Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 0,5 Prozent auf 1,3 Prozent angehoben. Trotz des Iran-Kriegs und gestiegener Energiepreise erwies sich die deutsche Wirtschaft als widerstandsfähiger als erwartet. Exporte, staatliche Investitionen und erhöhte Verteidigungsausgaben trugen maßgeblich zum Aufschwung bei.
Exportboom durch globale Engpässe
Der Außenhandel profitierte vom Konflikt in der Golfregion: Internationale Käufer stockten ihre Lagerbestände mit energieintensiven Gütern aus deutscher Produktion auf. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nannte Stahl, Dünger und Aluminium als besonders gefragte Produkte. Zusätzlich brachte der Boom im Bereich künstlicher Intelligenz deutschen Zulieferern Vorteile.
Prognosen bis 2027
Für 2027 prognostiziert die Regierung ein Wachstum von 1,1 Prozent, eine Anhebung gegenüber der vorherigen Erwartung von 0,9 Prozent. Ende September hatten führende Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognose ebenfalls auf 1,3 Prozent korrigiert. Der befürchtete Energiepreisschock blieb aus, dennoch bleibt das wirtschaftliche Fundament fragil.
Reformbedarf und Arbeitsmarktprobleme
Reiche betonte die Notwendigkeit struktureller Reformen zur Sicherung des Wachstums. Ohne eigenständiges Wachstum würden Verteilungskämpfe zunehmen und ein leistungsfähiger Sozialstaat sei gefährdet. Zu den erforderlichen Maßnahmen zählen:
- Bürokratieabbau
- Schnellere Unternehmensgründungen
- Niedrigere Energiepreise
Rückgang der Erwerbstätigkeit
Der Arbeitsmarkt steht vor Herausforderungen: Die Erwerbstätigkeit könnte in den kommenden Jahren abnehmen, da ausländische Beschäftigte den Rückgang deutscher Arbeitskräfte nicht mehr kompensieren können. In Deutschland werden durchschnittlich rund 1.370 Stunden pro Jahr gearbeitet, während andere Länder höhere Werte aufweisen. Reiche warnte zudem, dass abnehmende Zuwandererzahlen und gesellschaftliche Ressentiments den Standort Deutschland gefährden könnten.
