Inflation vs. Sparzinsen: So viel Kaufkraft verlieren Sparer 2026

Das Wichtigste in Kürze:

Inflation 2,3 %, Bestandszins 0,26 %: Der Realzins auf täglich fällige Einlagen liegt 2026 bei rund minus 2 %. Auf 1.957 Mrd. € Sichteinlagen summiert sich der Kaufkraftverlust deutscher Sparer auf rund 39 Mrd. € pro Jahr. Alle Rechnungen, Tabellen und Auswege im Überblick.

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Themen in diesem Artikel:

  • Lage 2026: Inflation 2,3 %, Bestandszins 0,26 % — Realzins minus 2 %.
  • Realzins-Formel: So rechnest du deinen echten Zins korrekt aus.
  • Verlust in Euro: Was aus 10.000 und 50.000 € real übrig bleibt.
  • Konto-Vergleich: Girokonto, Bestandszins und Top-Tagesgeld im Realzins-Check.
  • Historie: Warum 2021 und 2022 die teuersten Sparjahre waren.
  • Auswege: Drei Schritte, mit denen du den Kaufkraftverlust stoppst.

Realzins 2026: Deutsche Sparer verlieren rund 2 Prozent Kaufkraft pro Jahr

Wer sein Geld 2026 auf einem durchschnittlich verzinsten Konto liegen lässt, verliert real rund 2 Prozent Kaufkraft pro Jahr. Die Rechnung dahinter ist unbequem, aber simpel: Die Inflationsrate in Deutschland lag im Juni 2026 bei +2,3 Prozent (Destatis), während täglich fällige Einlagen privater Haushalte laut Bundesbank-Zinsstatistik im Bestand nur mit 0,26 Prozent verzinst werden. Die Differenz frisst dein Erspartes — leise, aber zuverlässig.

Das Problem betrifft keine Randgruppe. Auf Girokonten und Tagesgeldkonten deutscher Privathaushalte liegen aktuell rund 1.957 Milliarden Euro an täglich fälligen Einlagen (Bundesbank, Stand Mai 2026). Bei einem Realzins von rund minus 2 Prozent entspricht das einem aggregierten Kaufkraftverlust von etwa 39 Milliarden Euro pro Jahr — rechnerisch mehr als 450 Euro je Einwohner, Jahr für Jahr.

Dabei ist die Inflation zuletzt sogar gesunken: Im April 2026 lag sie noch bei 2,9 Prozent, im Mai bei 2,6 Prozent, im Juni bei 2,3 Prozent. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel verharrt allerdings bei 2,5 Prozent — die Teuerung ist also zäher, als die Schlagzeilen vermuten lassen.

Die Zinsseite hinkt hinterher

Auf der Zinsseite hat sich zwar etwas bewegt: Die EZB hat am 11. Juni 2026 erstmals seit 2023 die Leitzinsen angehoben, der Einlagensatz liegt seitdem bei 2,25 Prozent. Neukunden bekommen bei Aktionsangeboten bis zu rund 4 Prozent Tagesgeldzins. Doch bei den Bestandskonten kommt davon fast nichts an: 0,26 Prozent im Schnitt — dieser Wert hat sich seit Monaten praktisch nicht bewegt.

Genau diese Lücke zwischen Marktzins und Bestandszins ist die eigentliche Daten-Story des Jahres: Der Kaufkraftverlust ist 2026 kein Schicksal mehr, sondern eine Entscheidung. Wer wechselt, kann den Realzins fast auf null bringen. Wer bleibt, zahlt weiter — wie viel genau, rechnen wir in diesem Artikel durch. Alle aktuellen Zinsen findest du laufend in unserem Zins-Monitor.

Zur Größenordnung: Das gesamte Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland lag Ende des ersten Quartals 2026 bei 9.490 Milliarden Euro (Bundesbank). Gut ein Fünftel davon steckt in Bargeld und Sichteinlagen — und dieser Anteil wächst weiter: Allein im ersten Quartal 2026 haben die Haushalte ihre Bestände an Bargeld und Sichteinlagen um weitere 6 Milliarden Euro aufgestockt. Bei der vermögensärmeren Hälfte der Bevölkerung liegt das Geldvermögen laut Bundesbank sogar fast ausschließlich in Einlagen und Versicherungsansprüchen — negative Realzinsen treffen also gerade die Haushalte am härtesten, die am wenigsten Puffer haben.

So berechnest du den Realzins richtig

Der Realzins ist die Verzinsung deines Geldes nach Abzug der Inflation — also das, was von deinen Zinsen an echter Kaufkraft übrig bleibt. Die exakte Formel lautet: Realzins = (1 + Nominalzins) / (1 + Inflationsrate) − 1. Die verbreitete Kurzformel „Nominalzins minus Inflation“ ist nur eine Näherung, liegt bei niedrigen Zinsen aber nah dran.

Ein Rechenbeispiel mit den aktuellen Werten: Dein Tagesgeld bringt 0,26 Prozent, die Inflation liegt bei 2,3 Prozent. Dann gilt: 1,0026 geteilt durch 1,023 minus 1 = −1,99 Prozent. Dein Kontostand wächst nominal minimal, deine Kaufkraft schrumpft real um knapp 2 Prozent — pro Jahr.

Warum der Blick auf den Kontoauszug täuscht

Der Kontoauszug zeigt immer nominale Werte, und die sinken nie durch Inflation. Aus 10.000 Euro werden bei 0,26 Prozent Zins nach einem Jahr nominal 10.026 Euro — das fühlt sich nach Zuwachs an. Real, also in heutiger Kaufkraft gemessen, sind es aber nur noch rund 9.801 Euro. Die Differenz von rund 199 Euro taucht in keinem Bankdokument auf. Ökonomen sprechen deshalb von der Geldillusion: Menschen bewerten nominale Beträge, obwohl nur die reale Kaufkraft zählt.

Wichtig ist außerdem der Zinseszins-Effekt in die falsche Richtung: Ein Realzins von minus 2 Prozent klingt verkraftbar, wirkt aber Jahr für Jahr auf den bereits geschrumpften Realwert. Über zehn Jahre summiert sich der Verlust dadurch auf gut 18,2 Prozent der Kaufkraft — bei konstanten Bedingungen wohlgemerkt. Steigt die Inflation zwischenzeitlich, geht es schneller.

Vorsteuer, Nachsteuer und der doppelte Abzug

Streng genommen rechnet der Fiskus sogar noch mit: Auf Zinserträge oberhalb des Sparerpauschbetrags von 1.000 Euro pro Person (2.000 Euro bei Zusammenveranlagung) fallen rund 26,4 Prozent Abgeltungsteuer inklusive Solidaritätszuschlag an — besteuert wird dabei der Nominalzins, nicht der Realzins. Wer nominal 2,6 Prozent erhält und davon Steuern abführt, dem bleiben nach Steuern rund 1,9 Prozent — real also wieder ein leichtes Minus, obwohl das Konto zu den besten am Markt gehört. Die Inflation wirkt damit doppelt: Sie entwertet das Guthaben und lässt zugleich Steuern auf einen Ertrag anfallen, der real teilweise gar nicht existiert. Für die Tabellen in diesem Artikel haben wir Steuern bewusst außen vor gelassen — die realen Verluste fallen für viele Sparer in der Praxis also eher noch etwas höher aus.

📌 Good to know

Für die eigene Rechnung zählt streng genommen deine persönliche Inflationsrate: Wer viel für Miete, Energie und Lebensmittel ausgibt, erlebt oft eine höhere Teuerung als der amtliche Warenkorb ausweist. Der offizielle Wert von 2,3 Prozent ist ein Durchschnitt — dein realer Verlust kann darüber liegen.

Kaufkraftverlust konkret: Was aus 10.000 und 50.000 Euro wird

Beim aktuellen Bestandszins von 0,26 Prozent und einer Inflation von 2,3 Prozent verlieren 10.000 Euro in zehn Jahren rund 1.824 Euro an Kaufkraft — bei 50.000 Euro sind es über 9.100 Euro. Die folgende Tabelle zeigt den realen Restwert (in heutiger Kaufkraft) über ein, fünf und zehn Jahre, gerechnet mit der exakten Realzins-Formel und konstanten Annahmen.

Anlage / Zeitraum Nach 1 Jahr Nach 5 Jahren Nach 10 Jahren
10.000 € — Girokonto (0 %) 9.775 € (−225 €) 8.925 € (−1.075 €) 7.966 € (−2.034 €)
10.000 € — Bestandszins (0,26 %) 9.801 € (−199 €) 9.042 € (−958 €) 8.176 € (−1.824 €)
10.000 € — Top-Tagesgeld (2,60 %) 10.029 € (+29 €) 10.147 € (+147 €) 10.297 € (+297 €)
50.000 € — Girokonto (0 %) 48.876 € (−1.124 €) 44.626 € (−5.374 €) 39.830 € (−10.170 €)
50.000 € — Bestandszins (0,26 %) 49.003 € (−997 €) 45.210 € (−4.790 €) 40.878 € (−9.122 €)
50.000 € — Top-Tagesgeld (2,60 %) 50.147 € (+147 €) 50.737 € (+737 €) 51.486 € (+1.486 €)

Alle Werte in heutiger Kaufkraft, gerechnet mit konstant 2,3 Prozent Inflation (Destatis, Juni 2026) und konstantem Nominalzins; Steuern auf Zinserträge sind nicht berücksichtigt. Die Beträge sind Modellrechnungen — reale Zins- und Inflationspfade schwanken.

Die Spreizung ist bemerkenswert: Zwischen dem Girokonto und einem dauerhaft gut verzinsten Tagesgeldkonto liegen bei 50.000 Euro über zehn Jahre rund 11.700 Euro Kaufkraft-Differenz — allein durch die Kontowahl, ohne jedes zusätzliche Risiko innerhalb der Einlagensicherung.

Auffällig ist auch, wie unspektakulär der Verlust im Alltag bleibt. Bei 10.000 Euro auf dem Bestandskonto sind es rund 55 Cent pro Tag — zu wenig, um Alarm auszulösen, aber genug, um über ein Jahrzehnt fast ein Fünftel der Kaufkraft zu kosten. Genau darin liegt die Tücke des negativen Realzinses: Anders als ein Kursverlust im Depot erzeugt er keine rote Zahl, keinen Brief der Bank und keine Push-Nachricht. Der Kontostand steigt sogar leicht. Erst der Vergleich mit den tatsächlichen Preisen — dem Wocheneinkauf, der Handwerkerrechnung, der Urlaubsbuchung — macht den Schwund sichtbar.

Interessant ist auch der Blick auf den Zeitverlauf innerhalb der Tabelle: Der Verlust wächst nicht linear, sondern beschleunigt sich leicht, weil der negative Realzins jedes Jahr auf einen bereits geschrumpften Realwert wirkt. Beim Girokonto ist nach einem Jahr rund 2,2 Prozent der Kaufkraft weg, nach fünf Jahren bereits 10,8 Prozent, nach zehn Jahren gut 20,3 Prozent — mehr als ein Fünftel des Vermögens, ohne dass je ein Euro vom Konto abgebucht wurde. Genau deshalb ist Abwarten in Phasen negativer Realzinsen keine neutrale Strategie, sondern eine mit klar bezifferbaren Kosten.

💡 Tip

Rechne deinen eigenen Fall in 30 Sekunden: Restwert = Betrag × ((1 + Zins) / (1 + Inflation))^Jahre. Bei 20.000 Euro, 0,26 Prozent Zins und 2,3 Prozent Inflation bleiben nach fünf Jahren real rund 18.084 Euro übrig.

Kaufkraft von 10.000 Euro nach 1, 5 und 10 Jahren (bei 2,3 % Inflation)

0 €2.000 €4.000 €6.000 €8.000 €10.000 €Girokonto (0 %), nach 1 Jahr: 9.775 €9.775 €Bestandszins (0,26 %), nach 1 Jahr: 9.801 €9.801 €Top-Tagesgeld (2,60 %), nach 1 Jahr: 10.029 €10.029 €Nach 1 JahrGirokonto (0 %), nach 5 Jahren: 8.925 €8.925 €Bestandszins (0,26 %), nach 5 Jahren: 9.042 €9.042 €Top-Tagesgeld (2,60 %), nach 5 Jahren: 10.147 €10.147 €Nach 5 JahrenGirokonto (0 %), nach 10 Jahren: 7.966 €7.966 €Bestandszins (0,26 %), nach 10 Jahren: 8.176 €8.176 €Top-Tagesgeld (2,60 %), nach 10 Jahren: 10.297 €10.297 €Nach 10 JahrenGirokonto (0 %)Bestandszins (0,26 %)Top-Tagesgeld (2,60 %)Ausgangsbetrag 10.000 €
Quelle: Eigene Berechnung mit exakter Realzins-Formel, konstant 2,3 % Inflation (Destatis) und konstantem Nominalzins; Werte in heutiger Kaufkraft — Stand: Juli 2026.

Bestandszins vs. Top-Tagesgeld: Der Realzins-Vergleich 2026

Der entscheidende Unterschied liegt 2026 nicht zwischen Sparen und Nichtsparen, sondern zwischen Bestandskonto und Marktangebot. Während der durchschnittliche Bestandszins auf täglich fällige Einlagen bei 0,26 Prozent stagniert, liegt der Marktdurchschnitt für Tagesgeld je nach Erhebung bei rund 1,3 bis 2,0 Prozent — und dauerhafte Top-Angebote zahlen bis zu 2,60 Prozent, Neukunden-Aktionen zeitweise sogar rund 4 Prozent.

Kontotyp Nominalzins (Stand Juli 2026) Realzins bei 2,3 % Inflation Kaufkraft-Effekt auf 10.000 € p.a.
Girokonto 0,00 % −2,25 % rund −225 €
Bestandszins Tagesgeld (Ø Bundesbank) 0,26 % −1,99 % rund −199 €
Marktdurchschnitt Tagesgeld rund 1,95 % −0,34 % rund −34 €
Top-Tagesgeld dauerhaft bis 2,60 % +0,29 % rund +29 €
Neukunden-Aktion (befristet) bis rund 4,05 % +1,71 % (nur im Aktionszeitraum) rund +171 € (anteilig)

Die Botschaft der Tabelle: Nur wer aktiv wechselt oder verhandelt, kommt 2026 überhaupt in die Nähe eines positiven Realzinses. Der Abstand zwischen Bestandszins und Marktdurchschnitt beträgt rund 1,7 Prozentpunkte — auf 50.000 Euro sind das rund 850 Euro Zinsdifferenz pro Jahr. Banken kalkulieren erkennbar mit der Trägheit ihrer Kunden: Die Aktionszinsen für Neukunden steigen seit der EZB-Wende, die Bestandszinsen bewegen sich kaum.

Aktionszins richtig einordnen

Die auffälligen rund 4 Prozent aus der Werbung gelten fast immer nur befristet — typischerweise für drei bis sechs Monate und häufig nur bis zu einer Einlagengrenze. Danach fällt der Zins auf den deutlich niedrigeren Basiszins des Anbieters zurück, teils unter den Marktdurchschnitt. Entscheidend ist deshalb der effektive Jahreszins über zwölf Monate: Ein Angebot mit 4,05 Prozent für vier Monate und danach 2,25 Prozent ergibt aufs Jahr gerechnet rund 2,85 Prozent — gut, aber weit entfernt von der Schlagzeile. Wer die Aktionslogik versteht und Abläufe im Blick behält, kann sie trotzdem gezielt nutzen; wer sie ignoriert, landet nach dem Aktionsende schnell wieder in der Bestandszins-Falle.

Warum der Bestandszins so träge ist

Der Bestandszins von 0,26 Prozent ist ein volumengewichteter Durchschnitt über alle täglich fälligen Einlagen — inklusive der riesigen Summen auf unverzinsten Girokonten und klassischen Sparkonten von Filialbanken. Er zeigt damit weniger den Markt als das Verhalten der Sparer: Ein Großteil des Geldes liegt schlicht dort, wo es schon immer lag. Die Zinserhöhung der EZB vom Juni 2026 wird daran nach aller Erfahrung wenig ändern — schon in der Hochzinsphase 2023/2024 kam bei den Bestandskonten nur ein Bruchteil der Leitzinsanhebungen an, während Neukundenangebote zeitweise über 4 Prozent zahlten.

Welche Anbieter aktuell dauerhaft gute Konditionen zahlen und worauf du bei Aktionszinsen achten musst, zeigt unser laufend aktualisierter Vergleich der besten Tagesgeldkonten 2026.

Realzins 2026 je Kontotyp: Nur Wechsler schlagen die Inflation

−2 %−1 %0 %1 %2 %Girokonto (0,00 %)Girokonto (0,00 %): −2,25 % real−2,25 %Bestandszins Tagesgeld (0,26 %)Bestandszins Tagesgeld (0,26 %): −1,99 % real−1,99 %Marktdurchschnitt (1,95 %)Marktdurchschnitt (1,95 %): −0,34 % real−0,34 %Top-Tagesgeld dauerhaft (2,60 %)Top-Tagesgeld dauerhaft (2,60 %): +0,29 % real+0,29 %Neukunden-Aktion (4,05 %)Neukunden-Aktion (4,05 %): +1,71 % real+1,71 %
Quelle: Bundesbank-Zinsstatistik (Bestandszins), Marktvergleiche Tagesgeld; Realzins bei 2,3 % Inflation (Destatis, Juni 2026) — Stand: Juli 2026.

Historische Einordnung: Negative Realzinsen sind die Regel, nicht die Ausnahme

Negative Realzinsen auf Spareinlagen sind in Deutschland historisch eher Normalzustand als Betriebsunfall. Schon in den 1970er-Jahren lag die Inflation zeitweise deutlich über den Sparzinsen, und seit der Finanzkrise 2008 haben Sparer nur in wenigen Quartalen real positive Zinsen auf täglich verfügbare Einlagen gesehen. Neu ist 2026 nur das Ausmaß der Gewöhnung.

Die teuersten Jahre der jüngeren Geschichte waren 2021 und 2022. Laut comdirect Realzins-Radar lag der Realzins 2021 bei minus 4,93 Prozent — Sparer verloren in diesem einen Jahr rund 80 Milliarden Euro, fast 960 Euro pro Kopf. Die DZ Bank bezifferte den Kaufkraftverlust auf das verzinsliche Geldvermögen für 2022 sogar auf rund 395 Milliarden Euro bei einem Durchschnitts-Realzins von minus 6,9 Prozent — der Negativrekord der Nachkriegszeit, ausgelöst durch 6,9 Prozent Jahresinflation bei nahe null verzinsten Konten.

Von der Schockphase zur Dauerbelastung

Nach dem Inflationsschock normalisierte sich das Bild nur scheinbar. Die Jahresinflation sank von 5,9 Prozent (2023) auf jeweils 2,2 Prozent in den Jahren 2024 und 2025 — gleichzeitig senkte die EZB aber ab Mitte 2024 die Leitzinsen, und die kurze Phase leicht positiver Realzinsen auf gutem Tagesgeld endete wieder. 2026 kehrte die Inflation mit zeitweise 2,9 Prozent zurück, worauf die EZB im Juni erstmals seit drei Jahren die Zinsen anhob.

Für Sparer ergibt sich daraus eine unbequeme Langfrist-Lektion: Der reale Werterhalt auf dem Sparkonto war in den vergangenen 15 Jahren die Ausnahme. Wer größere Summen dauerhaft täglich verfügbar hält, hat in fast jedem Marktumfeld real verloren — mal 1 Prozent pro Jahr, mal fast 7 Prozent. Die Höhe des Verlusts schwankt, seine Richtung erstaunlich selten.

Der Vergleich mit heute macht die Einordnung greifbar: Der aktuelle Realzins von rund minus 2 Prozent auf Bestandseinlagen ist historisch kein Extremwert — er liegt weit entfernt vom Rekordminus des Jahres 2022, aber ebenso weit entfernt von echtem Werterhalt. Es ist die Sorte Verlust, die niemand spürt und die gerade deshalb über Jahre die größten Summen kostet. Ein spektakulärer Börsencrash von 20 Prozent dominiert die Nachrichten; derselbe Kaufkraftverlust über zehn Jahre Sparkonto findet ohne eine einzige Schlagzeile statt.

📌 Good to know

Kumuliert man die Realzins-Verluste seit 2014, kommen Studien auf dreistellige Milliardenbeträge: Bereits Anfang 2022 bezifferte comdirect den aufgelaufenen Gesamtverlust deutscher Spareinlagen seit Ende 2014 auf über 224 Milliarden Euro — noch vor dem Rekordjahr 2022.

Was Sparer jetzt tun können: Drei Schritte gegen den Kaufkraftverlust

Der wirksamste Schutz gegen den Realzins-Verlust besteht 2026 aus drei Schritten: Liquidität begrenzen, Zinsen aktiv einsammeln und langfristiges Geld aus dem Zinskonto herausholen. Keiner dieser Schritte erfordert Spezialwissen — aber alle erfordern eine aktive Entscheidung gegen die Trägheit, mit der Banken kalkulieren.

Schritt 1 — Notgroschen definieren: Drei bis sechs Nettomonatsgehälter als Reserve reichen für die meisten Haushalte. Nur dieser Betrag muss täglich verfügbar sein und darf real leicht an Wert verlieren — das ist der Preis für Sicherheit und Flexibilität. Alles darüber hinaus liegt auf dem Girokonto oder schlecht verzinsten Bestandskonto schlicht falsch.

Schritt 2 — Zinsen aktiv managen: Für die Reserve gilt: Marktzins statt Bestandszins. Der Wechsel von 0,26 auf 2,60 Prozent hebt den Realzins von rund minus 2,0 auf rund plus 0,3 Prozent — aus einem garantierten Verlust wird zumindest Werterhalt. Tagesgeldkonten sind kostenlos, die Einlagensicherung schützt 100.000 Euro pro Bank und Kunde, und ein Wechsel dauert online meist unter 15 Minuten. Wer Aktionszinsen nutzt, sollte sich den Ablauf des Aktionszeitraums in den Kalender legen.

Schritt 3 — Langfristgeld umschichten: Geld, das du in den nächsten fünf bis zehn Jahren sicher nicht brauchst, gehört strukturell nicht aufs Tagesgeldkonto. Festgeld zahlt aktuell rund 3 Prozent für ein Jahr und fixiert damit den Zins gegen künftige Senkungen; breit gestreute Aktienanlagen haben historisch als einzige Anlageklasse die Inflation langfristig deutlich geschlagen — bei entsprechenden Schwankungen. Welche Mischung passt, hängt von Horizont und Risikotoleranz ab; einen Überblick über alle Optionen findest du in unserer Rubrik Geldanlagen.

💡 Tip

Einmal pro Quartal die eigenen Kontozinsen gegen den Markt prüfen genügt. Unser Zins-Monitor zeigt die aktuelle Zinslandschaft für Tagesgeld und Festgeld auf einen Blick — der Abgleich kostet fünf Minuten und im Zweifel mehrere hundert Euro pro Jahr weniger Verlust.

Quellen und Methodik

Alle Realzins- und Kaufkraft-Berechnungen in diesem Artikel folgen der exakten Formel Realzins = (1 + Nominalzins) / (1 + Inflationsrate) − 1 und unterstellen konstante Zins- und Inflationssätze; Steuern auf Kapitalerträge sind nicht berücksichtigt. Datenstand: Juli 2026. Inflationsdaten: Destatis (Juni 2026). Bestandszinsen: Bundesbank MFI-Zinsstatistik. Marktzinsen: Vergleichsportal-Erhebungen Juli 2026.

Häufig gestellte Fragen

Q

Was ist der Realzins und wie wird er berechnet?

Der Realzins ist der Zins nach Abzug der Inflation, also der echte Kaufkraft-Zuwachs oder -Verlust. Exakt berechnet: (1 + Nominalzins) / (1 + Inflationsrate) − 1. Bei 0,26 Prozent Zins und 2,3 Prozent Inflation ergibt das rund minus 2 Prozent.

Q

Wie viel Kaufkraft verlieren 10.000 Euro auf dem Sparkonto 2026?

Beim durchschnittlichen Bestandszins von 0,26 Prozent und 2,3 Prozent Inflation verlieren 10.000 Euro rund 199 Euro Kaufkraft pro Jahr. Über fünf Jahre wächst der Verlust auf rund 958 Euro, über zehn Jahre auf rund 1.824 Euro — bei konstanten Bedingungen.

Q

Warum bekommen Bestandskunden so viel weniger Zinsen als Neukunden?

Banken nutzen hohe Aktionszinsen gezielt zur Neukundengewinnung und kalkulieren damit, dass Bestandskunden aus Bequemlichkeit bleiben. So stagniert der durchschnittliche Bestandszins bei 0,26 Prozent, während Neukunden zeitweise rund 4 Prozent erhalten. Regelmäßiges Vergleichen und Wechseln schließt diese Lücke.

Q

Reicht ein Top-Tagesgeldkonto, um die Inflation zu schlagen?

Ein dauerhaft gutes Tagesgeldkonto mit rund 2,60 Prozent bringt bei 2,3 Prozent Inflation einen Realzins von etwa plus 0,3 Prozent — also knappen Werterhalt, keinen Vermögensaufbau. Für langfristige Ziele braucht es zusätzlich renditestärkere Anlagen wie breit gestreute Aktienfonds.

Q

Wie hoch ist der gesamte Kaufkraftverlust deutscher Sparer pro Jahr?

Auf die rund 1.957 Milliarden Euro täglich fälliger Einlagen privater Haushalte entfällt beim aktuellen Realzins von rund minus 2 Prozent ein rechnerischer Verlust von etwa 39 Milliarden Euro pro Jahr. Im Rekordjahr 2022 lag der Verlust laut DZ Bank sogar bei rund 395 Milliarden Euro.


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