Wachstumswerte: Wenn Aktien stark steigen

Das Wichtigste in Kürze:

Wachstumswerte sind Aktien von Unternehmen mit überdurchschnittlichem Umsatz- und Gewinnwachstum. Sie locken mit hohen Kurschancen, sind aber hoch bewertet, stark schwankend und zinssensitiv. Wir erklären neutral, woran du Growth-Aktien erkennst, wie sie sich von Value-Aktien unterscheiden und welche Risiken du einplanen solltest.

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Was Wachstumswerte sind

Als Wachstumswerte bezeichnet man Aktien von Unternehmen, die über einen längeren Zeitraum einen überdurchschnittlichen Anstieg von Umsatz und Gewinn gezeigt haben und bei denen der Markt erwartet, dass sich dieses Wachstum fortsetzt. Umsatz, Cashflow, Gewinn und in der Folge oft auch der Aktienkurs wachsen dabei schneller als der Gesamtmarkt. Im Englischen heißen sie Growth-Aktien oder Growth-Stocks. Wichtig ist von Beginn an: Diese Erwartung ist eine Prognose, keine Garantie. Ob ein rasant wachsendes Unternehmen sein Tempo hält, lässt sich nicht sicher vorhersagen.

Typischerweise stammen Wachstumswerte von Firmen, die etwas Neues anbieten – ein innovatives Produkt, eine neue Dienstleistung oder ein neuartiges Geschäftsmodell. Häufig spielen technologische Entwicklungen eine Rolle, weshalb Unternehmen aus Bereichen wie Software, Digitalisierung oder Finanztechnologie überproportional oft zu dieser Kategorie zählen. Diese Konzentration auf einzelne Branchen ist ein Merkmal, das du dir merken solltest: Sie erhöht die Abhängigkeit von wenigen Themen und damit auch das Risiko.

Kurschancen statt Dividende

Ein zentrales Kennzeichen von Wachstumswerten ist, dass sie in der Regel keine oder nur eine sehr geringe Dividende zahlen. Statt Gewinne an die Anteilseigner auszuschütten, reinvestieren solche Unternehmen ihr Kapital in Expansion, Forschung, Personal und Marktanteile. Wer in Growth-Aktien investiert, setzt deshalb nicht auf laufende Ausschüttungen, sondern allein auf Kurssteigerungen. Das verschiebt das gesamte Ertragsprofil: Der mögliche Gewinn entsteht erst beim Verkauf – und nur dann, wenn der Kurs tatsächlich gestiegen ist. Bleibt die erhoffte Entwicklung aus, gibt es keinen laufenden Puffer aus Dividenden, der Verluste abfedern könnte. Wer sich mit diesem Thema näher beschäftigt, sollte die genannten Zusammenhänge stets im aktuellen Marktumfeld einordnen und im Zweifel fachkundigen Rat einholen, bevor konkrete finanzielle Entscheidungen getroffen werden.

Growth-Aktien erkennen

Wachstumswerte lassen sich an einigen wiederkehrenden Merkmalen festmachen. Keines davon ist für sich allein ein Kaufsignal – sie helfen lediglich, eine Aktie einzuordnen. Als Faustregel gilt ein deutliches Umsatzwachstum über mehrere Jahre, oft im zweistelligen Prozentbereich. Manche Definitionen nennen Größenordnungen um 20 Prozent jährlich über die vergangenen drei Geschäftsjahre. Solche Schwellen sind allerdings Orientierungswerte und variieren je nach Quelle und Branche.

Typische Merkmale

Neben dem reinen Wachstum achten Anleger auf weitere Signale: eine überdurchschnittlich hohe Marktbewertung, sichtbare Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz sowie die Zugehörigkeit zu einer Branche, der insgesamt Wachstumspotenzial zugeschrieben wird. Wettbewerbsvorteile können in Patenten, einer starken Marke, Netzwerkeffekten oder Kostenvorteilen liegen. Sie sollen das Geschäftsmodell schützen und den Erfolg über mehrere Jahre absichern.

Ein besonders auffälliges Merkmal ist die hohe Bewertung. Weil der Markt künftiges Wachstum bereits einpreist, sind Growth-Aktien im Verhältnis zu ihren aktuellen Gewinnen häufig teuer. Sichtbar wird das an einem hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): Der Aktienkurs ist gemessen am erzielten Gewinn überdurchschnittlich hoch. Bei Unternehmen, die noch kaum oder gar keinen Gewinn schreiben, greift man ersatzweise oft auf das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) zurück. Ein hohes KGV oder KUV bedeutet: Du bezahlst heute für Erwartungen, die sich erst in der Zukunft bewahrheiten müssen.

Sinnvoll ist es, die Kennzahlen nicht isoliert zu betrachten, sondern im Zusammenhang. Ein hoher Free-Cashflow und ein solide steigender Buchwert deuten darauf hin, dass hinter dem Wachstum tatsächlich ein tragfähiges Geschäft steht und nicht nur eine kurzfristige Umsatzfantasie. Auch die Frage, ob ein Unternehmen bereits nachhaltig profitabel arbeitet oder noch dauerhaft Verluste schreibt, ist entscheidend: In bereits profitable Firmen zu investieren, gilt tendenziell als weniger riskant als in Kandidaten, deren Gewinne erst für die ferne Zukunft versprochen werden. Verlass dich dabei nicht auf eine einzige Kennzahl, sondern setze mehrere Signale zueinander in Beziehung, um ein realistisches Bild zu bekommen.

📌 Good to know

Ein hohes KGV ist kein Qualitätssiegel, sondern ein Preisschild für Zukunftshoffnung. Je höher die eingepreiste Erwartung, desto empfindlicher reagiert der Kurs, wenn die Realität hinter der Prognose zurückbleibt.

Growth gegen Value: zwei Anlagestile

Wachstumswerte werden gern ihrem Gegenstück gegenübergestellt: den Value-Aktien. Beide stehen für unterschiedliche Anlagephilosophien, und es lohnt sich, den Unterschied zu verstehen, bevor du dich für eine Richtung entscheidest.

Value-Aktien gelten als vom Markt unterbewertet. Wer sie kauft, hofft, dass der Markt den „wahren“ Wert des Unternehmens mittel- bis langfristig erkennt und der Kurs entsprechend aufholt. Solche Firmen sind oft etablierter, wachsen langsamer und schütten häufiger Dividenden aus, statt sämtliche Gewinne zu reinvestieren. Ihre Kurse schwanken tendenziell weniger stark. Dafür bieten sie meist geringere Chancen auf schnelle, hohe Kursgewinne.

Was der Unterschied für dich bedeutet

Growth-Aktien setzen also auf die Zukunft und auf Kurssteigerungen, Value-Aktien eher auf eine Neubewertung und laufende Erträge. Growth verspricht höhere Chancen, verlangt aber eine höhere Risikobereitschaft und stärkere Nerven bei Kursschwankungen. Value ist in der Regel ruhiger, aber auch weniger spektakulär. In der Praxis sind die Grenzen nicht immer trennscharf, und viele breit gestreute Portfolios enthalten bewusst beides, um nicht einseitig von einem Stil abhängig zu sein. Welcher Ansatz zu dir passt, hängt von deinem Anlagehorizont, deiner Risikotoleranz und deinen Zielen ab – nicht davon, welcher Stil gerade in den Medien gefeiert wird. Historisch lösen sich Phasen, in denen Growth oder Value besser abschneidet, immer wieder ab. Wer ausschließlich auf den zuletzt starken Stil setzt, läuft der Entwicklung oft hinterher, statt ihr voraus zu sein.

💡 Tip

Statt dich pauschal für Growth oder Value zu entscheiden, kannst du beide Stile kombinieren. Eine breite Streuung über Branchen und Anlagestile reduziert das Risiko, dass eine einzelne Modeströmung dein gesamtes Depot bestimmt.

Die Risiken von Wachstumswerten

So verlockend die Kurschancen klingen: Wachstumswerte gehören zu den risikoreicheren Anlagen. Wer sie kauft, sollte die wichtigsten Gefahren kennen und einplanen – nicht ausblenden.

Hohe Bewertung und starke Schwankungen

Weil der Markt künftiges Wachstum bereits in den Kurs einpreist, sind viele Growth-Aktien hoch bewertet. Das macht sie anfällig für starke Kursschwankungen. Enttäuscht ein Unternehmen die hohen Erwartungen – etwa mit schwächeren Quartalszahlen oder einer vorsichtigeren Prognose –, kann der Kurs deutlich einbrechen, weil ein Teil der eingepreisten Hoffnung wegfällt. Umgekehrt können positive Überraschungen kräftige Sprünge nach oben auslösen. Diese ausgeprägte Volatilität ist der Preis für die Wachstumsfantasie.

Zinssensitivität

Ein oft unterschätztes Risiko ist die Empfindlichkeit gegenüber dem Zinsniveau. Der Wert einer Growth-Aktie speist sich stark aus erwarteten Gewinnen, die weit in der Zukunft liegen. Steigen die Zinsen, werden diese fernen Gewinne rechnerisch weniger wert, weil künftige Zahlungsströme stärker abgezinst werden. Zugleich werden festverzinsliche Alternativen attraktiver. Deshalb geraten Wachstumswerte in Phasen steigender Zinsen häufig stärker unter Druck als etablierte, gewinnstarke Unternehmen. In Niedrigzinsphasen profitieren sie umgekehrt oft überdurchschnittlich.

📌 Good to know

Weil viele Growth-Aktien aus dem Technologiesektor stammen, kann eine Konzentration auf Wachstumswerte auch eine unbeabsichtigte Branchenwette sein. Läuft es in dieser einen Branche schlecht, trifft es dein Depot besonders hart.

Auch die Liquidität und das Marktumfeld spielen eine Rolle. In Phasen allgemeiner Unsicherheit trennen sich Anleger häufig zuerst von riskanteren, teuer bewerteten Titeln und schichten in als sicherer geltende Anlagen um. Wachstumswerte geraten dann oft überdurchschnittlich unter Druck, unabhängig davon, wie gut das einzelne Unternehmen wirtschaftet. Diese Stimmungsabhängigkeit verstärkt die ohnehin hohe Schwankungsbreite und kann dazu führen, dass Kurse kurzfristig weit unter den fundamental gerechtfertigten Wert fallen – oder in Euphoriephasen weit darüber steigen.

Hinzu kommt das grundsätzliche Prognoserisiko: Ob ein junges, schnell wachsendes Unternehmen sein Tempo dauerhaft hält, ist offen. Manche Firmen, die einen Börsenboom auslösen, halten den hohen Erwartungen nicht stand. Enttäuschende Ergebnisse können dann eine Verkaufswelle auslösen, die den Kurs zusätzlich drückt. Im Extremfall reicht die Spanne bis zum Totalverlust, etwa wenn ein Geschäftsmodell scheitert. Diese Risiken sind kein Randphänomen, sondern gehören strukturell zu dieser Anlageklasse.

Wachstumswerte sinnvoll einordnen

Wachstumswerte sind kein Instrument für sichere, planbare Vermögensbildung. Für Ziele wie die Altersvorsorge, bei denen Verlässlichkeit zählt, eignen sich breit gestreute, langfristig ausgerichtete Lösungen wie ETF-Sparpläne meist besser, weil sie das Risiko über viele Unternehmen und Branchen verteilen. Growth-Aktien passen eher als Beimischung für Anleger, die eine höhere Risikotoleranz mitbringen und einen möglichen Verlust verkraften können, ohne ihre finanzielle Grundsicherung zu gefährden.

Langer Atem und klare Grenzen

Wenn du dich für Wachstumswerte entscheidest, ist ein langfristiger Anlagehorizont wichtig. Zur Wachstumsstory gehören ausgeprägte Kursschwankungen; auf starke Rücksetzer können langfristig wieder Anstiege folgen – garantiert ist das jedoch nie. Ein häufiger Fehler ist es, bei jedem Kurssturz panisch zu verkaufen und so Verluste zu realisieren. Genauso riskant ist es, mehr Kapital einzusetzen, als du langfristig entbehren kannst. Eine bewusste Obergrenze für den Anteil einzelner Wachstumswerte im Depot hilft, das Risiko im Griff zu behalten. Ebenso wichtig ist es, das eingesetzte Kapital nicht kurzfristig zu benötigen, damit du Rücksetzer aussitzen kannst und nicht zum ungünstigsten Zeitpunkt verkaufen musst.

Vor dem Kauf lohnt ein nüchterner Blick auf das Unternehmen: Wie profitabel ist es bereits, oder schreibt es noch Verluste? Wie hoch ist es verschuldet, und trägt das Geschäftsmodell diese Schulden? Als grobe Orientierung nennen manche Ratgeber einen Verschuldungsgrad im moderaten Bereich, betonen aber, dass ein sinnvoller Wert stark von der Branche abhängt. Auch Einschätzungen von Fachmedien und Analysten können bei der Entscheidung helfen – ersetzen aber keine eigene, kritische Prüfung. Wer die Risiken kennt, breit streut und nur planbar entbehrliches Kapital einsetzt, kann Wachstumswerte als bewussten, risikoreicheren Baustein einordnen. Mehr Grundlagen rund ums Anlegen findest du in unserem Bereich Geldanlagen.

💡 Tip

Lege vor dem Kauf fest, welchen Anteil deines Depots Wachstumswerte maximal ausmachen dürfen. Diese selbst gesetzte Grenze schützt dich davor, in einer Euphoriephase das Risiko unbemerkt zu weit hochzufahren.

Häufig gestellte Fragen

Q

Was sind Wachstumswerte?

Wachstumswerte, auch Growth-Aktien, sind Aktien von Unternehmen mit überdurchschnittlichem Umsatz- und Gewinnwachstum, bei denen der Markt eine Fortsetzung erwartet. Sie zielen auf Kurssteigerungen statt auf Dividenden und gelten als chancenreich, aber auch risikoreich.

Q

Woran erkenne ich eine Growth-Aktie?

Typisch sind ein hohes Umsatzwachstum über mehrere Jahre, eine überdurchschnittlich hohe Bewertung mit hohem KGV oder KUV, sichtbare Wettbewerbsvorteile und die Zugehörigkeit zu einer wachstumsstarken Branche. Keines dieser Merkmale ist für sich allein ein Kaufsignal.

Q

Was unterscheidet Growth- von Value-Aktien?

Growth-Aktien setzen auf künftiges Wachstum und Kurssteigerungen, sind hoch bewertet und schwanken stärker. Value-Aktien gelten als unterbewertet, wachsen langsamer, zahlen häufiger Dividenden und schwanken tendenziell weniger. Growth bietet mehr Chancen, verlangt aber höhere Risikobereitschaft.

Q

Welche Risiken haben Wachstumswerte?

Die hohe Bewertung macht sie anfällig für starke Kursschwankungen, enttäuschte Erwartungen können Kurse einbrechen lassen. Sie reagieren zudem empfindlich auf steigende Zinsen und sind oft technologielastig. Im Extremfall drohen Totalverluste, weshalb du nur entbehrliches Kapital einsetzen solltest.

Q

Zahlen Wachstumswerte Dividenden?

In der Regel nicht oder nur sehr gering. Wachstumsunternehmen reinvestieren ihre Gewinne meist vollständig in Expansion, Forschung und Marktanteile. Der mögliche Ertrag entsteht deshalb allein über Kurssteigerungen und wird erst beim Verkauf realisiert – laufende Ausschüttungen als Puffer fehlen.


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