Krypto-Lending 2026: Plattformen, Zinsen & Risiken im Vergleich

Das Wichtigste in Kürze:

Krypto-Lending ermöglicht passive Zinserträge von bis zu 20 % APY oder günstige Liquidität ohne Asset-Verkauf. Der Markt erreichte im Q3 2025 ein neues Allzeithoch von 73,59 Mrd. USD. Dieser Artikel erklärt, wie Lending funktioniert, vergleicht CeFi- und DeFi-Plattformen mit konkreten Konditionen und zeigt, welche Risiken du kennen musst.

Krypto-Lending

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Was ist Krypto-Lending? Grundlagen und Funktionsweise

Krypto-Lending bezeichnet das Verleihen von Kryptowährungen oder deren Einsatz als Sicherheit für Kredite über spezialisierte Plattformen. Du kannst dabei zwei Rollen einnehmen: als Kreditgeber erzielst du Zinserträge als passives Einkommen. Als Kreditnehmer erhältst du Liquidität in Fiat-Währung oder Stablecoins – ohne deine Bitcoin oder Ether verkaufen zu müssen.

Das klingt simpel, hat aber einen entscheidenden Mechanismus im Kern: die Überbesicherung (Over-Collateralization). Da Krypto-Plattformen keine klassische Bonitätsprüfung durchführen, verlangen sie mehr Sicherheiten als den eigentlichen Kreditbetrag. Das Verhältnis heißt Loan-to-Value (LTV).

Das LTV-Konzept mit konkretem Rechenbeispiel

Ein typischer LTV-Wert liegt bei 50 %. Das bedeutet: Für einen Kredit von 5.000 € musst du Bitcoin im aktuellen Wert von 10.000 € als Sicherheit hinterlegen. Die Plattform hält deine Coins – du erhältst die Liquidität. Typische LTV-Bandbreiten liegen zwischen 30 und 70 %, je nach Plattform und hinterlegtem Asset.

Warum so konservativ? Kryptopreise können innerhalb von Stunden um 20, 30 oder 50 % fallen. Die Überbesicherung schützt die Plattform vor Kreditausfällen, ohne dass sie deine Kreditwürdigkeit prüfen muss.

Liquidation und Margin Call

Fällt der Wert deiner hinterlegten Sicherheiten unter den vereinbarten LTV-Schwellenwert, passiert eines von zwei Dingen: Die Plattform stellt einen Margin Call – eine Nachschussforderung. Du musst dann entweder mehr Krypto einzahlen oder einen Teil des Kredits zurückzahlen. Reagierst du nicht schnell genug oder fällt der Kurs weiter, erfolgt die automatische Liquidation. Die Plattform verkauft deine hinterlegten Assets, um den Kredit zu decken. In einem schnellen Bärenmarkt kann das sehr schnell gehen – manchmal innerhalb von Minuten.

📌 Good to know

Bei einem LTV von 50 % reicht ein Kursrückgang von 50 % deiner Sicherheit, um die Liquidationsschwelle zu erreichen. Wähle deshalb konservative LTV-Werte – lieber 30 % als 70 %.

Flash Loans: Kredite ohne Sicherheiten

Flash Loans sind eine Besonderheit aus dem DeFi-Bereich, verfügbar unter anderem bei Aave. Sie funktionieren ohne jede Sicherheit – klingt riskant, ist aber durch die Technik abgesichert. Der gesamte Kredit muss innerhalb einer einzigen Blockchain-Transaktion aufgenommen und zurückgezahlt werden. Gelingt das nicht, wird die gesamte Transaktion rückgängig gemacht. Flash Loans werden primär für Arbitrage-Strategien und automatische Liquidationen genutzt. Für Privatanleger sind sie kaum relevant – sie erfordern Programmierkenntnisse und ein tiefes Verständnis der Blockchain-Mechanik.

CDP-Stablecoins als dritte Kategorie

Neben CeFi- und DeFi-Lending gibt es noch eine dritte Kategorie: Collateralized Debt Positions (CDPs). Dabei hinterlegst du Krypto-Assets als Sicherheit und erhältst im Gegenzug krypto-besicherte Stablecoins. Das bekannteste Beispiel ist DAI vom MakerDAO-Protokoll. CDPs machen im Q3 2025 rund 11,18 % des gesamten Krypto-Lending-Markts aus. Sie sind technisch anspruchsvoller als klassisches Lending, bieten aber maximale Dezentralisierung.

Der Krypto-Lending-Markt 2025: Neues Allzeithoch und Wachstumsprognosen

Der Krypto-Lending-Markt hat eine dramatische Achterbahnfahrt hinter sich. Im Q4 2021 erreichte er ein erstes Allzeithoch von 64,4 Mrd. USD. Dann kamen die Insolvenzen: Celsius Network, BlockFi, Voyager – der Markt kollabierte. Im Q3 2023 lag das Volumen bei nur noch 14,2 Mrd. USD, ein Einbruch von 78 % gegenüber dem Höchststand.

Die Erholung war beeindruckend. Bis Q4 2024 stieg der Markt auf 36,5 Mrd. USD – ein Plus von 157 % gegenüber dem Tiefpunkt. Und im Q3 2025 wurde das alte Allzeithoch nicht nur erreicht, sondern deutlich übertroffen: 73,59 Mrd. USD, ein neues Allzeithoch mit einem Anstieg von 38,5 % gegenüber dem Vorquartal allein.

Krypto-Lending-Marktgröße in Mrd. USD (2021–2025)

Krypto-Lending-Marktgröße in Mrd. USD (2021–2025) 0 20 40 60 80 64,4 14,2 36,5 73,59 Q4 2021 Q3 2023 Q4 2024 Q3 2025 Mrd. USD Neues ATH Tiefpunkt

Das Plattform-Segment wächst strukturell

Neben dem Gesamtmarkt gibt es ein enger gefasstes Plattform-Segment, das nur die eigentlichen Lending-Plattformen misst – ohne CDP-Stablecoins und bestimmte institutionelle Positionen. Dieses Segment wuchs von 9,03 Mrd. USD (2024) auf rund 10,74 Mrd. USD (2025). Die jährliche Wachstumsrate (CAGR) liegt bei rund 19 %. Bis 2030 wird das Plattformsegment auf 25,06 Mrd. USD prognostiziert.

Wer dominiert den Markt?

Die Marktanteile im Q3 2025 zeigen eine klare Verschiebung hin zu dezentralen Protokollen. DeFi-Lending hält mit 55,7 % die Mehrheit. CeFi-Anbieter kommen auf 33,12 %, und CDP-Stablecoins auf 11,18 %. Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung: Vor den Insolvenzen 2022 dominierten CeFi-Plattformen noch deutlich. Das Vertrauen in zentrale Anbieter hat sich erholt, aber DeFi hat strukturell gewonnen.

Was treibt das Wachstum?

Drei Faktoren sind entscheidend. Erstens: institutionelles Interesse. Große Finanzinstitute entdecken Krypto-Lending als Renditequelle. Zweitens: regulatorische Klarheit. Die MiCA-Verordnung der EU schafft einen verlässlicheren Rahmen, der institutionelle Akteure anzieht. Drittens: der Bitcoin-Bullrun 2024/2025. Steigende Kryptopreise erhöhen den Wert der Sicherheiten und machen Lending attraktiver – sowohl für Kreditgeber als auch für Kreditnehmer, die ihre gestiegenen Bitcoin-Bestände beleihen wollen, ohne sie zu verkaufen.

CeFi vs. DeFi Lending: Der große Vergleich

Die wichtigste Entscheidung beim Krypto-Lending ist nicht, welche Plattform du wählst – sondern welches Modell. CeFi (Centralized Finance) und DeFi (Decentralized Finance) unterscheiden sich fundamental in Funktionsweise, Risiken und Zielgruppe.

Das CeFi-Modell

Bei CeFi-Plattformen wie Nexo, Binance oder Crypto.com fungiert ein Unternehmen als zentraler Vermittler. Du überweist deine Kryptowährungen an die Plattform – sie verwahrt die Private Keys. Im Gegenzug erhältst du Zinsen oder einen Kredit. Das Modell ähnelt einem klassischen Bankkonto. Du musst dich identifizieren (KYC/AML-Pflicht), erhältst aber eine benutzerfreundliche Oberfläche, Kundensupport und oft die Möglichkeit, direkt in Fiat-Währung auszuzahlen.

Der große Nachteil: Du gibst die Kontrolle über deine Assets ab. Wenn die Plattform insolvent geht, sind deine Coins in der Insolvenzmasse. Genau das ist 2022 und 2023 bei Celsius Network, BlockFi und Voyager passiert – mit Milliardenverlusten für Nutzer.

Das DeFi-Modell

DeFi-Protokolle wie Aave, Compound oder Morpho funktionieren ohne Zwischenhändler. Smart Contracts auf Ethereum und anderen EVM-kompatiblen Blockchains automatisieren die gesamte Kreditvergabe und -verwaltung. Du behältst die Kontrolle über deine Private Keys (non-kustodial). Es gibt keine KYC-Pflicht – du brauchst nur eine Wallet und Internetzugang.

Der Code ist öffentlich einsehbar und auditierbar. Das schafft Transparenz, die CeFi-Plattformen nicht bieten können. Aber: DeFi ist technisch anspruchsvoller. Du musst eine Wallet einrichten, Gas Fees bezahlen und dich mit Smart-Contract-Risiken auseinandersetzen. Bugs im Code können zu Totalverlusten führen – und es gibt keinen Kundensupport, der dir hilft.

Vergleichstabelle: CeFi vs. DeFi

Kriterium CeFi DeFi
Verwahrung Plattform hält Private Keys Nutzer hält Private Keys (non-kustodial)
Zwischenhändler Ja (zentrale Instanz) Nein (Smart Contracts)
KYC/AML Pflicht Nicht erforderlich (permissionless)
Transparenz Gering (interne Prozesse) Hoch (Code öffentlich auditierbar)
Benutzerfreundlichkeit Hoch (Kundensupport, UI) Mittel bis niedrig (Wallet, Gas Fees)
Fiat-Umtausch Einfach möglich Schwierig / nicht direkt
Hauptrisiko Plattforminsolvenz, Hack, Missmanagement Smart-Contract-Exploit, technisches Versagen
Regulierung KYC/AML, BaFin/MiCA-pflichtig Weitgehend unreguliert
Beispiele Nexo, Binance, Crypto.com Aave, Compound, Morpho

Welches Modell passt zu dir?

Als Einsteiger bist du mit CeFi besser bedient. Die Plattformen sind intuitiv, du brauchst keine technischen Vorkenntnisse, und der Fiat-Umtausch ist unkompliziert. Erfahrene Nutzer, die maximale Kontrolle und Transparenz wollen, finden in DeFi-Protokollen wie Aave die bessere Wahl. Wichtig: Beide Modelle haben reale, unterschiedliche Risiken. Keines ist per se sicherer – die Risiken sind nur anderer Natur.

Plattformvergleich 2026: Zinsen, LTV und Konditionen

Welche Plattform zahlt die besten Zinsen? Das hängt stark vom Asset ab. Bitcoin-Halter erzielen andere Renditen als Stablecoin-Inhaber. Hier ist der aktuelle Stand der wichtigsten Plattformen.

Zinssätze nach Asset-Klasse

Für Bitcoin sind Zinsen von 1 bis 8,5 % APY realistisch. Ethereum bringt typischerweise 1,5 bis 4 %. Stablecoins wie USDT oder USDC sind die Renditebringer: 5 bis 15 % APY sind üblich, in Ausnahmefällen bis 20 %. Plattform-eigene Token können noch höher rentieren – Crypto.com zahlt bis zu 18 % für CRO bei drei Monaten Laufzeit.

Maximale APY nach Plattform (2026, in %)

Maximale APY nach Asset-Klasse und Plattform (2026) 0 % 5 % 10 % 15 % 20 % 20 % 18 % 8,5 % 8 % 7 % 7 % 6 % Nexo (Stable) Crypto.com (CRO) Ledn (BTC) Crypto.com (BTC) Aqru (BTC) Binance (BTC fest) Nexo (BTC)

Die wichtigsten Plattformen im Detail

Aave (DeFi) ist das größte DeFi-Lending-Protokoll nach Total Value Locked. Es ist auf über 20 EVM-kompatiblen Blockchains verfügbar und bietet Flash Loans. Im unabhängigen Test erzielte Aave 94 von 100 Punkten. Die Zinssätze sind variabel und marktbasiert – für Bitcoin liegen sie zwischen 0,04 und 6,5 % APR, je nach Angebot und Nachfrage im Protokoll.

Binance Lending (CeFi) erreichte im Test 90 von 100 Punkten. Mit über 140 unterstützten Coins ist es die breiteste Plattform. Bitcoin bringt flexibel 5 % oder bei fester Laufzeit 7 % APY. Wichtig: In den USA ist Binance nicht verfügbar. Deutsche Nutzer können die Plattform nutzen, müssen aber die regulatorische Entwicklung im Blick behalten.

Nexo (CeFi) ist besonders für deutschsprachige Nutzer attraktiv – die Plattform ist vollständig auf Deutsch verfügbar. Für Bitcoin zahlt Nexo bis zu 6 % APY, für Stablecoins bis zu 20 %. Die Zinsen sind gestaffelt: Wer mehr NEXO-Token hält, erhält bessere Konditionen. Sonderkonditionen von bis zu 36 % für bestimmte Stablecoins solltest du kritisch hinterfragen – solche Renditen gehen mit erheblichem Risiko einher.

Ledn hat sich auf Bitcoin spezialisiert. Im Growth Account sind bis zu 8,5 % APY möglich – das ist der höchste Bitcoin-Zinssatz unter den hier verglichenen CeFi-Plattformen. Wer ausschließlich BTC hält und maximale Rendite sucht, sollte Ledn in den Vergleich einbeziehen.

Crypto.com (CeFi) bietet ein interessantes Modell: Wer CRO-Token staked, senkt seinen Kreditzinssatz und erhöht seine Einlagenzinsen. Für CRO selbst sind bei drei Monaten Laufzeit bis zu 18 % APY möglich. Bitcoin bringt bis zu 8 % APY. Der LTV für Kredite liegt bei bis zu 50 %.

Aqru (CeFi) punktet mit einer Besonderheit: Die Auszahlung in Fiat-Währung ist kostenfrei. Für Bitcoin gibt es bis zu 7 % APY, für USDT bis zu 12 %. Das macht Aqru interessant für Nutzer, die ihre Erträge direkt in Euro nutzen wollen.

💡 Tip

Vergleiche nicht nur den Zinssatz, sondern auch die Laufzeit. Flexible Produkte zahlen oft weniger, bieten aber sofortigen Zugriff. Feste Laufzeiten (z. B. 3 Monate) bringen höhere Zinsen, aber dein Kapital ist gebunden – ein Risiko in volatilen Märkten.

Risiken beim Krypto-Lending: Was Anleger wissen müssen

Krypto-Lending ist kein risikoloses Sparkonto. Die Renditen sind attraktiv – aber sie spiegeln reale Risiken wider. Wer diese nicht versteht, kann erhebliche Verluste erleiden. Hier sind die wichtigsten Risikofaktoren, die du kennen musst.

Marktvolatilität und Liquidationsrisiko

Das unmittelbarste Risiko für Kreditnehmer ist die Liquidation. Kryptopreise können innerhalb von Stunden drastisch fallen. Wenn dein Bitcoin-Kurs um 40 % einbricht und du einen LTV von 60 % gewählt hast, bist du in Gefahr. Die Plattform liquidiert automatisch deine Sicherheiten – oft zu ungünstigen Preisen, weil viele Nutzer gleichzeitig liquidiert werden. Das Ergebnis: Du verlierst deine Coins und hast trotzdem Schulden. Wähle deshalb immer einen konservativen LTV-Wert, idealerweise unter 40 %.

Plattforminsolvenz: Celsius, BlockFi, Voyager als Warnung

Das größte Risiko für Kreditgeber ist die Insolvenz der Plattform. 2022 und 2023 haben drei der damals größten CeFi-Lending-Plattformen Insolvenz angemeldet: Celsius Network, BlockFi und Voyager Digital. Die Verluste für Nutzer gingen in die Milliarden. Wer seine Kryptowährungen auf diesen Plattformen deponiert hatte, wartete jahrelang auf Rückzahlungen – und erhielt oft nur einen Bruchteil zurück.

Was war das Problem? Diese Plattformen hatten die eingelegten Kundengelder in hochriskante DeFi-Protokolle und gehebelte Positionen investiert. Als der Markt einbrach, konnten sie die Auszahlungen nicht mehr bedienen. Das Geschäftsmodell war intransparent – Nutzer wussten nicht, was mit ihren Coins passierte.

Keine Einlagensicherung

Bei einer deutschen Bank sind Einlagen bis 100.000 € durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Bei Krypto-Lending-Plattformen gibt es kein vergleichbares Sicherheitsnetz. Kein FDIC-Äquivalent, keine staatliche Garantie. Wenn die Plattform insolvent geht, bist du ungesicherter Gläubiger. Das ist ein fundamentaler Unterschied zu klassischen Bankprodukten – und er wird von vielen Nutzern unterschätzt.

Hackerangriffe und Smart-Contract-Exploits

CeFi-Plattformen sind attraktive Angriffsziele für Hacker, weil sie große Mengen an Kryptowährungen zentral verwahren. Ein erfolgreicher Hack kann die gesamten Kundeneinlagen gefährden. DeFi-Protokolle sind dagegen anfällig für Smart-Contract-Exploits: Bugs im Code können von Angreifern ausgenutzt werden, um Gelder abzuziehen. Selbst auditierte Protokolle sind nicht immun – die Geschichte des DeFi-Sektors ist voll von Exploits, die Hunderte Millionen Dollar vernichtet haben.

Regulatorische Unsicherheit

Plattformen können ihre Dienste für deutsche Nutzer ohne Vorwarnung einstellen, wenn sie keine MiCA-Lizenz erhalten oder beantragen. Das bedeutet: Dein Kapital könnte eingefroren werden, bis rechtliche Fragen geklärt sind. Nutze deshalb bevorzugt Plattformen, die aktiv an der MiCA-Compliance arbeiten.

Gegenmaßnahmen

Diversifiziere über mehrere Plattformen – lege nicht alles auf eine Karte. Wähle konservative LTV-Werte. Nutze bevorzugt regulierte Anbieter mit nachweisbarer Compliance. Und: Betrachte Zinssätze über 15 % als Warnsignal. Höhere Renditen bedeuten fast immer höheres Risiko – das ist in der Finanzwelt universell wahr, bei Krypto-Lending besonders.

Regulierung in Deutschland und der EU: BaFin und MiCA

Deutschland war das erste EU-Land mit einer expliziten gesetzlichen Regelung für Kryptowerte. Seit 2020 ist die Kryptoverwahrung erlaubnispflichtig gemäß § 1 Abs. 1a Kreditwesengesetz (KWG). Wer in Deutschland Kryptowährungen für Dritte verwahrt, braucht eine BaFin-Lizenz. Das war europaweit ein Vorreiter-Schritt.

Was die BaFin konkret prüft

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) fokussiert sich bei Krypto-Unternehmen auf drei Kernbereiche: IT-Sicherheit, Anti-Geldwäsche-Programme und Notfallpläne. Plattformen, die deutsche Kunden ansprechen, müssen diese Anforderungen erfüllen – unabhängig davon, wo sie ihren Sitz haben. Ein spezifisches Lizenzregime nur für Krypto-Lending existiert noch nicht. Die Regulierung greift primär über die Verwahrungskomponente.

MiCA: Der EU-weite Rahmen

Die Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCA) ist die wichtigste regulatorische Entwicklung für den europäischen Krypto-Markt. Die Stablecoin-Regeln sind seit Juni 2024 in Kraft. Die Regeln für Crypto-Asset Service Provider (CASPs) – also Unternehmen, die Krypto-Dienstleistungen anbieten – gelten vollständig seit Dezember 2024. Übergangsfristen laufen bis Juli 2026.

Was bedeutet das konkret? Plattformen, die in der EU tätig sein wollen, brauchen eine MiCA-Zulassung. Mit dieser Zulassung können sie in allen EU-Mitgliedstaaten tätig sein – ein sogenannter EU-Pass. Das schafft mehr Rechtssicherheit für Nutzer, weil lizenzierte Anbieter strengen Anforderungen unterliegen.

Was MiCA (noch) nicht regelt

MiCA ist kein Allheilmittel. DeFi-Protokolle fallen weitgehend nicht unter die Verordnung – sie haben keinen zentralen Betreiber, den man lizenzieren könnte. Für rein dezentrale Protokolle wie Aave oder Compound gibt es noch keinen klaren regulatorischen Rahmen in der EU. Das ist sowohl ein Vorteil (keine Compliance-Kosten) als auch ein Nachteil (kein Nutzerschutz durch Regulierung).

Auch ein spezifisches Lending-Lizenzregime fehlt noch. Die Regulierung greift über Verwahrung und allgemeine CASP-Anforderungen – aber die spezifischen Risiken des Lending-Geschäfts (Liquidationsrisiken, Überbesicherung, Zinspolitik) sind regulatorisch noch nicht vollständig adressiert.

Was das für dich als Nutzer bedeutet

Wähle Plattformen, die aktiv MiCA-Compliance anstreben oder bereits eine BaFin-Registrierung haben. Das ist kein Garant gegen Verluste – aber es bedeutet, dass die Plattform zumindest grundlegende Anforderungen an IT-Sicherheit, Geldwäscheprävention und Kapitalausstattung erfüllt. Plattformen ohne jede Regulierung können ihre Dienste für EU-Nutzer jederzeit einstellen oder sind im Insolvenzfall schwerer greifbar.

Die regulatorische Landschaft entwickelt sich schnell. Bis Juli 2026 laufen die MiCA-Übergangsfristen aus. Danach müssen alle in der EU tätigen CASPs vollständig lizenziert sein. Plattformen, die diese Lizenz nicht erhalten, werden den EU-Markt verlassen müssen. Das kann kurzfristig zu Einschränkungen führen – behalte die Entwicklungen im Blick.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Krypto-Lending und wie funktioniert es?

Krypto-Lending bedeutet: Du verleihst deine Kryptowährungen über eine Plattform und erhältst dafür Zinsen. Oder du hinterlegst Krypto als Sicherheit und bekommst einen Kredit in Fiat oder Stablecoins – ohne deine Assets verkaufen zu müssen. Die Abwicklung erfolgt über zentrale Plattformen (CeFi) oder Smart Contracts (DeFi).

Welche Zinssätze sind beim Krypto-Lending realistisch?

Bitcoin bringt realistisch 1 bis 8,5 % APY, Ethereum 1,5 bis 4 %. Stablecoins wie USDT erzielen 5 bis 15 %, in Ausnahmefällen bis 20 %. Plattform-eigene Token können bis 18 % erreichen. Zinsen über 15 % solltest du als Risikowarnsignal werten.

Was passiert, wenn der Kryptopreis stark fällt?

Fällt der Wert deiner hinterlegten Sicherheiten unter den LTV-Schwellenwert, erfolgt ein Margin Call oder eine automatische Liquidation. Die Plattform verkauft deine Coins, um den Kredit zu decken. Bei einem LTV von 50 % reicht ein Kursrückgang von 50 % aus, um die Liquidationsschwelle zu erreichen.

Ist Krypto-Lending in Deutschland legal?

Ja, Krypto-Lending ist in Deutschland legal. Kryptoverwahrung ist seit 2020 BaFin-erlaubnispflichtig (KWG § 1 Abs. 1a). Die MiCA-Verordnung gilt seit Dezember 2024 vollständig für Crypto-Asset Service Provider. Ein spezifisches Lending-Lizenzregime existiert noch nicht, aber Plattformen müssen BaFin- und MiCA-Anforderungen erfüllen.

Welche Risiken bestehen beim Krypto-Lending?

Die Hauptrisiken sind: Liquidation durch Kursrückgang, Plattforminsolvenz (Celsius, BlockFi und Voyager gingen 2022–2023 pleite), Hackerangriffe auf CeFi-Plattformen, Smart-Contract-Exploits bei DeFi und regulatorische Änderungen. Es gibt keine Einlagensicherung wie bei Bankkonten.

Was ist der Unterschied zwischen CeFi- und DeFi-Lending?

CeFi-Plattformen wie Nexo oder Binance verwahren deine Private Keys, verlangen KYC und sind benutzerfreundlich – tragen aber Insolvenzrisiko. DeFi-Protokolle wie Aave nutzen Smart Contracts, sind non-kustodial und permissionless, aber technisch anspruchsvoller und anfällig für Code-Exploits.

Wie groß ist der Krypto-Lending-Markt aktuell?

Im Q3 2025 erreichte der Krypto-Lending-Markt ein neues Allzeithoch von 73,59 Mrd. USD – mehr als das alte Hoch von 64,4 Mrd. USD aus Q4 2021. DeFi-Protokolle halten 55,7 % Marktanteil, CeFi-Anbieter 33,12 % und CDP-Stablecoins 11,18 %.


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