Future-Kontrakt: Funktionsweise, Hebel und Anwendung 2026

Das Wichtigste in Kürze:

Ein Future-Kontrakt ist ein verbindlicher, börsengehandelter Terminkontrakt – beide Parteien müssen erfüllen, kein Rücktritt möglich. Du erfährst, wie das Margin-System und der Hebel funktionieren, was Mark-to-Market bedeutet, welche Erfüllungsarten es gibt und wann Futures zum Hedging oder zur Spekulation eingesetzt werden.

Future-Kontrakt

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Themen in diesem Artikel:

  • Was ist ein Future?: Verstehe den verbindlichen Terminkontrakt mit Erfüllungspflicht für beide Parteien und Standardisierung durch die Börse.
  • Margin & Mark-to-Market: Lerne, wie Initial Margin, Maintenance Margin und tägliche Abrechnung deinen Liquiditätsbedarf bestimmen.
  • Hebelwirkung und Risiken: Erfahre, wie ein Hebel von 20:1 bereits bei 5 % Kursbewegung zum Totalverlust der Margin führen kann.
  • Erfüllung und Fälligkeit: Überblick über physische Lieferung, Cash-Settlement und die häufigste Praxis der Glattstellung vor Verfall.
  • Future vs. Option vs. CFD: Vergleiche die drei Instrumente nach Verpflichtung, Kosten, Handelsplatz und Übernachtkosten.
  • Hedging, Spekulation, Arbitrage: Finde heraus, welche Branchen Futures zur Absicherung nutzen und wie Spekulation mit Long- und Short-Positionen funktioniert.

Was ist ein Future-Kontrakt? Definition und Grundprinzip

Ein Future-Kontrakt ist ein standardisierter, börsengehandelter Terminkontrakt, bei dem sich beide Vertragsparteien verbindlich verpflichten, einen festgelegten Basiswert zu einem heute vereinbarten Preis an einem bestimmten zukünftigen Datum zu kaufen oder zu liefern. Das Entscheidende: Es gibt kein Rücktrittsrecht. Wer einen Future kauft, geht eine Long-Position ein und muss abnehmen. Wer verkauft, geht Short und muss liefern – oder die Position rechtzeitig glattstellen.

Dieses Prinzip unterscheidet Futures grundlegend von Optionen. Bei einer Option kauft der Käufer ein Recht, keine Pflicht. Beim Future ist die Erfüllungspflicht für beide Seiten bindend – daher spricht man von einem unbedingten Termingeschäft.

Standardisierung: Warum du nichts verhandeln kannst

Die jeweilige Terminbörse legt alle wesentlichen Kontraktparameter exakt fest. Kontraktgröße, Basiswert, Qualitätsspezifikation und Fälligkeitstermin sind nicht frei verhandelbar. Ein WTI-Rohöl-Future umfasst immer genau 1.000 Barrel Öl einer definierten Qualität. Ein Weizen-Future deckt 5.000 Scheffel ab. Diese Standardisierung ist kein Nachteil – sie schafft Liquidität, weil alle Marktteilnehmer identische Kontrakte handeln.

Futures werden ausschließlich an regulierten Terminbörsen gehandelt: Die Eurex in Frankfurt ist die größte europäische Terminbörse, die CME Group in Chicago und die NYMEX sind die wichtigsten amerikanischen Handelsplätze. Das Clearinghouse der jeweiligen Börse tritt als zentrale Gegenpartei auf. Das bedeutet: Du handelst technisch gesehen nicht mit einem anderen Trader direkt, sondern immer mit dem Clearinghouse. Dadurch wird das Gegenparteirisiko – das Risiko, dass dein Handelspartner ausfällt – auf ein Minimum reduziert.

Preisbildung: Spot-Preis plus Haltekosten

Der Future-Preis ergibt sich nicht willkürlich. Er setzt sich zusammen aus dem aktuellen Kassapreis (Spot-Preis) des Basiswerts und den sogenannten Cost of Carry. Darunter fallen Lagerkosten, Finanzierungskosten und – je nach Basiswert – Dividenden oder Zinsen. Bei einem Rohstoff-Future kommen Lagerkosten hinzu, bei einem Aktienindex-Future werden erwartete Dividenden abgezogen. Liegt der Future-Preis über dem Spot-Preis, spricht man von Contango; liegt er darunter, von Backwardation.

Forward vs. Future: Der wichtigste Unterschied

Futures, die nicht an der Börse gehandelt werden, heißen Forwards. Ein Forward ist ein individuell ausgehandelter OTC-Kontrakt (Over the Counter) – nicht standardisiert, kein Börsenhandel, kein Clearinghouse. Das macht Forwards flexibler, aber auch riskanter: Das Gegenparteirisiko liegt direkt bei den Vertragspartnern. Unternehmen nutzen Forwards häufig für maßgeschneiderte Absicherungen, etwa bei Währungsrisiken mit exakten Beträgen und Terminen, die kein standardisierter Future abdecken würde.

📌 Good to know

Der Begriff „Future“ bezieht sich immer auf börsengehandelte, standardisierte Kontrakte. Sobald du individuell verhandelst und außerbörslich handelst, sprichst du von einem Forward – trotz ähnlicher Grundstruktur ein anderes Instrument mit anderem Risikoprofil.

Margin-System und Mark-to-Market: So funktioniert die tägliche Abrechnung

Das Margin-System ist das Herzstück des Future-Handels. Du hinterlegst nicht den vollen Kontraktwert, sondern nur eine Sicherheitsleistung – die Margin. Damit kontrollierst du eine deutlich größere Position, als du tatsächlich einzahlst. Gleichzeitig bedeutet das: Verluste können schnell die gesamte Margin aufzehren.

Die vier Margin-Typen im Detail

Die Initial Margin (Einschuss-Margin) ist die Sicherheitsleistung, die du bei Positionseröffnung hinterlegst. Sie wird von der Terminbörse festgelegt und richtet sich nach der Volatilität des Basiswerts. Je höher die Schwankungsbreite, desto höher die Anforderung. Typische Initial-Margin-Anforderungen liegen zwischen 2 % und 12 % des Kontraktwerts – manche Quellen nennen auch 6 % bis 15 % für volatile Märkte.

Die Maintenance Margin (Haltungs-Margin) ist die Mindestgrenze, die dein Kontoguthaben nicht unterschreiten darf. Fällt es darunter, erhältst du einen Margin Call – eine Aufforderung zur sofortigen Nachzahlung. Reagierst du nicht rechtzeitig, kann der Broker deine Position zwangsweise schließen.

Die Variation Margin ist das Ergebnis der täglichen Mark-to-Market-Bewertung. Jeden Handelstag wird deine Position zum offiziellen Settlementpreis bewertet. Hast du Gewinn gemacht, wird er gutgeschrieben. Hast du Verlust gemacht, wird er abgebucht. Das erzeugt einen täglichen Liquiditätsbedarf, den viele Einsteiger unterschätzen.

Die Daytrading Margin ist eine reduzierte Sicherheitsleistung für Positionen, die innerhalb eines Handelstages eröffnet und wieder geschlossen werden. Sie kann deutlich niedriger sein als die Maintenance Margin – beim Micro E-Mini S&P 500 beispielsweise nur 40 USD gegenüber 1.674 USD Maintenance Margin.

Margin-Anforderungen konkreter Kontrakte

Die folgende Tabelle zeigt reale Margin-Anforderungen für ausgewählte Futures-Kontrakte:

Kontrakt Symbol Börse Maintenance Margin (USD) Daytrading Margin (USD)
Micro E-Mini S&P 500 MES CME 1.674 40
EURO STOXX 50 FESX Eurex 3.635 250
Euro FX 6E CME 2.530 632,50
Rohöl (WTI) CL NYMEX/CME 6.607 1.651,75

Besonders auffällig: Der WTI-Rohöl-Future verlangt mit 6.607 USD die höchste Maintenance Margin – ein Spiegelbild der hohen Volatilität im Energiemarkt. Der MES hingegen ist mit 1.674 USD deutlich zugänglicher für Privatanleger.

Kein Übernachtfinanzierungskostenproblem

Ein oft übersehener Vorteil von Futures gegenüber CFDs: Futures verursachen keine Übernachtfinanzierungskosten. Bei CFDs fallen für jede über Nacht gehaltene Position Finanzierungskosten an, die bei längeren Haltedauern erheblich werden können. Futures haben diese Kostenkomponente nicht – die Cost of Carry sind bereits im Future-Preis eingepreist.

Hebelwirkung bei Futures: Chancen und Verlustrisiken konkret

Der Hebel ist das mächtigste und gefährlichste Merkmal von Futures. Die Formel ist simpel: Hebel = Kontraktwert ÷ hinterlegte Margin. Bei einer Margin von 5 % des Kontraktwerts ergibt sich ein Hebel von 20:1. Das bedeutet: Du kontrollierst eine Position, die 20-mal so groß ist wie dein eingesetztes Kapital.

Was der Hebel konkret bedeutet

Gewinne und Verluste berechnen sich immer auf den vollen Kontraktwert – nicht auf die hinterlegte Margin. Bewegt sich der DAX-Future (FDAX) bei einem Kontraktwert von 350.000 EUR um 1 % nach unten, verlierst du 3.500 EUR. Hast du nur 17.500 EUR Margin hinterlegt (5 %), entspricht das einem Verlust von 20 % deiner eingesetzten Sicherheitsleistung – durch eine einzige Prozent-Bewegung im Index.

Bei einem Hebel von 20:1 führt eine Preisbewegung von 5 % im Basiswert zu einem Verlust von 100 % der eingesetzten Margin. Das ist kein Extremszenario – der DAX schwankt an volatilen Tagen durchaus 3 % bis 5 % innerhalb weniger Stunden.

Hebelvergleich ausgewählter Kontrakte

Hebelfaktor ausgewählter Futures-Kontrakte bei 5 % Margin

Hebel (x:1) 100 200 300 625 20 FDAX (DAX 14.000) 20 Gold-Future (100.000 EUR) 20 S&P 500 E-Mini (200.000 USD) 625 MES Daytrading (40 USD Margin) Standard-Hebel (5 % Margin) Daytrading-Hebel (nur intraday)
Hinweis: Der MES-Daytrading-Hebel von 625:1 gilt ausschließlich für intraday geschlossene Positionen und ist kein typischer Anlegerhebel.

BaFin-Regelung: Nachschusspflicht für Kleinanleger abgeschafft

Seit dem 1. Januar 2023 hat die BaFin die Nachschusspflicht beim Future-Handel für Kleinanleger mit Wohnsitz in Deutschland de facto abgeschafft – sofern kein realwirtschaftlicher Absicherungszweck vorliegt. Das bedeutet: Dein maximaler Verlust als Privatanleger ist auf das eingesetzte Kapital begrenzt. Du kannst nicht mehr als deine hinterlegte Margin verlieren.

Für professionelle Anleger gilt das nicht. Sie unterliegen weiterhin uneingeschränkter Nachschusspflicht und können theoretisch mehr verlieren, als sie eingesetzt haben. Wer als professioneller Trader eingestuft wird, sollte sich dieser Konsequenz bewusst sein.

💡 Tip

Starte mit Micro-Futures wie dem MES, bevor du Standard-Kontrakte handelst. Die Kontraktgröße ist ein Zehntel des E-Mini S&P 500 – du lernst das Margin-System und die Hebelwirkung mit deutlich geringerem Kapitaleinsatz kennen.

Erfüllungsarten und Fälligkeiten: Was passiert am Ende der Laufzeit?

Jeder Future hat ein Verfallsdatum. Was dann passiert, hängt davon ab, wie du deine Position geführt hast und welche Erfüllungsart für den jeweiligen Kontrakt vorgesehen ist. Es gibt drei Wege: physische Lieferung, Barausgleich und Glattstellung.

Physische Lieferung: Wenn Öl wirklich geliefert wird

Bei Rohstoff-Futures ist die physische Lieferung die vertragliche Standarderfüllung. Wer einen WTI-Öl-Future bis zum Verfall hält, muss tatsächlich 1.000 Barrel Rohöl abnehmen oder liefern. Das klingt abstrakt, ist aber real – und war 2020 für viele Spekulanten ein böses Erwachen, als der Ölpreis kurzzeitig negativ wurde und Halter von Long-Positionen buchstäblich dafür bezahlten, Öl loszuwerden.

Auch Agrar-Futures wie Weizen (5.000 Scheffel pro Kontrakt) oder Mais sehen physische Lieferung vor. Für Privatanleger ist das in aller Regel unerwünscht – weshalb die Glattstellung vor Fälligkeit die entscheidende Disziplin ist.

Cash-Settlement: Barausgleich ohne Lieferung

Finanz-Futures auf Aktienindizes, Zinsen oder Währungen werden typischerweise per Cash-Settlement erfüllt. Am Verfallstag wird die Differenz zwischen dem vereinbarten Future-Preis und dem tatsächlichen Marktpreis in bar ausgeglichen. Beim DAX-Future (FDAX) oder dem E-Mini S&P 500 wird kein Index physisch geliefert – das wäre auch logistisch unmöglich. Stattdessen erhältst du den Gewinn oder zahlst den Verlust in bar.

Glattstellung: Der Normalfall für Trader

Die weitaus häufigste Praxis ist die Glattstellung vor Fälligkeit. Du schließt deine Position durch ein entgegengesetztes Geschäft: Wer Long ist, verkauft den gleichen Kontrakt. Wer Short ist, kauft ihn zurück. Das Clearinghouse hebt beide Positionen auf. Kein Basiswert wechselt den Besitzer, kein Barausgleich findet statt – nur der realisierte Gewinn oder Verlust wird verbucht. Professionelle Trader rollen ihre Positionen oft: Sie schließen den auslaufenden Kontrakt und eröffnen gleichzeitig den nächstfälligen.

Fälligkeitstermine und Liquidität

Futures verfallen meist quartalsweise: März, Juni, September und Dezember sind die klassischen Verfallsmonate. Manche Kontrakte – etwa Rohöl-Futures – haben monatliche Verfallstermine. Der nächstfällige Kontrakt (Front Month) weist in der Regel das höchste Handelsvolumen und die engsten Spreads auf. Je näher der Verfall rückt, desto mehr Liquidität konzentriert sich im Front Month.

Kontraktgrößen-Varianten: Standard, Mini, Micro

Nicht jeder Trader braucht einen Standard-Future. Die Terminbörsen bieten Varianten an:

  • Standard-Futures sind für institutionelle Anleger konzipiert. Der FDAX hat bei 14.000 Punkten einen Kontraktwert von 350.000 EUR.
  • Mini-Futures umfassen etwa 20 bis 25 % des Standardkontrakts. Der E-Mini S&P 500 (ES) hat bei 5.000 Punkten einen Kontraktwert von 250.000 USD.
  • Micro-Futures sind die kleinste Einheit. Der Micro E-Mini S&P 500 (MES) hat bei 5.000 Punkten einen Kontraktwert von nur 25.000 USD – ein Zehntel des E-Mini. Jeder Tick (0,25 Punkte) entspricht 1,25 USD.

Micro-Futures haben den Future-Handel für Privatanleger mit kleinerem Kapital zugänglich gemacht. Sie eignen sich auch hervorragend, um Strategien zu testen, bevor man auf größere Kontrakte wechselt.

Future vs. Option vs. CFD: Die wichtigsten Unterschiede im Vergleich

Futures, Optionen und CFDs sind alle Derivate – sie leiten ihren Wert von einem Basiswert ab. Trotzdem unterscheiden sie sich fundamental in Struktur, Kosten und Risikoprofil. Wer das falsche Instrument wählt, zahlt unnötige Kosten oder trägt Risiken, die er nicht einkalkuliert hat.

Future vs. Option: Pflicht gegen Recht

Der grundlegende Unterschied: Ein Future ist ein unbedingtes Termingeschäft – beide Parteien müssen erfüllen. Eine Option ist ein bedingtes Termingeschäft – der Käufer hat das Recht, aber nicht die Pflicht, den Basiswert zu kaufen oder zu verkaufen. Für dieses Recht zahlt er eine Optionsprämie.

Beim Future zahlt keine Seite eine Prämie. Beide Parteien hinterlegen Margin. Beim Optionskauf ist der maximale Verlust auf die gezahlte Prämie begrenzt – beim Future ist das Verlustpotenzial des Käufers theoretisch unbegrenzt (bis der Basiswert auf null fällt). Der Optionsverkäufer (Stillhalter) hingegen trägt unbegrenztes Risiko und muss Margin hinterlegen.

Future vs. CFD: Börse gegen OTC

CFDs (Contracts for Difference) sind außerbörsliche Produkte. Der Broker ist deine direkte Gegenpartei – er stellt den Kurs, nicht die Börse. Das schafft einen Interessenkonflikt, den Futures nicht haben: Beim Future ist der Börsenkurs transparent und für alle Marktteilnehmer gleich.

CFDs haben keine feste Laufzeit – du kannst sie theoretisch unbegrenzt halten. Dafür zahlst du Übernachtfinanzierungskosten (Swap-Gebühren), die bei längeren Haltedauern erheblich werden. Futures haben diese Kostenkomponente nicht. Für Positionen, die länger als wenige Tage gehalten werden, sind Futures deshalb oft kostengünstiger.

CFDs sind flexibel stückelbar – du kannst auch Bruchteile eines Kontrakts handeln. Futures sind standardisiert; du handelst immer ganze Kontrakte. Für kleinere Kapitalbeträge bieten Micro-Futures eine Lösung.

Direkter Vergleich: Future, Option und CFD

Merkmal Future Option CFD
Vertragstyp Unbedingtes Termingeschäft Bedingtes Termingeschäft Differenzkontrakt (OTC)
Verpflichtung Käufer Ja – Abnahmepflicht Nein – Recht, keine Pflicht Kein physischer Kauf
Optionsprämie Keine Käufer zahlt Prämie Keine
Handelsplatz Regulierte Terminbörse Terminbörse / OTC OTC (Broker)
Laufzeit Fester Verfallstermin Fester Verfallstermin Unbegrenzt (i. d. R.)
Übernachtkosten Keine Keine (Prämie einmalig) Ja (Finanzierungskosten)
Nachschusspflicht DE Kleinanleger Abgeschafft (seit 01.01.2023) Entfällt (Prämie = Max-Verlust) Ausgeschlossen (BaFin)
Typischer Hebel 5:1 bis 30:1 Variabel (durch Prämie) Bis 30:1 (reguliert)

Kosten im Überblick

Brokergebühren für Futures liegen typischerweise zwischen 1 USD und 10 USD pro Kontrakt – je nach Anbieter und Kontrakt. Das ist eine einmalige Gebühr pro Trade, keine laufende Kostenkomponente. Bei CFDs kommen Spread-Kosten und Overnight-Gebühren hinzu, die bei aktiven Tradern schnell die Brokergebühren eines Future-Handels übersteigen.

Anwendungsgebiete: Hedging, Spekulation und Arbitrage

Futures wurden ursprünglich nicht für Spekulanten erfunden, sondern für Produzenten und Abnehmer, die Preissicherheit brauchten. Heute nutzen sie drei Gruppen: Hedger, Spekulanten und Arbitrageure – jede mit einem anderen Ziel.

Hedging: Preisrisiken neutralisieren

Beim Hedging geht es darum, ein bestehendes Preisrisiko durch eine gegenläufige Future-Position zu neutralisieren. Das klassische Beispiel: Eine Airline verbraucht täglich tausende Tonnen Kerosin. Steigt der Ölpreis, explodieren die Betriebskosten. Die Lösung: Die Airline kauft Öl-Futures (Long-Position). Steigt der Ölpreis, verliert sie zwar mehr an der Zapfsäule, gewinnt aber auf der Future-Position. Das Preisrisiko ist abgesichert.

Ein Importeur, der in drei Monaten eine Zahlung in US-Dollar leisten muss, sichert sich über FX-Futures gegen einen steigenden Dollar-Kurs ab. Ein Anleiheportfolio-Manager, der steigende Zinsen fürchtet (die den Wert seiner Anleihen drücken), verkauft Euro-Bund-Futures (Short-Position). Fällt der Anleihekurs, steigt der Gewinn auf der Short-Position und kompensiert den Portfolioverlust.

Die Korrelation zwischen dem Euro-Bund-Future und Immobiliendarlehenszinsen über 10 Jahre liegt bei −0,982 – eine nahezu perfekte negative Korrelation. Das macht den Bund-Future zu einem präzisen Hedging-Instrument für zinsabhängige Portfolios, auch wenn die Korrelation über kürzere Zeiträume deutlich geringer ausfällt.

Hedging-Anwendungen nach Branche

Branche / Akteur Absicherungsziel Instrument
Airline Steigende Kerosin-/Ölpreise Öl-Futures (Long)
Importeur (Fremdwährung) Wechselkursrisiko FX-Futures
Immobilieninvestor Steigende Zinsen Bund-Future (Short)
Anleiheportfolio-Manager Zinsänderungsrisiko Euro-Bund-Future
Agrarunternehmen Fallende Weizenpreise Weizen-Futures (Short)

Spekulation: Gerichtete Wetten mit Hebel

Spekulanten nehmen bewusst Preisrisiken auf sich, die Hedger loswerden wollen. Sie stellen die Liquidität bereit, die den Markt funktionsfähig macht. Wer glaubt, der DAX steigt in den nächsten Wochen, kauft DAX-Futures (Long). Wer fallende Kurse erwartet, verkauft sie (Short). Durch den Hebel können auch kleine Kursbewegungen zu erheblichen Gewinnen – oder Verlusten – führen.

Das weltweite Handelsvolumen bei Rohstoff-Futures lag 2022 bei über 1,5 Milliarden Kontrakten – der größte Anteil entfiel auf Öl- und Gold-Futures. Diese Volumina wären ohne Spekulanten nicht möglich; sie sorgen für enge Spreads und hohe Liquidität, von der letztlich auch Hedger profitieren.

Arbitrage: Preisunterschiede ausnutzen

Arbitrageure suchen nach Preisunterschieden zwischen dem Kassa- und dem Terminmarkt. Wenn der Future-Preis zu stark vom theoretischen Wert (Spot-Preis plus Cost of Carry) abweicht, kaufen sie das günstigere Instrument und verkaufen das teurere – risikolos, zumindest in der Theorie. In der Praxis ist Arbitrage heute fast ausschließlich institutionellen Akteuren mit Hochfrequenzhandelssystemen vorbehalten. Preisabweichungen werden innerhalb von Millisekunden geschlossen.

Portfoliosteuerung: Der institutionelle Einsatz

Institutionelle Investoren nutzen Futures auch zur schnellen Portfoliosteuerung. Wer die Aktienquote eines Milliarden-Portfolios kurzfristig reduzieren will, verkauft Index-Futures – deutlich schneller und günstiger als der Verkauf tausender Einzelaktien. Nach der Anpassung werden die Futures wieder geschlossen. Diese Praxis nennt sich Overlay-Management und ist in der professionellen Vermögensverwaltung Standard.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Future-Kontrakt einfach erklärt?

Ein Future ist ein verbindlicher Börsenvertrag, einen Basiswert wie Öl, Gold oder einen Aktienindex zu einem heute festgelegten Preis an einem zukünftigen Datum zu kaufen oder zu verkaufen. Beide Parteien müssen erfüllen – es gibt kein Rücktrittsrecht.

Wie funktioniert der Hebel bei Futures?

Trader hinterlegen nur einen Bruchteil des Kontraktwerts als Margin. Gewinne und Verluste berechnen sich auf den vollen Kontraktwert. Formel: Hebel = Kontraktwert ÷ Margin. Bei 5 % Margin ergibt sich ein Hebel von 20:1 – eine 1-%-Bewegung verändert die Margin um 20 %.

Was ist der Unterschied zwischen Future und Option?

Ein Future verpflichtet beide Parteien zur Erfüllung (unbedingtes Termingeschäft). Eine Option gibt dem Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht, zu handeln. Der Optionskäufer zahlt eine Prämie; beim Future gibt es keine Prämie, aber Margin-Pflicht für beide Seiten.

Kann ich als Kleinanleger in Deutschland unbegrenzte Verluste erleiden?

Nein. Die BaFin hat seit dem 1. Januar 2023 die Nachschusspflicht für Kleinanleger beim Future-Handel abgeschafft, sofern kein realwirtschaftlicher Absicherungszweck vorliegt. Professionelle Anleger unterliegen weiterhin uneingeschränkter Nachschusspflicht.

Was ist Mark-to-Market bei Futures?

Futures-Positionen werden täglich zum Börsenschlusskurs bewertet. Tagesgewinne werden gutgeschrieben, Tagesverluste sofort abgebucht (Variation Margin). Das erzeugt einen täglichen Liquiditätsbedarf und unterscheidet Futures von anderen Derivaten.

Was sind Micro-Futures und für wen eignen sie sich?

Micro-Futures wie der Micro E-Mini S&P 500 (MES) haben deutlich kleinere Kontraktgrößen – der MES entspricht einem Zehntel des E-Mini. Mit einer Maintenance Margin von 1.674 USD eignen sie sich für Privatanleger mit kleinerem Kapital oder zum Erlernen des Future-Handels.

Was ist der Unterschied zwischen Future und CFD?

Futures sind standardisierte Börsenprodukte mit festem Verfallstermin und ohne Übernachtkosten. CFDs sind flexible OTC-Produkte ohne feste Laufzeit, aber mit täglichen Finanzierungskosten. Futures bieten höhere Transparenz; CFDs erlauben flexiblere Positionsgrößen.


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