Der internationale Luftverkehr von Deutschland aus wird zunehmend über Drehkreuze außerhalb Europas abgewickelt. Eine Studie des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt zeigt, dass 2024 rund 54 Prozent aller Flüge von Deutschland nach Fernost und Südostasien über nicht-europäische Knotenpunkte geleitet wurden, insbesondere über die Golfregion und die Türkei. 2019 lag dieser Anteil bei 44 Prozent, 2010 bei 34 Prozent.
München und Frankfurt: Rückgang von 56 auf 36 Prozent
Die deutschen Flughäfen München und Frankfurt am Main verlieren als internationale Drehkreuze an Bedeutung. Ihr Anteil an Flügen in Richtung Fernost und Südostasien sank von 56 Prozent im Jahr 2010 auf 36 Prozent im Jahr 2024. Auch Verbindungen nach Afrika werden verstärkt über außereuropäische Knotenpunkte abgewickelt.
Emissionshandel als Wettbewerbsnachteil
Als Hauptursache für diese Entwicklung gilt das europäische Emissionshandelssystem. Europäische Fluggesellschaften müssen für Zubringerflüge zu ihren heimischen Flughäfen Emissionszertifikate erwerben. Für Zubringerflüge zu internationalen Drehkreuzen wie Dubai entfällt diese Verpflichtung, was europäischen Airlines einen Kostennachteil verschafft.
Verlangsamte Erholung nach Corona-Krise
Die Studie belegt zudem, dass sich der Luftverkehr in Deutschland nach der Corona-Krise langsamer erholt hat als im weltweiten Durchschnitt. Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, warnt vor einer schleichenden Abkopplung Deutschlands vom internationalen Luftverkehr. Er fordert niedrigere Standortkosten und gleiche Wettbewerbsbedingungen beim Klimaschutz für alle Marktteilnehmer.
