Im Juli 2024 verzeichnete Deutschland 2.373 Unternehmensinsolvenzen – der höchste Wert für einen Einzelmonat seit 13 Jahren. Dies entspricht einem Anstieg von 8,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der letzte vergleichbare Höchststand wurde im Juli 2013 mit 2.459 Fällen erreicht.
Zeitverzögerung bei der Erfassung
Zwischen Insolvenzantrag und offizieller Zählung liegt in der Regel ein Zeitraum von etwa drei Monaten. Die Gerichte müssen zunächst über die eingereichten Anträge entscheiden, bevor die Fälle in die amtliche Statistik des Statistischen Bundesamtes eingehen.
Aktuelle Entwicklung im dritten Quartal
Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) analysiert Insolvenzbekanntmachungen zeitnah und liefert schnellere Einblicke als die amtliche Statistik. Nach dieser Auswertung stieg die Zahl der Firmenpleiten auch im September weiter an. Im Gesamtvergleich lag das dritte Quartal jedoch 2,3 Prozent unter dem Niveau des zweiten Quartals. Steffen Müller vom IWH erwartet trotz des anhaltend hohen Niveaus einen möglichen Rückgang im vierten Quartal.
Kleinere Unternehmen stärker betroffen
Die Forderungen der Gläubiger sanken im Juli auf 21,9 Milliarden Euro, während sie im Vorjahresmonat noch 31,8 Milliarden Euro betragen hatten. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass zunehmend kleinere Unternehmen von Insolvenzen betroffen sind.
Branchenspezifische Insolvenzquoten
Im Zeitraum Januar bis Juli 2024 meldeten statistisch 43 von 10.000 Unternehmen Insolvenz an. Besonders stark betroffen waren folgende Branchen:
- Verkehr und Lagerei: 86 Fälle pro 10.000 Betriebe
- Gastgewerbe: 70 Fälle pro 10.000 Betriebe
