Themen in diesem Artikel:
- eWpG-Grundlagen: Seit 2021 gibt es Wertpapiere ohne Papierurkunde.
- Zwei Registerarten: Zentralregister und Kryptowertpapier im Vergleich.
- BaFin-Aufsicht: Öffentliche Liste aller Kryptowertpapiere.
- EU-DLT-Pilot: Schwellenwerte von 500 Mio. bis 9 Mrd. Euro.
- Bundesbank und EZB: Trigger-Lösung und Tests mit 64 Teilnehmern.
- Bedeutung für dich: Was Tokenisierung für Anleger heute heißt.
eWpG: Deutschland schafft 2021 die Papierurkunde ab
Das Gesetz über elektronische Wertpapiere (eWpG) ist am 10. Juni 2021 in Kraft getreten und hat eine über hundert Jahre alte Grundregel des deutschen Wertpapierrechts beendet: den Zwang zur Papierurkunde. Seitdem kann eine Schuldverschreibung rechtswirksam entstehen, indem sie in ein elektronisches Register eingetragen wird — ganz ohne physisches Dokument in einem Tresor.
Damit gehört Deutschland zu den ersten großen Volkswirtschaften, die der Blockchain-Technologie einen klaren zivilrechtlichen Rahmen für Wertpapiere gegeben haben. Nach § 2 eWpG wird ein elektronisches Wertpapier begeben, indem der Emittent statt einer Urkunde eine Eintragung in ein elektronisches Wertpapierregister vornehmen lässt. Die Eintragung ersetzt die Urkunde vollständig — mit denselben Rechtswirkungen.
Wichtig für die Einordnung: Das eWpG ist ein Angebot, kein Zwang. Emittenten können weiterhin klassische Urkunden nutzen. In der Praxis entscheiden sich aber immer mehr Emittenten für die elektronische Variante, weil sie Emissionsprozesse verkürzt und Zwischenschritte über mehrere Verwahrstellen reduziert.
Was das eWpG regelt — und was nicht
Das Gesetz erfasst zunächst Inhaberschuldverschreibungen, Pfandbriefe und bestimmte Fondsanteile. Mit dem Zukunftsfinanzierungsgesetz von Ende 2023 kam die elektronische Aktie hinzu — Namensaktien können seitdem ebenfalls elektronisch begeben werden, als Kryptoaktie sogar auf Blockchain-Basis. Deutschland hat den Anwendungsbereich also schrittweise ausgeweitet, statt alles auf einmal zu regeln.
Nicht unter das eWpG fallen frei geschöpfte Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether. Ein Kryptowertpapier ist ein reguliertes Wertpapier, das lediglich die Blockchain als Registertechnologie nutzt — es verbrieft echte Forderungen gegen einen Emittenten. Mehr zur Abgrenzung liest du in unserem Überblick zur MiCA-Regulierung, denn: Wertpapiere fallen als Finanzinstrumente ausdrücklich nicht unter MiCA, sondern unter das klassische Kapitalmarktrecht.
Die Meilensteine im Schnellüberblick
- Juni 2021: Das eWpG tritt in Kraft — elektronische Schuldverschreibungen werden möglich, noch im selben Jahr folgen die ersten Kryptowertpapier-Emissionen.
- März 2023: Das EU-DLT-Pilotregime wird anwendbar und öffnet Handel und Abwicklung auf Blockchain-Basis für ganz Europa.
- Dezember 2023: Das Zukunftsfinanzierungsgesetz bringt die elektronische Aktie ins deutsche Recht.
- 2024: Das Eurosystem testet mit 64 Teilnehmern die Abwicklung von DLT-Transaktionen in echtem Zentralbankgeld.
- Juli 2025: Die EZB kündigt mit Pontes und Appia den dauerhaften Ausbau der DLT-Abwicklung an.
Zentralregisterwertpapier vs. Kryptowertpapier: Die zwei Wege
Das eWpG kennt zwei Registerarten — und damit zwei sehr unterschiedliche Wege zum elektronischen Wertpapier. Das Zentralregisterwertpapier (geregelt in den §§ 12 ff. eWpG) wird in ein zentrales Register eingetragen, das eine Wertpapiersammelbank oder ein vom Emittenten benannter Verwahrer führt. Es ist die konservative Variante: bekannte Infrastruktur, nur eben ohne Papier.
Das Kryptowertpapier (§§ 16 ff. eWpG) geht weiter. Sein Register wird auf einem fälschungssicheren dezentralen Aufzeichnungssystem geführt — in der Praxis einer Blockchain oder einer vergleichbaren Distributed-Ledger-Technologie (DLT). Hier braucht es keine zentrale Verwahrkette; die Registerführung übernimmt ein spezialisierter Kryptowertpapierregisterführer mit BaFin-Erlaubnis.
| Merkmal | Zentralregisterwertpapier | Kryptowertpapier |
|---|---|---|
| Rechtsgrundlage | §§ 12 ff. eWpG | §§ 16 ff. eWpG |
| Registertechnologie | Zentrales elektronisches Register | Dezentrales Aufzeichnungssystem (DLT/Blockchain) |
| Registerführer | Wertpapiersammelbank oder benannter Verwahrer | Kryptowertpapierregisterführer mit BaFin-Erlaubnis |
| Aufsicht | BaFin (Registerführung als Aufsichtsobjekt) | BaFin; Registerführung ist erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung |
| Transparenz | Registerauszug beim Registerführer | Öffentliche BaFin-Liste nach § 20 eWpG |
| Typische Nutzung | Großvolumige Anleihen etablierter Emittenten | Tokenisierte Anleihen, innovative Emissionsformate |
Beide Formen sind rechtlich vollwertige Wertpapiere. Der Unterschied liegt in der Infrastruktur dahinter — und genau diese Wahlfreiheit gilt international als Stärke des deutschen Modells: Der Gesetzgeber hat nicht auf eine Technologie gewettet, sondern einen technologieneutralen Rahmen gebaut.
📌 Good to know
Ein Kryptowertpapier ist kein Coin. Es verbrieft eine echte Forderung gegen einen Emittenten — etwa Zins und Rückzahlung einer Anleihe. Die Blockchain ersetzt nur das Register, nicht das Wertpapierrecht: Prospektpflichten und Marktmissbrauchsregeln gelten unverändert.
BaFin-Aufsicht: Die öffentliche Kryptowertpapierliste
Bei Kryptowertpapieren sorgt der Staat für Transparenz per Gesetz. Nach § 20 eWpG muss jede Eintragung eines Kryptowertpapiers der BaFin gemeldet und im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Die BaFin führt zusätzlich eine öffentliche, fortlaufend aktualisierte Kryptowertpapierliste auf ihrer Website — jeder kann dort nachsehen, welche Kryptowertpapiere in Deutschland begeben wurden und wer das jeweilige Register führt.
Die Liste erfasst zwei Vorgangsarten: Neueintragungen von Kryptowertpapieren in ein Kryptowertpapierregister sowie Änderungen an bereits gemeldeten Angaben. Seit dem Start 2021 ist die Liste kontinuierlich gewachsen — von den ersten Pilot-Emissionen junger Fintechs bis zu Anleihen etablierter Großemittenten. Ein Meilenstein: Bereits im Februar 2023 begab mit Siemens erstmals ein DAX-Konzern eine Anleihe über 60 Mio. Euro als Kryptowertpapier nach eWpG.
Registerführung nur mit Lizenz
Wer ein Kryptowertpapierregister führen will, braucht eine Erlaubnis: Die Kryptowertpapierregisterführung ist als Finanzdienstleistung im Kreditwesengesetz (KWG) verankert und damit voll erlaubnispflichtig. Der Registerführer haftet für die ordnungsgemäße Führung des Registers und muss unter anderem Anforderungen an IT-Sicherheit, Organisation und Geschäftsleitung erfüllen.
Das ist der entscheidende Unterschied zu unregulierten Token-Projekten: Hinter jedem deutschen Kryptowertpapier steht ein beaufsichtigtes Institut, das für die Richtigkeit des Registers verantwortlich ist. Regulierung wirkt hier als Anlegerschutz — die Technologie darf neu sein, die Verantwortlichkeiten bleiben klar.
Die BaFin veröffentlicht zudem, welche Institute als Kryptowertpapierregisterführer zugelassen sind. Für dich als Leser der Liste bedeutet das doppelte Transparenz: Du siehst sowohl die Emission selbst als auch das verantwortliche, beaufsichtigte Institut dahinter. Ein solches öffentliches Register für blockchainbasierte Wertpapiere führen bislang nur wenige Länder — auch das gehört zur deutschen Vorreiterrolle.
💡 Tip
Du willst prüfen, ob ein angebotenes Token-Wertpapier echt ist? Die Kryptowertpapierliste der BaFin ist öffentlich und kostenlos als Excel-Datei abrufbar. Steht die Emission dort nicht drin, obwohl sie als deutsches Kryptowertpapier beworben wird, ist Vorsicht angebracht.
EU-DLT-Pilotregime: Die Schwellenwerte im Überblick
Parallel zum deutschen eWpG hat die EU mit der Verordnung (EU) 2022/858 ein eigenes Experimentierfeld geschaffen: das DLT-Pilotregime, anwendbar seit dem 23. März 2023. Es erlaubt Marktinfrastrukturen — also Handelsplätzen und Abwicklungssystemen — den Betrieb auf DLT-Basis mit gezielten Ausnahmen von bestehenden EU-Regeln. Damit Handel und Abwicklung erstmals auf einer einzigen Plattform zusammenlaufen können, was klassisch strikt getrennt ist.
Damit das Experiment beherrschbar bleibt, hat die EU klare Obergrenzen definiert. Nur kleinere Instrumente dürfen auf DLT-Marktinfrastrukturen zugelassen werden, und für das Gesamtvolumen pro Infrastruktur gelten harte Deckel:
| Schwellenwert | Grenze | Bedeutung |
|---|---|---|
| Aktien | < 500 Mio. Euro Marktkapitalisierung | Nur Aktien kleinerer Emittenten sind zugelassen |
| Anleihen | < 1 Mrd. Euro Emissionsvolumen | Obergrenze je Anleihe-Emission |
| Fondsanteile | < 500 Mio. Euro verwaltetes Vermögen | Grenze für zugelassene Fonds |
| Gesamtmarktwert (Stopp) | 6 Mrd. Euro | Ab hier darf die DLT-Infrastruktur keine neuen Instrumente aufnehmen |
| Gesamtmarktwert (Exit) | 9 Mrd. Euro | Übergangsstrategie zur Migration muss aktiviert werden |
| Genehmigungsdauer | Bis zu 6 Jahre | Maximale Laufzeit der Sondergenehmigungen |
EU-DLT-Pilotregime: Schwellenwerte je Infrastruktur
Die Sondergenehmigungen gelten für maximal sechs Jahre ab Erteilung. Nach drei Jahren berichtet die europäische Wertpapieraufsicht ESMA der EU-Kommission, ob das Regime fortgesetzt, ausgeweitet oder beendet wird; zusätzlich veröffentlicht die ESMA laufend Berichte über Entwicklungen und Risiken. Der Ansatz ist bewusst als Sandkasten mit Zaun gebaut: Innovation ja, aber mit definierten Volumengrenzen, damit Risiken für die Finanzstabilität begrenzt bleiben.
Warum das Pilotregime das eWpG ergänzt
Beide Regelwerke greifen ineinander, lösen aber unterschiedliche Probleme. Das eWpG regelt, wie ein Wertpapier elektronisch entsteht — das Pilotregime regelt, wo es gehandelt und abgewickelt werden darf. Ein deutsches Kryptowertpapier kann also nach eWpG begeben und anschließend auf einer DLT-Marktinfrastruktur unter dem EU-Regime gehandelt werden.
Für Deutschland ist diese Kombination ein Standortvorteil: Emittenten finden hier seit 2021 einen erprobten Rechtsrahmen für die Emission und seit 2023 einen europäischen Rahmen für Handel und Abwicklung. Genau diese Rechtssicherheit unterscheidet den regulierten Token-Markt vom unregulierten Krypto-Handel.
Bundesbank und EZB: Zentralbankgeld trifft Blockchain
Die größte offene Frage der Tokenisierung ist nicht die Wertpapierseite, sondern die Geldseite: Wie bezahlst du ein Blockchain-Wertpapier sicher in Zentralbankgeld? Die Deutsche Bundesbank hat dafür die Trigger-Lösung entwickelt — eine technische Brücke, die DLT-Plattformen mit dem Eurosystem-Zahlungssystem T2 verbindet. Die Transaktion auf der Blockchain löst automatisch die Zahlung über die klassischen Zentralbankkonten aus.
Eine erste Version entstand bereits 2021 gemeinsam mit der Deutschen Börse und der Finanzagentur des Bundes und wurde später an die neue T2-Generation angepasst. Der Vorteil: Banken brauchen keine separate Liquidität für DLT-Geschäfte, sondern nutzen ihre bestehenden Konten im Eurosystem weiter.
Die EZB-Explorationsphase 2024 in Zahlen
Von Mai bis November 2024 testete das Eurosystem in einer groß angelegten Explorationsphase drei Lösungen für DLT-Abwicklung in Zentralbankgeld: die Trigger-Lösung der Bundesbank, den TIPS-Hash-Link der Banca d'Italia und die Full-DLT-Lösung DL3S der Banque de France. Die Bilanz laut EZB:
- 64 Teilnehmer — Zentralbanken, Banken, Marktinfrastrukturen und DLT-Plattformbetreiber.
- Über 50 Trials und Experimente — teils mit echten Zahlungen in Produktivsystemen, teils in Testumgebungen.
- Rund 1,6 Mrd. Euro tatsächlich in Zentralbankgeld abgewickeltes Volumen.
Die Explorationsphase lief in zwei Wellen
Das Eurosystem hat die Tests nicht in einem Rutsch durchgezogen, sondern in zwei gestaffelten Wellen organisiert. Die erste Welle startete im Mai 2024, wer teilnehmen wollte, musste sich bis zum 31. Januar 2024 anmelden. Die zweite Welle kam ab Juli 2024 hinzu, hier lief die Anmeldefrist bis zum 30. April 2024. Beide Wellen endeten gemeinsam: Die Explorationsphase schloss planmäßig am 29. November 2024 ab. Dieser gestaffelte Aufbau war kein Zufall, sondern Methode — so konnten Erkenntnisse aus der ersten Runde direkt in die Vorbereitung der zweiten einfließen, statt alles auf einen einzigen Großversuch zu setzen. Für dich als Beobachter zeigt das, wie ernst die Zentralbanken die technische Reifeprüfung nehmen: Bevor Zentralbankgeld dauerhaft auf DLT-Plattformen fließt, wird jede Lösung mehrfach unter realen Bedingungen getestet.
Zu den echten Transaktionen zählte unter anderem eine Siemens-Anleihe über 300 Mio. Euro, die im September 2024 als Kryptowertpapier begeben und über die Trigger-Lösung in Zentralbankgeld abgewickelt wurde — Emission und Settlement am selben Tag. Auch die staatliche Förderbank KfW nutzte 2024 erstmals eine blockchainbasierte Anleihe. Deutschland stellte damit einen erheblichen Teil der produktiven Testfälle.
Im Juli 2025 zog die EZB die strategische Konsequenz und kündigte einen zweigleisigen Plan an: Pontes soll DLT-Plattformen kurzfristig mit der bestehenden TARGET-Infrastruktur verbinden, Appia entwickelt langfristig ein integriertes DLT-Ökosystem für den Großhandelszahlungsverkehr. Pontes adressiert damit die kurzfristigen Marktbedürfnisse, Appia die langfristige Vision — die EZB fährt also bewusst zweigleisig, um Innovation zu ermöglichen, ohne die bestehende Abwicklungsinfrastruktur zu gefährden. Die Abgrenzung zum digitalen Euro für Verbraucher ist dabei wichtig: Hier geht es um Zentralbankgeld für Banken und Kapitalmarkt, nicht um ein Zahlungsmittel für den Alltag. Und anders als bei einer einmaligen Testreihe ist der Schritt von Juli 2025 als dauerhafter Kurswechsel angelegt — aus dem Experiment wird schrittweise Regelbetrieb. Damit rückt der Moment näher, in dem tokenisierte Anleihen nicht mehr im Testlabor, sondern im laufenden Kapitalmarktalltag in echtem Zentralbankgeld abgewickelt werden.
In Zentralbankgeld abgewickelte Volumina (Auswahl)
📌 Good to know
Trigger-Lösung heißt die Bundesbank-Brücke, weil die Blockchain-Transaktion die Zahlung im klassischen System nur auslöst („triggert"). Das Geld selbst bleibt die ganze Zeit sicheres Zentralbankgeld auf T2-Konten — es wird kein neuer Coin geschaffen.
Was Tokenisierung für dich als Anleger bedeutet
Tokenisierte Wertpapiere sind heute noch überwiegend ein Geschäft zwischen Profis: Emittenten, Banken und institutionelle Investoren testen die Infrastruktur mit Anleihen im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich. Für Privatanleger ist der direkte Zugang zu Kryptowertpapieren bislang die Ausnahme — die Marktphase ist klar B2B-dominiert. Das ist bei Infrastruktur-Umbrüchen normal: Erst wird das Fundament gelegt, dann folgen die Produkte für die Breite.
Mittelfristig verspricht die Technologie handfeste Vorteile. Kürzere Abwicklungszeiten senken Gegenparteirisiken, weniger Intermediäre können Emissionskosten drücken, und kleinteiligere Stückelungen könnten den Zugang zu Anlageklassen erleichtern, die bisher institutionellen Investoren vorbehalten waren. Ob und wann diese Effekte bei dir ankommen, hängt vom Tempo der Marktdurchdringung ab — die regulatorischen Weichen sind gestellt.
Die Einordnung im Regulierungs-Puzzle
Für dein Verständnis der Krypto-Regulierung lohnt die klare Trennung der Ebenen. Kryptowertpapiere nach eWpG sind Finanzinstrumente und fallen unter das Kapitalmarktrecht — nicht unter die europäische Kryptoverordnung MiCA, die Coins, Utility Token und Stablecoins regelt. Wer beide Welten versteht, erkennt schnell, dass Deutschland und die EU einen abgestuften Rahmen gebaut haben: strenges Wertpapierrecht für tokenisierte Anlagen, MiCA für den Rest.
Deutschland hat sich mit dem eWpG von 2021, der elektronischen Aktie aus dem Zukunftsfinanzierungsgesetz und der aktiven Rolle der Bundesbank in den Eurosystem-Tests eine Vorreiterposition erarbeitet. Die nächsten Etappen sind absehbar: der ESMA-Bericht zum DLT-Pilotregime, der Ausbau von Pontes und Appia beim Eurosystem und ein wachsendes Angebot elektronischer Emissionen in der BaFin-Liste. Mehr Grundlagen zu Blockchain, Coins und Regulierung findest du laufend in unserem Krypto-Bereich.
💡 Tip
Du musst kein Kryptowertpapier kaufen, um von der Entwicklung zu profitieren. Schnellere Abwicklung und geringere Emissionskosten wirken langfristig auf den gesamten Kapitalmarkt — also auch auf ganz normale Anleihen und Fonds in deinem Depot.
Quellen und Methodik
Alle Zahlen und Rechtsgrundlagen stammen aus amtlichen Primärquellen: dem Gesetzestext des eWpG, der EU-Verordnung zum DLT-Pilotregime, der BaFin-Kryptowertpapierliste sowie Publikationen von Deutscher Bundesbank und EZB zur Explorationsphase 2024. Marktangaben zu einzelnen Emissionen beruhen auf den dokumentierten Eurosystem-Tests. Stand: Juli 2026.
- Bundesministerium der Justiz: Gesetz über elektronische Wertpapiere (eWpG) (2021)
- EUR-Lex: Verordnung (EU) 2022/858 über eine Pilotregelung für DLT-Marktinfrastrukturen (2022)
- BaFin: Liste der Kryptowertpapiere nach § 20 eWpG (fortlaufend aktualisiert)
- Deutsche Bundesbank: Die Trigger-Lösung — DLT-Abwicklung in Zentralbankgeld
- Europäische Zentralbank: Exploratory work on new technologies for wholesale central bank money settlement (2024)
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein elektronisches Wertpapier nach dem eWpG?
Ein elektronisches Wertpapier entsteht seit dem 10. Juni 2021 durch Eintragung in ein elektronisches Register statt durch eine Papierurkunde. Die Eintragung hat dieselbe Rechtswirkung wie die klassische Urkunde — inklusive aller Anlegerschutzregeln des Wertpapierrechts.
Worin unterscheiden sich Zentralregisterwertpapier und Kryptowertpapier?
Das Zentralregisterwertpapier wird in einem zentralen Register einer Wertpapiersammelbank geführt, das Kryptowertpapier auf einer Blockchain durch einen BaFin-lizenzierten Registerführer. Rechtlich sind beide vollwertige Wertpapiere — nur die Registertechnologie dahinter unterscheidet sich.
Fallen Kryptowertpapiere unter die MiCA-Verordnung?
Kryptowertpapiere sind Finanzinstrumente und damit ausdrücklich von MiCA ausgenommen. Für sie gilt das klassische Kapitalmarktrecht samt eWpG, Prospekt- und Marktmissbrauchsregeln. MiCA regelt dagegen Coins, Utility Token und Stablecoins ohne Wertpapiercharakter.
Welche Schwellenwerte gelten im EU-DLT-Pilotregime?
Zugelassen sind Aktien von Emittenten unter 500 Mio. Euro Marktkapitalisierung, Anleihen unter 1 Mrd. Euro und Fonds unter 500 Mio. Euro. Ab 6 Mrd. Euro Gesamtmarktwert darf eine DLT-Infrastruktur nichts Neues aufnehmen, ab 9 Mrd. Euro greift die Übergangsstrategie.
Kann ich als Privatanleger heute Kryptowertpapiere kaufen?
Der Markt ist derzeit überwiegend auf institutionelle Investoren ausgerichtet; direkte Angebote für Privatanleger sind noch selten. Mit wachsender Infrastruktur — etwa den Eurosystem-Projekten Pontes und Appia — dürfte der Zugang schrittweise breiter werden.



