Zwei führende Wirtschaftsforschungsinstitute kritisieren den heute in Kraft getretenen Tankrabatt als sozial unausgewogen. Clemens Fuest vom Ifo-Institut München bemängelt, dass die Maßnahme vor allem Viel- und Großfahrer mit hohem Kraftstoffverbrauch begünstigt – eine Gruppe, die sich teure Spritpreise häufig leisten kann. Tomaso Duso vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) weist darauf hin, dass Haushalte ohne Auto keinerlei Vorteile erhalten, aber über Steuern zur Finanzierung beitragen müssen.
Ifo-Institut: Pendlerpauschale statt Gießkannenprinzip
Fuest plädiert für gezielte Unterstützung von Berufspendlern mit langen Arbeitswegen. Eine Erhöhung der Pendlerpauschale wäre ein effektiveres Instrument als ein genereller Rabatt auf Kraftstoffpreise. Der pauschale Tankrabatt führe zu einer Umverteilung zugunsten einkommensstarker Haushalte mit großen Fahrzeugen, während Menschen mit echtem Unterstützungsbedarf nicht ausreichend profitieren.
DIW warnt vor falschen Preissignalen
Duso betont die volkswirtschaftliche Funktion hoher Energiepreise: Sie motivieren Verbraucher zu sparsamem Konsum und signalisieren Raffinerien gleichzeitig Produktionsanreize. Haushalte mit höheren Einkommen und hohem Fahrbedarf profitieren überproportional von der Regelung, während autolose Haushalte ausschließlich die Finanzierungslast tragen.
Eckdaten der Steuersenkung
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Gültigkeit | 1. Oktober bis 31. Dezember |
| Senkung Energiesteuer | 14 Cent pro Liter |
| Entlastung an Zapfsäule (inkl. MwSt.) | 16,7 Cent pro Liter |
Bundestag und Bundesrat verabschiedeten die Steuersenkung Ende September. Bereits im Frühjahr war ein ähnlicher zweimonatiger Rabatt gewährt worden.
