Themen in diesem Artikel:
- Gründe für den Wechsel: Finde heraus, wann sich ein neues Girokonto lohnt, von Gebührenersparnis bis zu besseren Konditionen.
- Gesetzlicher Kontowechselservice: Verstehe, wie Banken dich nach dem Zahlungskontengesetz (ZKG) unterstützen müssen und welche Fristen gelten.
- Altes Konto richtig kündigen: Erfahre, warum eine Übergangsphase von drei Monaten wichtig ist und wie du das alte Konto formlos schließt.
- Häufige Fehler vermeiden: Lerne die typischen Fallstricke kennen, wie vergessene Jahresbeiträge oder ein zu früh gekündigtes Konto.
- Checkliste für den Umzug: Nutze eine detaillierte Liste, um alle Zahlungspartner von Arbeitgeber bis Finanzamt zu informieren.
Gründe für einen Girokontowechsel
Ein Girokonto ist die Basis für deine täglichen Finanzen, doch die Konditionen können sich stark unterscheiden. Ein Wechsel kann sich aus mehreren Gründen lohnen und dir langfristig Geld sparen oder den Umgang mit deinen Finanzen erleichtern.
Die häufigsten Gründe für einen Kontowechsel sind:
- Hohe Kontoführungsgebühren: Viele Banken verlangen monatliche Gebühren. Ein Wechsel zu einer Direktbank mit einem kostenlosen Girokonto kann jährlich eine spürbare Ersparnis bringen.
- Bessere Konditionen: Niedrigere Dispozinsen, eine kostenlose Kreditkarte oder attraktivere Zinsen auf ein angeschlossenes Tagesgeldkonto sind starke Argumente für ein neues Konto.
- Unzufriedenheit mit dem Service: Schlechte Erreichbarkeit, mangelhafte Beratung oder eine veraltete Banking-App können die Geduld strapazieren und einen Wechsel rechtfertigen.
- Neukundenprämien: Banken werben oft mit Startguthaben oder anderen Boni um neue Kunden. Diese Prämien können den Wechsel zusätzlich versüßen.
- Modernes Online-Banking: Eine intuitive und funktionsreiche App ist für viele Nutzer entscheidend. Wenn deine aktuelle Bank hier hinterherhinkt, kann ein Wechsel zu einer digitaleren Bank sinnvoll sein.
Der gesetzliche Kontowechselservice: So funktioniert’s
Seit 2016 sind Banken durch das Zahlungskontengesetz (ZKG) verpflichtet, dir beim Kontowechsel zu helfen. Dieser Service ist für dich in der Regel kostenlos und nimmt dir einen Großteil der organisatorischen Arbeit ab. Du beauftragst deine neue Bank, die dann alle notwendigen Schritte mit deiner alten Bank koordiniert.
Für die Nutzung des Kontowechselservices benötigst du einige Informationen:
- Kontoinhaber: Name des Inhabers deines alten und neuen Kontos.
- IBANs: Die IBAN deines alten und neuen Girokontos.
- Banknamen: Die Namen deiner alten und neuen Bank.
- Zahlungsdaten: Eine Liste deiner Daueraufträge und Lastschriftempfänger. Deine alte Bank ist verpflichtet, diese Liste zur Verfügung zu stellen.
💡 Tip
Erstelle dir vor dem Kontowechsel eine vollständige Liste aller regelmäßigen Zahlungen. Prüfe dazu deine Kontoauszüge der letzten 12 Monate, um auch jährliche Abbuchungen wie Versicherungen oder Mitgliedsbeiträge zu erfassen. So vergisst du garantiert keinen wichtigen Zahlungspartner bei der Umstellung.
Der Ablauf und die gesetzlichen Fristen sind klar geregelt: Deine neue Bank fordert die Informationen innerhalb von zwei Geschäftstagen bei der alten Bank an. Die alte Bank muss die Daten innerhalb von fünf Geschäftstagen übermitteln. Anschließend informiert deine neue Bank deine Zahlungspartner innerhalb von weiteren fünf Geschäftstagen. Der gesamte Prozess sollte also nicht länger als 12 Geschäftstage dauern.
Ein wichtiger Aspekt beim Kontowechsel ist der Freistellungsauftrag für Kapitalerträge. Wenn du das Girokonto wechselst, musst du diesen Auftrag bei der neuen Bank neu einrichten. Ohne einen gültigen Freistellungsauftrag werden für Zinsen und Kapitalerträge auf deinem neuen Konto oder Depot automatisch Steuern abgeführt.
Altes Konto richtig kündigen: Die 3-Monats-Regel
Auch wenn der Wechsel schnell gehen kann, empfehlen Verbraucherschützer, das alte Bankkonto mindestens drei Monate parallel zum neuen laufen zu lassen. Diese Übergangsphase gibt dir die Sicherheit, dass keine Zahlungen verloren gehen und alle Zahlungspartner erfolgreich über deine neue Bankverbindung informiert wurden. Sollte doch noch eine Lastschrift auf dem alten Konto eingehen, hast du so ausreichend Zeit, den entsprechenden Zahlungspartner nachträglich zu informieren.
📌 Good to know
Während der dreimonatigen Übergangsphase solltest du regelmäßig die Kontoauszüge deines alten Kontos prüfen. Notiere dir alle Abbuchungen, die noch eingehen, und informiere diese Zahlungspartner umgehend über deine neue Bankverbindung. So stellst du sicher, dass nach Ablauf der drei Monate wirklich alle Zahlungen über dein neues Konto laufen.
Für die eigentliche Kündigung deines alten Girokontos genügt ein formloses Kündigungsschreiben. Du kannst dieses per E-Mail oder als Brief an deine alte Bank senden. Das Schreiben muss nur zwei wesentliche Informationen enthalten: deinen eindeutigen Kündigungswunsch und deine neue Bankverbindung für die Überweisung eines eventuellen Restguthabens. In der Regel gibt es keine Kündigungsfrist, du kannst also jederzeit kündigen.
Häufige Fehler beim Kontowechsel vermeiden
Ein Kontowechsel ist unkompliziert, aber kleine Fehler können zu unnötigem Aufwand oder sogar zu Mahngebühren führen. Achte auf die folgenden Punkte, damit dein Wechsel reibungslos verläuft:
- Altes Konto zu früh kündigen: Halte dich an die empfohlene Übergangszeit von drei Monaten. Eine vorzeitige Kündigung kann dazu führen, dass wichtige Lastschriften platzen.
- Seltene Abbuchungen vergessen: Denke an Zahlungen, die nur jährlich oder quartalsweise anfallen, wie zum Beispiel die Kfz-Steuer, Versicherungsbeiträge oder Vereinsmitgliedschaften.
- Kein Restguthaben auf dem alten Konto: Lasse während der Übergangsphase einen ausreichenden Puffer auf dem alten Konto, um unerwartete Abbuchungen abzufedern.
- Online-Dienste nicht aktualisiert: Denke daran, deine neue Bankverbindung bei Diensten wie PayPal, Amazon, Netflix oder anderen Abonnements zu hinterlegen.
- Daueraufträge fehlerhaft übertragen: Überprüfe nach dem Einrichten der Daueraufträge auf dem neuen Konto noch einmal genau die Beträge, Verwendungszwecke und Ausführungstermine.
Checkliste für einen reibungslosen Girokontowechsel
Damit dein Kontowechsel reibungslos verläuft, solltest du systematisch alle relevanten Stellen über deine neue Bankverbindung informieren. Die folgende Checkliste hilft dir dabei, niemanden zu vergessen.
Einnahmen:
- Arbeitgeber: Informiere die Personalabteilung rechtzeitig, da die Umstellung ein bis zwei Wochen dauern kann.
- Rentenversicherungsträger: Bei Rentenbezug muss die neue IBAN gemeldet werden.
- Behörden: Melde die neue Verbindung an die Familienkasse (Kindergeld), das BAföG-Amt, die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter.
- Selbstständige: Informiere deine Kunden und passe deine Rechnungen an.
Daueraufträge und Lastschriften:
- Miete: Richte den Dauerauftrag für deine Miete als Erstes auf dem neuen Konto ein.
- Versicherungen: Informiere alle Versicherungen (Haftpflicht, Hausrat, Autoversicherung etc.).
- Energieversorger: Strom, Gas und Wasser müssen über die neue Bankverbindung abgebucht werden.
- Telekommunikation: Denke an deinen Handyvertrag und den Internetanschluss.
- Abos und Mitgliedschaften: Streaming-Dienste, Fitnessstudio, Vereine und Zeitungsabos.
💡 Tip
Nutze Online-Banking oder deine Banking-App, um alle Daueraufträge zu exportieren oder abzufotografieren. So hast du eine komplette Übersicht und kannst diese identisch auf deinem neuen Konto einrichten. Vergiss dabei nicht, die alten Daueraufträge rechtzeitig zu löschen, um Doppelzahlungen zu vermeiden.
Finanzen und Steuern:
- Finanzamt: Teile dem Finanzamt deine neue Bankverbindung für Steuererstattungen oder -nachzahlungen mit.
- Kreditkarteninstitute: Falls die Abrechnung per Lastschrift von deinem Girokonto erfolgt.
- Bausparkassen und andere Finanzdienstleister: Informiere alle Institute, bei denen du weitere Verträge hast.
Quellen
- BaFin – Die gesetzliche Kontowechselhilfe
- Zahlungskontengesetz (ZKG)
- § 44a EStG – Freistellungsauftrag
Häufig gestellte Fragen
Kostet ein Girokontowechsel Gebühren?
Die gesetzliche Kontowechselhilfe, die Banken seit 2016 anbieten müssen, ist für dich als Verbraucher kostenlos. Das umfasst die Erstellung der Listen deiner Zahlungspartner, die Datenübermittlung und die Schließung deines alten Kontos.
Wie lange dauert ein kompletter Kontowechsel?
Der reine administrative Prozess des Wechselservices ist gesetzlich geregelt und sollte nicht länger als 12 Geschäftstage dauern. Es wird jedoch empfohlen, das alte Konto für etwa drei Monate parallel weiterzuführen, um einen sicheren Übergang zu gewährleisten.
Muss ich mein altes Girokonto sofort kündigen?
Es ist nicht ratsam, das alte Konto sofort zu kündigen. Verbraucherschützer empfehlen, es mindestens drei Monate weiterlaufen zu lassen. So stellst du sicher, dass alle Zahlungspartner erfolgreich informiert wurden und keine Zahlungen fehlschlagen.
Was passiert mit meinem Freistellungsauftrag beim Kontowechsel?
Der Freistellungsauftrag wird nicht automatisch übertragen. Du musst ihn bei deiner neuen Bank neu erteilen. Vergiss nicht, den alten Freistellungsauftrag zu kündigen oder anzupassen, falls du mehrere Konten oder Depots bei verschiedenen Banken hast.
Gibt es eine Kündigungsfrist beim alten Girokonto?
In der Regel gibt es keine Kündigungsfrist für ein Girokonto. Du kannst es jederzeit kündigen. Ein Blick in die AGB deiner alten Bank schadet jedoch nicht, da in seltenen Fällen eine Frist von maximal einem Monat vereinbart sein kann.



