Themen in diesem Artikel:
- Warum du ein Tool brauchst: Erfahre, warum §23 EStG und hunderte Transaktionen manuelle Berechnung faktisch unmöglich machen.
- FIFO, LIFO & deutsches Steuerrecht: Verstehe, warum nur FIFO wallet-bezogen anerkannt ist und LIFO steuerrechtlich riskant bleibt.
- Die vier wichtigsten Tools im Überblick: Vergleiche CoinTracking, Blockpit, Koinly und Waltio nach Funktionen und Integrationen.
- Preisvergleich 2026: Finde heraus, was die Tools wirklich kosten – von 39 €/Jahr bis 552 €/Jahr je nach Transaktionsvolumen.
- DeFi, NFTs und Staking: Lerne, wo Steuer-Tools an ihre Grenzen stoßen und welches Tool DeFi am besten abdeckt.
- Welches Tool passt zu dir: Finde die passende Empfehlung für deinen Anleger-Typ – Einsteiger, DeFi-Trader oder DATEV-Nutzer.
- Häufige Fragen (FAQ): Überblick über die wichtigsten Fragen zu Steuerpflicht, FIFO-Methode und Tool-Auswahl.
Warum du als Krypto-Anleger ein Steuer-Tool brauchst
Krypto-Steuer-Tools sind spezialisierte Softwarelösungen, die Transaktionen dokumentieren, Gewinne berechnen und rechtskonforme Steuerberichte für das deutsche Finanzamt erstellen. Wer in Deutschland Kryptowährungen handelt, kommt an ihnen kaum vorbei.
Der rechtliche Rahmen ist eindeutig: Kryptowährungen gelten als private Veräußerungsgeschäfte nach § 23 EStG. Gewinne aus Verkäufen innerhalb der einjährigen Haltefrist sind steuerpflichtig und müssen in der Anlage SO (Sonstige Einkünfte) deiner Steuererklärung angegeben werden. Hältst du deine Coins länger als ein Jahr, sind Gewinne steuerfrei – diese Haltefristregel ist einer der wichtigsten Hebel zur legalen Steueroptimierung.
Das klingt zunächst überschaubar. Wird aber schnell komplex. Wer aktiv handelt, sammelt in einem einzigen Steuerjahr leicht mehrere hundert oder tausend Transaktionen an. Jede einzelne muss mit Kaufdatum, Kaufkurs, Verkaufsdatum, Verkaufskurs und der korrekten Haltefrist dokumentiert werden. Dazu kommen Staking-Rewards, Airdrops, Liquidity-Pool-Transaktionen, NFT-Käufe und -Verkäufe sowie Transfers zwischen eigenen Wallets.
Manuelle Berechnung ist dabei nicht nur zeitaufwendig – sie ist fehleranfällig. Ein falsch zugeordnetes Kaufdatum kann dazu führen, dass steuerfreie Gewinne fälschlicherweise als steuerpflichtig ausgewiesen werden oder umgekehrt. Beides ist problematisch: Im ersten Fall zahlst du zu viel, im zweiten riskierst du Nachzahlungen und Bußgelder.
Steuer-Tools automatisieren genau diese Arbeit. Sie importieren Transaktionen direkt per API oder CSV-Upload von Börsen, Wallets und Blockchains, klassifizieren jeden Vorgang, berechnen Gewinne und Verluste nach der in Deutschland vorgeschriebenen FIFO-Methode und erstellen am Ende einen fertigen Steuerbericht – inklusive Anlage SO, DATEV-Export oder Elster-kompatibler Ausgabe.
📌 Good to know
Das BMF-Schreiben vom 10.05.2022 ist die maßgebliche Verwaltungsanweisung für die steuerliche Behandlung von Kryptowährungen in Deutschland. Es regelt unter anderem die FIFO-Methode als anzuwendende Verbrauchsfolge (Rz. 61) und ist Grundlage für alle seriösen Steuer-Tools.
Das Risiko bei falscher oder fehlender Dokumentation ist real. Das Finanzamt kann Schätzungen vornehmen, wenn Unterlagen fehlen – und diese fallen selten zugunsten des Steuerpflichtigen aus. Ein Tool kostet zwischen 39 und 250 Euro pro Jahr. Das ist gemessen am potenziellen Schaden durch Fehler eine überschaubare Investition.
Besonders relevant: Wer mehrere Wallets und Börsen nutzt, muss alle Transaktionen konsolidiert betrachten. Ein Tool, das nur eine Börse importiert, liefert ein unvollständiges Bild. Die führenden Lösungen unterstützen deshalb 400 bis über 800 Integrationen – von Binance und Coinbase bis hin zu On-Chain-Wallets auf Ethereum, Solana oder Bitcoin.
FIFO, LIFO & Co.: Das deutsche Steuerrecht für Kryptowährungen erklärt
Die Wahl der Berechnungsmethode ist keine Geschmacksfrage – sie ist gesetzlich geregelt. Das BMF-Schreiben vom 10.05.2022 schreibt in Randnummer 61 die FIFO-Methode (First-In, First-Out) als anzuwendende Verbrauchsfolge für Kryptowährungen vor. Das bedeutet: Die zuerst gekauften Coins gelten als zuerst verkauft.
Entscheidend ist dabei eine oft übersehene Besonderheit: FIFO wird in Deutschland wallet-bezogen angewendet, nicht börsen- oder portfolioübergreifend. Wenn du auf Wallet A Bitcoin seit drei Jahren hältst und auf Wallet B Bitcoin erst vor zwei Monaten gekauft hast, dann gelten beim Verkauf von Wallet B die dort zuletzt gekauften Coins – nicht die ältesten aus Wallet A.
Diese wallet-bezogene Anwendung hat praktische Konsequenzen für die Steuerplanung. Wer seine langfristigen HODL-Bestände auf separaten Wallets von aktiv gehandelten Coins trennt, verhindert, dass steuerfreie Altbestände unbeabsichtigt „verbraucht“ werden. Das ist legal und sinnvoll – aber nur, wenn dein Steuer-Tool diese wallet-bezogene FIFO-Logik korrekt implementiert.
Die LIFO-Methode (Last-In, First-Out) – bei der die zuletzt gekauften Coins als zuerst verkauft gelten – ist von der deutschen Finanzverwaltung für Kryptowährungen faktisch abgelehnt. Manche Tools bieten LIFO technisch an, aber steuerrechtlich ist die Nutzung riskant. Im Streitfall mit dem Finanzamt wirst du mit LIFO-Berechnungen kaum Erfolg haben. Finger weg.
💡 Tip
Trenne deine langfristigen HODL-Bestände von aktiv gehandelten Coins auf separate Wallets. So verhinderst du, dass steuerfreie Coins durch die FIFO-Logik ungewollt als zuerst verkauft gelten. Alle führenden Steuer-Tools unterstützen diese Strategie durch wallet-bezogene FIFO-Berechnung.
Neben dem klassischen Kauf und Verkauf gibt es weitere steuerlich relevante Einkommensarten aus Krypto, die eigene Klassifizierungen erfordern:
- Staking-Rewards: Gelten als sonstige Einkünfte im Zuflusszeitpunkt, bewertet zum Marktkurs.
- Mining-Erträge: Können je nach Umfang gewerblich oder privat eingestuft werden.
- Lending-Zinsen: Sonstige Einkünfte, ebenfalls zum Zuflusszeitpunkt zu bewerten.
- Airdrops und Forks: Steuerliche Behandlung ist noch nicht abschließend geklärt, aber in der Regel als Einnahme im Zuflusszeitpunkt zu erfassen.
- Liquidity-Pool-Transaktionen: Besonders komplex – Ein- und Austritte können als Tauschgeschäfte gewertet werden und neue Haltefristen auslösen.
Für die Tool-Wahl bedeutet das: Nur Lösungen, die wallet-bezogene FIFO korrekt implementieren und alle gängigen Einkommensarten klassifizieren können, sind für die deutsche Steuererklärung wirklich geeignet. CoinTracking, Blockpit und Waltio erfüllen diese Anforderung explizit. Koinly ist international ausgerichtet und hat bei der deutschen Steuerrechtskonformität Einschränkungen.
Die vier wichtigsten Krypto-Steuer-Tools im Überblick
Der Markt für Krypto-Steuer-Software hat sich konsolidiert. Vier Tools dominieren den deutschsprachigen Raum – mit unterschiedlichen Stärken, Preismodellen und Zielgruppen. Hier ist, was du über jedes wissen musst.
CoinTracking
CoinTracking ist eines der ältesten und funktionsreichsten Tools am Markt. Mit über 400 Integrationen – Börsen, Wallets und Blockchains – bietet es die breiteste Abdeckung. Das kostenlose Kontingent von 200 Transaktionen ist das großzügigste im Vergleich und macht CoinTracking zum idealen Einstiegspunkt für Anleger mit wenigen Transaktionen. Besonders hervorzuheben: CoinTracking ist das einzige Tool im Vergleich, das explizit DATEV- und Elster-Export unterstützt – ein klarer Vorteil für Anleger, die mit einem Steuerberater zusammenarbeiten. Die Anlage SO wird automatisch erstellt. Der Kundensupport ist allerdings nur auf Englisch verfügbar, und die Benutzeroberfläche gilt als weniger modern als die der Konkurrenz.
Blockpit
Blockpit ist die DACH-spezialisierte Lösung schlechthin. Im November 2023 übernahm Blockpit das Tool CryptoTax, das seitdem nicht mehr als eigenständiges Produkt verfügbar ist – bestehende CryptoTax-Nutzer können ihre Daten migrieren. Blockpit unterstützt über 300 Börsen per API, mehr als 190 Blockchains und beeindruckende 2.300 bis 2.500 dApps. Der Kundensupport ist auf Deutsch, und Blockpit beschäftigt eigene Steuerexperten für den DACH-Raum. Die Anlage SO wird automatisch generiert. Das Portfolio-Tracking ist kostenlos und unbegrenzt nutzbar – für den Steuerberichts-Download ist jedoch ein kostenpflichtiger Plan erforderlich.
Koinly
Koinly ist international ausgerichtet und bietet mit über 800 Integrationen die breiteste Gesamtabdeckung. Besonders stark ist Koinly bei DeFi-Protokollen und internationalen Börsen. Das kostenlose Portfolio-Tracking und das NFT-Dashboard sind ohne Kosten nutzbar. Der entscheidende Nachteil für deutsche Anleger: Koinly erstellt keine automatische Anlage SO. Daten müssen manuell ins deutsche Steuerformular übertragen werden. Für Anleger mit vielen internationalen Positionen und DeFi-Aktivitäten ist Koinly dennoch eine starke Option – idealerweise in Kombination mit einem Steuerberater.
Waltio
Waltio positioniert sich als günstige, §23-EStG-konforme Alternative. Mit einem Einstiegspreis von rund 39 €/Jahr und automatischer Anlage-SO-Erstellung richtet sich Waltio an Anleger mit überschaubarem Portfolio und Fokus auf Einfachheit. Der Anbieter wirbt mit 100-prozentiger §23-EStG-Konformität. Detaillierte Angaben zu Integrationen und DeFi-Unterstützung sind weniger transparent als bei den drei Hauptwettbewerbern.
| Merkmal | CoinTracking | Blockpit | Koinly | Waltio |
|---|---|---|---|---|
| Kostenlose Transaktionen | 200 | 0 (nur Tracking) | 20 | 0 (nur Tracking) |
| Günstigster Jahresplan | ~39 € | 49 € | ~49 USD | ~39 € |
| Anlage SO automatisch | ✓ | ✓ | ✗ | ✓ |
| FIFO (Standard) | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ |
| §23 EStG-konform | ✓ | ✓ | eingeschränkt | ✓ |
| DATEV/Elster-Export | ✓ | k. A. | ✗ | k. A. |
| DeFi-Unterstützung | ✓ | ✓ | ✓ (sehr gut) | k. A. |
| NFT-Unterstützung | ✓ | ✓ | ✓ | k. A. |
| Staking/Mining/Lending | ✓ | ✓ | ✓ | k. A. |
| Deutscher Support | ✗ | ✓ | k. A. | k. A. |
| Integrationen gesamt | 400+ | 300+ Börsen | 800+ | k. A. |
Preisvergleich: Was kosten Krypto-Steuer-Tools wirklich?
Der Preis eines Krypto-Steuer-Tools hängt vor allem von einem Faktor ab: der Anzahl deiner Transaktionen. Wer wenig handelt, kommt günstig weg. Aktive Trader zahlen deutlich mehr. Hier sind die konkreten Zahlen für 2026.
CoinTracking – Preisstruktur
CoinTracking bietet das differenzierteste Preismodell. Der Einstieg liegt bei rund 39 €/Jahr für bis zu 100 Transaktionen. Der Pro-Plan kostet 96 €/Jahr und deckt bis zu 3.500 Transaktionen ab – das ist die sinnvollste Wahl für die meisten aktiven Anleger. Wer noch mehr handelt, zahlt für den Expert-Plan 156 €/Jahr (bis 100.000 Transaktionen) oder für den Unlimited-Plan 552 €/Jahr ohne Transaktionslimit. Besonders interessant: CoinTracking bietet als einziges Tool eine lebenslange Lizenz ab 379 € – für Langzeitnutzer mit hohem Transaktionsvolumen kann sich das rechnen.
Blockpit – Preisstruktur
Blockpit startet mit dem Lite-Plan bei 49 €/Jahr für bis zu 50 Transaktionen. Das ist im direkten Vergleich der teuerste Einstieg für wenige Transaktionen. Der Basic-Plan liegt bei 99 €/Jahr (bis 1.000 Transaktionen), der Pro-Plan bei 249 €/Jahr für bis zu 25.000 Transaktionen. Das Portfolio-Tracking ist kostenlos und unbegrenzt nutzbar – aber für den Steuerberichts-Download brauchst du zwingend einen bezahlten Plan.
Koinly – Preisstruktur
Koinly bietet einen kostenlosen Plan für bis zu 20 Transaktionen. Der günstigste kostenpflichtige Plan startet bei rund 49 USD/Jahr für 100 Transaktionen. Da Koinly in USD abrechnet, schwankt der effektive Euro-Preis mit dem Wechselkurs. Das Portfolio-Tracking und das NFT-Dashboard sind kostenlos nutzbar.
Waltio – Preisstruktur
Waltio positioniert sich als günstigste Option mit einem Einstiegspreis von rund 39 €/Jahr – auf Augenhöhe mit CoinTracking. Für Anleger mit wenigen Transaktionen und Fokus auf §23-EStG-Konformität ist das attraktiv.
Ein wichtiger Punkt, den viele Nutzer übersehen: Bei keinem der Tools ist der Steuerberichts-Download in der kostenlosen Version enthalten. Portfolio-Tracking ist oft gratis, aber sobald du einen fertigen Steuerbericht exportieren willst, wird gezahlt. Das ist der entscheidende Unterschied zwischen kostenlosem Tracking und echter Steuer-Funktionalität.
Günstigster Jahresplan im Vergleich (€/Jahr)
Das Transaktionsvolumen ist der entscheidende Preistreiber. Ein Anleger mit 50 Transaktionen zahlt bei Blockpit 49 €/Jahr. Wer 3.500 Transaktionen hat, zahlt bei CoinTracking 96 €/Jahr – und bekommt dabei deutlich mehr Funktionen als bei Blockpits Basic-Plan für 99 €/Jahr (1.000 Transaktionen). Der direkte Vergleich lohnt sich also immer auf Basis deines tatsächlichen Transaktionsvolumens.
DeFi, NFTs und Staking: Wo Steuer-Tools an ihre Grenzen stoßen
Der einfache Kauf und Verkauf von Bitcoin oder Ethereum auf einer zentralen Börse ist für moderne Steuer-Tools kein Problem mehr. Die echte Herausforderung liegt in der Welt von DeFi, NFTs und Staking – und hier zeigen sich die größten Unterschiede zwischen den Tools.
DeFi: Die komplexeste Baustelle
Dezentrale Finanztransaktionen sind steuerlich besonders anspruchsvoll. Wenn du Liquidität in einen Pool einbringst, erhältst du LP-Token. Wenn du diese LP-Token später zurückgibst, erhältst du deine ursprünglichen Assets zurück – plus Gebührenanteile. Jeder dieser Schritte kann als steuerpflichtiges Tauschgeschäft gewertet werden und neue Haltefristen auslösen. Yield-Farming-Rewards müssen zum Zuflusszeitpunkt bewertet werden. Swaps auf dezentralen Börsen wie Uniswap oder PancakeSwap sind ebenfalls steuerpflichtige Tauschvorgänge.
Das größte praktische Problem: fehlende historische Preisdaten. Für viele kleine DeFi-Token gibt es keine zuverlässigen historischen Kursdaten. Wenn ein Tool keinen Preis findet, muss der Nutzer manuell eingreifen – oder der Steuerbericht ist unvollständig. Koinly gilt hier als besonders stark: Mit über 800 Integrationen und expliziter DeFi-Unterstützung erkennt das Tool viele Protokolle automatisch. Blockpit unterstützt beeindruckende 2.300 bis 2.500 dApps und über 190 Blockchains – das ist die breiteste On-Chain-Abdeckung im Vergleich.
NFTs: Datenlücken als Hauptproblem
NFT-Transaktionen sind steuerlich wie Tauschgeschäfte zu behandeln. Kaufst du ein NFT mit ETH, tauschst du ETH gegen das NFT – das ist ein steuerpflichtiger Vorgang, wenn die ETH innerhalb der Haltefrist gehalten wurden. Verkaufst du das NFT später, entsteht ein weiterer steuerpflichtiger Vorgang. Das Problem: Viele NFT-Marktplätze liefern unvollständige On-Chain-Daten, und die Bewertungsgrundlagen für seltene oder illiquide NFTs sind schwierig zu bestimmen. CoinTracking und Blockpit bieten explizite NFT-Unterstützung, Koinly ebenfalls. Bei sehr komplexen NFT-Portfolios empfiehlt sich trotzdem die Rücksprache mit einem Steuerberater.
Staking, Mining und Lending
Alle drei Haupttools – CoinTracking, Blockpit und Koinly – unterstützen Staking-Rewards, Mining-Erträge, Lending-Zinsen, Airdrops und Forks. Die automatische Klassifizierung dieser Einkommensarten ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber manueller Berechnung. Staking-Rewards werden zum Zuflusszeitpunkt als sonstige Einkünfte erfasst und bewertet. Beim späteren Verkauf der gestakten Coins beginnt eine neue Haltefrist ab dem Zeitpunkt des Zuflusses.
Die wichtigste Empfehlung für komplexe DeFi-Portfolios: Nutze das Tool als Datenbasis, nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage. Bei unklaren Klassifizierungen, fehlenden Preisdaten oder ungewöhnlichen Protokollen sollte ein auf Krypto spezialisierter Steuerberater hinzugezogen werden. Die Tools liefern die Rohdaten – die steuerrechtliche Einordnung im Grenzfall bleibt Expertenarbeit.
📌 Good to know
Blockpit unterstützt über 2.300 dApps und 190 Blockchains – das ist die breiteste On-Chain-Abdeckung im Vergleich. Wer intensiv in DeFi-Protokolle investiert, profitiert von dieser Tiefe besonders.
Welches Tool passt zu welchem Anleger-Typ?
Es gibt kein universell bestes Krypto-Steuer-Tool. Die richtige Wahl hängt von deinem Transaktionsvolumen, deiner Börsennutzung, deiner DeFi-Aktivität und deiner Bereitschaft ab, mit einem Steuerberater zusammenzuarbeiten. Hier sind klare Empfehlungen nach Anleger-Typ.
Einsteiger mit wenigen Transaktionen
Wenn du weniger als 200 Transaktionen im Jahr hast und hauptsächlich auf einer oder zwei großen Börsen handelst, ist CoinTracking die erste Wahl. Das kostenlose Kontingent von 200 Transaktionen erlaubt dir, das Tool vollständig zu testen und dein Portfolio zu verwalten – ohne sofort zahlen zu müssen. Der Steuerberichts-Download erfordert dann einen kostenpflichtigen Plan ab ~39 €/Jahr, aber der Einstieg ist risikolos.
DACH-fokussierte Anleger mit Priorität auf Steuerkonformität
Blockpit ist die klare Empfehlung, wenn dir deutscher Support, eigene Steuerexperten für den DACH-Raum und eine saubere Benutzeroberfläche wichtig sind. Blockpit wurde nach der Übernahme von CryptoTax zur führenden deutschsprachigen Lösung ausgebaut. Die automatische Anlage-SO-Erstellung und die explizite §23-EStG-Konformität machen es zur sichersten Wahl für Anleger, die keine Kompromisse bei der Steuerrechtskonformität eingehen wollen.
Aktive DeFi-Trader mit internationalen Börsen
Wer intensiv auf dezentralen Protokollen aktiv ist und viele internationale Börsen nutzt, sollte Koinly in Betracht ziehen. Die über 800 Integrationen und die starke DeFi-Erkennungsrate sind hier entscheidend. Der Nachteil – keine automatische Anlage SO – lässt sich durch die Zusammenarbeit mit einem Steuerberater kompensieren, der die Koinly-Berichte in die deutsche Steuererklärung überführt.
Anleger mit Steuerberater und DATEV-Anbindung
Wenn du ohnehin mit einem Steuerberater zusammenarbeitest und dieser DATEV nutzt, ist CoinTracking die einzige Option im Vergleich mit explizitem DATEV- und Elster-Export. Das spart deinem Steuerberater Zeit und dir damit Geld. Der englischsprachige Support ist in diesem Szenario kein Problem, da die Kommunikation über den Steuerberater läuft.
Langzeitnutzer mit hohem Transaktionsvolumen
Wer über mehrere Jahre hinweg aktiv handelt und jährlich tausende Transaktionen generiert, sollte die lebenslange Lizenz von CoinTracking ab 379 € ernsthaft in Betracht ziehen. Bei einem jährlichen Pro-Plan von 96 €/Jahr amortisiert sich die lebenslange Lizenz nach etwa vier Jahren. Der Unlimited-Plan für 552 €/Jahr rechnet sich dagegen nur bei sehr hohem Volumen.
Nutzer mit Fokus auf einfache Bedienung
Sowohl Blockpit als auch Koinly gelten als benutzerfreundlicher als CoinTracking. Wer eine moderne, intuitive Oberfläche bevorzugt und keine komplexen DeFi-Strukturen hat, ist mit Blockpit für den deutschen Markt am besten bedient. Koinly ist eine gute Alternative, wenn internationale Börsen im Vordergrund stehen.
Ein letzter, wichtiger Hinweis: Die Tool-Wahl beeinflusst direkt die Qualität deines Steuerberichts. Der Unterschied zwischen automatischer Anlage-SO-Erstellung und manueller Übertragung ist nicht nur ein Komfortthema – er ist ein Fehlerrisiko-Thema. Für die deutsche Steuererklärung sind CoinTracking, Blockpit und Waltio die sichereren Optionen.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich Krypto-Gewinne in Deutschland versteuern?
Ja. Gewinne aus Krypto-Verkäufen innerhalb der einjährigen Haltefrist sind nach §23 EStG als private Veräußerungsgeschäfte steuerpflichtig und in der Anlage SO anzugeben. Nach Ablauf der Haltefrist sind Gewinne steuerfrei.
Welche Berechnungsmethode ist in Deutschland für Krypto vorgeschrieben?
Das BMF-Schreiben vom 10.05.2022 schreibt die FIFO-Methode (First-In, First-Out) vor, angewendet wallet-bezogen. LIFO ist von der deutschen Finanzverwaltung nicht anerkannt und steuerrechtlich riskant.
Welches Tool erstellt automatisch die Anlage SO für das deutsche Finanzamt?
CoinTracking, Blockpit und Waltio erstellen die Anlage SO automatisch. Koinly unterstützt kein deutsches Steuerformular direkt – die Daten müssen manuell in die Steuererklärung übertragen werden.
Was ist mit CryptoTax passiert?
CryptoTax wurde im November 2023 von Blockpit übernommen und ist nicht mehr als eigenständiges Tool verfügbar. Bestehende CryptoTax-Nutzer können ihre Daten auf ein Blockpit-Konto migrieren.
Gibt es vollständig kostenlose Krypto-Steuer-Tools?
Vollständig kostenlose Steuerberichte gibt es nicht. CoinTracking bietet das größte kostenlose Kontingent mit 200 Transaktionen, aber der Steuerberichts-Download erfordert einen kostenpflichtigen Plan. Portfolio-Tracking ist bei Blockpit und Koinly kostenlos.
Warum ist die wallet-bezogene FIFO-Anwendung steuerlich so wichtig?
Weil FIFO wallet-bezogen gilt, werden ältere steuerfreie Coins nicht unbeabsichtigt verbraucht. Wer HODL- und Trading-Bestände auf getrennten Wallets hält, kann die Steuerlast legal optimieren – vorausgesetzt, das Tool implementiert diese Logik korrekt.
Unterstützen die Tools auch Staking, Mining und DeFi-Transaktionen?
CoinTracking, Blockpit und Koinly unterstützen Staking, Mining, Lending, Airdrops, Forks und Liquidity Pools. Bei komplexen DeFi-Portfolios empfiehlt sich zusätzlich ein auf Krypto spezialisierter Steuerberater für Grenzfälle.



