VIX: Der Angstindex des US-Aktienmarktes einfach erklärt

Das Wichtigste in Kürze:

Der VIX ist der bekannteste Stimmungsindikator der Finanzmärkte. Er misst, wie stark der S&P 500 in den nächsten 30 Tagen schwanken könnte – und steigt in Krisenzeiten auf extreme Werte. Hier erfährst du, wie der Angstindex berechnet wird, was seine Werte bedeuten und wie du ihn als Anleger richtig einordnest.

VIX Index

Artikel anhören
0:00

-0:00



Themen in diesem Artikel:

  • VIX – Definition & Grundlagen: Erfahre, was der CBOE Volatility Index misst und warum er seit 1993 als wichtigstes Angstbarometer gilt.
  • Berechnung & Methodik: Verstehe, wie Out-of-the-money-Optionen und lineare Interpolation den VIX-Wert alle 15 Sekunden erzeugen.
  • VIX-Werte richtig lesen: Überblick über die vier Marktstimmungs-Zonen von unter 20 bis über 40 Punkten mit konkreten Beispielen.
  • Historische Höchststände: Vergleich der Extremwerte aus der Finanzkrise 2008 (89,53 Punkte) und dem Corona-Crash 2020 (85,47 Punkte).
  • VIX und S&P 500: Verstehe die inverse Korrelation und warum hohe VIX-Werte historisch oft Kaufgelegenheiten markierten.
  • In den VIX investieren: Überblick über ETFs, ETNs und Futures – inklusive Kosten zwischen 0,85 % und 1,35 % p. a.
  • Missverständnisse & Grenzen: Finde heraus, welche typischen Fehler Anleger beim Umgang mit dem VIX machen.

Was ist der VIX? Definition und Grundlagen

Der VIX ist der wichtigste Stimmungsindikator der US-Finanzmärkte. Hinter dem Kürzel steckt der CBOE Volatility Index, berechnet und in Echtzeit veröffentlicht von der Chicago Board Options Exchange. Er misst, welche Schwankungsbreite der Markt für den S&P 500 in den kommenden 30 Tagen erwartet – ausgedrückt als annualisierte Prozentzahl.

Ein VIX-Wert von 20 bedeutet konkret: Der Markt erwartet, dass der S&P 500 in den nächsten zwölf Monaten um rund 20 % schwanken könnte. Für einen einzelnen Monat entspricht das grob 20 % ÷ √12 ≈ 5,8 % erwarteter Schwankung. Das klingt abstrakt, hat aber sehr praktische Konsequenzen für jeden Anleger.

Eingeführt wurde der VIX 1993. Seitdem hat er sich zum meistbeachteten Barometer für die Nervosität an den US-Aktienmärkten entwickelt. Sein Spitzname lautet „Angstindex“ oder „Angstbarometer“ – und der ist treffend gewählt. In ruhigen Börsenphasen dümpelt der VIX zwischen 10 und 20 Punkten. Sobald Unsicherheit aufkommt, schießt er nach oben.

Wichtig zu verstehen: Der VIX ist ein zukunftsorientierter Indikator. Er misst keine vergangenen Schwankungen, sondern die Erwartungen des Marktes. Diese Erwartungen werden direkt aus den Preisen von Optionen auf den S&P 500 abgeleitet – dazu gleich mehr. Die CBOE aktualisiert den Wert alle 15 Sekunden in Echtzeit während der Handelszeiten, sodass er nahezu live auf Marktereignisse reagiert.

Der Mechanismus dahinter ist intuitiv: Wenn Anleger mit Kursrückgängen rechnen, kaufen sie verstärkt Put-Optionen zur Absicherung. Die erhöhte Nachfrage treibt die Optionspreise in die Höhe. Höhere Optionspreise bedeuten höhere implizite Volatilität – und damit einen höheren VIX. Das Angstbarometer steigt also nicht, weil jemand einen Knopf drückt, sondern weil Millionen von Marktteilnehmern gleichzeitig ihr Verhalten ändern.

Technisch gesehen misst der VIX ausschließlich die Volatilität des S&P 500. In der Praxis gilt er aber als Indikator für die Stimmung des gesamten US-Aktienmarktes – weil der S&P 500 mit seinen 500 größten börsennotierten US-Unternehmen als das Barometer für die Gesundheit der amerikanischen Wirtschaft schlechthin gilt. Was den S&P 500 bewegt, bewegt in der Regel auch den Rest.

📌 Good to know

Der VIX gibt keine Auskunft darüber, wohin sich der Markt bewegt – nur darüber, wie stark er sich bewegen könnte. Ein VIX von 35 kann sowohl einen Crash als auch eine starke Erholung ankündigen.

Wie wird der VIX berechnet? Methodik und Datengrundlage

Die Berechnung des VIX ist methodisch präziser, als viele vermuten. Ein weit verbreiteter Irrtum lautet, der VIX basiere auf dem Black-Scholes-Optionspreismodell. Das stimmt nicht. Die CBOE leitet die Varianz direkt aus den Marktpreisen eines breiten Spektrums von Optionen ab – ohne die modellspezifischen Annahmen von Black-Scholes.

Als Datenbasis dienen ausschließlich Out-of-the-money (OTM) Put- und Call-Optionen auf den S&P 500 Index (Tickersymbol: SPX). OTM-Optionen werden bevorzugt, weil sie besonders sensibel auf Veränderungen der Marktstimmung reagieren. In-the-money-Optionen fließen nicht in die Berechnung ein.

Berücksichtigt werden Optionen mit Restlaufzeiten zwischen 23 und 37 Tagen. Durch lineare Interpolation zwischen diesen beiden Laufzeiten errechnet die CBOE eine exakt 30-tägige erwartete Volatilität. Das Ergebnis ist der VIX-Wert.

Optionen ohne Geldkurs – sogenannte „Zero-Bid Options“ – werden ausgeschlossen. Außerdem werden die Enden der Optionskette abgeschnitten: Sobald bei zwei aufeinanderfolgenden Strike-Preisen kein Geldkurs mehr vorhanden ist, stoppt die Berechnung auf dieser Seite. Das verhindert, dass illiquide Randoptionen das Ergebnis verzerren.

Die fünf vereinfachten Berechnungsschritte im Überblick:

  1. Optionsauswahl: SPX-Put- und Call-Optionen mit 23–37 Tagen Restlaufzeit werden selektiert.
  2. Varianzbeitrag je Option: Für jede einzelne OTM-Option wird ihr Beitrag zur Gesamtvarianz berechnet.
  3. Summierung: Die Einzelbeiträge werden zur Gesamtvarianz je Laufzeit addiert.
  4. Interpolation: Aus den beiden Laufzeiten wird per linearer Interpolation eine 30-Tages-Varianz abgeleitet.
  5. VIX-Wert: Die Quadratwurzel der 30-Tages-Varianz, multipliziert mit 100, ergibt den VIX.

Technisch fließen folgende Formelbestandteile ein: T (Restlaufzeit), R (risikofreier Zinssatz), Kᵢ (Strike-Preis der i-ten OTM-Option), Q(Kᵢ) (Preis dieser Option), ΔKᵢ (durchschnittlicher Abstand zwischen benachbarten Strike-Preisen), F (Forward Index Level) und K₀ (erster Strike-Preis unterhalb des Forward Index Levels).

Was das in der Praxis bedeutet: Der VIX ist kein Modell-Output, sondern ein marktbasiertes Aggregat. Er spiegelt direkt wider, was Marktteilnehmer bereit sind, für Absicherung zu bezahlen. Wenn die Nachfrage nach Absicherungsoptionen steigt, steigt der VIX – ohne Umwege über Modellannahmen. Das macht ihn robuster und näher an der tatsächlichen Marktstimmung als viele modellbasierte Volatilitätsmaße.

Die Aktualisierung alle 15 Sekunden sorgt dafür, dass der VIX auf Nachrichtenereignisse, Notenbankentscheidungen oder geopolitische Schocks nahezu in Echtzeit reagiert. Für aktive Marktteilnehmer ist er damit ein Echtzeit-Puls des Marktes.

VIX-Werte und ihre Bedeutung: So liest du den Angstindex richtig

Einen VIX-Wert zu lesen ist einfacher, als es zunächst scheint. Die entscheidende Faustregel: Je höher der VIX, desto größer die Unsicherheit – und desto mehr Anleger sichern sich gegen Kursbewegungen ab. Aber was genau bedeuten die einzelnen Niveaus?

In ruhigen Marktphasen bewegt sich der VIX typischerweise zwischen 10 und 25 Punkten. Werte unter 20 signalisieren eine stabile, entspannte Börsenlage mit geringem Absicherungsbedarf. Anleger sind optimistisch oder zumindest gelassen – niemand zahlt hohe Prämien für Schutz, den er nicht braucht.

Zwischen 20 und 30 Punkten wird es interessanter. Hier zeigt der Markt leichte Nervosität. Die Schwankungserwartung ist erhöht, aber noch kein Alarmsignal. Solche Phasen entstehen oft vor wichtigen Ereignissen: Notenbanksitzungen, Wahlen, Quartalszahlen großer Unternehmen.

Überschreitet der VIX die 30-Punkte-Marke, gilt das als Krisenindikator. Starke Unsicherheit dominiert den Markt. Anleger zahlen deutlich mehr für Absicherung. In der Praxis gehen solche Phasen häufig mit erhöhter Kursvolatilität in beide Richtungen einher – also nicht nur mit Kursrückgängen, sondern auch mit heftigen Erholungsrallyes.

Werte über 40 Punkte sind historisch sehr selten und markieren echte Extremsituationen: massive Marktangst, systemische Risiken, Panikverkäufe. Die beiden bekanntesten Beispiele sind die Finanzkrise 2008 und der Corona-Crash 2020 – dazu mehr im nächsten Abschnitt.

VIX-Werte und Marktstimmung im Überblick
VIX-Niveau (Punkte) Marktstimmung Bedeutung für Anleger
< 20 Ruhig, stabil Geringe Unsicherheit, niedriger Absicherungsbedarf
20 – 30 Moderat erhöht Leichte Nervosität, erhöhte Schwankungserwartung
> 30 Hoch – Krisenindikator Starke Unsicherheit, erhöhter Hedging-Bedarf
> 40 Extrem – Marktpanik Historisch seltene Extremsituationen, massive Angst

Ein praktisches Rechenbeispiel: Bei einem VIX von 20 erwartet der Markt eine annualisierte Schwankung von 20 %. Auf einen Monat heruntergebrochen ergibt das 20 % ÷ √12 ≈ 5,8 % monatliche Schwankungserwartung. Bei einem VIX von 40 wären es entsprechend rund 11,5 % pro Monat – doppelt so viel Unsicherheit.

Entscheidend: Ein hoher VIX bedeutet nicht automatisch fallende Kurse. Er signalisiert lediglich, dass Anleger mit größeren Marktbewegungen in beide Richtungen rechnen. Wer das vergisst und den VIX als reinen Crash-Indikator missversteht, trifft schlechtere Anlageentscheidungen.

Historische VIX-Höchststände: Finanzkrise 2008 vs. Corona-Crash 2020

Zwei Ereignisse dominieren die Geschichte des VIX wie keine anderen: die globale Finanzkrise 2008 und der Corona-Crash im März 2020. Beide Male erreichte der Angstindex Werte, die vorher und nachher kaum jemand für möglich gehalten hätte.

Am 24. Oktober 2008 – auf dem Höhepunkt der Lehman-Krise – erreichte der VIX intraday seinen historischen Höchststand von 89,53 Punkten. Der Schlusskurs an diesem Tag lag bei 80,86 Punkten. Zum Vergleich: In normalen Marktphasen liegt der VIX bei 15 bis 20 Punkten. Ein Wert von fast 90 bedeutet, dass der Markt mit einer annualisierten Schwankung von 90 % rechnete – ein Ausmaß an Unsicherheit, das schlicht beispiellos war.

Zwölf Jahre später, am 18. März 2020, wiederholte sich ein ähnliches Szenario. Der Corona-Crash trieb den VIX intraday auf 85,47 Punkte. Der Schlusskurs-Höchstwert wurde zwei Tage später, am 20. März 2020, mit 82,69 Punkten erreicht. Damit lagen die Schlusskurshochs beider Krisen nahezu gleichauf – 80,86 Punkte (2008) versus 82,69 Punkte (2020).

Interessant ist der Blick auf die jüngere Vergangenheit. Im Jahr 2024 bewegte sich der VIX in einem Jahresbereich von 11,86 bis 38,57 Punkten – kein Krisenereignis vergleichbarer Größe, aber ein kurzer Ausreißer im Sommer. Im Jahr 2025 stieg das Jahreshoch auf 52,33 Punkte – ein deutliches Signal erhöhter Marktspannungen, wenngleich weit entfernt von den Extremen 2008 und 2020. Im laufenden Jahr 2026 lag das bisherige Hoch (Stand 14. Juni) bei 31,05 Punkten, der Schlusskurs am 12. Juni 2026 bei 17,68 Punkten – eine deutliche Beruhigung.

Historische VIX-Höchststände im Vergleich: Intraday- und Schlusskurshochs

0 10 20 30 40 50 60 70 80 VIX-Punkte 89,53 2008 Intraday 80,86 2008 Schluss 85,47 2020 Intraday 82,69 2020 Schluss 52,33 2025 Jahreshoch 38,57 2024 Jahreshoch 31,05 2026 Jahreshoch
Historische VIX-Extremwerte im Vergleich. 2026: Stand 14. Juni 2026.

Was lässt sich aus diesen Daten ableiten? Eine bemerkenswerte Statistik: Nach großen VIX-Spitzen stieg der S&P 500 im darauffolgenden Jahr in 90,5 % der Fälle. Selbst nach moderateren VIX-Rückgängen lag die Aufwärtsquote noch bei 83 %. Das deutet darauf hin, dass extreme Angst an den Märkten historisch betrachtet oft Kaufgelegenheiten markiert hat – nicht das Ende der Welt.

Das bedeutet natürlich nicht, dass man blind kaufen sollte, wenn der VIX explodiert. Aber es zeigt, dass Panik selten ein guter Ratgeber ist – und dass der Angstindex langfristig orientierten Anlegern wertvolle Hinweise auf günstige Einstiegszeitpunkte liefern kann.

VIX und S&P 500: Die inverse Korrelation verstehen

Die Beziehung zwischen VIX und S&P 500 ist eine der bekanntesten Korrelationen der Finanzmärkte – und eine der wichtigsten, die du als Anleger verstehen solltest. Die Grundregel lautet: Steigt der S&P 500, fällt der VIX. Fällt der S&P 500, steigt der VIX. Diese inverse Korrelation ist empirisch gut belegt.

Der Mechanismus dahinter ist logisch: Wenn Anleger mit Kursrückgängen rechnen, kaufen sie verstärkt Put-Optionen, um ihre Portfolios abzusichern. Die erhöhte Nachfrage nach diesen Absicherungsinstrumenten treibt die Optionspreise in die Höhe. Höhere Optionspreise bedeuten höhere implizite Volatilität – und damit einen höheren VIX. Der Angstindex ist also im Kern ein Maß für den Absicherungsbedarf des Marktes.

Allerdings ist diese Korrelation nicht immer konsistent. Es gibt Phasen, in denen beide Indizes gleichzeitig steigen – etwa wenn der Markt zwar zulegt, aber gleichzeitig Unsicherheit über die Nachhaltigkeit des Aufschwungs besteht. Solche Situationen sind selten, aber sie erinnern daran, dass der VIX kein perfektes Spiegelbild des S&P 500 ist.

Ein zentraler Unterschied, den viele Anleger verwechseln: Der VIX misst implizite Volatilität – also die vom Markt erwartete zukünftige Schwankungsbreite. Das ist etwas grundlegend anderes als die realisierte (historische) Volatilität, die rückblickend misst, wie stark der Markt tatsächlich geschwankt hat. Der VIX schaut nach vorne, die realisierte Volatilität schaut zurück.

In der Praxis liegt die implizite Volatilität (VIX) häufig über der realisierten Volatilität. Das liegt daran, dass Anleger für Absicherung eine Prämie zahlen – ähnlich wie bei einer Versicherung. Diese sogenannte Volatilitätsrisikoprämie ist eine der stabilsten Anomalien der Finanzmärkte und erklärt, warum das Verkaufen von Volatilität langfristig eine profitable Strategie sein kann – allerdings mit erheblichen Risiken in Krisenzeiten.

Für langfristig orientierte Anleger ist die historische Renditestatistik besonders aufschlussreich: Nach großen VIX-Spitzen stieg der S&P 500 im Folgejahr in über 90 % der Fälle. Das macht extreme VIX-Werte zu einem potenziellen Kontraindikator – wer in der Panik kauft, hat historisch betrachtet gut abgeschnitten. Natürlich gilt das nicht für jeden Einzelfall, und die Vergangenheit garantiert keine Zukunft.

💡 Tip

Beobachte den VIX nicht isoliert, sondern im Kontext. Ein VIX von 25 in einem steigenden Markt hat eine andere Bedeutung als ein VIX von 25 nach einem 10-%-Kursrückgang. Der Trend des VIX ist oft aussagekräftiger als sein absoluter Wert.

Schließlich gilt: Der VIX misst technisch nur die Volatilität des S&P 500. In der Praxis aber gilt er als Stimmungsbarometer für den gesamten US-Aktienmarkt – und wegen der engen Verflechtung der globalen Finanzmärkte auch als Indikator für die Nervosität an internationalen Börsen. Was den VIX bewegt, bewegt in der Regel auch DAX, Nikkei und Co.

In den VIX investieren: ETFs, ETNs und Futures im Überblick

Hier kommt eine wichtige Einschränkung: Den VIX selbst kannst du nicht direkt kaufen. Er ist ein berechneter Index, kein handelbares Wertpapier. Wer an der Volatilitätsentwicklung partizipieren möchte, braucht indirekte Instrumente – und die gibt es in verschiedenen Formen.

Die direkteste Möglichkeit sind VIX-Futures, die an der CBOE gehandelt werden. Sie erlauben es, auf die zukünftige Entwicklung des VIX zu wetten. Allerdings sind Futures komplexe Instrumente mit eigenem Verfallsdatum und eigenen Risiken – nichts für unerfahrene Anleger.

Zugänglicher sind VIX-ETFs und VIX-ETNs, die VIX-Futures bündeln und an Börsen handelbar machen. Das bekannteste Produkt im US-Markt ist das iPath Series B S&P 500 VIX Short-Term Futures ETN (Ticker: VXX). Es verfolgt kurzfristige VIX-Futures und ist das meistgehandelte Volatilitätsprodukt weltweit.

Für deutsche Anleger relevant ist der Amundi S&P 500 VIX Futures Enhanced Roll UCITS ETF Acc (ISIN: LU0832435464). Er ist in Deutschland handelbar und unterliegt der UCITS-Regulierung, was ein Mindestmaß an Anlegerschutz garantiert. Ebenfalls verfügbar ist der Lyxor S&P 500 VIX Futures Enhanced Roll UCITS ETF (Ticker: VIXH), der ein optimiertes Rollverhalten anstrebt.

Die typischen Verwaltungskosten solcher Produkte liegen zwischen 0,85 % und 1,35 % p. a. – nicht günstig, aber für Absicherungszwecke akzeptabel.

Das größte Risiko bei VIX-Produkten ist das sogenannte Contango-Problem: Wenn der Markt ruhig ist, liegen die Preise für längerfristige VIX-Futures typischerweise über den kurzfristigen (Contango). Beim regelmäßigen Rollen der Futures – also dem Verkauf auslaufender und Kauf neuer Kontrakte – entstehen dabei systematische Verluste. Diese Rollverluste können die Rendite erheblich belasten und dazu führen, dass VIX-ETFs langfristig stark an Wert verlieren, selbst wenn die Volatilität insgesamt stabil bleibt.

VIX-Produkte eignen sich daher primär für zwei Zwecke: kurzfristige Absicherung (Hedging) von Aktienportfolios in Krisenzeiten und taktische Diversifikation. Wegen ihrer starken negativen Korrelation zum Aktienmarkt können sie in Stressphasen Verluste im Portfolio abfedern. Als langfristiges Investment sind sie wegen der Rollverluste in der Regel ungeeignet.

Wer VIX-Produkte einsetzt, sollte außerdem wissen: Sie reagieren auf die Erwartung von Volatilität, nicht auf tatsächlich eingetretene Schwankungen. Wenn eine Krise erwartet wird, aber ausbleibt, können VIX-Produkte schnell an Wert verlieren – selbst wenn der Markt nervös wirkt.

Häufige Missverständnisse und Grenzen des VIX

Der VIX ist ein mächtiges Werkzeug – aber er wird häufig missverstanden. Hier sind die wichtigsten Irrtümer, die du kennen solltest.

Irrtum 1: Ein hoher VIX bedeutet fallende Kurse. Das stimmt nicht. Der VIX signalisiert, dass Anleger mit großen Kursbewegungen rechnen – in beide Richtungen. Ein VIX von 35 kann genauso gut eine starke Erholungsrallye ankündigen wie einen weiteren Kursrückgang. Wer den VIX als reinen Crash-Indikator nutzt, liegt oft falsch.

Irrtum 2: Der VIX basiert auf Black-Scholes. Weit verbreitet, aber falsch. Die CBOE leitet die Varianz direkt aus den Marktpreisen eines breiten Spektrums von OTM-Optionen ab – ohne die modellspezifischen Annahmen von Black-Scholes. Das macht den VIX robuster gegenüber Modellfehlern.

Irrtum 3: Der VIX misst den gesamten Aktienmarkt. Technisch gesehen misst der VIX ausschließlich die implizite Volatilität des S&P 500. Für andere Märkte – europäische Aktien, Schwellenländer, Anleihen – gibt es eigene Volatilitätsindizes. Der VIX ist ein US-Indikator, der wegen der globalen Bedeutung des S&P 500 internationale Relevanz hat.

Irrtum 4: Man kann direkt in den VIX investieren. Nein. Der VIX ist ein berechneter Index, kein handelbares Wertpapier. Indirekte Instrumente wie Futures, ETFs und ETNs bilden ihn ab – aber mit eigenen Risiken, insbesondere Rollverlusten in Contango-Phasen.

Irrtum 5: Ein niedriger VIX ist immer gut. Nicht unbedingt. Anhaltend niedrige VIX-Werte können auf übermäßige Sorglosigkeit hindeuten – eine Phase, in der Risiken unterschätzt werden. Manche Analysten sehen einen VIX unter 12 als Warnsignal für übertriebenen Optimismus.

Zu den strukturellen Grenzen des VIX gehört außerdem: Er misst nur die erwartete Volatilität für die nächsten 30 Tage. Langfristige Risiken – etwa strukturelle wirtschaftliche Probleme oder geopolitische Spannungen, die sich über Monate aufbauen – spiegelt er nicht zuverlässig wider. Für längere Zeithorizonte gibt es andere Volatilitätsmaße.

Schließlich: Der VIX reagiert auf Optionspreise, die von professionellen Marktteilnehmern gesetzt werden. In extremen Stressphasen kann die Liquidität im Optionsmarkt einbrechen, was die Aussagekraft des VIX vorübergehend einschränkt. Das war in den schlimmsten Phasen der Finanzkrise 2008 zu beobachten, als Märkte zeitweise kaum funktionsfähig waren.

Fazit: Der VIX ist ein wertvolles Instrument – aber kein Orakel. Am besten nutzt du ihn als einen von mehreren Indikatoren, nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet ein VIX-Wert von 20 konkret?

Ein VIX von 20 bedeutet, dass der Markt für die nächsten 30 Tage eine annualisierte Schwankungsbreite von 20 % beim S&P 500 erwartet. Auf einen Monat heruntergerechnet entspricht das rund 5,8 % erwarteter Schwankung – in beide Richtungen.

Warum wird der VIX „Angstindex“ genannt?

Der Spitzname entstand, weil der VIX in Krisenzeiten stark ansteigt. Wenn Anleger Angst vor Kursrückgängen haben, kaufen sie mehr Absicherungsoptionen. Das treibt die Optionspreise und damit den VIX in die Höhe – er wird zum Barometer für Marktangst.

Kann man direkt in den VIX investieren?

Nein, der VIX selbst ist nicht direkt handelbar. Anleger können jedoch über VIX-Futures, Optionen auf VIX-Futures sowie VIX-ETFs und ETNs – etwa VXX oder den Amundi VIX UCITS ETF (ISIN: LU0832435464) – an der Volatilitätsentwicklung partizipieren.

Sagt ein hoher VIX fallende Kurse voraus?

Nicht zwingend. Ein hoher VIX signalisiert, dass Anleger mit starken Kursbewegungen rechnen – in beide Richtungen. Historisch stieg der S&P 500 nach großen VIX-Spitzen im Folgejahr in über 90 % der Fälle, was extreme Werte oft als Kaufgelegenheit markiert.

Welche Optionen fließen in die VIX-Berechnung ein?

Ausschließlich Out-of-the-money Put- und Call-Optionen auf den S&P 500 mit Restlaufzeiten zwischen 23 und 37 Tagen. In-the-money-Optionen und Optionen ohne Geldkurs (Zero-Bid Options) werden von der CBOE aus der Berechnung ausgeschlossen.

Was ist der historische Höchststand des VIX?

Der höchste je gemessene Intraday-Wert war 89,53 Punkte am 24. Oktober 2008 während der Finanzkrise. Den zweithöchsten Intraday-Wert erreichte der VIX am 18. März 2020 mit 85,47 Punkten während des Corona-Crashs.

Wie oft wird der VIX aktualisiert?

Die CBOE aktualisiert den VIX alle 15 Sekunden in Echtzeit während der regulären Handelszeiten. Damit reagiert der Angstindex nahezu sofort auf Nachrichten, Notenbankentscheidungen oder andere marktbewegende Ereignisse.


Weitere News







Beliebteste Artikel auf Finalarm

Stöbere auch in den übrigen Inhalten von Finalarm

  • Blockchain-Technologie: Grundlagen, Funktionsweise und Marktentwicklung 2026

    Blockchain-Technologie: Grundlagen, Funktionsweise und Marktentwicklung 2026

    Blockchain ist mehr als ein Buzzword: Die Technologie speichert Transaktionen dezentral in verketteten Blöcken – manipulationssicher, ohne zentrale Instanz. Dieser Artikel erklärt, wie Hashing und Kryptographie zusammenspielen, warum Proof of Work und Proof of Stake grundlegend verschieden sind, welche Netzwerke wie schnell arbeiten und wie sich der globale Blockchain-Markt bis 2035 entwickelt.


  • NFT: Definition, Funktionsweise und Marktentwicklung 2026

    NFT: Definition, Funktionsweise und Marktentwicklung 2026

    Ein NFT ist ein digitales Echtheitszertifikat auf einer Blockchain – einzigartig, fälschungssicher und öffentlich einsehbar. Dieser Artikel erklärt, was Non-Fungible Tokens technisch sind, wie sie sich von Kryptowährungen unterscheiden, warum der Markt 2021 explodierte und 2022 einbrach, welche Rekordpreise erzielt wurden und wohin die Prognosen bis 2034 zeigen.


  • Stablecoin: Definition, Typen und Mechaniken verständlich erklärt

    Stablecoin: Definition, Typen und Mechaniken verständlich erklärt

    Ein Stablecoin ist eine Kryptowährung, deren Wert an einen stabilen Referenzwert – meist den US-Dollar – gekoppelt ist. Dieser Artikel erklärt alle vier Typen, wie die Kursstabilisierung technisch funktioniert, warum USDT und USDC zusammen über 88 % des Marktes dominieren und welche Risiken du kennen musst.