Depot eröffnen 2026: Ablauf, Unterlagen und Kosten im Überblick

Das Wichtigste in Kürze:

Ein Depot zu eröffnen kostet dich zehn Minuten und drei Dokumente: Personalausweis, Steuer-ID und die IBAN deines Girokontos. Einen Einkommensnachweis verlangt kein Anbieter, ein Mindestvermögen auch nicht. Der Rest ist Formalität — Antrag, Legitimation per Video oder Post, Freischaltung. Dieser Leitfaden zeigt dir jeden der fünf Schritte, welche Unterlagen wirklich nötig sind, wie lange es…

Illustration zur Depoteröffnung mit Unterlagen und Legitimation

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Video: Depot eröffnen: Ablauf, Unterlagen und Kosten

Was ein Depot ist und wer eines eröffnen darf

Ein Depot eröffnen kannst du in rund zehn Minuten, wenn du volljährig bist, ein Girokonto hast und deinen Wohnsitz in Deutschland. Mehr braucht es nicht. Kein Mindestgehalt, kein Mindestvermögen, kein Einkommensnachweis. Bei manchen Anbietern startet ein Sparplan schon ab einem Euro pro Rate. Die drei Dinge, die du bereitlegen solltest: gültiger Personalausweis, deine elfstellige Steuer-Identifikationsnummer und die IBAN deines Girokontos.

Ein Wertpapierdepot ist im Kern nichts anderes als ein Konto — nur dass darin keine Euros liegen, sondern Aktien, ETFs, Fonds und Anleihen. Es wird immer zusammen mit einem zweiten Konto geführt, dem Verrechnungs- oder Referenzkonto. Über dieses zweite Konto läuft alles, was Geld bewegt: Käufe, Verkäufe, Dividenden, Ein- und Auszahlungen. Das Depot selbst hält nur die Papiere. Diese Zweiteilung ist der Grund, warum du bei der Eröffnung immer nach einer IBAN gefragt wirst.

Kein Kreditprodukt, kein Schufa-Eintrag

Hier werden regelmäßig zwei Dinge durcheinandergeworfen. Ein Wertpapierdepot wird nicht bei der Schufa eingetragen. Es ist kein Kredit, du leihst dir nichts, es entsteht kein Ausfallrisiko für die Bank. In deiner Schufa-Akte taucht die Eröffnung deshalb nicht auf.

Trotzdem fragen manche Banken bei der Antragsprüfung deine Bonität ab. Negative Einträge können dann zur Ablehnung führen — obwohl das Produkt selbst nichts mit Krediten zu tun hat. Beides gleichzeitig ist wahr: Die Eröffnung hinterlässt keine Spur, aber ein bestehender Negativeintrag kann dir im Weg stehen. Wer das verwechselt, wundert sich über eine Absage, die nach der Produktlogik gar nicht kommen dürfte.

Für Kinder gibt es eine eigene Variante

Unter 18 geht kein normales Depot. Stattdessen existiert das Junior- oder Kinderdepot, das ausschließlich die sorgeberechtigten Eltern eröffnen können. Es läuft auf den Namen des Kindes, das Geld gehört rechtlich dem Kind, die Eltern verwalten es treuhänderisch. Die Details dazu stehen weiter unten im Abschnitt zu den Sonderfällen — dort wird es unterlagenseitig deutlich aufwendiger als beim Standarddepot.

Anbieter mit Sitz in Deutschland wählen

Es gibt einen praktischen Grund, sich auf inländische Anbieter zu beschränken. Depots bei ausländischen Brokern lassen sich schwerer zu einem anderen Anbieter übertragen. Und die Steuerabwicklung wird umständlich, weil ausländische Broker keine deutsche Abgeltungsteuer abführen. Du musst dann jeden Ertrag selbst in der Steuererklärung angeben, statt dass die Bank das automatisch erledigt. Für den Standardfall ist das unnötiger Aufwand über Jahrzehnte.

Zur Einordnung, wie normal das Ganze inzwischen ist: 14,1 Millionen Menschen in Deutschland besitzen 2025 Aktien, Aktienfonds oder ETFs. Das sind 19,9 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren, also grob jeder Fünfte. Ein Jahr zuvor waren es 12,1 Millionen und damit etwa jeder Sechste. Der Zuwachs von zwei Millionen Menschen innerhalb eines Jahres ist der stärkste der jüngeren Erhebungsreihe.

Aktienbesitzer in Deutschland: zwei Millionen mehr in einem Jahr

0481216Mio. Menschen2024 — 12,1 Mio. Aktienbesitzer12,1 Mio.20242025 — 14,1 Mio. Aktienbesitzer14,1 Mio.202519,9 % der Bevölkerung ab 14 Jahren
Besitzer von Aktien, Aktienfonds oder ETFs. Gezählt werden Personen, nicht Depots — eine Person kann mehrere Depots führen.

Eine Einschränkung zur Zahl: Gemessen werden Menschen, die Aktien, Fonds oder ETFs besitzen — nicht die Anzahl geführter Depots. Eine Person kann drei Depots haben, ein Gemeinschaftsdepot gehört zwei Personen. Die Zahl der Depots liegt also anders, sie sagt aber nichts Zusätzliches über die Verbreitung aus.

Die fünf Schritte des Ablaufs

Der Ablauf ist bei jedem Anbieter derselbe, egal ob Filialbank, Direktbank oder Neobroker. Fünf Schritte, von denen dich nur zwei aktiv Zeit kosten.

Schritt 1: Anbieter auswählen

Drei Gattungen stehen zur Wahl. Die Filialbank mit Berater vor Ort und den höchsten Gebühren. Die Direktbank, die online arbeitet, aber eine Telefonhotline und dreißig und mehr Handelsplätze bietet. Und der Neobroker, der alles per App abwickelt, dafür bei einem oder zwei Handelsplätzen bleibt. Welche Gattung zu dir passt, hängt weniger vom Preis ab als davon, was du handeln willst — dazu unten mehr. Wie ein reiner App-Broker in der Praxis funktioniert, kannst du vor der Entscheidung im Finanzen.net Zero Test 2026 nachlesen.

Schritt 2: Online-Antrag ausfüllen

Abgefragt werden persönliche Daten, Wohnsitz, Steuerstatus und das Referenzkonto. Zehn Minuten, wenn die Unterlagen bereitliegen. Ein Detail entscheidet hier über Verzögerung oder Freischaltung: Name und Anschrift im Antrag müssen exakt mit deinem Ausweisdokument übereinstimmen. Zeichengenau. Ein fehlender zweiter Vorname, eine Straße mit „str." statt „straße", eine neue Adresse, die noch nicht im Ausweis steht — das sind die häufigsten Gründe, warum ein Antrag in der Nachbearbeitung landet statt in der Freischaltung.

Beim Referenzkonto unterscheiden sich die Anbieter. Manche akzeptieren jedes bestehende Girokonto, das auf deinen Namen läuft. Andere legen zwingend ein eigenes Verrechnungskonto zum Depot an, das meist kostenlos ist. Der Unterschied wirkt sich später aus: Beim eigenen Verrechnungskonto liegt dein Geld beim Broker und wird dort teilweise verzinst, beim externen Referenzkonto überweist du bei jedem Kauf.

Schritt 3: Legitimation

Die Identitätsprüfung ist nach dem Geldwäschegesetz vorgeschrieben, sie ist keine Serviceoption der Bank. Drei Verfahren stehen zur Wahl: VideoIdent per Videochat, die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises, oder PostIdent in einer Postfiliale. Welches du wählst, bestimmt die Gesamtdauer stärker als der Anbieter — die Details stehen im nächsten Abschnitt.

Schritt 4: Prüfung und Freischaltung

Die Bank prüft Antrag und Legitimation, schaltet das Depot frei und versendet die Zugangsdaten. Bei Neobrokern passiert das digital und praktisch sofort. Direktbanken schicken die Zugangsdaten teilweise noch per Post, teils sogar getrennt in zwei Briefen. Das ist ein Sicherheitsmerkmal, kostet aber Tage.

Schritt 5: Steuerdaten, Geld, erste Order

Jetzt hinterlegst du deine Steuer-ID, setzt den Freistellungsauftrag, überweist Geld auf das Verrechnungskonto und kannst kaufen. Der Freistellungsauftrag ist der Schritt, den die meisten überspringen und später bereuen — was er wert ist, rechnet der Steuerabschnitt weiter unten vor.

Tip: Überweise nach der Freischaltung zuerst einen kleinen Testbetrag und warte die Gutschrift ab. Ist im Verrechnungskonto eine falsche IBAN hinterlegt, fällt das mit 20 Euro auf — nicht mit 20.000.

Warum Anträge abgelehnt werden

Fünf Gründe decken fast alle Fälle ab. Erstens unvollständige oder fehlerhafte Angaben, allen voran Abweichungen zwischen Antrag und Ausweis. Zweitens negative Schufa-Einträge, obwohl das Produkt keinen Kreditcharakter hat. Drittens eine abgebrochene oder fehlgeschlagene Legitimation. Viertens ein Wohnsitz im Ausland, besonders mit US-Bezug. Und fünftens ein nicht erreichtes Mindestalter. Vier der fünf Gründe hast du selbst in der Hand.

Welche Unterlagen du wirklich brauchst — und wie lange es dauert

Die vollständige Liste ist kürzer, als die meisten erwarten: gültiger Personalausweis oder Reisepass, deine steuerliche Identifikationsnummer, die IBAN eines Girokontos als Referenzkonto, eine E-Mail-Adresse und eine Handynummer. Das war es. Kein Einkommensnachweis, keine Gehaltsabrechnung, kein Vermögensnachweis, keine Kontoauszüge. Ein Depot ist kein Kredit, die Bank muss deine Zahlungsfähigkeit nicht prüfen — du kaufst nur, wofür du vorher eingezahlt hast.

Wo du deine Steuer-ID findest

Die steuerliche Identifikationsnummer steht auf dem letzten Einkommensteuerbescheid, auf deiner Lohnsteuerbescheinigung oder in dem Brief, den das Bundeszentralamt für Steuern nach der Geburt beziehungsweise beim ersten Wohnsitz in Deutschland verschickt hat. Sie ist elfstellig und bleibt dein Leben lang gleich.

Verwechsle sie nicht mit der Steuernummer. Die Steuernummer ändert sich, wenn du umziehst und ein anderes Finanzamt zuständig wird. Die Identifikationsnummer nicht. Für den Depotantrag brauchst du die elfstellige, unveränderliche.

Die drei Legitimationsverfahren im Detail

VideoIdent läuft als Videochat per Smartphone oder Rechner und dauert rund zehn bis fünfzehn Minuten. Du hältst deinen gültigen Personalausweis oder Reisepass in die Kamera, ein Mitarbeiter prüft Hologramme und Sicherheitsmerkmale und gleicht dein Gesicht mit dem Foto ab. Zwei Dinge lassen den Vorgang scheitern: schlechtes Licht und Finger, die Ausweisdaten verdecken. Bricht der Chat ab, startest du von vorn — meist in einer neuen Warteschlange. Halte den Ausweis an den Kanten, setz dich ans Fenster, dann klappt es im ersten Anlauf.

PostIdent ist der analoge Weg. Du bekommst einen Coupon, gehst in eine Postfiliale, zeigst dort deinen Ausweis. Bis die Bestätigung bei der Bank eingeht, vergehen drei bis fünf Werktage. Für alle, die keine Kamera nutzen wollen oder deren VideoIdent mehrfach gescheitert ist.

eID nutzt die Online-Ausweisfunktion deines Personalausweises: App, PIN, fertig. Kein Termin, keine Warteschlange, keine Filiale. Voraussetzung ist eine freigeschaltete Ausweisfunktion samt PIN — wer die nie aktiviert hat, muss sie beim Bürgeramt zurücksetzen lassen, und dann ist PostIdent schneller. Bist du bei der Bank schon Kunde, geht die Legitimation oft direkt über deinen bestehenden Online-Banking-Zugang.

Wie lange es wirklich dauert: der Antrag ist nicht das Problem

Antrag ausfüllenAntrag ausfüllen — 10 Minuten10 MinutenVideoIdent-TerminVideoIdent-Termin — 15 Minuten15 MinutenFreischaltung NeobrokerFreischaltung Neobroker — 1 Tag (1.440 Minuten)1 Tag (1.440 Min.)Freischaltung Direktbankmit PostIdentFreischaltung Direktbank mit PostIdent — 7 Tage (10.080 Minuten)7 Tage (10.080 Min.)05.00010.000Dauer in Minuten
Die Spanne entsteht fast vollständig aus dem gewählten Legitimationsverfahren, nicht aus dem Anbieter.

Die realistische Gesamtdauer

Bei einer Online-Eröffnung mit digitaler Legitimation ist das Depot typischerweise nach einem bis drei Bankarbeitstagen nutzbar. Bei Neobrokern mit VideoIdent oft noch am selben oder am nächsten Tag. Ein bis zwei Wochen musst du einplanen, wenn eine Direktbank die Zugangsdaten per Post verschickt, wenn du PostIdent nutzt oder wenn es um ein Gemeinschafts- oder Junior-Depot geht — dort müssen mehrere Personen legitimiert werden.

Das ist die eigentliche Erkenntnis aus dem Diagramm: Der Unterschied zwischen einem Tag und zwei Wochen entsteht nicht daran, welchen Anbieter du wählst, sondern welches Legitimationsverfahren du anklickst. Wer Zeitdruck hat — etwa weil ein Sparplan zum Monatsersten laufen soll — sollte konsequent VideoIdent oder eID nehmen.

Was ein Depot kostet: die Anbieter im Vergleich

Für den Vergleich braucht es ein sauberes Rechenbeispiel, sonst vergleicht man Marketing statt Preise. Also: eine einzelne Order über 1.000 Euro, jeweils über den günstigsten Standardweg des Anbieters, keine Aktionskondition, kein Sonderdepot. Stand 2026. Wie ein einzelner Anbieter mit diesem Rechenbeispiel abschneidet, beschreiben wir im Detail in unserem Bericht flatex Erfahrungen 2026.

AnbieterOrder 1.000 €Depotführung p. a.ETF-SparpläneGuthabenzinsEinlagensicherung
Trade Republic1,00 € (Bestpreis), 2,00 € bei selbst gewählter Börse0 €über 2.600, alle kostenlos2,25 % p. a.100.000 €
Scalable Capital FREE0,99 € (EIX), 1,99 € über gettex/Xetra0 €3.129, alle kostenlos2,50–2,60 % p. a.100.000 €
Scalable Capital PRIME+0 € ab 250 € Volumen (EIX)59,88 € (4,99 €/Monat)alle kostenlos2,50–2,60 % p. a.100.000 €
flatex2,00 € (Direkthandel)0 €über 4.500, davon 1.449 kostenlos100.000 €
ING7,40 € zzgl. Handelsplatzentgelt0 €alle ohne Ausführungsgebühr100.000 €
comdirect (klassisch)9,90 €23,40 € (vermeidbar)576 kostenlos, sonst 1,5 %Tagesgeld 1,75 %100.000 €
Consorsbank9,95 € (Standard), 0,95 € für Neukunden0 €über 400 kostenlos, sonst 1,5 %100.000 €

Der erste Befund: Die Depotführung ist bei sechs von sieben Anbietern kostenlos. Als Unterscheidungsmerkmal taugt sie kaum noch — sie ist der Punkt, mit dem in der Werbung geworben wird, weil ihn ohnehin niemand mehr verlangt.

Der zweite Befund ist der interessante: Der Unterschied liegt fast vollständig in den Ordergebühren. 0,99 Euro bei Scalable Capital gegen 9,95 Euro bei der Consorsbank — Faktor zehn für dieselbe Order, dasselbe Wertpapier, denselben Zeitpunkt. Bei zwölf Orders im Jahr sind das 12 Euro gegen 119 Euro. Welche Konditionen hinter diesem Wert stehen und wie das Depot im Alltag arbeitet, beschreiben wir in Scalable Capital Erfahrungen 2026.

Was eine Order über 1.000 Euro kostet — Spreizung um den Faktor 10

0 €2 €4 €6 €8 €10 €Scalable — 0,99 € je Order über 1.000 €0,99 €ScalableTrade Republic — 1,00 € je Order über 1.000 €1,00 €Trade Republicflatex — 2,00 € je Order über 1.000 €2,00 €flatexING — 7,40 € je Order über 1.000 €7,40 €INGcomdirect — 9,90 € je Order über 1.000 €9,90 €comdirectConsorsbank — 9,95 € je Order über 1.000 €9,95 €ConsorsbankGebühr für eine Order über 1.000 € (günstigster Standardweg, Stand 2026)

Die comdirect-Formel im Detail

Die 9,90 Euro in der Tabelle sind nicht der Normalpreis, sondern die Mindestgebühr — ein Unterschied, der bei größeren Orders relevant wird. Die Formel lautet: 4,90 Euro Grundgebühr plus 0,25 Prozent des Ordervolumens. Bei 1.000 Euro ergäbe das rechnerisch 7,40 Euro. Die Mindestgebühr hebt den Betrag auf 9,90 Euro an. Erst ab etwa 2.000 Euro Ordervolumen greift die Prozentformel tatsächlich, ab dann steigt die Gebühr mit dem Volumen. Nach oben deckelt die Bank bei 59,90 Euro. Für Auslandsorders gilt eine eigene Staffel: 7,90 Euro plus 0,25 Prozent, mindestens 12,90 und höchstens 62,90 Euro.

Praktisch heißt das: Bei kleinen Orders zahlst du prozentual am meisten. Eine Order über 500 Euro kostet dich ebenfalls 9,90 Euro — knapp zwei Prozent des eingesetzten Betrags, bevor überhaupt ein Kurs sich bewegt hat. Wie sich die Gebührenmodelle der Anbieter bei unterschiedlichen Ordergrößen auswirken, haben wir in unserem Überblick zu Ordergebühren im Vergleich aufgeschlüsselt.

Die Depotgebühr, die kaum jemand zahlt

Die 1,95 Euro monatlich bei comdirect, also 23,40 Euro im Jahr, entfallen unter drei Bedingungen: bei zwei Trades oder einer Sparplanausführung pro Quartal, bei einem comdirect-Girokonto als Hauptkonto, oder als Neukunde in den ersten drei Jahren. Wer einen laufenden ETF-Sparplan hat, erfüllt die erste Bedingung automatisch jeden Monat. Für diese Gruppe ist die Depotgebühr eine Zahl auf dem Papier.

Guthabenzins als zweiter Hebel

Ein Punkt, der in Gebührenvergleichen meist untergeht: Auf dem Verrechnungskonto liegt Geld, das noch nicht investiert ist. Trade Republic verzinst es mit 2,25 Prozent pro Jahr, Scalable Capital mit 2,50 bis 2,60 Prozent. Bei 5.000 Euro Cash sind das über 100 Euro Zinsen im Jahr — mehr, als die Ordergebühren die meisten Anleger überhaupt kosten. Die Einlagensicherung liegt bei allen genannten Anbietern bei 100.000 Euro pro Kunde. Wie die Verzinsung des Verrechnungskontos und die übrigen Konditionen zusammenhängen, ordnen wir in Trade Republic Erfahrungen 2026 ein.

Neobroker oder Direktbank — worin sie sich wirklich unterscheiden

Die Gebührentabelle legt eine einfache Antwort nahe: Neobroker sind billiger, also nimm einen. Für die Standardorder auf einen bekannten ETF stimmt das auch. Die Aussage kippt aber an mehreren Stellen, und die kennt man meist erst, wenn man davorsteht.

KriteriumNeobrokerDirektbank
EröffnungsdauerMinuten, App-onlyStunden bis Tage, teils Postversand
Ordergebühr 1.000 €ca. 1 €7,40–9,95 €
Handelsplätze1–2 (gettex, LS Exchange, EIX), Xetra teurer30 und mehr, alle deutschen Parkettbörsen
ProduktbreiteAktien, ETFs, Derivate, Kryptozusätzlich Fonds, Anleihen, Zeichnungen
Beratung/ServiceChat, kein TelefonTelefon-Hotline, teils Filiale
Junior-/Gemeinschaftsdepoteingeschränkt bis gar nichtStandard

Wo die Ersparnis von neun Euro plötzlich egal ist

Vier Situationen drehen die Rechnung. Erstens das Gemeinschaftsdepot: Neobroker bieten es überwiegend gar nicht an. Zweitens das Junior-Depot — dasselbe Bild. Drittens ein Wertpapier, das nur über eine Regionalbörse handelbar ist; mit einem oder zwei Handelsplätzen kommst du dort nicht hin. Und viertens ein Depotübertrag mit Sonderfällen, bei dem du eine Hotline brauchst statt eines Chatbots.

Dazu kommt ein Punkt, der in keiner Preistabelle steht: Bei nur ein bis zwei Handelsplätzen bist du auf deren Spread angewiesen — die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs. Bei liquiden ETFs in normalen Handelszeiten ist das unerheblich. Bei dünn gehandelten Titeln oder außerhalb der Xetra-Zeiten kann der Spread die eingesparten neun Euro Ordergebühr mehrfach auffressen. Die Gebühr steht auf der Abrechnung, der Spread nicht. Welche Handelsplätze dir ein Broker mit breiterer Anbindung eröffnet, beschreiben wir anhand des kompletten Leistungsumfangs in Smartbroker Erfahrungen 2026.

Good to know: Du darfst beliebig viele Depots parallel führen. Viele nutzen einen Neobroker für den laufenden ETF-Sparplan und eine Direktbank für alles, was Beratung, Handelsplatzauswahl oder ein Gemeinschaftsdepot braucht. Nur der Sparer-Pauschbetrag muss dann auf die Institute aufgeteilt werden.

Freistellungsauftrag und Steuern: der teuerste vergessene Haken

Der Sparer-Pauschbetrag liegt seit 2023 bei 1.000 Euro pro Person und Jahr. Für zusammen veranlagte Ehepaare und eingetragene Lebenspartner sind es 2.000 Euro. Davor waren es 801 beziehungsweise 1.602 Euro — falls dir in einem älteren Formular noch diese Zahlen begegnen, ist es veraltet.

Erteilst du keinen Freistellungsauftrag, führt die Bank auf jeden steuerpflichtigen Ertrag automatisch 25 Prozent Abgeltungsteuer ab. Dazu kommen 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag — berechnet nicht auf den Ertrag, sondern auf die Abgeltungsteuer, was effektiv 1,375 Prozent des Ertrags entspricht. Wer kirchensteuerpflichtig ist, zahlt zusätzlich 8 oder 9 Prozent auf die Abgeltungsteuer, je nach Bundesland.

Was das konkret kostet

Rechnen wir es an 1.500 Euro Kapitalertrag durch, ohne Kirchensteuer. Mit Freistellungsauftrag bleiben 1.000 Euro komplett steuerfrei. Steuerpflichtig sind nur 500 Euro, darauf 125 Euro Abgeltungsteuer und 6,88 Euro Soli. Dir bleiben 1.368,12 Euro.

Ohne Freistellungsauftrag wird der volle Betrag besteuert: 375 Euro Abgeltungsteuer plus 20,63 Euro Soli. Dir bleiben 1.104,37 Euro. Die Differenz beträgt 263,75 Euro — allein dadurch, dass ein Häkchen nicht gesetzt wurde.

Das Geld ist dabei nicht verloren. Du holst es dir über die Steuererklärung zurück, indem du die Anlage KAP ausfüllst. Aber du wartest darauf bis zu einem Jahr, teils länger, und musst eine Steuererklärung abgeben, die du sonst vielleicht gar nicht bräuchtest. Der Freistellungsauftrag ist die bequemere Variante desselben Ergebnisses.

Aufteilen auf mehrere Banken

Hast du Depots bei mehreren Instituten, kannst du den Betrag aufteilen — etwa 600 Euro bei einem Broker und 400 Euro beim anderen. Die Summe über alle Aufträge darf 1.000 Euro pro Person nicht überschreiten. Die Banken melden erteilte Freistellungsaufträge, eine Überschreitung fällt also auf. Wer nicht abschätzen kann, wo die Erträge anfallen, legt den vollen Betrag beim Depot mit den höchsten erwarteten Ausschüttungen an und korrigiert im nächsten Jahr.

Was in der Schufa-Frage oft mitschwingt

Ein verwandter Irrtum betrifft die Sicherheit deiner Papiere. Die Einlagensicherung von 100.000 Euro schützt nur das Guthaben auf dem Verrechnungskonto. Deine Wertpapiere braucht sie gar nicht: Sie sind Sondervermögen und gehören auch bei einer Bankinsolvenz weiterhin dir. Sie tauchen in der Insolvenzmasse nicht auf, sondern werden auf ein anderes Depot übertragen. Wer 300.000 Euro in ETFs hält, ist also nicht „nur bis 100.000 Euro geschützt" — diese Grenze betrifft eine völlig andere Position.

Sonderfälle: Junior-Depot, Gemeinschaftsdepot, Übertrag

Vier Konstellationen weichen vom Standardablauf ab. Sie sind der Grund, warum eine Eröffnung statt einem Tag zwei Wochen dauert.

Junior- oder Kinderdepot

Eröffnen dürfen es ausschließlich die sorgeberechtigten Eltern, es läuft aber auf den Namen des Kindes. Rechtlich gehört das Geld dem Kind. Die Eltern verwalten es treuhänderisch bis zur Volljährigkeit und dürfen es nicht für eigene Zwecke verbrauchen — auch nicht vorübergehend. Beide Elternteile mit gemeinsamem Sorgerecht müssen zustimmen und sich einzeln legitimieren. Großeltern und Paten können kein eigenes Kinderdepot eröffnen, aber mit Zustimmung der Eltern einzahlen oder eine Vollmacht erhalten.

Zusätzlich zu den Standardunterlagen brauchst du eine beglaubigte Kopie der Geburtsurkunde, des Stammbuchs oder des Kinderausweises. Alleinerziehende müssen das alleinige Sorgerecht nachweisen, etwa über eine Kopie der familienrechtlichen Vereinbarung oder des Scheidungsbeschlusses. Ist das Kind 16 oder älter und hat einen eigenen Personalausweis, muss es sich zusätzlich selbst legitimieren.

Zu den Kosten ein konkretes Beispiel: Bei der DKB ist die Depotführung kostenlos, eine Sparplanausführung kostet 1,50 Euro — unabhängig vom Sparbetrag. Genau darin liegt der Haken. Bei 25 Euro Monatsrate sind das 6,0 Prozent Gebührenquote, bei 100 Euro noch 1,5 Prozent, bei 500 Euro nur 0,3 Prozent. Wer klein sparen will, sollte lieber quartalsweise mit größerer Rate ausführen als monatlich mit kleiner. Orders kosten dort 10 Euro bis 5.000 Euro Volumen, 15 Euro bis 20.000 Euro und 30 Euro darüber; über Tradegate, gettex, Quotrix und außerbörslich entfällt das Ausführungsentgelt, über Xetra und Parkett kommen 2,50 Euro dazu.

Bemerkenswert an der Struktur: Zertifikate, Optionsscheine und Produkte wie Xetra Gold sind im Juniordepot ausgeschlossen. Das ist kein Versehen, sondern die logische Absicherung — die Eltern verwalten fremdes Vermögen, nämlich das des Kindes.

Steuerlich steht auch dem Kind der volle Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro zu, der Freistellungsauftrag wird von den gesetzlichen Vertretern gestellt. Hat das Kind sonst kaum Einkünfte, ist eine Nichtveranlagungsbescheinigung die bessere Wahl: Sie stellt auch Erträge oberhalb der 1.000 Euro steuerfrei, bis zur Höhe des Grundfreibetrags. Auf das Kindergeld hat ein Junior-Depot grundsätzlich keinen Einfluss, solange das Kind in Ausbildung oder Studium ist.

Gemeinschaftsdepot

Ein Gemeinschaftsdepot ist nicht auf Ehepaare beschränkt. Möglich ist es für zwei beliebige Personen — Lebenspartner, Geschwister, Eltern und erwachsene Kinder, auch Freunde —, sofern ein passendes Gemeinschaftskonto besteht. Beide Inhaber müssen sich einzeln legitimieren, was die Eröffnung verlängert.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Oder-Depot und Und-Depot. Beim Oder-Depot darf jeder Inhaber allein verfügen, also auch allein verkaufen. Beim Und-Depot geht nichts ohne beide Unterschriften — sicherer, aber im Alltag umständlich, gerade wenn schnell reagiert werden soll. Neobroker bieten Gemeinschaftsdepots überwiegend nicht an; wer eines braucht, landet fast zwangsläufig bei einer Direktbank.

Wohnsitz im Ausland

Deutsche Banken lehnen Anträge aus dem Ausland häufig ab oder verlangen zusätzliche Nachweise, weil der regulatorische Aufwand steigt. Besonders streng werden US-Bezüge abgefragt: Green Card, Aufenthalt über 183 Tage pro Jahr, US-Wohnsitz, Staatsangehörigkeit und sonstige US-Steuerpflicht werden einzeln abgehakt. Grund ist die amerikanische Meldegesetzgebung — US-Steuerpflichtige lösen Meldepflichten aus, die viele Institute schlicht vermeiden, indem sie diese Kunden gar nicht erst annehmen.

Depotübertrag zu einem anderen Anbieter

Du bist nicht auf ewig an deine erste Wahl gebunden. Innerhalb Deutschlands ist der Übertrag bestehender Wertpapiere für dich kostenlos, die abgebende Bank darf dafür nichts berechnen. Den Antrag stellst du beim neuen Anbieter, der ihn an das alte Institut weiterleitet — du musst dort niemanden anrufen. Typische Dauer: ein bis zwei Wochen, bei ausländischen Beteiligten deutlich länger. Wie der Übertrag Schritt für Schritt abläuft und worauf du im Formular achten musst, erklären wir im Beitrag Depotwechsel ohne Verkauf.

Zwei Fallstricke solltest du kennen. Erstens sind nur ganze Stücke übertragbar. Bruchstücke, wie sie bei ETF-Sparplänen regelmäßig entstehen, musst du vorher verkaufen — das löst gegebenenfalls Steuern aus. Zweitens lassen sich Stückzinsguthaben nicht mitübertragen. Beides ist kein Grund, den Wechsel zu lassen, aber ein Grund, ihn nicht zwischen Tür und Angel zu machen.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert eine Depoteröffnung wirklich?

Der Antrag dauert 10 bis 15 Minuten. Mit VideoIdent ist das Depot oft am selben oder nächsten Tag nutzbar, mit PostIdent und Postversand der Zugangsdaten vergehen ein bis zwei Wochen.

Welche Unterlagen brauche ich für ein Depot?

Gültiger Personalausweis oder Reisepass, die steuerliche Identifikationsnummer, die IBAN eines Girokontos als Referenzkonto sowie E-Mail-Adresse und Handynummer. Kein Einkommensnachweis, kein Vermögensnachweis.

Wird ein Depot in der Schufa eingetragen?

Nein, ein Depot ist kein Kreditprodukt und erscheint nicht in der Schufa-Akte. Manche Banken fragen bei der Eröffnung trotzdem die Bonität ab, negative Einträge können daher zur Ablehnung führen.

Kostet ein Depot Geld, wenn ich nichts kaufe?

Bei den meisten Anbietern nicht, die Depotführung ist kostenlos. Ausnahme ist comdirect mit 1,95 Euro monatlich nach drei Jahren, sofern nicht zwei Trades oder eine Sparplanausführung pro Quartal stattfinden.

Brauche ich einen Freistellungsauftrag?

Pflicht ist er nicht, aber ohne ihn führt die Bank ab dem ersten Euro Ertrag 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Soli ab. Zurückholen kannst du das nur über die Steuererklärung, mit bis zu einem Jahr Wartezeit.

Was passiert mit meinen Wertpapieren, wenn die Bank pleitegeht?

Wertpapiere sind Sondervermögen und gehören auch bei einer Insolvenz weiterhin dir. Die Einlagensicherung von 100.000 Euro betrifft nur das Guthaben auf dem Verrechnungskonto, nicht die Papiere selbst.

Kann ich mein Depot später zu einem anderen Anbieter mitnehmen?

Ja, innerhalb Deutschlands kostenlos. Den Übertrag beantragst du beim neuen Anbieter. Übertragbar sind nur ganze Stücke, Bruchstücke aus Sparplänen musst du vorher verkaufen.


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