Themen in diesem Artikel:
- Drei Modelle im Vergleich: Verstehe den Unterschied zwischen Pauschalpreis, Prozentprovision und Beratungspflicht.
- Wie groß der Markt ist: Über 10 Millionen Kunden allein bei einem Anbieter, rund 150 Milliarden Euro Vermögen.
- Was eine Order kostet: Vergleiche 0,99 Euro beim App-Broker mit 30 Euro Mindestprovision der Filialbank.
- Depot und Sparplan: Erfahre, warum 0,7 Prozent Depotgebühr teurer sind als jede Ordergebühr.
- Kosten über 20 und 30 Jahre: 4.570 Euro Ersparnis im Modellfall, 15.000 Euro Unterschied im Endvermögen.
- Sicherheit und Regulierung: Beide Modelle bieten 100.000 Euro Einlagensicherung und volles Sondervermögen.
- Das PFOF-Verbot ab Juli 2026: Finde heraus, wie Broker die weggefallene Ertragsquelle ersetzen.
- Welches Modell zu dir passt: Entscheidungsmuster nach Anlagesumme, Ordergröße und Beratungsbedarf.
Neobroker, Direktbank, Filialbank: Was die drei Modelle unterscheidet
Ein Neobroker ist für die meisten Privatanleger die günstigere Wahl: Die Depotführung kostet null Euro, eine Order rund einen Euro, ein ETF-Sparplan ist ab einem Euro Rate kostenlos. Bei einer Filialbank zahlst du dagegen 20 bis 60 Euro Depotgebühr im Jahr und rund ein Prozent vom Ordervolumen mit mindestens 30 Euro Mindestprovision. Der Schutz deines Depots ist bei beiden identisch. Der Unterschied liegt allein in der Preislogik und in der Beratung — und beides lässt sich in Euro beziffern.
Der Neobroker: App, Pauschalpreis, keine Beratung
Neobroker sind app-basierte Wertpapierbroker ohne Filialnetz. Sie betreiben reines Execution-Only-Geschäft. Das heißt: Sie führen deine Order aus, beraten dich aber nicht. Du entscheidest allein, was du kaufst. Die Depotführung ist kostenlos, die Order kostet einen festen Pauschalbetrag statt einer Provision in Prozent.
Zum Feld in Deutschland gehören Trade Republic, Scalable Capital, justTRADE, finanzen.net zero, Smartbroker+ und Traders Place. Alle folgen derselben Grundlogik, unterscheiden sich aber im Detail — bei der Zahl der Handelsplätze, beim Preismodell und bei der Frage, ob es ein Abo gibt. Wie finanzen.net zero sein Preismodell und sein Handelsplatzangebot aufbaut, findest du im Finanzen.net Zero Test 2026.
Die Filialbank: Standort, Beratungspflicht, Prozentprovision
Die Filialbank ist eine klassische Universalbank mit Standortnetz. Sie berät dich persönlich, und sie muss es sogar: Statt Execution-Only gilt hier die Beratungspflicht. Das Depot ist Teil eines Gesamtpakets aus Girokonto, Kredit und Anlage. Genau darin liegt für viele der Reiz — alles bei einem Haus, ein Ansprechpartner, ein Login.
Bezahlt wird das über zwei Posten. Erstens die Ordergebühr, meist prozentual vom Volumen mit einem hohen Mindestbetrag. Zweitens eine jährliche Depotführungsgebühr, je nach Haus als Pauschale oder als Prozentsatz vom Bestand.
Die Direktbank: der unterschätzte Mittelweg
Zwischen beiden steht die Direktbank. ING, comdirect und Consorsbank haben keine Filiale, aber eine breite Produktpalette und viele Handelsplätze. Die Depotführung ist häufig kostenlos, allerdings an Bedingungen gekoppelt. Bei comdirect etwa entfällt die Gebühr, wenn du zwei Trades oder einen Sparplan pro Quartal laufen hast. Sonst werden 1,95 Euro im Monat fällig, also 23,40 Euro im Jahr.
Der Kern des Unterschieds zwischen allen drei Modellen ist nicht das Preisschild einer einzelnen Order. Es ist die Preislogik. Ein fester Betrag verhält sich völlig anders als ein Prozentsatz vom Volumen — und das wirkt sich in beide Richtungen aus, bei kleinen wie bei großen Ordern.
Lizenzstatus 2026: kein Grauzonen-Thema mehr
Der häufigste Einwand gegen Neobroker lautet, sie seien keine richtigen Banken. Das stimmt so nicht mehr. Trade Republic hält eine BaFin-Vollbanklizenz über die Trade Republic Bank GmbH, ist EZB-reguliert und betreibt seit Januar 2026 eine eigene MTF-Lizenz. Scalable Capital hat seit September 2025 eine EZB-Vollbanklizenz. flatexDEGIRO führt eine BaFin-Vollbanklizenz über die flatexDEGIRO Bank SE. Smartbroker+ ist nach Paragraf 15 WpIG bei der BaFin lizenziert, justTRADE arbeitet über die Sutor Bank. Welche Lizenz Trade Republic hält und wie sich das im Alltag auswirkt, ordnen wir im Testbericht Trade Republic Erfahrungen 2026 ein.
| Kriterium | Filialbank | Direktbank | Neobroker |
|---|---|---|---|
| Depotführung pro Jahr | 20–60 €, oft volumenabhängig | 0 €, an Trades/Sparplan gekoppelt | 0 €, ohne Bedingungen |
| Ordergebühr | rund 1 % vom Volumen, min. 30 € | 4,90 € + 0,25 %, 9,90–69,90 € | 0–1 € pauschal, volumenunabhängig |
| Sparplan | rund 2,5 % der Rate | rund 1,5 %, viele ETFs kostenlos | meist 0 € ab 1 € Rate |
| Mindestsparrate | 25–50 € | ab 1–25 € | 1 € |
| Beratung | persönlich vor Ort | telefonisch | keine (Execution-Only) |
| Handelsplätze | viele | viele | wenige bis rund 30 |
Wie groß der Markt der Neobroker inzwischen ist
Die Größenordnung überrascht viele. Trade Republic überschritt im September 2025 die Marke von 10 Millionen Kunden in 17 Märkten. Im Januar 2025 waren es noch 8 Millionen. Zwei Millionen neue Kunden in acht Monaten sind das schnellste Wachstum, das der europäische Retail-Brokerage-Markt bisher gesehen hat. Der deutsche Anteil lag im Januar 2025 bei 5,3 Millionen Kunden.
Das verwaltete Vermögen liegt bei rund 150 Milliarden Euro (Stand Herbst 2025 beziehungsweise April 2026). Das ist kein Nischenphänomen mehr, sondern eine relevante Größe im deutschen Anlagemarkt.
Die anderen Anbieter im Feld
flatexDEGIRO betreut rund 3,6 Millionen Kunden in 16 Ländern mit etwa 95 Milliarden Euro Kundenvermögen. Im Geschäftsjahr 2025 wurden dort 75 Millionen Transaktionen abgewickelt. Scalable Capital kommt auf über eine bis 1,5 Millionen Kunden — die Angaben schwanken je nach Zählweise — und auf über 40 bis 45 Milliarden Euro. Davon liegen über 30 Milliarden Euro in der Vermögensverwaltung, also nicht im Selbstentscheider-Depot. Wie flatex als Teil dieser Gruppe im deutschen Markt arbeitet, haben wir im Testbericht flatex Erfahrungen 2026 aufgeschrieben.
Interessant ist Smartbroker: rund 180.000 Kunden, knapp 10 Milliarden Euro. Das ergibt rund 56.000 Euro Depotvolumen je Kunde und damit den höchsten Wert im gesamten Feld. Die Plattform zieht offenbar erfahrenere Anleger mit größeren Beständen an, nicht die klassischen Sparplan-Einsteiger. Woher dieses hohe Depotvolumen je Kunde kommt und wie Smartbroker+ aufgestellt ist, beschreibt der Testbericht Smartbroker Erfahrungen 2026.
Eine Einordnung ist wichtig: Bei eToro liest man oft von rund 40 Millionen Nutzern. Das sind registrierte Konten weltweit, keine aktiven deutschen Depots. Diese Zahl lässt sich mit den anderen nicht vergleichen.
Anbieter nach verwaltetem Kundenvermögen (Stand 2025/2026)
Der Blick nach vorn: In Deutschland nutzen rund 5,3 Millionen Menschen einen Wertpapiersparplan, ein großer Teil davon über App-Broker. Prognosen sehen den Anteil der Neobroker am gesamten Online-Brokerage bis 2028 bei 50 bis 60 Prozent, nach 42 bis 44 Prozent im Jahr 2023. Das Modell ist also dabei, vom Herausforderer zum Standard zu werden.
Was eine Order wirklich kostet — Neobroker gegen Filialbank
Hier wird der Unterschied zum ersten Mal konkret. Trade Republic verlangt seit Juli 2026 eine Fremdkostenpauschale von einem Euro, wenn du die automatische Bestausführung nutzt. Der Broker sucht dann selbst den besten verfügbaren Kurs unter den angebundenen Börsen. Wählst du den Handelsplatz lieber selbst — zur Auswahl stehen rund 30, darunter Xetra und Nasdaq — zahlst du zwei Euro.
Scalable Capital rechnet im Free Broker mit 0,99 Euro pro Order an den Handelsplätzen gettex und EIX. PRIME-ETFs sind ab 250 Euro Ordervolumen kostenfrei. Wer viel handelt, kann auf Prime+ wechseln: 4,99 Euro im Monat, also 59,88 Euro im Jahr, dafür eine Trading-Flatrate ab 250 Euro Ordervolumen. Das rechnet sich ab etwa fünf Orders im Monat. Wie sich Free Broker und PRIME bei Scalable Capital in Preis und Leistung unterscheiden, liest du im Testbericht Scalable Capital Erfahrungen 2026.
justTRADE verlangt seit Mitte 2026 einen Euro an LS Exchange und Tradegate BSX, 2,90 Euro an anderen Plätzen. Gleichzeitig fiel dort das Mindestordervolumen von 500 Euro weg — für kleine Käufe ein spürbarer Unterschied. flatex liegt mit 5,90 Euro pro Order über dem Feld der reinen App-Broker.
Die Direktbanken dazwischen
Bei ING beginnt eine Order bei 7,40 Euro: 4,90 Euro Grundgebühr plus 0,25 Prozent vom Volumen. Die Consorsbank startet bei 9,95 Euro, zusammengesetzt aus 4,95 Euro und ebenfalls 0,25 Prozent. Deutlich über dem Neobroker, aber weit unter der Filialbank.
Die Filialbank und die Doppelbelastung
Bei Filialbanken liegst du bei rund einem Prozent vom Volumen mit mindestens 30 Euro. Andere Häuser staffeln zwischen acht und 70 Euro. Deutsche Bank maxblue rechnet mit 0,25 Prozent vom Volumen, mindestens 9,90 Euro und höchstens 59,90 Euro — dazu kommt aber ein Börsenplatzentgelt von 1,50 bis 11,50 Euro. Diese Doppelbelastung aus Provision und Handelsplatzentgelt übersehen viele beim Preisvergleich.
Der eigentliche Hebel ist der Mindestbetrag. Eine Order über 500 Euro kostet dich bei 30 Euro Mindestprovision genau sechs Prozent deines Einsatzes. Diese sechs Prozent musst du erst wieder verdienen, bevor du im Plus bist. Bei großen Ordern kehrt sich das Bild: Dort schlägt der Prozentsatz durch — ein Prozent auf 50.000 Euro sind 500 Euro, während der Neobroker weiter einen Euro nimmt. Der Pauschalpreis ist also in beiden Randbereichen günstiger, am deutlichsten aber bei kleinen, häufigen Käufen. Wie sich die Basispreise der einzelnen Anbieter zueinander verhalten, stellt der Beitrag Ordergebühren im Vergleich Zeile für Zeile gegenüber.
Ordergebühr im Anbietervergleich: Basispreis je Order
Zur historischen Einordnung: Als Trade Republic 2019 mit dem Ein-Euro-Trade startete, kostete eine Order bei Filialbanken 25 bis 50 Euro. Sieben Jahre später hat sich an diesem Niveau erstaunlich wenig geändert. Der Wettbewerbsdruck hat die Preise der klassischen Häuser bisher kaum bewegt.
📌 Good to know
Prüfe bei jedem Preisvergleich, ob das Börsenplatzentgelt enthalten ist. Bei maxblue kommen zur Provision noch 1,50 bis 11,50 Euro hinzu — eine 1.000-Euro-Order landet damit schnell bei über 20 Euro statt bei den beworbenen 9,90 Euro.
Depotführung und Sparplan: Wo die Kosten leise entstehen
Die Ordergebühr siehst du. Die Depotgebühr nicht — sie wird einmal im Jahr abgebucht und verschwindet im Rauschen. Genau deshalb ist sie der gefährlichere Posten.
Bei Neobrokern liegt sie bei null Euro im Jahr, ohne Mindestumsatz und ohne Trade-Bedingung. Bei Direktbanken ebenfalls bei null, aber an Aktivität gekoppelt: comdirect verlangt 1,95 Euro im Monat, wenn nicht zwei Trades oder ein Sparplan pro Quartal laufen. Das sind 23,40 Euro im Jahr für ein Depot, das du einfach nur liegen lässt.
Filialbanken nehmen 20 bis 60 Euro im Jahr. Manche Häuser rechnen stattdessen mit 0,5 bis 0,8 Prozent des Bestands. Und das ist der entscheidende Unterschied.
Warum die Prozent-Depotgebühr das eigentliche Problem ist
Eine Pauschale von 35 Euro bleibt 35 Euro — egal, ob dein Depot 5.000 oder 500.000 Euro wert ist. Über 30 Jahre sind das gut 1.000 Euro, verkraftbar. Eine Gebühr von 0,7 Prozent wächst dagegen mit deinem Depot mit. Bei 100.000 Euro sind das 700 Euro im Jahr, bei 300.000 Euro sind es 2.100 Euro. Und sie greift genau dann am stärksten, wenn der Zinseszins für dich arbeiten sollte.
Im 500.000-Euro-Depot liegen zwischen dem günstigsten und dem teuersten Modell 3.138 Euro pro Jahr. Für dieselben Wertpapiere, dieselbe Rendite, dasselbe Risiko.
Der Sparplan: wo die meisten Anleger tatsächlich investieren
Bei Trade Republic und Scalable Capital sind ETF-Sparpläne dauerhaft kostenlos, ab einem Euro Mindestrate. Direktbanken nehmen rund 1,5 Prozent der Rate, bieten aber viele ETFs im Aktionsangebot kostenlos an. Filialbanken verlangen rund 2,5 Prozent der Rate oder ein bis drei Euro je Ausführung.
Rechne das durch: Bei 150 Euro Sparrate sind 2,5 Prozent gleich 3,75 Euro pro Ausführung. Bei zwölf Ausführungen im Jahr sind das 45 Euro — auf 1.800 Euro eingezahltes Kapital. Du startest also jedes Jahr mit einem Rückstand von 2,5 Prozent, den der Markt erst aufholen muss.
Die praktisch relevantere Hürde für Einsteiger ist aber oft die Mindestsparrate. Ein Euro beim Neobroker gegen 25 bis 50 Euro bei der Filialbank. Wer mit 20 Euro im Monat anfangen will, kann das bei der Filialbank schlicht nicht.
Und der Produktpreis obendrauf
Im Filialbank-Vertrieb landest du selten beim günstigen Index-ETF. Aktiv gemanagte Fonds tragen dort Ausgabeaufschläge von bis zu fünf Prozent. Beim ETF-Kauf über den Neobroker fällt der nicht an. Der Nachteil wird damit doppelt: teureres Depot und teureres Produkt.
| Kostenposten pro Jahr | Neobroker | Filialbank |
|---|---|---|
| Depotführung | 0 € | 35 € |
| Order über 1.000 € an Xetra | 3,50 € | 12,40 € |
| Ausländische Dividende | 1,00 € | 8,50 € |
| ETF-Sparplan je Ausführung | 0 € | 1,75 € |
| Gesamt bei 24 Orders + 12 Sparplänen | 84 € | 332 € |
Was der Unterschied über 20 und 30 Jahre ausmacht
Einzelne Gebührenzeilen wirken harmlos. Interessant wird es, wenn du sie über einen Anlagehorizont hochrechnest, wie ihn ein ETF-Sparplan tatsächlich hat.
Modellfall eins: 500 Euro Sparrate im Monat über 20 Jahre, also 120.000 Euro eingezahlt. Beim Neobroker summieren sich die Kosten auf 240 Euro. Bei der Direktbank auf 960 Euro. Bei der Filialbank auf 4.810 Euro. Das entspricht rund vier Prozent deiner gesamten Einzahlungssumme, allein für die Verwaltung. Die Ersparnis gegenüber der Filialbank beträgt 4.570 Euro.
Bemerkenswert ist die Verteilung: Der Sprung von der Filialbank zur Direktbank kostet dich 3.850 Euro Unterschied, der Sprung von der Direktbank zum Neobroker nur noch 720 Euro. Der große Hebel liegt also im ersten Schritt weg von der Filiale. Wer bei der Direktbank bleibt, weil ihm die breite Produktpalette wichtig ist, verliert dadurch vergleichsweise wenig.
Gesamtkosten über 20 Jahre bei 500 Euro Sparrate im Monat
Was die Kosten im Endvermögen anrichten
Noch aussagekräftiger ist die zweite Rechnung, weil sie die entgangene Rendite einbezieht. Modellfall: 150 Euro Sparrate im Monat, 30 Jahre Laufzeit, sieben Prozent Rendite pro Jahr.
Beim Neobroker mit null Prozent Depotgebühr und einem ETF mit 0,20 Prozent laufenden Kosten landest du bei rund 170.000 Euro. Bei der Filialbank mit 0,7 Prozent Depotgebühr und einem ETF mit 0,30 Prozent laufenden Kosten sind es rund 155.000 Euro. Die Differenz von 15.000 Euro entsteht rein durch Kosten — die zugrunde liegende Indexrendite ist in beiden Fällen identisch.
Umgerechnet auf die eingezahlten 54.000 Euro sind das rund 28 Prozent der Einzahlungssumme, die als Kostenschaden im Endvermögen fehlen. Nicht weil du schlechter investiert hättest, sondern weil ein Teil des Kapitals jedes Jahr abfloss, statt weiter zu arbeiten.
💡 Tip
Schau in deine letzte Depotabrechnung und suche gezielt nach dem Wort „Depotentgelt" oder „Verwahrentgelt". Steht dort ein Prozentsatz statt eines festen Betrags, rechne ihn einmal auf deinen aktuellen Depotwert hoch — und dann auf den erwarteten Wert in 20 Jahren.
Sicherheit: Wo der Unterschied kleiner ist, als du denkst
Der häufigste Grund, warum Anleger bei der Filialbank bleiben, ist ein Sicherheitsgefühl. Die Rechtslage gibt diesen Unterschied allerdings nicht her.
Wertpapiere sind Sondervermögen
Aktien, ETFs und Fonds in deinem Depot gehören rechtlich dir, nicht der Bank. Sie tauchen in der Insolvenzmasse eines Anbieters nicht auf. Geht dein Broker pleite, bleiben deine Wertpapiere unangetastet und werden auf ein anderes Depot übertragen. Das gilt bei Neobrokern und Filialbanken gleichermaßen und vollständig.
Der einzige reale Unterschied liegt in der Verwahrstruktur. Einige Neobroker verwahren über Partnerbanken, was eine zusätzliche Kette bedeutet. Weniger Schutz ist das nicht — Sondervermögen bleibt Sondervermögen. Und Trade Republic, Scalable Capital sowie flatexDEGIRO halten inzwischen ohnehin eigene Vollbanklizenzen.
Die Einlagensicherung betrifft nur das Verrechnungskonto
Hier wird oft durcheinandergebracht: Die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Bank und Kunde gilt für Bargeld auf dem Verrechnungskonto, nicht für Wertpapiere. Sie ist für alle regulierten Anbieter identisch — Neobroker wie Filialbank. Wertpapiere brauchen sie nicht, weil sie ohnehin geschützt sind. Wie die Einlagensicherung bei Brokern im Einzelnen greift und welche Beträge dabei gelten, erklärt der Beitrag Einlagensicherung beim Broker.
Einen Vorteil haben Filialbanken tatsächlich: Viele gehören zusätzlich einem freiwilligen Einlagensicherungsfonds an, der über die gesetzlichen 100.000 Euro hinausgeht. Relevant wird das aber erst, wenn du hohe Bargeldbestände dauerhaft auf dem Verrechnungskonto liegen lässt — und genau das solltest du bei einem Anlagedepot ohnehin nicht tun.
Wo die Filialbank tatsächlich punktet
Der Vorteil der Filialbank liegt nicht in der Sicherheit, sondern in der Breite. Girokonto, Kredit und Depot aus einer Hand. Persönliche Beratung vor Ort. Beratungspflicht statt Execution-Only, was im Streitfall rechtlich relevant sein kann. Ein deutlich größeres Produktspektrum aus Fonds, Anleihen und Sparprodukten. Und mehr Handelsplätze, während Neobroker zwischen wenigen und rund 30 anbieten.
Der Preis dafür ist bezifferbar — 4.570 Euro über 20 Jahre im Modellfall. Die ehrliche Frage lautet also nicht, ob die Filialbank teurer ist. Sie lautet, ob dir die Beratung diesen Betrag wert ist. Wo diese Beratung in aktiv gemanagte Fonds mit fünf Prozent Ausgabeaufschlag führt, wird die Rechnung noch ungünstiger.
Was das PFOF-Verbot ab Juli 2026 verändert
Payment for Order Flow, kurz PFOF, ist die Rückvergütung, die Market Maker an einen Broker zahlen, wenn er ihnen Kundenaufträge zuleitet. Diese Zahlungen haben die Nullpreis-Modelle der Neobroker jahrelang getragen. Du hast nichts oder fast nichts bezahlt, weil ein Dritter zahlte.
Mit dem EU-Verbot ab Juli 2026 fällt diese Ertragsquelle weg. Die Umstellung ist bereits sichtbar, und zwar bei jedem Anbieter anders.
Wie die Anbieter reagieren
Trade Republic verlangt eine Fremdkostenpauschale von einem Euro und stellte im Juli 2026 auf automatische Bestausführung um — zwei Euro, wenn du den Handelsplatz selbst wählst. justTRADE staffelt seit Mitte 2026 nach Handelsplatz: ein Euro an LS Exchange und Tradegate BSX, 2,90 Euro anderswo. Scalable Capital setzt auf das Abo-Modell Prime+ für 4,99 Euro im Monat. Dazu kommen bei allen Anbietern Zinserträge auf die Kundenguthaben als Ertragssäule.
Wichtig für die Einordnung: Selbst nach der Umstellung liegen diese Preise weit unter dem, was Filialbanken verlangen. Zwei Euro gegen 30 Euro Mindestprovision ist immer noch Faktor 15.
Der offene Punkt: die Ausführungsqualität
Es gibt eine ehrliche Unsicherheit. Ohne PFOF könnten sich die Spreads verbreitern, also die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs. Dann würde ein Teil der Kosten aus der Gebührenzeile in den Kurs wandern — dort siehst du ihn nicht mehr direkt. Belastbare Messungen dazu liegen für 2026 noch nicht vor. Wer das im Blick behalten will, sollte gelegentlich den erhaltenen Ausführungskurs mit dem Referenzkurs an einer Hauptbörse vergleichen.
Genau deshalb ist die automatische Bestausführung bei Trade Republic mehr als Kosmetik: Der Broker sucht unter den angebundenen Börsen selbst den besten Kurs, statt dass du auf gut Glück einen Handelsplatz wählst.
Welches Modell zu dir passt
Ein pauschales „besser" gibt es nicht. Es gibt einen bezifferbaren Preis für Beratung, den du kennen solltest, bevor du ihn zahlst.
Der Neobroker passt zu dir, wenn …
… du selbst entscheidest, was du kaufst. Wenn du per ETF-Sparplan investierst, mit kleinen Raten anfangen willst und keine Beratung brauchst. Das gilt auch für erfahrene Anleger mit großen Einzelordern, weil der Pauschalpreis dort besonders stark wirkt: Ein Euro auf 50.000 Euro sind 0,002 Prozent, ein Prozent Provision wären 500 Euro.
Die Direktbank passt zu dir, wenn …
… du Konto, Depot und ein breites Produktangebot bündeln willst, aber keine Filiale brauchst. Über 20 Jahre kostet dich das im Modellfall 720 Euro mehr als der Neobroker — für viele ein akzeptabler Aufpreis für mehr Handelsplätze und eine größere Produktauswahl. Achte nur auf die Aktivitätsbedingung, sonst zahlst du Depotgebühr für ein Depot, in dem nichts passiert.
Die Filialbank passt zu dir, wenn …
… persönliche Beratung vor Ort für dich einen realen Wert hat. Bei komplexen Produkten, bei Erbschafts- und Vermögensfragen, bei Anlegern ohne Erfahrung kann das den Preis rechtfertigen. Der Fall, in dem sie sich definitiv nicht lohnt, ist der reine ETF-Sparplan — dort bekommst du für 45 Euro Sparplangebühr im Jahr keine Gegenleistung.
Der Wechsel ist kostenlos
Falls du dich für einen Wechsel entscheidest: Der Depotübertrag ist in Deutschland kostenfrei und gesetzlich verankert. Deine Bank darf dafür nichts berechnen. Du eröffnest das neue Depot, stellst dort den Übertragsantrag und die Wertpapiere werden umgebucht. Verkaufen musst du nichts, es fällt also auch keine Steuer an. Achte nur darauf, dass die Anschaffungsdaten mit übertragen werden — sonst berechnet der neue Broker die Abgeltungsteuer später ungünstig.
Häufig gestellte Fragen
Sind Neobroker sicher?
Ja, sie unterliegen denselben Regeln wie Banken: 100.000 Euro gesetzliche Einlagensicherung auf das Verrechnungskonto, Wertpapiere als Sondervermögen, BaFin-Regulierung. Trade Republic, Scalable Capital und flatexDEGIRO halten eigene Vollbanklizenzen.
Was passiert mit meinen Aktien, wenn der Neobroker pleitegeht?
Sie bleiben unangetastet. Wertpapiere sind Sondervermögen und gehören rechtlich dir, nicht dem Broker. Sie fallen nicht in die Insolvenzmasse und werden auf ein anderes Depot deiner Wahl übertragen.
Wie viel spare ich mit einem Neobroker wirklich?
Im Modellfall mit 500 Euro Sparrate über 20 Jahre sind es 4.570 Euro gegenüber der Filialbank. Bei 150 Euro Rate über 30 Jahre beträgt der Unterschied im Endvermögen rund 15.000 Euro.
Was kostet eine Order bei der Filialbank?
Rund ein Prozent vom Volumen mit mindestens 30 Euro. Bei maxblue sind es 0,25 Prozent (mindestens 9,90 Euro, höchstens 59,90 Euro) plus 1,50 bis 11,50 Euro Börsenplatzentgelt obendrauf.
Ist die Depotführung bei Neobrokern wirklich kostenlos?
Ja, und ohne Bedingungen. Bei Direktbanken hängt sie an Aktivität: comdirect verlangt 1,95 Euro im Monat, wenn nicht zwei Trades oder ein Sparplan pro Quartal laufen. Das sind 23,40 Euro im Jahr.
Was ändert sich durch das PFOF-Verbot ab Juli 2026?
Neobroker ersetzen die Market-Maker-Rückvergütung durch Fremdkostenpauschalen, Abo-Modelle und Zinserträge. Sichtbar ist das an neuen Preislisten. Ob sich dadurch die Spreads verbreitern, ist bisher nicht belegt.
Kann ich mein Depot von der Filialbank zum Neobroker übertragen?
Ja, der Depotübertrag ist in Deutschland kostenfrei und gesetzlich verankert. Du eröffnest das neue Depot und stellst dort den Antrag. Verkauft wird nichts, es fällt also keine Steuer an.


