Neobroker in Zahlen 2026: Nutzer, Handelsvolumen, Marktanteile

Das Wichtigste in Kürze:

Neobroker in Zahlen 2026: Trade Republic verwaltet für über 10 Millionen Kunden rund 150 Milliarden Euro, Scalable Capital kommt auf über 40 Milliarden Euro Plattformvermögen. 15,1 Millionen ETF-Sparpläne laufen monatlich, 14,1 Millionen Deutsche sparen in Aktien oder ETFs. Alle Statistiken mit Primärquellen.

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Der Neobroker-Markt 2026 im Überblick

Neobroker haben sich in Deutschland vom Nischenphänomen zur dominierenden Kraft im Wertpapiergeschäft entwickelt: Über 10 Millionen Menschen handeln allein bei Trade Republic, das verwaltete Vermögen des Berliner Marktführers liegt bei rund 150 Milliarden Euro (Stand: Herbst 2025). Rechnet man Scalable Capital, flatexDEGIRO und die kleineren Anbieter hinzu, laufen inzwischen weit über 250 Milliarden Euro an Kundenvermögen über App-basierte und digitale Broker.

Die Dimension wird im historischen Vergleich greifbar. Zwischen 2015 und 2024 wurden in Deutschland laut einer Analyse von Oliver Wyman 11,8 Millionen neue Wertpapierdepots eröffnet — ein Zuwachs von 53 Prozent. Fast alle diese Neudepots, nämlich 99 Prozent, gehören Privatanlegern. Und sie entstehen ganz überwiegend nicht mehr bei Filialbanken, sondern bei mobilen und digitalen Anbietern.

Beim Orderaufkommen der Privatanleger haben die neuen Anbieter die etablierten Banken bereits eingeholt. Oliver Wyman bezifferte den Marktanteil der Neobroker am Online-Brokerage schon 2023 auf rund 42 bis 44 Prozent — bis 2028 erwarten die Berater einen Anstieg auf 50 bis 60 Prozent. Unter deutschen Depotbesitzern nutzen laut Erhebungen bereits 43 Prozent mindestens einen Neobroker, oft parallel zum klassischen Bankdepot.

Getragen wird der Boom von einer Rückkehr der Deutschen an die Börse. Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) zählte für 2025 14,1 Millionen Aktiensparer — ein Rekordwert und 2 Millionen mehr als im Vorjahr. Jeder Fünfte ab 14 Jahren ist damit direkt oder indirekt am Aktienmarkt investiert. Ohne die niedrigen Einstiegshürden der Neobroker wäre diese Entwicklung kaum denkbar gewesen.

Bemerkenswert ist dabei die Verschiebung der Geschäftsmodelle. Die erste Neobroker-Generation verdiente vor allem an Rückvergütungen der Handelsplätze und Market Maker. Heute stehen Zinserträge auf Kundeneinlagen, Premium-Modelle, Kartenprodukte und die Verwahrung von Milliardenvermögen im Zentrum — die Anbieter entwickeln sich Schritt für Schritt von reinen Trading-Apps zu vollwertigen digitalen Hausbanken. Genau diese Verbreiterung macht die aktuellen Statistiken so aussagekräftig: Sie messen nicht mehr nur einen Trading-Hype, sondern einen strukturellen Umbau des deutschen Retail-Bankings. Gerade im Kartengeschäft treffen die neuen Anbieter auf einen etablierten Markt, dessen Dimension die Kreditkarten-Statistiken Deutschland verdeutlichen.

📌 Good to know

Neobroker sind keine Banken zweiter Klasse: Trade Republic besitzt seit Ende 2023 eine Vollbanklizenz, Scalable Capital erhielt die EZB-Vollbanklizenz im September 2025. Kundengelder unterliegen der gesetzlichen Einlagensicherung, Wertpapiere sind als Sondervermögen ohnehin geschützt.

Die großen Anbieter in Zahlen: Kunden und Vermögen

Trade Republic führt den deutschen Markt mit deutlichem Abstand an. Der Berliner Broker überschritt im September 2025 die Marke von 10 Millionen Kunden — nachdem er erst im Januar 2025 die 8 Millionen gemeldet hatte. Das verwaltete Vermögen sprang im selben Zeitraum von 100 auf rund 150 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Anfang 2020 zählte Trade Republic gerade einmal 100.000 Nutzer.

Scalable Capital aus München ist die klare Nummer zwei unter den reinen Neobrokern. Die Plattform betreut mehr als 1 Million Kunden und kommt über Broker und digitale Vermögensverwaltung zusammen auf über 40 Milliarden Euro Kundenvermögen, davon über 30 Milliarden Euro in der Vermögensverwaltung (Stand: Anfang 2026). Seit September 2025 firmiert das Unternehmen als Scalable Capital Bank mit EZB-Vollbanklizenz.

Der börsennotierte Konzern flatexDEGIRO spielt in einer eigenen Kategorie: europaweit rund 3,6 Millionen Kunden in 16 Ländern, etwa 95 Milliarden Euro verwahrtes Vermögen und 75 Millionen Transaktionen im Geschäftsjahr 2025 — ein Plus von 19 Prozent gegenüber den 63 Millionen Trades des Vorjahres.

Anbieter Kunden Kundenvermögen Stand / Besonderheit
Trade Republic über 10 Mio. rund 150 Mrd. Euro Herbst 2025; Vollbank, eigene MTF-Lizenz seit Januar 2026
Scalable Capital über 1 Mio. über 40 Mrd. Euro (Plattform) Anfang 2026; EZB-Vollbanklizenz seit September 2025
flatexDEGIRO rund 3,6 Mio. (Europa) rund 95 Mrd. Euro Geschäftsjahr 2025; 75 Mio. Transaktionen, 16 Länder
Smartbroker rund 180.000 knapp 10 Mrd. Euro 2025; höchstes Depotvolumen pro Kunde (~56.000 Euro)
justTRADE, finanzen.net zero u.a. jeweils sechsstellig keine belastbaren Angaben Anbieter veröffentlichen keine regelmäßigen Zahlen

Auffällig sind die Unterschiede im Depotvolumen pro Kopf. Bei Trade Republic ergibt sich rechnerisch ein Durchschnitt von rund 15.000 Euro pro Kunde, bei Smartbroker sind es rund 56.000 Euro — dort sammeln sich erfahrene Umsteiger von Filialbanken, während Trade Republic viele Einsteiger mit kleinen Sparplänen an Bord holt. Welcher Anbieter zu welchem Anlegertyp passt, zeigt unser Neobroker-Vergleich 2026 im Detail.

Kundenvermögen der großen Neobroker im Vergleich (in Mrd. Euro)

0 40 80 120 160 Trade Republic über 10 Mio. Kunden Trade Republic: 150 Mrd. € 150 Mrd. € flatexDEGIRO rund 3,6 Mio. Kunden flatexDEGIRO: 95 Mrd. € 95 Mrd. € Scalable Capital über 1 Mio. Kunden Scalable Capital: 40 Mrd. € 40 Mrd. € Smartbroker rund 180.000 Kunden Smartbroker: 10 Mrd. € 10 Mrd. €
Quellen: Unternehmensangaben der Anbieter (Trade Republic Herbst 2025, Scalable Capital Anfang 2026, flatexDEGIRO Geschäftsjahr 2025, Smartbroker 2025) — Stand: Juli 2026.

Nutzerwachstum 2020 bis 2026: Von der Nische zum Massenmarkt

Das Wachstumstempo der Neobroker hat in der deutschen Finanzbranche keinen Präzedenzfall. Trade Republic brauchte von der Gründung 2015 bis Anfang 2020 für die ersten 100.000 Kunden — und legte danach im Schnitt über 1,5 Millionen Kunden pro Jahr zu. Allein zwischen Januar und September 2025 kamen mehr als 2 Millionen Kunden hinzu, das verwaltete Vermögen wuchs im selben Zeitraum um 50 Milliarden Euro.

Drei Schübe haben dieses Wachstum getrieben. Corona-Effekt (2020/2021): Lockdowns, Sparüberschüsse und der GameStop-Hype spülten Millionen Erstanleger in die Apps. Zinswende (2022/2023): Als Neobroker begannen, Guthabenzinsen von zeitweise bis zu 4 Prozent weiterzugeben, wurden sie auch für konservative Sparer interessant. Sparplan-Normalisierung (seit 2024): Der monatliche ETF-Sparplan ist inzwischen so alltäglich wie früher der Bausparvertrag — und läuft ganz überwiegend bei digitalen Anbietern.

Die DAI-Aktionärszahlen spiegeln diesen Strukturwandel. 2025 besaßen 12,1 Millionen Menschen in Deutschland Fondsanteile oder ETFs, 4,9 Millionen hielten Einzelaktien. Besonders bemerkenswert: 4,9 Millionen Aktiensparer sind jünger als 40 — allein 2025 kamen in dieser Altersgruppe 1,2 Millionen hinzu, was rund 60 Prozent des gesamten Zuwachses ausmacht. Auch die Zahl weiblicher Anleger stieg 2025 um rund 1 Million, ein Plus von 24 Prozent.

Für die etablierten Banken bedeutet das eine schleichende Erosion. Neue Depots entstehen zu einem großen Teil bei den digitalen Angreifern, während Filialbanken und klassische Direktbanken Marktanteile am Orderaufkommen verlieren. Die Prognose von Oliver Wyman — 50 bis 60 Prozent Neobroker-Marktanteil bis 2028 — erscheint aus heutiger Sicht eher konservativ.

Ein Blick auf die Meilensteine von Trade Republic zeigt die Dynamik im Zeitraffer: Anfang 2020 rund 100.000 Kunden, zum Jahreswechsel 2024/2025 8 Millionen mit 100 Milliarden Euro verwahrtem Vermögen, im September 2025 dann über 10 Millionen Kunden und 150 Milliarden Euro. Allein 2024 gewann der Broker nach eigenen Angaben 4 Millionen Neukunden — mehr, als die meisten deutschen Direktbanken insgesamt an Wertpapierkunden betreuen.

💡 Tip

Wachstumszahlen sagen nichts über die Qualität eines Brokers für deinen konkreten Bedarf. Entscheidend sind Handelsplätze, Sparplan-Angebot, Zinsen auf Guthaben und Steuer-Handling — genau diese Kriterien vergleichen wir laufend in unserer Rubrik Börse.

ETF-Sparpläne als Wachstumsmotor: 15,1 Millionen Ausführungen pro Monat

Der ETF-Sparplan ist das eigentliche Fundament des Neobroker-Booms. Laut der jährlichen Sparplan-Studie zum europäischen Markt wurden zuletzt 15,1 Millionen ETF-Sparpläne monatlich in Deutschland und Kontinentaleuropa ausgeführt — ein Anstieg von fast 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für 2026 erwartet die Studie rund 20 Millionen Sparpläne. Zum Vergleich: 2021 waren es erst 4,9 Millionen, das Volumen hat sich damit in vier Jahren gut verdreifacht. Eine Vervierfachung wäre erst mit der Prognose für 2026 erreicht.

Auf einzelne Personen lässt sich diese Zahl nicht umrechnen: Sie umfasst Deutschland und Kontinentaleuropa, und viele Anleger besparen mehrere Sparpläne parallel. Der Trend ist dennoch eindeutig: Das regelmäßige, automatisierte Investieren hat das spekulative Einzeltrading als dominierendes Nutzungsmuster abgelöst. Neobroker wickeln dabei den Löwenanteil der Ausführungen ab, denn kaum eine Filialbank kann bei Kosten und Auswahl mithalten.

Drei Faktoren treiben den Sparplan-Boom besonders:

  • Mini-Sparraten: Bei den großen Neobrokern beginnen Sparpläne schon ab 1 Euro pro Ausführung — die Einstiegshürde ist praktisch abgeschafft.
  • Kostenfreiheit: ETF-Sparpläne sind bei Trade Republic, Scalable Capital und Co. typischerweise ohne Ausführungsgebühr besparbar, während Filialbanken oft 1,5 bis 2,5 Prozent pro Rate verlangen.
  • Indexfokus: Die beliebtesten Sparplan-Ziele bleiben breite Weltindizes — allen voran MSCI World und S&P 500, wie mehrere Marktauswertungen übereinstimmend zeigen.

Auch die Gewichte innerhalb des Sparplan-Marktes verschieben sich. Während klassische Fondssparpläne mit aktiv gemanagten Produkten stagnieren, entfällt das Wachstum fast vollständig auf börsengehandelte Indexfonds. Die Marktauswertungen zeigen zudem, dass die durchschnittlichen Sparraten sinken, weil immer mehr Anleger mit kleinen Beträgen starten — die Zahl der Sparpläne wächst also schneller als das eingesammelte Volumen. Für die langfristige Vermögensbildung ist genau das die gute Nachricht: Der Einstieg passiert früher und niedrigschwelliger als je zuvor.

Auch die Produktpräferenzen haben sich verschoben. Nach den DAI-Zahlen setzten 2025 9,2 Millionen Menschen ausschließlich auf Aktienfonds oder ETFs, nur 2 Millionen hielten ausschließlich Einzelaktien, weitere 2,9 Millionen kombinierten beides. Der breit gestreute Indexfonds ist damit das mit Abstand wichtigste Einstiegsvehikel — und genau das Produkt, das Neobroker mit gebührenfreien Sparplänen am aggressivsten vermarkten.

Für die Broker sind Sparpläne strategisch wertvoller als Trades: Sie liefern planbare Mittelzuflüsse, binden Kunden über Jahre und füllen das verwahrte Vermögen, an dem die Anbieter über Fondsrückvergütungen, Zinsmargen und Zusatzprodukte verdienen. Das erklärt, warum kostenlose Sparpläne auch nach dem PFOF-Verbot zum Kernangebot gehören dürften.

ETF-Sparplan-Ausführungen pro Monat: Verdreifachung seit 2021

0 6 12 18 24 2021: 4,9 Mio. 4,9 Mio. 2021 2025: 15,1 Mio. 15,1 Mio. 2025 2026 (Prognose): 20 Mio. 20 Mio. 2026 (Prognose)
Quelle: Sparplanstudie für Deutschland und Kontinentaleuropa (2026 = Prognose) — Stand: Juli 2026.

Wer nutzt Neobroker? Alter, Geschlecht, Erfahrung

Der typische Neobroker-Kunde ist jung, männlich und häufig Börsenneuling. Eine Auswertung anonymisierter Trade-Republic-Daten durch DIW Econ zeigt: 70 Prozent der Kunden sind jünger als 35, die Hälfte davon sogar erst zwischen 18 und 26 Jahre alt. Das Durchschnittsalter liegt bei Anfang 30 — bei klassischen Filialbank-Depots ist es rund zwei Jahrzehnte höher.

Knapp die Hälfte (47 Prozent) der Trade-Republic-Kunden sammelt beim Neobroker die ersten Börsenerfahrungen überhaupt. Das widerlegt das verbreitete Bild vom reinen Zocker-Publikum: Die DIW-Econ-Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass die neue Anlegergeneration überwiegend langfristig investiert, breit gestreute ETFs bevorzugt und aus allen Einkommensschichten stammt.

Beim Geschlechterverhältnis bleibt allerdings eine deutliche Lücke: 84 Prozent der Trade-Republic-Kunden sind männlich. Immerhin zeigt sich Bewegung — unter den Börsenneulingen ist der Frauenanteil mit rund 20 Prozent etwa doppelt so hoch wie unter den erfahrenen Anlegern, und das DAI meldete für 2025 ein Plus von 1 Million Aktiensparerinnen.

Die Alterskohorten erklären auch, warum die Neobroker-Statistik für die Altersvorsorge-Debatte relevant ist. Wer mit 25 statt mit 45 anfängt, monatlich in einen Welt-ETF einzuzahlen, hat beim Renteneintritt bei gleicher Sparrate ein Vielfaches an Endvermögen. Die Zahlen des DAI — rund 60 Prozent des Aktionärszuwachses 2025 kamen von unter 40-Jährigen — deuten darauf hin, dass genau dieser Effekt gerade in großem Stil einsetzt.

Interessant ist auch der Blick auf das Anlageverhalten. Entgegen dem Klischee vom Daytrading-Casino dominieren bei den jungen Kunden Sparplan-Ausführungen und Buy-and-Hold-Positionen in Welt-ETFs. Die DIW-Econ-Studie spricht von einer Anlegergeneration, die langfristig, regelmäßig und diversifiziert investiert — ein deutlicher Unterschied zum Neuer-Markt-Publikum der Jahrtausendwende, das überwiegend konzentriert auf Einzelwerte setzte und nach dem Crash 2000 bis 2003 der Börse in Scharen den Rücken kehrte.

Interessant ist auch der Blick auf das Anlageverhalten selbst. Entgegen dem Klischee handeln Neobroker-Kunden im Schnitt nicht hektischer als klassische Direktbank-Kunden: Der Großteil des Vermögenszuwachses fließt in breit gestreute ETFs und Sparpläne, Einzelaktien und gehebelte Produkte machen nur einen kleineren Teil der Depots aus. Die DIW-Econ-Autoren sprechen deshalb von einem neuen Normal statt von einem Hype — die Anlegergeneration der 2020er nutzt die Börse als Ersatz für das unverzinste Sparbuch ihrer Eltern.

📌 Good to know

Die Bundesbank und die BaFin beobachten das Anlageverhalten der Neobroker-Kunden regelmäßig. Eine BaFin-Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass die Orderausführung über Market-Maker-Börsen für Privatanleger mit kleinen Ordergrößen unter Berücksichtigung aller Transaktionskosten häufig sogar vorteilhaft war.

PFOF-Verbot und Handelsplätze: Die Zäsur von Juli 2026

Seit dem 1. Juli 2026 gilt in Deutschland das EU-weite Verbot von Payment for Order Flow (PFOF) uneingeschränkt — das Ende jenes Geschäftsmodells, das den Aufstieg der provisionsfreien Neobroker maßgeblich finanziert hat. Bei PFOF leitete der Broker Kundenorders bevorzugt an bestimmte Market Maker weiter und erhielt dafür Rückvergütungen von teils 2 bis 4 Euro pro Order. Die EU untersagt diese Praxis, um Interessenkonflikte bei der Orderausführung auszuschließen.

Die Handelsplatz-Statistik zeigt, wie eng Neobroker und Market-Maker-Börsen verflochten sind. Die Münchner Börse gettex — Haupthandelsplatz von Scalable Capital und finanzen.net zero — steigerte 2025 die Zahl der Orders über alle Gattungen um 41 Prozent und die Umsätze um 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein bei Zertifikaten verzeichnete gettex im vierten Quartal 2025 2,6 Millionen Trades und 5,9 Milliarden Euro Umsatz — das beste Quartal der Firmengeschichte. Für 2026 erwartet die Bayerische Börse nach fünf Jahren rasanten Wachstums allerdings ein Jahr der Konsolidierung.

Die Broker reagieren unterschiedlich auf den Wegfall der Rückvergütungen:

  • Eigener Handelsplatz: Trade Republic erhielt im Januar 2026 von der BaFin die Erlaubnis, ein eigenes multilaterales Handelssystem (MTF) zu betreiben — und kann die Ausführung damit selbst abwickeln, statt sie über die LS Exchange von Lang & Schwarz laufen zu lassen.
  • Frühe Umstellung: Scalable Capital gibt an, das PFOF-Verbot in allen aktiven Märkten bereits seit dessen Inkrafttreten im März 2024 zu erfüllen.
  • Diversifizierte Erlöse: Zinsüberschüsse, Premium-Abos, Kartenprodukte und Krypto-Handel ersetzen einen wachsenden Teil der früheren PFOF-Einnahmen.

Auch flatexDEGIRO liefert einen Beleg dafür, dass das Geschäft ohne PFOF funktioniert: Der Konzern steigerte seinen Umsatz 2025 um 17 Prozent auf 560 Millionen Euro und peilt für 2026 rund 650 Millionen Euro an — getragen von Provisions- und Zinserträgen statt von Rückvergütungen. Die Erlösbasis der Branche ist damit deutlich breiter als noch 2021, als PFOF bei einzelnen Neobrokern für den Großteil der Einnahmen stand.

Für dich als Anleger bleibt der Stichtag zunächst weitgehend folgenlos: Branchenbeobachter erwarten keine breite Erhöhung der Ordergebühren, und kostenlose ETF-Sparpläne bleiben das zentrale Lockangebot. Die Kosten könnten sich allerdings unsichtbarer verlagern — etwa in die Geld-Brief-Spannen. Ein Blick auf die tatsächlichen Ausführungskurse lohnt sich deshalb mehr denn je.

💡 Tip

Vergleiche nach dem PFOF-Verbot nicht nur die Ordergebühr, sondern stichprobenartig auch den Spread: Stelle den Ausführungskurs deines Brokers dem Xetra-Referenzkurs zum selben Zeitpunkt gegenüber. Gerade außerhalb der Xetra-Handelszeiten (9:00 bis 17:30 Uhr) weiten sich Spreads spürbar aus.

Kennzahl Wert Quelle / Stand
Aktiensparer Deutschland 14,1 Mio. (Rekord) Deutsches Aktieninstitut, 2025
ETF-Sparpläne monatlich 15,1 Mio. (+40 % ggü. Vorjahr) Sparplanstudie Kontinentaleuropa, 2025
Neue Depots 2015–2024 11,8 Mio. (+53 %) Oliver Wyman, 2024
Neobroker-Anteil Online-Brokerage rund 42–44 %, Prognose 50–60 % bis 2028 Oliver Wyman, 2023/2024
gettex Order-Wachstum 2025 +41 % Orders, +57 % Umsatz Bayerische Börse, Januar 2026
Kunden unter 35 (Trade Republic) 70 % DIW Econ, Kundendaten-Analyse

Quellen und Methodik

Alle Kennzahlen in diesem Statistik-Hub stammen aus öffentlich zugänglichen Primärquellen: Unternehmensmitteilungen der Broker, Börsenstatistiken, der DAI-Aktionärszahlenerhebung sowie Branchenstudien von Oliver Wyman. Anbieterzahlen sind Selbstauskünfte und wurden mit Presseberichten abgeglichen. Stand der Daten: Juli 2026.

Häufig gestellte Fragen

Q

Wie viele Kunden hat Trade Republic 2026?

Trade Republic zählt über 10 Millionen Kunden — die Marke wurde im September 2025 überschritten. Das verwaltete Vermögen liegt bei rund 150 Milliarden Euro. Damit ist der Berliner Anbieter mit Abstand der größte Neobroker Deutschlands.

Q

Welchen Marktanteil haben Neobroker in Deutschland?

Neobroker kommen laut Oliver Wyman auf rund 42 bis 44 Prozent des Online-Brokerage-Marktes; bis 2028 werden 50 bis 60 Prozent erwartet. Unter deutschen Depotbesitzern nutzen bereits 43 Prozent mindestens einen Neobroker.

Q

Wie alt sind Neobroker-Nutzer im Durchschnitt?

Das Durchschnittsalter liegt bei Anfang 30. Rund 70 Prozent der Trade-Republic-Kunden sind jünger als 35, die Hälfte davon zwischen 18 und 26. Knapp die Hälfte aller Kunden sammelt beim Neobroker die ersten Börsenerfahrungen.

Q

Was bedeutet das PFOF-Verbot für Neobroker-Kunden?

Seit dem 1. Juli 2026 dürfen Broker keine Rückvergütungen von Market Makern mehr annehmen. Für Kunden bleibt der Stichtag zunächst weitgehend folgenlos: Ordergebühren steigen kaum, kostenlose ETF-Sparpläne bleiben — mögliche Kosten verlagern sich eher in die Spreads.

Q

Wie viele ETF-Sparpläne gibt es in Deutschland?

Zuletzt wurden 15,1 Millionen ETF-Sparpläne monatlich ausgeführt, für 2026 werden rund 20 Millionen erwartet. 2021 waren es erst 4,9 Millionen — in vier Jahren also eine gute Verdreifachung. Auf eine Vervierfachung käme der Markt erst mit der Prognose für 2026.


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