Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, kritisiert das Reformtempo der schwarz-roten Bundesregierung. Trotz erkannter Handlungsbedarfe mangele es an Geschwindigkeit und Konsequenz bei der Umsetzung notwendiger Strukturreformen. Sewing fordert ein Ende ständiger Kompromisse, die den wirtschaftlichen Fortschritt behindern.
Bürokratieabbau und Kündigungsschutz-Reform
Sewing bezeichnet die substanzielle Reduzierung von Bürokratie als unerlässlich für effizienteres Wirtschaften. Dabei müssten auch etablierte Strukturen wie der Kündigungsschutz kritisch hinterfragt werden. Die Einschränkung des Kündigungsschutzes für Mitarbeiter mit einem Einkommen über 180.000 Euro bewertet der Bankchef als richtigen Ansatz, fordert jedoch eine Ausweitung dieser Maßnahme auf niedrigere Einkommensgruppen. Schnellere Reaktionsfähigkeit auf wirtschaftliche Herausforderungen erfordere flexibleres Denken und Handeln.
Politische Risiken für den Wirtschaftsstandort
Der Deutsche-Bank-Chef warnt vor extremistischen Tendenzen von rechts und links, die er als erhebliche Gefahr für Deutschland als Wirtschaftsstandort einstuft. Reformen aus dem demokratischen Zentrum seien notwendig, um diesen Risiken entgegenzuwirken und das Wirtschaftswachstum zu sichern.
Rentendepot und Tankrabatt-Kritik
Positiv bewertet Sewing die Einführung eines Altersvorsorgedepots zum Jahreswechsel. Er appelliert an die Regierung, die Rentenreform vollständig wie geplant umzusetzen, da jede Abschwächung problematisch wäre. Skeptisch äußert sich der Bankchef hingegen zum Tankrabatt: Angesichts andauernder Unsicherheiten im Mittleren Osten bezweifelt er dessen langfristigen Nutzen. Die monatlichen Kosten sowie die bestehende Staatsschuldensituation erlaubten keine dauerhafte Subventionierung solcher Maßnahmen.
