragen lassen.
Rechtsform: Einzelunternehmen, GmbH oder UG
Die meisten Gründer starten als Einzelunternehmen. Es entsteht mit der Aufnahme der Tätigkeit, braucht kein Mindestkapital und keinen Notar. Du haftest dafür mit deinem Privatvermögen.
GmbH und UG (haftungsbeschränkt) entstehen erst mit der Eintragung ins Handelsregister. Sie brauchen einen notariellen Gesellschaftsvertrag und Stammkapital nach dem GmbH-Gesetz. Zusätzlich müssen sie ihre wirtschaftlich Berechtigten an das Transparenzregister melden. Die Gewerbeanmeldung folgt nach der Gründung, mit Handelsregisterauszug als Nachweis.
Kosten und laufende Aufwände (Stand: Oktober 2026)
Die laufenden Kosten eines Gewerbes bestehen aus Steuern, Kammerbeitrag, Versicherungen und Verwaltung; die Anmeldung selbst kostet nur einmalig. Für kleine Einzelunternehmen fallen Gewerbesteuer und IHK-Beitrag häufig gar nicht an.
Wie viel kostet Kleingewerbe im Monat?
Eine feste Monatssumme für ein Kleingewerbe gibt es nicht, weil die meisten Posten freiwillig oder gewinnabhängig sind. Pflichtbeiträge entstehen erst oberhalb bestimmter Schwellen, freiwillige Kosten wie Software oder Versicherung wählst du selbst.
- Gewerbesteuer-Freibetrag: 24.500 Euro Gewerbeertrag pro Jahr für natürliche Personen und Personengesellschaften (§ 11 Abs. 1 GewStG)
- IHK-Beitragsfreistellung: Gewerbeertrag oder Gewinn bis 5.200 Euro, wenn nicht im Handelsregister eingetragen (§ 3 Abs. 3 IHKG)
- IHK-Gründerbefreiung: bis 25.000 Euro Gewinn im Gründungsjahr und Folgejahr keine Umlage und kein Grundbeitrag
- Kleinunternehmergrenze: 25.000 Euro Vorjahresumsatz, 100.000 Euro im laufenden Jahr (§ 19 Abs. 1 UStG)
Gewerbesteuer: Ab wann zahle ich sie?
Gewerbesteuer zahlst du erst, wenn dein Gewerbeertrag den Freibetrag von 24.500 Euro übersteigt. Der Freibetrag nach § 11 Abs. 1 GewStG gilt für natürliche Personen und Personengesellschaften, Kapitalgesellschaften wie GmbH und UG erhalten ihn nicht.
Oberhalb des Freibetrags hängt die Steuer vom Hebesatz deiner Gemeinde ab. Einzelunternehmer können die Gewerbesteuer weitgehend auf die Einkommensteuer anrechnen; wie viel davon in deinem Fall wirkt, klärst du mit der Steuerberatung.
IHK-Beitrag für Gründer
Existenzgründer mit Gewerbeertrag oder Gewinn bis 25.000 Euro sind laut § 3 Abs. 3 IHKG für das Jahr der Betriebseröffnung und das Folgejahr von Umlage und Grundbeitrag befreit, im dritten und vierten Jahr von der Umlage. Voraussetzung: In den letzten fünf Wirtschaftsjahren hattest du keine Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb oder selbständiger Arbeit.
Welche Kosten kommen bei einem Kleingewerbe auf mich zu?
Typische Kosten bei einem Kleingewerbe sind die einmalige Gebühr der Anmeldung, Software für Rechnungen und Buchhaltung, eine Haftpflichtversicherung und gegebenenfalls Beiträge zur Krankenversicherung, die als Selbständiger höher ausfallen können als im Angestelltenverhältnis.
Wie Tarife für Buchhaltungssoftware aufgebaut sind, zeigt die Preisliste einer App für Selbständige. Alle Preise verstehen sich netto zuzüglich Umsatzsteuer.
| Tarif | pro Monat bei jährlicher Zahlung | pro Monat bei monatlicher Zahlung | Leistungsumfang laut Anbieter |
|---|---|---|---|
| Rechnungen Free | 0,00 € | 0,00 € | Geschäftskonto, virtuelle Mastercard, bis zu 5 Ausgaben pro Monat buchen |
| Rechnungen Plus | 9,90 € | 12,40 € | Rechnungen und Belege |
| Buchhaltung | 19,90 € | 24,90 € | unbegrenzt Ausgaben buchen, bis zu 5 Bankkonten verbinden |
| Steuern | 29,90 € | 37,40 € | Umsatzsteuer-Voranmeldung, EÜR, Gewerbesteuer-, Einkommensteuer- und USt-Jahreserklärung |
| Max | 59,90 € | 74,90 € | Mindestlaufzeit 12 Monate, physische Karte inklusive |
| Stand: Oktober 2026 · Quelle: accountable.de/preise · Im Tarif Steuern ergibt der Jahrestarif 358,80 € pro Jahr zzgl. USt | |||
Laut Preisseite gilt eine 30-Tage-Geld-zurück-Garantie. Die Abos sind jederzeit kündbar, ausgenommen der Tarif mit 12 Monaten Mindestlaufzeit. Die physische Debitkarte kostet in den Tarifen Free bis Steuern einmalig 7,5 Euro, im Tarif Max ist sie enthalten. Ausführlich beschreibt der Beitrag Accountable Erfahrungen 2026 Funktionen und Bedingungen.
Versicherung: Berufshaftpflicht für Dienstleister
Eine Haftpflichtversicherung ist für die meisten Gewerbe freiwillig, für einige erlaubnispflichtige Tätigkeiten aber Voraussetzung. Eine Berufshaftpflicht deckt laut Versicherungsbedingungen typischerweise Vermögensschäden, nicht Personen- oder Sachschäden; dafür gibt es die Betriebshaftpflicht.
| Zielgruppe | Preis ab pro Monat |
|---|---|
| Content Creator | ab 11,25 € |
| IT | ab 12,13 € |
| Dienstleister | ab 14,59 € |
| Berater | ab 16,90 € |
| Media | ab 22,50 € |
| Hausverwalter | ab 27,22 € |
| Stand: Oktober 2026 · Preise laut Anbieterseite, abhängig von Umsatz, Versicherungssumme und Tätigkeit | |
Laut Anbieterseite nennt Hiscox für Gründende einen Rabatt von 15% sowie Ermäßigungen bei einer Vertragslaufzeit von 3 Jahren. Leistungen und Ausschlüsse gelten laut Tarifbedingungen der jeweiligen Police; mehr dazu im Beitrag Hiscox Erfahrungen 2026.
Nebenberuflich, rückwirkend, ummelden: Sonderfälle der Anmeldung
Ein Gewerbe nebenberuflich anzumelden funktioniert genauso wie im Hauptberuf, mit demselben Formular und denselben Pflichten. Nur der Status Haupt- oder Nebenerwerb wird im Formular angekreuzt.
Kann ich ein Gewerbe nebenberuflich anmelden?
Ein Nebengewerbe neben einer Anstellung ist zulässig. Als Angestellter prüfst du deinen Arbeitsvertrag: Viele Verträge verlangen, dass du dem Arbeitgeber eine Nebentätigkeit anzeigst oder genehmigen lässt, vor allem bei Konkurrenz zum Arbeitgeber.
Steuerlich gelten für das Nebengewerbe dieselben Regeln, also Fragebogen beim Finanzamt, Kleinunternehmerregelung und Gewerbesteuer-Freibetrag. Bei Beamten und Arbeitslosengeld-Bezug gelten eigene Melde- und Genehmigungsregeln.
Kann man ein Gewerbe rückwirkend anmelden?
Ein Gewerbe rückwirkend anmelden kannst du insofern, als du im Formular das tatsächliche Startdatum einträgst, auch wenn es in der Vergangenheit liegt. Die verspätete Anzeige bleibt trotzdem eine Ordnungswidrigkeit nach § 146 GewO.
Wer seinen Tätigkeitsbeginn ehrlich nachmeldet, gibt dem Gewerbeamt die Grundlage für eine Entscheidung über ein Bußgeld; ob es eines verhängt, liegt in dessen Ermessen. Ein falsches, späteres Datum einzutragen, ist dagegen eine unrichtige Anzeige und ebenfalls bußgeldbewehrt.
Wie melde ich ein Gewerbe um oder ab?
Für eine Ummeldung nutzt du das Formular GewA 2, etwa bei Betriebsverlegung innerhalb der Gemeinde oder bei Änderung oder Erweiterung der Tätigkeit. Ziehst du in eine andere Gemeinde, meldest du dort neu an und am alten Ort ab.
Die Abmeldung mit GewA 3 ist Pflicht, wenn du das Gewerbe aufgibst. Auch sie leitet das Gewerbeamt an Finanzamt und Kammern weiter. Die Gebühr für Ummeldung und Abmeldung richtet sich nach der Satzung deiner Kommune.
Reisegewerbe und Märkte
Wer ohne feste Betriebsstätte Waren oder Leistungen anbietet, etwa an der Haustür, braucht nach § 55 GewO eine Reisegewerbekarte. Für Wochenmärkte und Messen gelten Ausnahmen, die die Gewerbeordnung im Titel zu Messen, Ausstellungen und Märkten regelt.
Good to know
Die Gewerbeanmeldung ersetzt keine anderen Anmeldungen. Finanzamt, Kammer und Berufsgenossenschaft erhalten deine Daten zwar vom Gewerbeamt, schicken dir aber eigene Fragebögen. Beantworte sie fristgerecht, damit Steuernummer und Beitragsbescheid auf richtigen Angaben beruhen.
Schritt für Schritt: So gehst du vor
Schritt für Schritt gehst du bei der Gewerbeanmeldung in acht Etappen vor, von der Abgrenzung Gewerbe oder Freiberuf bis zur ersten Rechnung mit Steuernummer.
- Tätigkeit einordnen: Prüfe, ob du gewerblich oder freiberuflich nach § 18 EStG tätig bist. Freiberufler melden sich nur beim Finanzamt.
- Erlaubnisse klären: Kläre, ob dein Gewerbe eine Erlaubnis, einen Sachkundenachweis oder die Handwerksrolle verlangt, und beantrage Führungszeugnis und Gewerbezentralregisterauszug rechtzeitig.
- Rechtsform wählen: Einzelunternehmen ohne Notar, GmbH oder UG erst nach notarieller Gründung und Handelsregistereintrag.
- Unterlagen sammeln: Personalausweis, Meldebescheinigung, Formular GewA 1, bei Gesellschaften Handelsregisterauszug.
- Gewerbe anmelden: online über das Serviceportal oder persönlich beim Gewerbeamt deines Betriebssitzes, gleichzeitig mit dem Betriebsbeginn.
- Gebühr zahlen und Bescheinigung ablegen: Die Empfangsbescheinigung kommt innerhalb dreier Tage; du brauchst sie für Bank, Lieferanten und Versicherer.
- Fragebogen ans Finanzamt: den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER senden und die Steuernummer abwarten.
- Organisation aufsetzen: Geschäftskonto, Rechnungsvorlage, Belegablage, Versicherungen und, bei Mitarbeitern, Betriebsnummer.
Weitere Ratgeber zu Konto, Zahlungsverkehr und Finanzen findest du in der Übersicht Ratgeber auf finalarm.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Die häufigsten Fehler bei der Gewerbeanmeldung sind eine zu späte Anzeige, eine ungenaue Tätigkeitsbeschreibung und vergessene Folgepflichten beim Finanzamt.
- Zu spät angemeldet: Die Anzeige muss gleichzeitig mit dem Start erfolgen. Erste Aufträge vor der Anmeldung riskieren eine Geldbuße.
- Tätigkeit zu eng beschrieben: Was nicht im Formular steht, ist nicht angemeldet. Formuliere den Gegenstand so, dass absehbare Erweiterungen erfasst sind, ohne erlaubnispflichtige Tätigkeiten aufzunehmen, die du nicht ausübst.
- Erlaubnis vergessen: Die Empfangsbescheinigung ersetzt keine Erlaubnis. Erlaubnispflichtige Tätigkeiten ohne Erlaubnis sind ebenfalls ordnungswidrig.
- Fragebogen liegen gelassen: Ohne Steuernummer keine korrekten Rechnungen. Die Monatsfrist aus § 138 AO gilt auch hier.
- Kleinunternehmergrenze falsch gelesen: Die Schwellen beziehen sich auf den Umsatz, nicht auf den Gewinn.
- Drittanbietern bezahlt: Offizielle Anmeldungen laufen nur über Gewerbeamt oder amtliches Portal.
- Abmeldung vergessen: Wer aufhört, ohne abzumelden, bekommt weiter Post von Kammer und Finanzamt.
Tip
Lege die Empfangsbescheinigung, den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung und den Bescheid über die Steuernummer in einem Ordner ab. Bank, Versicherer und Lieferanten fragen diese Dokumente bei der Eröffnung von Geschäftsbeziehungen regelmäßig ab.
Häufig gestellte Fragen
Was muss man tun, um ein Gewerbe anzumelden?
Um ein Gewerbe anzumelden, füllst du das Formular GewA 1 aus und reichst es mit Personalausweis beim Gewerbeamt deines Betriebssitzes ein, persönlich oder online über das Serviceportal. Gesellschaften legen zusätzlich einen Handelsregisterauszug vor, erlaubnispflichtige Gewerbe die Erlaubnis. Die Behörde bescheinigt den Empfang innerhalb dreier Tage. Danach folgt der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung beim Finanzamt.
Was kostet es, ein Gewerbe anzumelden?
Die Gebühr für die Gewerbeanmeldung legt jede Kommune in ihrer Gebührensatzung selbst fest, einen bundesweit einheitlichen Betrag gibt es nicht. Die aktuelle Höhe steht auf der Website deines Gewerbeamts. Zusätzliche Kosten entstehen nur in bestimmten Fällen, etwa für Führungszeugnis und Erlaubnis bei erlaubnispflichtigen Gewerben oder für Notar und Handelsregister bei GmbH und UG.
Wann muss man ein Gewerbe anmelden?
Ein Gewerbe musst du gleichzeitig mit dem Betriebsbeginn anmelden, so verlangt es § 14 Abs. 1 GewO. Maßgeblich ist die erste Tätigkeit, die nach außen auf Gewinn gerichtet ist, etwa das erste Angebot oder die erste Rechnung. Reine Vorbereitung wie Businessplan oder Marktrecherche löst die Pflicht noch nicht aus. Eine verspätete Anzeige kann ein Bußgeld nach sich ziehen.
Wo kann ich ein Gewerbe anmelden?
Du meldest dein Gewerbe bei der Gemeinde an, in der dein Betriebssitz liegt. Je nach Ort heißt die Stelle Gewerbeamt, Ordnungsamt oder Bürgeramt; in Berlin und Hamburg sind es die Bezirksämter, in München das Kreisverwaltungsreferat. In allen Bundesländern gibt es zudem Online-Verfahren über das Serviceportal des Landes oder der Stadt. Arbeitest du von zu Hause, zählt deine Wohnadresse.
Muss ich als Freiberufler ein Gewerbe anmelden?
Als Freiberufler meldest du kein Gewerbe an, sondern zeigst die Aufnahme deiner Tätigkeit nach § 138 Abs. 1 AO direkt dem Finanzamt an. Freiberuflich sind laut § 18 EStG unter anderem wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende und erzieherische Tätigkeiten sowie Katalogberufe wie Ärzte, Rechtsanwälte, Architekten, Ingenieure und Steuerberater. In Grenzfällen entscheidet das Finanzamt über die Einordnung.
Was ist der Unterschied zwischen selbständig und Gewerbebetrieb?
Selbständig ist der Oberbegriff für alle, die auf eigene Rechnung arbeiten. Darunter unterscheidet das Steuerrecht den Gewerbebetrieb nach § 15 EStG und die freiberufliche Tätigkeit nach § 18 EStG. Gewerbetreibende melden sich beim Gewerbeamt an, können Gewerbesteuer zahlen und sind Pflichtmitglied der IHK oder Handwerkskammer. Freiberufler melden sich nur beim Finanzamt und zahlen keine Gewerbesteuer.
Was braucht man für ein Handelsgewerbe?
Für ein Handelsgewerbe brauchst du einen Eintrag ins Handelsregister, den ein Notar beantragt. Ein Handelsgewerbe liegt nach § 1 HGB vor, wenn dein Unternehmen nach Art oder Umfang einen kaufmännisch eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert. Als Kaufmann führst du eine Firma mit Rechtsformzusatz und unterliegst der Buchführungspflicht nach Handelsgesetzbuch. Die Gewerbeanmeldung erfolgt zusätzlich, mit Handelsregisterauszug als Nachweis.
Wie viel kostet Kleingewerbe im Monat?
Ein Kleingewerbe hat keine festen Monatskosten. Gewerbesteuer fällt erst oberhalb des Freibetrags von 24.500 Euro Gewerbeertrag an, IHK-Beiträge nicht, solange der Gewinn 5.200 Euro nicht übersteigt und du nicht im Handelsregister stehst. Laufende Kosten entstehen vor allem durch Krankenversicherung, freiwillige Versicherungen wie eine Berufshaftpflicht und Software für Rechnungen und Buchhaltung.
Wie viel darf ich im Monat als Kleingewerbe verdienen?
Für ein Kleingewerbe gibt es keine monatliche Verdienstgrenze. Die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG knüpft an den Jahresumsatz an: höchstens 25.000 Euro im Vorjahr und höchstens 100.000 Euro im laufenden Jahr. Wer darunter bleibt, kann ohne Umsatzsteuer abrechnen. Für Gewerbesteuer und IHK-Beitrag zählen eigene Schwellen beim Gewerbeertrag. Steuerliche Einzelfragen klärst du mit der Steuerberatung.
Welche Kosten kommen bei einem Kleingewerbe auf mich zu?
Bei einem Kleingewerbe kommen die einmalige Gebühr für die Gewerbeanmeldung, Beiträge zur Krankenversicherung und gegebenenfalls eine Versicherung wie die Berufshaftpflicht auf dich zu. Hinzu kommen Kosten für Rechnungs- oder Buchhaltungssoftware und für die Steuerberatung, falls du sie nutzt. Gewerbesteuer und IHK-Beitrag entstehen erst oberhalb gesetzlicher Schwellen beim Gewerbeertrag.
Kann man ein Gewerbe rückwirkend anmelden?
Ein Gewerbe kannst du nachträglich anmelden und im Formular GewA 1 das tatsächliche Startdatum eintragen, auch wenn es in der Vergangenheit liegt. Die verspätete Anzeige ist allerdings eine Ordnungswidrigkeit nach § 146 GewO, für die das Gewerbeamt eine Geldbuße verhängen kann. Ein falsches, späteres Datum einzutragen, macht die Anzeige unrichtig und ist ebenfalls bußgeldbewehrt.
Wie melde ich ein Gewerbe nebenberuflich an?
Nebenberuflich meldest du dein Gewerbe genauso an wie im Hauptberuf, mit dem Formular GewA 1 beim Gewerbeamt; im Formular kreuzt du Nebenerwerb an. Prüfe vorher deinen Arbeitsvertrag, denn viele Arbeitgeber verlangen eine Anzeige oder Genehmigung der Nebentätigkeit. Steuerlich gelten dieselben Regeln wie im Hauptberuf, einschließlich Kleinunternehmerregelung und Gewerbesteuer-Freibetrag.

















