Die Schufa betreibt neben ihrer offiziellen Datenbank eine weitere Sammlung mit historischen Zahlungsdaten von rund 68 Millionen Verbrauchern in Deutschland. Diese Datensätze können bis zu zehn Jahre alt sein und werden nach Unternehmensangaben ausschließlich für interne Tests zur Überprüfung neuer Risikoberechnungen verwendet.
Umfang der historischen Datensammlung
Laut Recherchen des NDR und der Süddeutschen Zeitung speichert die Wirtschaftsauskunftei in Wiesbaden weit zurückliegende Zahlungsvorgänge nahezu aller Konsumenten in Deutschland. Ein Schufa-Sprecher bestätigt, dass die historischen Daten etwa 68 Millionen Menschen betreffen. Die Informationen werden intern genutzt, um die Genauigkeit neuer Berechnungsverfahren für Banken abzusichern. Details dieser Tests werden nach Unternehmensangaben nicht an Auftraggeber weitergegeben.
Neue Score-Berechnung seit März
Die Schufa hat ein neues Berechnungsverfahren eingeführt, das auf zwölf Kriterien basiert. Diese Scores beeinflussen zentrale Alltagsentscheidungen wie Kreditvergaben, Handyvertragsabschlüsse oder Wohnungsanmietungen. Zu den Bewertungskriterien gehören:
- Alter des ältesten Bankvertrags
- Status bestehender Kredite
- Registrierte Zahlungsstörungen
Verbraucher können ihre Scores kostenlos einsehen. Gegen frühere Berechnungsmethoden laufen noch Verfahren beim Bundesgerichtshof.
Kritik vom Verbraucherschutz
Claudio Zeitz-Brandmeyer vom Verbraucherzentrale Bundesverband äußert Zweifel an der ausschließlichen Nutzung für Testzwecke: Es wäre verlockend für Unternehmen, diese Informationen auch für tatsächliche Kreditentscheidungen heranzuziehen. Der von der Schufa beauftragte Datenschutzexperte Tim Wybitul weist die Vorwürfe zurück und verweist auf den legitimen Zweck zur Qualitätssicherung der Bewertungen. Der Hessische Datenschutzbeauftragte hat sich aufgrund eines laufenden Verfahrens bisher nicht geäußert.
