Das Wichtigste in Kürze
- Was ist der FTSE All-World ETF?: Erfahre, wie der Index ~4.000 Aktien aus 49 Ländern abbildet und warum das Domizil Irland steuerlich relevant ist.
- ETF-Vergleich: Kosten & Volumen: Vergleiche TER von 0,07 % bis 0,19 % und Fondsvolumen bis 41.789 Mio. USD der fünf wichtigsten Anbieter.
- Portfoliozusammensetzung & USA-Anteil: Verstehe, warum USA mit 58,25 % dominiert und Schwellenländer rund 10 % ausmachen.
- FTSE All-World vs. MSCI World: Vergleiche +328,4 % vs. +372,1 % seit 2012 und finde heraus, welcher Index besser zu deiner Strategie passt.
- Historische Rendite & Performance: Überblick über 12,32 % p.a. in 10 Jahren, 7 % p.a. seit 1970 und YTD-Werte für 2026.
- Steuern: Vorabpauschale & Teilfreistellung: Lerne, wie die 30 % Teilfreistellung und die Vorabpauschale deine Steuerlast konkret beeinflussen.
- Sparplan & Praxis: So startest du: Finde heraus, ab welchem Broker du ab 1 € monatlich investieren kannst und was beim Einstieg wichtig ist.
- Häufige Fragen: Antworten auf die 6 meistgestellten Fragen rund um den FTSE All-World ETF kompakt zusammengefasst.
LYNX – ETFs handeln

LYNX – ETFs handeln
Vorteile
- ETFs an über 90 Börsen weltweit
- Wertpapierdepot ab 0 €
- Tools: ETF Benchmarker und Replicator
- Keine Mindesteinlage für Privatdepots
Nachteile
- ETF-Order DE: 0,14 %, mind. 5,80 €
- Marktdaten und Währungstausch extra
- Währungs- und Liquiditätsrisiko
- Verlust kann Einlage übersteigen
Buzzmatic GmbH & Co. KG übernimmt keine Haftung. Auch kann keine Gewähr für die Aktualität der bereitgestellten Informationen übernommen werden. Wir empfehlen, die spezifischen Bedingungen und Konditionen des Produktes zu prüfen.
Scalable Capital – ETF-Sparplan

Scalable Capital – ETF-Sparplan
Vorteile
- Gebührenfreie Depotführung
- Geringe Kosten
- Großes Sparplan Angebot
- Große Auswahl
Nachteile
- Keine aut. Wiederanlage
- Keine Anleihen
- Kein Trailing
- Keine Neuemissionen
Buzzmatic GmbH & Co. KG übernimmt keine Haftung. Auch kann keine Gewähr für die Aktualität der bereitgestellten Informationen übernommen werden. Wir empfehlen, die spezifischen Bedingungen und Konditionen des Produktes zu prüfen.
Was ist der FTSE All-World ETF? Grundlagen & Funktionsweise
Der FTSE All-World ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der den gleichnamigen Aktienindex nachbildet. Dieser Index stammt von FTSE Russell – einer Tochtergesellschaft der London Stock Exchange Group (LSEG). Das Ziel ist simpel: Du investierst mit einem einzigen Produkt in die größten und mittelgroßen Unternehmen weltweit.
Der Index umfasst rund 4.000 bis 4.254 Unternehmen aus etwa 49 bis 50 Ländern. Damit deckt er schätzungsweise 90 bis 95 % der weltweit investierbaren Marktkapitalisierung ab. Das ist ein entscheidender Unterschied zu vielen anderen Indizes: Hier sind nicht nur Industrieländer dabei, sondern auch Schwellenländer wie China, Indien, Taiwan und Brasilien.
Die Gewichtung erfolgt nach Marktkapitalisierung. Das bedeutet: Je größer ein Unternehmen an der Börse bewertet wird, desto höher ist sein Anteil im Index. Apple, Microsoft und Nvidia gehören damit zu den größten Positionen. Diese Methodik hat einen Vorteil – sie ist vollautomatisch und regelbasiert. Du musst nichts manuell anpassen.
Wie bilden die ETFs diesen riesigen Index ab? Durch physische Replikation mit optimiertem Sampling. Das heißt: Der ETF kauft nicht alle 4.000+ Aktien einzeln, sondern eine repräsentative Auswahl. Der Vanguard FTSE All-World Acc hält beispielsweise physisch 3.763 Positionen (Stand 31.05.2026) – das reicht aus, um den Index sehr genau nachzubilden.
Ein Detail, das für deutsche Anleger besonders wichtig ist: Alle großen FTSE All-World ETFs haben ihr Domizil in Irland. Das ist kein Zufall. Irland hat mit vielen Ländern günstige Doppelbesteuerungsabkommen, insbesondere mit den USA. Dadurch zahlen irisch domizilierte ETFs auf US-Dividenden nur 15 % Quellensteuer statt 30 %. Das verbessert die Rendite nach Steuern spürbar.
Der Index deckt Large-Cap- und Mid-Cap-Unternehmen ab. Small Caps sind nicht enthalten. Wer auch kleinere Unternehmen abdecken möchte, müsste auf den FTSE All-World All Cap ausweichen – der ist aber deutlich weniger verbreitet und teurer. Für die meisten Anleger ist die Abdeckung des Standard-FTSE All-World mehr als ausreichend.
Verfügbar sind die ETFs in zwei Varianten: thesaurierend (Acc) und ausschüttend (Dist). Bei der thesaurierenden Variante werden Dividenden automatisch wieder angelegt. Bei der ausschüttenden Variante fließen sie regelmäßig auf dein Konto. Welche Variante besser passt, hängt von deiner Steuersituation und deinen Zielen ab – dazu mehr im Steuer-Abschnitt.
📌 Good to know
Der FTSE All-World ist kein ETF, sondern ein Index. ETFs auf diesen Index gibt es von verschiedenen Anbietern – Vanguard, Invesco, iShares und Xtrackers. Sie alle bilden denselben Index ab, unterscheiden sich aber in Kosten, Volumen und Details.
LYNX – ETFs handeln
Über 8.000 ETFs an EU-Börsen
Vorteile
Nachteile
- ETF-Order DE: 0,14 %, mind. 5,80 €
- Marktdaten und Währungstausch extra
- Währungs- und Liquiditätsrisiko
- Verlust kann Einlage übersteigen
Scalable Capital
Gebührenfreie Depotführung
Vorteile
Nachteile
- Keine automatische Wiederanlage
- Keine Anleihen
- Keine Neuemissionen
SMARTBROKER – ETF kaufen
ETFs kaufen
Vorteile
Nachteile
- Keine Filialen – dafür günstiger
- Kein 24/7-Support
- Kein Demokonto
Scalable Capital
Gebührenfreie Depotführung
Vorteile
Nachteile
- Keine automatische Wiederanlage
- Keine Anleihen
- Keine Neuemissionen
Buzzmatic GmbH & Co. KG übernimmt keine Haftung. Auch kann keine Gewähr für die Aktualität der bereitgestellten Informationen übernommen werden. Wir empfehlen, die spezifischen Bedingungen und Konditionen des Produktes zu prüfen.
Die besten FTSE All-World ETFs im Vergleich: Kosten, Volumen & Kennzahlen
In Deutschland sind aktuell sechs ETFs auf den FTSE All-World handelbar. Die Unterschiede zwischen ihnen sind auf den ersten Blick klein – bei einem Anlagehorizont von 20 oder 30 Jahren können sie aber Tausende Euro ausmachen. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die Kennzahlen.
Der günstigste ETF ist derzeit der Xtrackers FTSE All-World UCITS ETF 1C mit einer Gesamtkostenquote (TER) von nur 0,07 % pro Jahr. Das ist bemerkenswert günstig. Zum Vergleich: Noch vor wenigen Jahren galten 0,20 % als günstig. Der Kostenwettbewerb zwischen den Anbietern hat Anlegern enorm geholfen.
Vanguard ist mit zwei Varianten vertreten: dem thesaurierenden Acc (ISIN IE00BK5BQT80) und dem ausschüttenden Dist (ISIN IE00B3RBWM25), beide mit 0,19 % TER. Der Acc-ETF ist mit einem Fondsvolumen von 41.789 Millionen US-Dollar der mit Abstand größte FTSE All-World ETF weltweit. Das Dist-Pendant kommt auf 22.463 Millionen US-Dollar. Beide Zahlen stehen für außerordentliche Liquidität und minimale Handelsspannen.
Invesco bietet mit dem FTSE All-World UCITS ETF Acc (ISIN IE000716YHJ7) eine günstigere Alternative zu Vanguard: 0,15 % TER statt 0,19 %. Das Fondsvolumen liegt bei 3.363 Millionen US-Dollar – deutlich kleiner als Vanguard, aber absolut ausreichend für einen sicheren Betrieb.
Hier ist ein wichtiger Hinweis: Die TER ist nicht die einzige Kostengröße. Sie erfasst keine Transaktionskosten innerhalb des Fonds, keine Erträge aus Wertpapierleihe und keine Abweichungen vom Index durch das Sampling. Die Tracking Difference (TD) gibt ein vollständigeres Bild. Ein ETF mit 0,19 % TER kann durch Wertpapierleihe-Erträge eine bessere TD haben als ein ETF mit 0,07 % TER. Schau also immer auf beide Kennzahlen.
| ETF | ISIN | TER p.a. | Ertragsverwendung | Fondsvolumen (USD) |
|---|---|---|---|---|
| Xtrackers FTSE All-World 1C | – | 0,07 % | Thesaurierend | – |
| iShares FTSE All-World (Acc) | – | 0,12 % | Thesaurierend | – |
| Invesco FTSE All-World (Acc) | IE000716YHJ7 | 0,15 % | Thesaurierend | 3.363 Mio. |
| Vanguard FTSE All-World (Acc) | IE00BK5BQT80 | 0,19 % | Thesaurierend | 41.789 Mio. |
| Vanguard FTSE All-World (Dist) | IE00B3RBWM25 | 0,19 % | Ausschüttend | 22.463 Mio. |
Welchen ETF solltest du wählen? Das hängt von deinen Prioritäten ab. Wer maximale Kosteneffizienz sucht, schaut auf Xtrackers oder iShares. Wer auf Sicherheit durch Volumen und eine lange Erfolgsgeschichte setzt, greift zu Vanguard. Invesco ist ein guter Mittelweg: günstiger als Vanguard, aber mit deutlich mehr Volumen als viele Nischenanbieter. Alle drei Anbieter nutzen optimiertes Sampling und haben ihr Domizil in Irland.
Portfoliozusammensetzung: Länder, Regionen & USA-Gewichtung
Wenn du in einen FTSE All-World ETF investierst, kaufst du im Wesentlichen ein Stück der globalen Wirtschaft – gewichtet nach Börsenwert. Das klingt perfekt diversifiziert. Aber ein Blick auf die Zahlen zeigt: Ein Land dominiert deutlich.
Die USA machen rund 58 bis 62 % des Index aus. Beim Vanguard Dist lag der Anteil konkret bei 58,25 % (Stand 13.05.2026). Das ist eine hohe Konzentration – aber sie spiegelt die tatsächliche Größe des US-Aktienmarkts wider. Apple, Microsoft, Nvidia, Amazon und Alphabet sind die fünf größten Positionen im Index. Diese Unternehmen sind global tätig, auch wenn sie in den USA notiert sind.
Schwellenländer machen rund 10 % aus. Dazu zählen China, Indien, Taiwan, Brasilien und weitere Märkte. Das ist ein wesentlicher Unterschied zum MSCI World, der Schwellenländer komplett ausschließt. Wer glaubt, dass Indien oder Südostasien in den nächsten Jahrzehnten stark wachsen werden, bekommt dieses Exposure automatisch mit.
Europa (ohne Großbritannien) trägt rund 15 % bei. Asien-Pazifik (entwickelte Märkte wie Japan, Australien, Südkorea) kommt auf etwa 12 %. Die restlichen Regionen – inklusive der übrigen Schwellenländer – machen den verbleibenden Anteil aus.
Regionale Gewichtung im FTSE All-World ETF (Vanguard Dist, ca. Stand 2026)
Der Vanguard Acc hält physisch 3.763 Positionen (Stand 31.05.2026) von den rund 4.000 bis 4.254 Aktien im Index. Das optimierte Sampling funktioniert gut: Sehr kleine oder illiquide Positionen werden weggelassen, ohne die Indexrendite nennenswert zu beeinflussen.
Ein Vorteil der Marktkapitalisierungsgewichtung: Das Rebalancing passiert automatisch. Wenn eine Aktie stark steigt, wächst ihr Anteil im Index – und der ETF passt sich an. Du musst nichts tun. Das spart Zeit, Transaktionskosten und Nerven.
Kritiker bemängeln die hohe US-Konzentration. Das ist berechtigt – aber sie ist eine Folge der Marktentwicklung, nicht einer willkürlichen Entscheidung. Wer das bewusst anders gewichten möchte, kann einen BIP-gewichteten Ansatz wählen oder gezielt regionale ETFs beimischen. Für die meisten Anleger ist die Marktgewichtung aber die sinnvollste Ausgangsbasis.
FTSE All-World vs. MSCI World: Welcher ETF passt besser zu dir?
Das ist die meistgestellte Frage unter ETF-Einsteigern. Beide Indizes bilden globale Aktienmärkte ab – aber mit einem entscheidenden Unterschied. Der MSCI World enthält ausschließlich Industrieländer: 23 Länder, rund 1.300 bis 1.600 Aktien. Schwellenländer fehlen komplett. Der FTSE All-World geht weiter: 49 bis 50 Länder, rund 4.000 Aktien, Schwellenländer inklusive.
Was bedeutet das in der Praxis? Der MSCI World hat einen deutlich höheren USA-Anteil: rund 72 %, verglichen mit rund 60 % beim FTSE All-World. Wer den MSCI World kauft, wettet stärker auf US-amerikanische Technologieunternehmen. Wer den FTSE All-World kauft, bekommt zusätzlich Exposure in Indien, China, Taiwan und anderen Wachstumsmärkten.
Beim Performance-Vergleich liegt der MSCI World vorne – zumindest im betrachteten Zeitraum. Seit dem 28.05.2012 erzielte der iShares Core MSCI World ETF +372,1 %, der Vanguard FTSE All-World +328,4 %. Die Differenz beträgt rund 43,7 Prozentpunkte. Der Grund: Schwellenländer haben in diesem Zeitraum deutlich schlechter abgeschnitten als Industrieländer. Chinesische Aktien haben einen erheblichen Teil dieser Underperformance verursacht.
Heißt das, der MSCI World ist besser? Nicht zwingend. Erstens ist der Schwellenländeranteil im FTSE All-World mit rund 10 % relativ gering – er kann die Gesamtrendite nicht dramatisch beeinflussen. Zweitens ist die Vergangenheit kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Indien wächst schnell, die demografische Entwicklung in Asien ist positiv, und viele Schwellenländer holen technologisch auf.
Wertentwicklung FTSE All-World vs. MSCI World seit 28.05.2012 (kumuliert in %)
Ein praktischer Unterschied: Der FTSE All-World ist eine echte 1-ETF-Lösung. Du brauchst keinen separaten Schwellenländer-ETF. Wer den MSCI World wählt und eine vollständige Weltabdeckung möchte, muss zusätzlich einen MSCI Emerging Markets ETF kaufen – und dann regelmäßig rebalancieren. Das kostet Zeit und erzeugt steuerliche Ereignisse.
Beim Kostenvergleich sind beide Lager günstig. Der günstigste MSCI World ETF liegt unter 0,10 % TER, der günstigste FTSE All-World bei 0,07 % (Xtrackers). Der Unterschied ist marginal.
Fazit: Für Anleger, die eine einfache, vollständige Weltabdeckung ohne Rebalancing wollen, ist der FTSE All-World die bessere Wahl. Wer bewusst auf Schwellenländer verzichten oder sie separat steuern möchte, greift zum MSCI World.
Historische Rendite & Performance: Was der FTSE All-World ETF wirklich bringt
Zahlen sagen mehr als Versprechen. Schauen wir uns an, was der FTSE All-World ETF in der Vergangenheit tatsächlich gebracht hat – und was das für deine Erwartungen bedeutet.
Die 10-Jahres-Performance des Vanguard FTSE All-World (Dist) beträgt +219,62 % (per 12.06.2026). Annualisiert entspricht das rund 12,32 % pro Jahr. Das ist eine starke Zahl – aber sie schließt eine der stärksten Börsenphasen der Geschichte ein, geprägt von Niedrigzinsen, Tech-Boom und starker US-Wirtschaft.
Seit Auflage des Vanguard Acc ergibt sich eine annualisierte Rendite von 11,86 % pro Jahr (Stand 31.05.2026). Der FTSE All-World Index liegt YTD 2026 bei durchschnittlich +13,16 % – ein starkes Jahr, das von einer Erholung nach dem Einbruch Anfang 2025 profitiert.
Wer einen längeren Horizont betrachtet: Seit 1970 liegt die historische Durchschnittsrendite des globalen Aktienmarkts bei rund 7 % pro Jahr (nominell). Nach Inflation – also real – sind es rund 5 % pro Jahr. Das ist der Wert, den du für langfristige Planungen verwenden solltest, nicht die 12 % der letzten Dekade.
Die historische Volatilität liegt bei rund 12 bis 15 %. Das bedeutet: In einem durchschnittlichen Jahr schwankt der ETF um diesen Betrag. In Krisenjahren wie 2008 oder 2020 waren Einbrüche von 30 bis 50 % möglich. Wer das nicht aushält, sollte seinen Aktienanteil reduzieren – nicht den ETF wechseln.
Fondsvolumen der größten FTSE All-World ETFs (in Mio. USD)
Der Zinseszinseffekt ist bei langen Anlagehorizonten enorm. Wer 10.000 Euro bei 7 % p.a. anlegt, hat nach 30 Jahren rund 76.000 Euro – ohne einen einzigen weiteren Cent einzuzahlen. Bei 12 % p.a. wären es sogar knapp 300.000 Euro. Deshalb ist der Einstiegszeitpunkt langfristig weniger wichtig als die Frage, ob du überhaupt anfängst.
Ein wichtiger Hinweis: Vergangenheitsrenditen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Die letzten zehn Jahre waren außergewöhnlich gut. Plane mit realistischen 5 bis 7 % pro Jahr – und freue dich, wenn es mehr wird.
💡 Tip
Nutze die thesaurierende Variante für den Vermögensaufbau. Dividenden werden automatisch reinvestiert – du profitierst vom Zinseszins, ohne selbst aktiv werden zu müssen.
Steuern in Deutschland: Vorabpauschale, Abgeltungssteuer & Teilfreistellung
Steuern sind bei ETFs kein Hexenwerk – aber ein paar Details solltest du kennen, damit du keine bösen Überraschungen erlebst. Hier die wichtigsten Punkte für deutsche Anleger.
Alle FTSE All-World ETFs sind Aktienfonds im steuerlichen Sinne. Das bedeutet: Du profitierst von der 30-prozentigen Teilfreistellung. Konkret heißt das: Nur 70 % deiner Kapitalerträge aus diesen ETFs unterliegen der Abgeltungssteuer von 25 % (plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer). Das reduziert die effektive Steuerbelastung auf rund 18,5 % statt 26,4 %.
Bei thesaurierenden ETFs gibt es die Vorabpauschale. Das ist ein jährlich fälliger fiktiver Mindestkapitalertrag, der den Steuerstundungseffekt begrenzt. Die Vorabpauschale wird nur fällig, wenn zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind: Der ETF muss im Wert gestiegen sein, und der Basiszins der Deutschen Bundesbank muss größer als null sein. Deine Depotbank zieht die Steuer automatisch vom Verrechnungskonto ab – du musst nichts selbst berechnen.
Bei ausschüttenden ETFs fällt die Vorabpauschale in der Regel weg, wenn die Ausschüttungen den Basisertrag übersteigen. Stattdessen zahlst du sofort Abgeltungssteuer auf die Ausschüttungen. Langfristig ist die Gesamtsteuerbelastung bei beiden Varianten weitgehend gleich – der Unterschied liegt im Timing.
Nutze deinen Sparerpauschbetrag: Alleinstehende können 1.000 Euro Kapitalerträge pro Jahr steuerfrei vereinnahmen, Verheiratete 2.000 Euro. Stelle deiner Depotbank einen Freistellungsauftrag aus – sonst behält sie die Steuer automatisch ein, auch wenn du unter dem Freibetrag liegst.
Für das Altersvorsorgedepot (AVD) empfehlen sich thesaurierende ETFs. Der Zinseszinseffekt wirkt stärker, wenn Dividenden automatisch reinvestiert werden. Außerdem sparst du dir die manuelle Wiederanlage von Ausschüttungen.
Ein letzter Punkt: Alle großen FTSE All-World ETFs sind in Irland domiziliert. Das ist steuerlich günstig, weil Irland mit den USA ein Doppelbesteuerungsabkommen hat. Irisch domizilierte ETFs zahlen auf US-Dividenden nur 15 % Quellensteuer statt 30 %. Diese 15 % können deutsche Anleger auf ihre Abgeltungssteuer anrechnen. Das verbessert die Nettorendite gegenüber in Deutschland oder Luxemburg domizilierten Fonds spürbar.
Sparplan & Praxis: So startest du mit dem FTSE All-World ETF
Der FTSE All-World ETF ist einer der sparplanfähigsten ETFs in Deutschland. Praktisch jeder relevante Broker bietet ihn an – und die Einstiegshürden sind extrem niedrig.
Bei Trade Republic, Scalable Capital und der ING kannst du bereits ab 1 Euro monatlich einen Sparplan einrichten. Das ist keine Marketingaussage, sondern Realität: Ein Sparplan über 25 Euro pro Monat reicht aus, um langfristig ein relevantes Vermögen aufzubauen. Bei anderen Direktbanken liegt die Mindest-Sparrate bei 10, 25 oder 50 Euro – immer noch sehr zugänglich.
| Broker | Mindest-Sparrate |
|---|---|
| Trade Republic | ab 1 € |
| Scalable Capital | ab 1 € |
| ING | ab 1 € |
| Andere Direktbanken | ab 10 €, 25 € oder 50 € |
Welchen ETF nimmst du für den Sparplan? Das hängt davon ab, was dein Broker anbietet und welche Konditionen gelten. Viele Broker bieten den Vanguard FTSE All-World (Acc) oder (Dist) kostenlos im Sparplan an. Invesco und Xtrackers sind ebenfalls häufig vertreten. Vergleiche die Sparplan-Konditionen deines Brokers – manchmal ist ein ETF mit 0,19 % TER im Sparplan kostenlos, während ein ETF mit 0,07 % TER Ordergebühren kostet. Das kann die Kostenbilanz umkehren.
Thesaurierend oder ausschüttend für den Sparplan? Für den reinen Vermögensaufbau empfiehlt sich die thesaurierende Variante. Dividenden werden automatisch reinvestiert, der Zinseszins wirkt ohne Unterbrechung. Wer hingegen ein passives Einkommen aufbauen oder den Sparerpauschbetrag jährlich ausschöpfen möchte, greift zur ausschüttenden Variante.
Ein häufiger Fehler beim Einstieg: zu viel nachdenken, zu wenig handeln. Der beste ETF ist der, den du tatsächlich kaufst und hältst. Ob du mit dem Vanguard (0,19 % TER) oder dem Xtrackers (0,07 % TER) startest, macht bei einer monatlichen Sparrate von 100 Euro im ersten Jahr weniger als 1,20 Euro Unterschied. Viel wichtiger ist die Regelmäßigkeit und der lange Anlagehorizont.
Für Einmalanlagen gilt: Kaufe in einer oder wenigen Tranchen, wenn du einen größeren Betrag anlegen möchtest. Das sogenannte Cost-Averaging – also der Kauf in vielen kleinen Tranchen über Zeit – reduziert das Timing-Risiko, kostet aber auch Rendite, wenn der Markt steigt. Studien zeigen, dass Einmalanlagen statistisch besser abschneiden als gestreckte Käufe – aber psychologisch ist der gestreckte Kauf für viele einfacher durchzuhalten.
Zum Abschluss: Der FTSE All-World ETF ist kein Geheimtipp, sondern eine bewährte, von Finanzexperten breit empfohlene Grundlage für den langfristigen Vermögensaufbau. Er ist günstig, breit diversifiziert, einfach zu besparen und für Anleger mit einem Horizont von mehr als zehn Jahren eine der sinnvollsten Optionen überhaupt.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen FTSE All-World und MSCI World?
Der MSCI World enthält nur Industrieländer – 23 Länder, rund 1.300 bis 1.600 Aktien, kein Schwellenländer-Exposure. Der FTSE All-World deckt zusätzlich Schwellenländer ab: rund 4.000 Aktien aus 49 bis 50 Ländern. Der USA-Anteil ist beim MSCI World mit rund 72 % höher als beim FTSE All-World mit rund 60 %.
Welcher FTSE All-World ETF ist der günstigste?
Der Xtrackers FTSE All-World UCITS ETF 1C hat mit 0,07 % TER pro Jahr die niedrigste Gesamtkostenquote. Danach folgen iShares mit 0,12 %, Invesco mit 0,15 % und Vanguard mit 0,19 %. Für ein vollständiges Kostenbild sollte zusätzlich die Tracking Difference herangezogen werden.
Wie hoch war die Rendite des FTSE All-World ETF in den letzten 10 Jahren?
Der Vanguard FTSE All-World (Dist) erzielte in den letzten 10 Jahren +219,62 %, was rund 12,32 % pro Jahr entspricht (Stand 12.06.2026). Langfristig seit 1970 liegt die historische Durchschnittsrendite bei rund 7 % pro Jahr nominell und rund 5 % real nach Inflation.
Was ist die Vorabpauschale und betrifft sie FTSE All-World ETFs?
Ja, thesaurierende FTSE All-World ETFs unterliegen der Vorabpauschale. Sie ist ein jährlicher fiktiver Mindestkapitalertrag, der nur fällig wird, wenn der ETF im Wert gestiegen ist und der Basiszins größer als null ist. Die Depotbank zieht die Abgeltungssteuer automatisch vom Verrechnungskonto ab.
Ist der FTSE All-World ETF eine gute 1-ETF-Lösung für die Altersvorsorge?
Ja. Der FTSE All-World ETF deckt Industrie- und Schwellenländer ab, kein Rebalancing ist nötig, und die Kosten sind mit 0,07 bis 0,19 % TER sehr niedrig. Für Anlagehorizonte über zehn Jahre gilt er als eine der sinnvollsten Basisinvestitionen für den langfristigen Vermögensaufbau.
Ab welchem Betrag kann ich einen FTSE All-World Sparplan starten?
Bei Trade Republic, Scalable Capital und der ING ist ein Sparplan bereits ab 1 Euro monatlich möglich. Bei anderen Direktbanken liegt die Mindest-Sparrate bei 10, 25 oder 50 Euro. Der FTSE All-World ETF gehört zu den am weitesten verbreiteten Sparplan-ETFs in Deutschland.
















