Das Wichtigste im Überblick
Themen in diesem Artikel:
- Die kurze Antwort: Vier Fragen zu Reisen, Kaution, Kontrolle und Bonität führen dich direkt zum passenden Kartentyp.
- Die vier Kartentypen: Charge, Revolving, Debit und Prepaid unterscheiden sich vor allem bei Abrechnung und Kaution.
- Fünf Nutzerprofile: Vielreisende, Online-Shopper, Studenten, Familien und Selbstständige brauchen jeweils andere Stärken.
- Kriterien mit Gewichtung: Dein Nutzungsverhalten wiegt 30 Prozent, die Gebührenstruktur 25 Prozent der Entscheidung.
- Selbsttest in sieben Fragen: Sieben schnelle Ja-Nein-Fragen ordnen dich einem Kartentyp und einer Ausstattung zu.
- Was die Karte kostet: Drei durchgerechnete Profile zeigen Unterschiede von bis zu 185 Euro pro Jahr.
- Der Markt in Zahlen: 36,74 Millionen Karten und 154,42 Milliarden Euro Umsatz prägen den deutschen Markt.
- Häufige Fragen: Antworten zu Debitkarte, Studentenkarte, Jahresgebühr und Karten ohne festes Einkommen.
Welche Kreditkarte passt zu dir? Die kurze Antwort
Welche Kreditkarte zu dir passt, entscheiden vier Fragen: Wie oft zahlst du in Fremdwährung? Musst du Mietwagen oder Hotelkautionen absichern? Willst du deine Ausgaben hart begrenzen? Und wie sieht deine Bonität aus? Reist du regelmäßig, brauchst du eine Charge- oder Revolving-Karte ohne Auslandseinsatzentgelt. Bleibst du im Inland und kaufst vor allem online, gewinnt eine gebührenfreie Karte mit Cashback. Willst du volle Kontrolle oder hast kein festes Einkommen, führt der Weg zu Debit oder Prepaid.
Die Frage nach der besten Kreditkarte hat keine allgemeingültige Antwort, und das ist eine gute Nachricht. Der deutsche Markt ist so ausdifferenziert, dass es für praktisch jedes Nutzungsprofil eine Karte gibt, die genau darauf zugeschnitten ist. Der Fehler liegt selten darin, eine schlechte Karte zu wählen. Er liegt darin, eine gute Karte für das falsche Profil zu wählen.
Ein Beispiel macht das greifbar. Eine Karte mit 0 Prozent Fremdwährungsgebühr spart einem Vielreisenden mit 8.000 Euro Auslandsumsatz rund 140 Euro pro Jahr. Bei jemandem, der nie außerhalb der Eurozone zahlt, spart dieselbe Karte exakt null Euro. Umgekehrt bringt eine Cashback-Karte mit 1 Prozent bei 10.000 Euro Jahresumsatz 100 Euro zurück, während sie bei 1.500 Euro Umsatz kaum ins Gewicht fällt.
Warum diese Seite anders vorgeht
Viele Übersichten starten mit einer Rangliste. Das setzt voraus, dass alle Leser gleich sind. Diese Entscheidungshilfe dreht die Reihenfolge um: Zuerst klärst du dein Profil, dann folgt die Kartenkategorie, und erst danach die konkrete Auswahl. Am Ende steht ein Selbsttest mit sieben Fragen, der dich in wenigen Minuten zuordnet. Wenn du danach direkt Modelle gegeneinanderstellen willst, hilft dir der große Kreditkarten-Vergleich.
Die vier Kartentypen und wofür sie taugen
Bevor du über Anbieter nachdenkst, musst du den Kartentyp klären. Er bestimmt, ob deine Karte an der Mietwagenstation funktioniert, ob du eine Bonitätsprüfung bestehen musst und ob überhaupt Zinsen entstehen können. Vier Typen teilen sich den deutschen Markt.
Charge-Karte: sammeln und einmal im Monat zahlen
Bei der Charge-Karte laufen alle Umsätze eines Monats auf. Zum Stichtag bucht der Anbieter den gesamten Saldo vom Girokonto ab. Eine Teilzahlung gibt es nicht, also entstehen auch keine Sollzinsen. Je nach Abrechnungszyklus ergibt sich ein zinsfreier Zahlungsaufschub von 30 bis 56 Tagen. Das ist bares Liquiditätsplus, ohne dass du dafür etwas tust.
Der Preis dafür ist eine Bonitätsprüfung inklusive Schufa-Abfrage. Der Anbieter räumt dir schließlich einen echten Verfügungsrahmen ein. Genau dieser Rahmen macht die Charge-Karte im Reisealltag so wertvoll: Mietwagenfirmen und Hotels blockieren Kautionen darauf problemlos.
Revolving-Karte: Kreditrahmen mit Ratenoption
Die Revolving-Karte ist die klassische Kreditkarte im engeren Sinn. Du bekommst einen Kreditrahmen und entscheidest monatlich, wie viel du zurückzahlst. Gleichst du den Saldo vollständig aus, zahlst du nichts extra. Nutzt du die Teilzahlung, fallen effektive Jahreszinsen von etwa 15 bis 25 Prozent an.
Diese Flexibilität ist ein echtes Werkzeug, wenn du sie bewusst einsetzt. Eine größere Anschaffung lässt sich damit strecken, ohne einen separaten Kredit zu beantragen. Wichtig ist nur, die Rückzahlungsoption aktiv zu steuern. Viele Anbieter lassen dich im Kundenportal auf vollständigen Monatsausgleich umstellen, dann verhält sich die Karte wie eine Charge-Karte.
Debitkarte: sofort vom Konto
Visa Debit und Mastercard Debit buchen den Betrag sofort oder binnen ein bis zwei Tagen vom Girokonto ab. Dein Verfügungsrahmen ist dein Kontostand. Weil kein Kredit entsteht, kommt die Karte meist ohne separate Kreditprüfung aus. Sie ist damit die niedrigschwelligste Option und in Deutschland der am schnellsten wachsende Kartentyp.
Eine Einschränkung solltest du kennen: Bei Mietwagen und Hotelkautionen wird die Debitkarte nicht überall akzeptiert, weil dort ein blockierbarer Verfügungsrahmen verlangt wird. Wer beides braucht, kombiniert eine Debitkarte für den Alltag mit einer Charge-Karte für Reisen. Die Unterschiede erklärt der Beitrag Kreditkarte oder Debitkarte im Detail.
Prepaid-Karte: nur was drauf ist
Die Prepaid-Karte funktioniert auf Guthabenbasis. Du lädst vorab auf und kannst nur ausgeben, was aufgeladen ist. Eine Schufa-Abfrage entfällt komplett, ein Kreditrahmen existiert nicht. Für Jugendliche, für Menschen ohne festes Einkommen und für alle mit klarem Budgetziel ist das die sauberste Lösung. Rechne allerdings mit Aufladeentgelten oder einer Grundgebühr, denn die Anbieter finanzieren sich nicht über Zinsen.
| Kartentyp | Abrechnung | Bonitätsprüfung | Kaution möglich | Passt zu |
|---|---|---|---|---|
| Charge | Monatlich der komplette Saldo | Ja, gute Bonität nötig | Ja | Vielreisende, Selbstständige |
| Revolving | Kreditrahmen, Teilzahlung möglich | Ja | Ja | Flexible Zahler, Familien |
| Debit | Sofort vom Girokonto | Meist keine | Eingeschränkt | Studenten, Alltagsnutzer |
| Prepaid | Guthaben, vorab aufladen | Keine | Nein | Jugendliche, Budgetkontrolle |
Tip
Prüfe vor dem Antrag, ob die Karte im Kundenportal auf vollständigen Monatsausgleich umstellbar ist. Dann bekommst du die Kautionsfähigkeit einer Kreditkarte, ohne je Teilzahlungszinsen zu zahlen.
Die fünf Nutzerprofile und ihre Karte
Fast jeder lässt sich einem von fünf Profilen zuordnen. Manche Leser erkennen sich in zwei Profilen wieder, das ist normal und meist ein Argument für zwei Karten mit unterschiedlichen Rollen.
Vielreisende: Gebührenfreiheit schlägt jede Prämie
Wenn du mehrmals im Jahr außerhalb der Eurozone unterwegs bist, ist das Auslandseinsatzentgelt dein größter Hebel. Typisch sind 1,75 bis 2,5 Prozent auf jeden Fremdwährungsumsatz. Bei 8.000 Euro Auslandsumsatz sind das 140 bis 200 Euro, die still im Hintergrund abfließen. Karten mit 0 Prozent Fremdwährungsgebühr streichen diesen Posten komplett.
Zweiter Punkt: Bargeld. Viele Reisekarten heben weltweit kostenlos ab, andere verlangen 1,5 bis 5 Prozent mit einer Mindestgebühr von 4 bis 6 Euro. Achte auf zwei Details. Erstens berechnen manche Karten ausgerechnet im Inland eine Pauschale von rund 3,95 Euro pro Abhebung. Zweitens können bei Revolving-Karten ab dem Abhebetag Sollzinsen laufen, auch wenn die Jahresgebühr bei 0 Euro liegt. Dritter Punkt: die Kautionsfähigkeit, denn ohne blockierbaren Rahmen wird der Mietwagen zur Geduldsprobe.
Online-Shopper: Cashback wird zur Rendite
Wer den Großteil seiner Einkäufe über die Karte abwickelt, sollte auf Rückvergütung achten. Die Raten am Markt liegen zwischen 0,5 und 2,5 Prozent auf Standardumsätze. In Sonderkategorien wie Pauschalreisen, Mietwagen oder Hotelbuchungen sind 5 bis 6 Prozent möglich. Rechne konkret: 10.000 Euro Jahresumsatz bei 1 Prozent ergeben 100 Euro, bei 2,5 Prozent bereits 250 Euro.
Genauso wichtig sind die Sicherheitsfunktionen. Käuferschutz, 3D-Secure-Freigabe per App und die Möglichkeit, virtuelle Kartennummern zu erzeugen, senken dein Risiko bei unbekannten Shops. Achte außerdem auf saubere Integration in Apple Pay und Google Pay, weil dabei die echte Kartennummer nie an den Händler geht.
Studenten: niedrige Hürde, null Fixkosten
Im Studium zählen zwei Dinge: keine Jahresgebühr und eine realistische Chance auf Zusage ohne festes Einkommen. Debitkarten von Direktbanken erfüllen beides und sind im Alltag vollwertig. Für ein Auslandssemester lohnt zusätzlich der Blick auf die Fremdwährungskonditionen, weil dort schnell vierstellige Umsätze zusammenkommen.
Wer eine Karte mit Kreditrahmen möchte, findet auch gebührenfreie Revolving-Modelle. Stelle die Teilzahlung dann direkt nach Erhalt auf Vollausgleich um. Eine Übersicht dauerhaft kostenfreier Modelle findest du bei den Karten ohne Jahresgebühr.
Familien: Partnerkarte und Versicherungspaket
In Familien laufen Ausgaben über mehrere Personen. Eine kostenlose Partnerkarte bündelt diese Umsätze auf einer Abrechnung und macht das Haushaltsbudget nachvollziehbar. Der zweite Hebel sind die Versicherungspakete, die viele Gold- und Premiumkarten mitbringen.
Deren Geldwert lässt sich beziffern. Eine separate Reiserücktrittsversicherung kostet 50 bis 200 Euro pro Jahr, eine Auslandskrankenversicherung 10 bis 50 Euro. Eine Mietwagen-Vollkasko schlägt mit 15 bis 30 Euro pro Miettag zu Buche. Bei einer zweiwöchigen Anmietung sind das 210 bis 420 Euro, die eine gut ausgestattete Karte abdecken kann. Prüfe dabei immer Selbstbehalt, Deckungssumme und einen eventuellen Mindestumsatz, der zur Aktivierung nötig ist.
Selbstständige: Rahmen und saubere Abrechnung
Für Selbstständige zählt zuerst der Verfügungsrahmen, weil Betriebsausgaben unregelmäßig und oft in großen Blöcken anfallen. Zweitens die Abrechnungsqualität: Eine Karte, die Monatsabrechnungen als strukturierte Datei liefert, spart in der Buchhaltung messbar Zeit. Drittens die klare Trennung von privat und geschäftlich, die bei Rückfragen des Steuerberaters Gold wert ist. Eine Charge-Karte passt hier besonders gut, weil der monatliche Komplettausgleich den Abrechnungszeitraum sauber schneidet.
Entscheidungskriterien mit Gewichtung
Nicht jedes Kriterium wiegt gleich schwer. In der Praxis hat sich eine Gewichtung bewährt, die dein tatsächliches Verhalten über die Konditionen stellt. Der Grund ist einfach: Eine hervorragende Kondition auf einem Feld, das du nie nutzt, ist wertlos.
So schwer wiegen die vier Auswahlkriterien
Nutzungsverhalten: 30 Prozent
Zähle nach, statt zu schätzen. Wie viele Auslandsreisen hattest du im letzten Jahr? Wie hoch war dein Kartenumsatz? Wie oft hast du Bargeld abgehoben und in welcher Währung? Der Kontoauszug der letzten zwölf Monate beantwortet das in zwanzig Minuten und ist die belastbarste Grundlage, die du bekommen kannst.
Gebührenstruktur: 25 Prozent
Vier Posten entscheiden über die Gesamtkosten. Die Jahresgebühr liegt bei 0 Euro bei vielen Direktbankkarten, bei 25 bis 40 Euro bei Standardkarten klassischer Filialbanken und bei 50 bis über 700 Euro im Premiumsegment. Das Auslandseinsatzentgelt beträgt 0 Prozent bei ausgewiesenen Reisekarten und sonst 1,75 bis 2,5 Prozent. Die Bargeldgebühr reicht von 0 Euro bis zu 5 Prozent mit Mindestbeträgen von 4 bis 6 Euro. Der Teilzahlungszins schlägt mit 15 bis 25 Prozent effektiv zu Buche, sofern du die Funktion nutzt.
Zusatzleistungen: 25 Prozent
Bewerte Leistungen nur mit dem Betrag, den du sonst wirklich ausgeben würdest. Ein Lounge-Zugang mit einem Listenpreis von 459 Euro pro Jahr für unbegrenzte Besuche ist beeindruckend, aber für zwei Flüge im Jahr rechnerisch kaum relevant. Punkteprogramme bringen typisch einen Punkt pro Euro Umsatz, der Einlösewert liegt zwischen 0,5 und gut 1 Cent. Cashback ist dagegen sofort in Euro bewertbar und braucht keine Optimierung.
Bonität: 20 Prozent
Die Bonität wirkt als Filter, nicht als Bewertungskriterium. Sie entscheidet, welche Karten dir überhaupt offenstehen. Charge- und Revolving-Karten setzen eine Schufa-Abfrage und ein regelmäßiges Einkommen voraus. Debit- und Prepaid-Karten kommen ohne aus. Wer aktuell keine Kreditkarte bekommt, startet mit Prepaid oder Debit, baut damit ein sauberes Zahlungsverhalten auf und wechselt später.
Good to know
Die reine Anfrage nach Kartenkonditionen ist schufaneutral, sobald sie als Konditionsanfrage gestellt wird. Erst der verbindliche Antrag hinterlässt einen Eintrag. Frage im Zweifel vorab nach, wie der Anbieter die Anfrage meldet.
Der Selbsttest in sieben Fragen
Beantworte die folgenden Fragen mit Ja oder Nein. Notiere dir die Nummern, bei denen du Ja sagst. Die Auswertung darunter ordnet dich zu.
Die Fragen
- Zahlst du mindestens zweimal im Jahr in einer Fremdwährung?
- Mietest du Autos oder hinterlegst du Hotelkautionen?
- Liegt dein jährlicher Kartenumsatz über 6.000 Euro?
- Willst du ausschließen, dass du mehr ausgibst, als du hast?
- Hast du ein regelmäßiges Einkommen und eine saubere Schufa?
- Sollen Ausgaben weiterer Personen auf deiner Abrechnung erscheinen?
- Brauchst du eine monatliche Abrechnung für die Buchhaltung?
Die Auswertung
Ja bei 1, 2 und 5: Du gehörst zu den Vielreisenden. Nimm eine Charge- oder Revolving-Karte ohne Auslandseinsatzentgelt und mit weltweit günstiger Bargeldabhebung. Achte auf die Kautionsfähigkeit, sie ist bei dir nicht verhandelbar.
Ja bei 3 und 5, Nein bei 1: Du bist Online-Shopper oder umsatzstarker Alltagsnutzer. Cashback ist dein Hebel. Bei 10.000 Euro Umsatz und 1,5 Prozent Rückvergütung sind das 150 Euro pro Jahr, ohne dass du dein Verhalten änderst.
Ja bei 4, Nein bei 5: Starte mit Prepaid oder Debit. Beide kommen ohne Bonitätsprüfung aus, beide schließen eine Überziehung aus. Für Kautionen ergänzt du später eine Charge-Karte, sobald die Voraussetzungen stimmen.
Ja bei 6: Achte auf kostenlose Partnerkarten und ein belastbares Versicherungspaket. Der rechnerische Wert der Versicherungen übersteigt bei zwei Reisen im Jahr oft die Jahresgebühr.
Ja bei 7: Eine Charge-Karte mit strukturiertem Abrechnungsexport passt am besten. Der monatliche Komplettausgleich schneidet deine Buchungsperioden sauber.
Wenn mehrere Profile passen
Zwei Karten sind kein Luxus, sondern oft die günstigste Lösung. Ein bewährtes Duo: eine gebührenfreie Debitkarte für Alltag und Bargeld plus eine Charge- oder Revolving-Karte ohne Fremdwährungsgebühr für Reisen und Kautionen. Beide zusammen können bei 0 Euro Fixkosten liegen und decken jeden Anwendungsfall ab. Mehr als drei Karten werden dagegen selten sinnvoll, weil der Überblick leidet und Jahresgebühren sich addieren.
Was die Karte pro Jahr wirklich kostet
Rechnen schlägt Gefühl. Die folgenden drei Szenarien nutzen realistische Umsätze und die typischen Marktkonditionen. Als Orientierung dient der durchschnittliche Jahresumsatz pro Kreditkarte in Deutschland von 4.203,40 Euro.
Szenario Gelegenheitsnutzer
3.000 Euro Jahresumsatz, davon 200 Euro in Fremdwährung, zwei Bargeldabhebungen. Mit einer Standardkarte einer Filialbank zahlst du rund 30 Euro Jahresgebühr, 3,50 Euro Fremdwährungsgebühr und rund 10 Euro für die Abhebungen, zusammen etwa 43,50 Euro. Mit einer gebührenfreien Karte liegst du bei 0 Euro. Die Ersparnis wirkt klein, summiert sich über zehn Jahre aber auf mehrere hundert Euro.
Szenario Vielreisender
12.000 Euro Jahresumsatz, davon 8.000 Euro in Fremdwährung, dazu 2.000 Euro Bargeld im Ausland. Bei 1,75 Prozent Auslandseinsatzentgelt sind das 140 Euro, bei 2 Prozent Abhebegebühr weitere 40 Euro, plus 30 Euro Jahresgebühr. Zusammen 210 Euro. Eine Reisekarte mit 0 Prozent auf beiden Feldern reduziert das auf 0 Euro. Der Unterschied entspricht ungefähr einem Kurzstreckenflug pro Jahr.
Szenario Online-Shopper
10.000 Euro Jahresumsatz, davon 500 Euro in Fremdwährung. Mit einer Standardkarte zahlst du 30 Euro Jahresgebühr plus 8,75 Euro Fremdwährungsgebühr. Mit einer gebührenfreien Cashback-Karte bei 1 Prozent bekommst du dagegen 100 Euro zurück. Die Spanne zwischen beiden Varianten beträgt fast 140 Euro.
| Profil | Jahresumsatz | Auslandsanteil | Standardkarte | Passende Karte | Differenz |
|---|---|---|---|---|---|
| Gelegenheitsnutzer | 3.000 € | 200 € | 43,50 € | 0 € | 43,50 € |
| Vielreisender | 12.000 € | 8.000 € | 210,00 € | 0 € | 210,00 € |
| Online-Shopper | 10.000 € | 500 € | 38,75 € | −100,00 € | 138,75 € |
Ein negativer Wert bedeutet, dass die Karte unter dem Strich Geld einbringt statt zu kosten. Genau das macht die Auswahl so lohnend: Der Unterschied zwischen der falschen und der passenden Karte liegt je nach Profil zwischen 40 und über 200 Euro pro Jahr.
Wann sich eine Jahresgebühr rechnet
Eine Karte mit Jahresgebühr lohnt sich, sobald der genutzte Leistungswert die Gebühr übersteigt. Rechne dafür nur mit dem, was du tatsächlich abrufst. Zwei Mietwagenanmietungen von je einer Woche mit inkludierter Vollkasko ersparen dir 210 bis 420 Euro. Eine Auslandskrankenversicherung für die Familie liegt bei 30 bis 50 Euro. Kommst du damit über die Jahresgebühr, ist die Entscheidung klar. Bleibst du darunter, gewinnt die gebührenfreie Variante.
Der deutsche Kartenmarkt in Zahlen
Ein Blick auf den Markt hilft beim Einordnen der eigenen Situation. In Deutschland waren 2025 rund 36,74 Millionen Kreditkarten im Umlauf. Der Höchststand lag 2020 bei 40,57 Millionen Karten. Der Rückgang bedeutet nicht, dass weniger mit Karte gezahlt wird, im Gegenteil.
Kreditkarten im Umlauf in Deutschland
Weniger Karten, mehr Umsatz
Der Gesamtumsatz mit Kreditkarten erreichte 2025 einen Rekordwert von 154,42 Milliarden Euro. Pro Karte entspricht das einem Jahresumsatz von 4.203,40 Euro. Die Zahl der Karten sinkt also, während jede einzelne Karte intensiver genutzt wird. Viele Haushalte haben Zweit- und Drittkarten aussortiert und konzentrieren ihre Ausgaben auf die Karte mit den besten Konditionen. Genau diese Bündelung macht die richtige Auswahl so wirkungsvoll: Je mehr Umsatz auf einer Karte liegt, desto stärker wirken Cashback-Rate und Gebührenfreiheit.
Kleine Beträge, große Wirkung
Der durchschnittliche Transaktionsbetrag bei Kreditkarten sank zwischen 2018 und 2024 von 78 auf 69 Euro. Bei Debitkarten fiel er von 52 auf 38 Euro. Karten werden also zunehmend auch für Kleinbeträge eingesetzt, etwa beim Bäcker oder im Nahverkehr. Für dich bedeutet das zweierlei. Erstens summieren sich prozentuale Gebühren über viele kleine Zahlungen unauffällig auf. Zweitens lohnt eine Cashback-Karte gerade dann, wenn du konsequent alles über sie abwickelst.
Debit wächst am schnellsten
Die Zahl der Visa-Debitkarten stieg 2023 auf rund 16 Millionen, ein Plus von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Debit ist damit der klare Wachstumstreiber. Der Grund liegt auf der Hand: Direktbanken geben sie standardmäßig zum Girokonto aus, sie kostet nichts und funktioniert im Alltag ausgezeichnet. Für Reisen und Kautionen bleibt die Ergänzung durch eine Karte mit Verfügungsrahmen trotzdem sinnvoll.
Häufig gestellte Fragen
Welche Kreditkarte passt zu mir, wenn ich kaum reise?
Ohne Auslandsreisen ist das Fremdwährungsentgelt irrelevant. Wähle eine Karte ohne Jahresgebühr und mit Cashback. Bei 10.000 Euro Jahresumsatz und einem Prozent Rückvergütung bringt sie dir rund hundert Euro jährlich.
Reicht eine Debitkarte oder brauche ich eine echte Kreditkarte?
Im Alltag reicht die Debitkarte vollständig. Sobald du Mietwagen buchst oder Hotelkautionen hinterlegst, brauchst du eine Charge- oder Revolving-Karte mit blockierbarem Verfügungsrahmen. Viele Nutzer kombinieren beide Karten dauerhaft.
Welche Kreditkarte eignet sich für Studenten?
Am besten eine Karte ohne Jahresgebühr und mit niedriger Einstiegshürde. Debitkarten von Direktbanken sind ohne festes Einkommen erhältlich. Für ein Auslandssemester achtest du zusätzlich auf null Prozent Fremdwährungsgebühr.
Wie viele Kreditkarten sollte ich haben?
Zwei Karten decken fast jeden Bedarf ab: eine gebührenfreie Debitkarte für den Alltag und eine Karte mit Verfügungsrahmen für Reisen und Kautionen. Mehr als drei Karten erschweren den Überblick und addieren Jahresgebühren.
Lohnt sich eine Karte mit Jahresgebühr?
Ja, sobald der genutzte Leistungswert die Gebühr übersteigt. Eine inkludierte Mietwagen-Vollkasko spart 15 bis 30 Euro pro Miettag. Zwei Wochenanmietungen im Jahr übertreffen damit viele Jahresgebühren deutlich.
Bekomme ich eine Kreditkarte ohne festes Einkommen?
Prepaid- und Debitkarten sind ohne Einkommensnachweis und ohne Schufa-Prüfung erhältlich, weil kein Kreditrahmen entsteht. Sie funktionieren beim Bezahlen genauso. Später kannst du auf eine Karte mit Verfügungsrahmen wechseln.



