Kontoführungsgebühren: Diese Bankgebühren sind unzulässig

30.10.333 Aufrufe0 Mal als hilfreich markiertZuletzt geprüft: 31.10.2026

Das Wichtigste in Kürze

Entgelte für die Verwaltung eines Girokontos heißen Kontoführungsgebühren. Seit dem BGH-Urteil von 2021 braucht die Bank für jede Gebührenerhöhung die aktive Zustimmung des Kunden. Unzulässig sind in der Regel Gebühren für Kontoauflösung und Jahressteuerbescheinigung, Rückforderung ist drei Jahre lang möglich. Das Finanzamt erkennt pauschal 16 Euro pro Jahr als Werbungskosten an.

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Grundlagen der Kontoführungsgebühren

Kontoführungsgebühren sind Entgelte, die deine Bank für die Verwaltung deines Girokontos erhebt. Diese Kosten variieren stark je nach Bank und Kontomodell. Seit einem wegweisenden Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) aus dem Jahr 2021 haben sich die Spielregeln jedoch grundlegend zu deinen Gunsten verändert: Banken dürfen Gebühren nicht mehr stillschweigend erhöhen oder neue einführen. Für jede Änderung an den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), die Entgelte betrifft, ist deine ausdrückliche und aktive Zustimmung erforderlich. Ob Karte und Konto aus einer Hand günstiger sind, prüft der Vergleich zum Girokonto mit Kreditkarte. Das Urteil ist ebenso relevant für die Rechtmäßigkeit von Negativzinsen auf dem Girokonto.

Diese Regelung gibt dir als Bankkunde deutlich mehr Kontrolle. Ignorierst du eine Mitteilung zur Gebührenerhöhung, gilt dies als Ablehnung. Die Bank darf die höheren Kosten dann nicht berechnen, hat aber im Gegenzug das Recht, den Vertrag mit dir zu kündigen. Daher ist es entscheidend, die Gebührenstruktur deines Kontos zu kennen und regelmäßig zu überprüfen, um nicht unwissentlich zu viel zu bezahlen.

📌 Good to know

In Deutschland gibt es keine gesetzliche Obergrenze für Kontoführungsgebühren. Banken können die Höhe grundsätzlich frei festlegen, solange sie deine explizite Zustimmung dafür erhalten. Ein sorgfältiger Vergleich verschiedener Anbieter ist deshalb unerlässlich. Eine Ausnahme bilden Girokonten für Minderjährige, die in der Regel gebührenfrei sind, wie ein Vergleich von Jugendkonten zeigt.

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Zulässige vs. unzulässige Gebühren im Detail

Der Bundesgerichtshof hat in mehreren Urteilen klargestellt, für welche Leistungen eine Bank Gebühren verlangen darf und für welche nicht. Die grundlegende Regel lautet: Eine Bank darf nur für echte Dienstleistungen Geld verlangen, nicht aber für Tätigkeiten, die sie im eigenen Interesse oder zur Erfüllung gesetzlicher Pflichten ausführt. Die folgende Übersicht hilft dir bei der Einordnung.

✅ In der Regel zulässige Gebühren ❌ In der Regel unzulässige Gebühren
Monatliche Kontoführungspauschale Gebühren für die Kontoauflösung
Jahresgebühr für Giro- oder Kreditkarte Kosten für die Erstellung der Jahressteuerbescheinigung
Kosten für beleghafte Überweisungen Gebühren für die Bearbeitung von Pfändungen (P-Konto)
Entgelte für Bargeldabhebungen (an Fremdautomaten) Entgelte für nachträglich erstellte Kontoauszüge
Fremdwährungsgebühren bei Auslandseinsatz Gebühren für die Änderung oder Löschung von Daueraufträgen
Bereitstellungszinsen für Dispokredit Pauschale Buchungspostenentgelte (z.B. pro Lastschrift)

Findest du auf deinem Kontoauszug eine Gebühr aus der rechten Spalte, solltest du aktiv werden. Die Chancen stehen gut, dass deine Bank diese Kosten zu Unrecht berechnet hat.

Anleitung: Unzulässige Gebühren zurückfordern

Hast du den Verdacht, dass deine Bank unzulässige Gebühren von deinem Konto abgebucht hat? Mit den folgenden Schritten kannst du dein Geld zurückfordern:

  1. Kontoauszüge prüfen: Gehe deine Kontoauszüge der letzten drei Jahre sorgfältig durch. Suche gezielt nach Gebühren, die laut der obigen Liste als unzulässig gelten. Notiere dir die genauen Beträge und das Datum der Abbuchung.
  2. Preis- und Leistungsverzeichnis kontrollieren: Vergleiche deine gefundenen Posten mit dem aktuellen Preis- und Leistungsverzeichnis deiner Bank. Dieses findest du auf der Website des Instituts. Prüfe auch, ob du einer Änderung der Gebühren in der Vergangenheit aktiv zugestimmt hast.
  3. Bank schriftlich kontaktieren: Fordere die Bank schriftlich (am besten per Einschreiben) zur Rückerstattung der unzulässigen Gebühren auf. Beziehe dich dabei auf die relevanten BGH-Urteile (z.B. Az. XI ZR 26/20 vom 27. April 2021). Liste die strittigen Posten exakt auf und setze eine klare Frist für die Rückzahlung, beispielsweise 14 Tage. Musterbriefe hierfür bieten die Verbraucherzentralen an.
  4. Eskalation bei Ablehnung: Reagiert die Bank nicht oder lehnt die Rückzahlung ab, kannst du dich an die zuständige Schlichtungsstelle (den Ombudsmann der privaten Banken oder der öffentlichen Banken) wenden. Das Verfahren ist für dich als Verbraucher in der Regel kostenlos.

💡 Tip

Beachte die gesetzliche Verjährungsfrist! Du kannst unzulässige Kontogebühren für die letzten drei Jahre zurückfordern. Die Frist beginnt immer am Ende des Jahres, in dem die Gebühr angefallen ist. Für 2021 erhobene Gebühren kannst du also bis zum 31.12.2024 eine Rückerstattung fordern.

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Banken mit günstigen Kontogebühren

Ein Vergleich zwischen verschiedenen Banktypen zeigt deutliche Unterschiede bei den Kontogebühren. Klassische Filialbanken und Sparkassen verlangen oft höhere Entgelte, um ihre Kosten für das Filialnetz und die persönliche Beratung zu decken. Allerdings gibt es oft auch besondere Konditionen für bestimmte Kundengruppen, etwa beim Girokonto für Rentner. Ähnliche Preisunterschiede zeigen sich im Wertpapiergeschäft, wie der Vergleich zwischen Neobroker oder Filialbank verdeutlicht.

Direktbanken, Online-Banken und Neobanken bieten dir hingegen oft deutlich günstigere Konditionen. Da diese Institute auf teure Filialen verzichten und ihre Dienstleistungen digital vertreiben, können sie die Kostenvorteile an ihre Kunden weitergeben. Viele bieten Konten ohne monatliche Grundgebühr an. Achte hierbei jedoch auf die Bedingungen: Manchmal ist ein monatlicher Mindestgeldeingang erforderlich, um die Gebührenfreiheit zu gewährleisten. Welche Vor- und Nachteile ein Direktbank Girokonto konkret mit sich bringt, variiert je nach Institut.

Prüfe bei vermeintlich kostenlosen Angeboten immer das gesamte Preis- und Leistungsverzeichnis. Versteckte Kosten können zum Beispiel für die Girocard (oft fälschlicherweise als „EC-Karte“ bezeichnet), für Bargeldabhebungen oder für beleghafte Überweisungen anfallen. Ein wirklich gutes Konto zeichnet sich nicht nur durch eine niedrige Grundgebühr aus, sondern auch durch faire Konditionen bei alltäglichen Bankgeschäften. Welche Punkte bei der Girokonto Auswahl entscheidend sind, hängt von den individuellen Bedürfnissen ab. Eine wichtige Rolle bei den Gesamtkosten spielt oft auch die Kombination aus Girokonto mit Kreditkarte.

Kontogebühren von der Steuer absetzen

Einen kleinen Teil deiner Bankkosten kannst du dir über die Steuererklärung zurückholen. Das Finanzamt erkennt eine Pauschale von 16 Euro pro Jahr für Kontoführungsgebühren als Werbungskosten an. Dafür musst du keine Nachweise erbringen. Die direkteste Ersparnis entsteht jedoch durch ein Konto mit grundsätzlich niedrigen Gebühren.

Diese Pauschale kannst du auch dann in voller Höhe ansetzen, wenn deine tatsächlichen Gebühren niedriger waren oder du dein Konto erst im Laufe des Jahres eröffnet hast. Liegen deine nachweisbaren Kosten für Überweisungen, Lastschriften und Kontoführung, die beruflich veranlasst sind, über 16 Euro, kannst du auch den höheren Betrag ansetzen – dann allerdings mit entsprechenden Belegen. Nicht absetzbar sind hingegen die oft hohen Dispozinsen bei einer Kontoüberziehung.

Weitere interessante Inhalte

Diese Beiträge behandeln angrenzende Themen und gehören nicht unmittelbar zum Text oben:

Häufig gestellte Fragen

Q

Was passiert, wenn ich Gebührenerhöhungen nicht zustimme?

Wenn du einer Gebührenerhöhung nicht aktiv zustimmst, darf die Bank die neuen Gebühren nicht von dir verlangen. Allerdings hat die Bank dann das Recht, deinen Girokontovertrag ordentlich mit einer Frist von zwei Monaten zu kündigen. Du solltest dich daher rechtzeitig nach einer Alternative umsehen.

Q

Welche Kontogebühren sind definitiv unzulässig?

Generell unzulässig sind Gebühren für Leistungen, die die Bank im eigenen Interesse oder zur Erfüllung gesetzlicher Pflichten erbringt. Dazu zählen Kosten für die Kontoauflösung, die Erstellung der Jahressteuerbescheinigung oder die Bearbeitung von Kontopfändungen.

Q

Kann ich zu viel gezahlte Gebühren zurückfordern?

Unzulässig erhobene Kontogebühren können zurückgefordert werden. Die allgemeine Verjährungsfrist beträgt drei Jahre, beginnend am Ende des Jahres der Abbuchung. Fordere die Gebühren schriftlich bei deiner Bank zurück und berufe dich auf die BGH-Rechtsprechung. Bei Problemen helfen die Verbraucherzentralen.

Q

Wie finde ich ein wirklich kostenloses Girokonto?

Ein wirklich kostenloses Girokonto hat keine monatliche Grundgebühr (oft auch ohne Mindestgeldeingang) und inkludiert eine kostenlose Giro- oder Debitkarte. Vergleiche Angebote von Direktbanken und Neobanken, aber lies immer das vollständige Preis- und Leistungsverzeichnis, um versteckte Kosten zu vermeiden. Gerade für Studierende gibt es viele solcher Angebote, wie ein Vergleich von Studentenkonten zeigt.

Q

Lohnt sich ein Kontowechsel wegen der Gebühren?

Ein Kontowechsel lohnt sich oft schon bei Gebühren ab 5 Euro pro Monat. Das entspricht einer jährlichen Ersparnis von 60 Euro. Dank der gesetzlichen Kontowechselhilfe ist der Prozess unkompliziert, da die neue Bank die Umstellung deiner Daueraufträge und Lastschriften übernimmt.

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