Die deutschen Gasspeicher weisen mit einem Füllstand von 50,2 Prozent den niedrigsten Wert für diese Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011 auf. Hohe Erdgaspreise infolge des Iran-Kriegs machen das Einlagern für Großhändler weniger attraktiv. Im Vorjahr lag der Füllstand zum gleichen Zeitpunkt noch bei 67,4 Prozent.
Füllstandsvorgaben und aktuelle Kapazitätsauslastung
Eine Verordnung schreibt vor, dass die deutschen Gasspeicher bestimmte Mindestfüllstände erreichen müssen:
| Stichtag | Vorgeschriebener Füllstand |
|---|---|
| 1. November | 70 Prozent |
| 1. Februar | 30 bis 40 Prozent (je nach Speicherart) |
Aktuell sind 74 Prozent der Speicherkapazitäten von Gasgroßhändlern gebucht. Nutzen diese ihre Reservierungen nicht, müssen Betreiber die Kapazitäten freigeben. Trading Hub Europe könnte dann staatliche Einkäufe tätigen und das Gas einspeichern lassen, wie bereits 2022 praktiziert.
Auswirkungen auf Haushaltskunden
Haushaltskunden beziehen Erdgas über bestehende Verträge zu festgelegten Preisen. Ob das Gas zwischengelagert oder direkt importiert wird, beeinflusst den Vertragspreis zunächst nicht. Energieexperte Thomas Zwingmann erwartet jedoch Preiserhöhungen bei Neukundenverträgen aufgrund gestiegener Einkaufspreise. Bestandskunden könnten betroffen sein, abhängig von den Beschaffungsstrategien ihrer Anbieter.
Bei Preisanpassungen steht Verbrauchern ein Sonderkündigungsrecht zu. Zwingmann empfiehlt, Vergleichsportale zu nutzen und gegebenenfalls den Anbieter zu wechseln.
Versorgungssicherheit und Marktbeobachtung
Das Bundeswirtschaftsministerium erwartet derzeit keine Mangellage, mahnt jedoch zur Vorsicht. Geopolitische Entwicklungen sowie Wetter- oder Infrastrukturszenarien könnten zusätzliche Herausforderungen darstellen. Das Ministerium beobachtet Importmengen, internationale Märkte und Speicherkapazitäten intensiv. Die hohen Erdgaspreise resultieren aus dem Iran-Krieg, der das Verhältnis von Angebot und Nachfrage negativ beeinflusst.
