China hat einen historischen Meilenstein in der Energiewende erreicht: Erstmals übertrifft die installierte Leistung von Solaranlagen die der Kohlekraftwerke. Bis Ende Juli 2024 erreichten Photovoltaikanlagen eine Gesamtkapazität von 1.286 Gigawatt, während Kohlekraftwerke bei 1.285 Gigawatt lagen. Solarstrom macht damit 31,5 Prozent der gesamten installierten Stromerzeugungskapazität aus.
Solarausbau konzentriert sich auf West- und Nordwestchina
Der massive Ausbau erneuerbarer Energien erfolgt vor allem in den westlichen und nordwestlichen Regionen des Landes, wo weitläufige Flächen mit Solarzellen ausgestattet wurden. Diese geografische Konzentration ermöglicht die Nutzung großer, dünn besiedelter Gebiete für die Stromerzeugung.
Kohle bleibt trotz Rückstand zentral im Energiemix
Trotz des symbolischen Überholens durch Solarenergie bleibt China der weltgrößte Emittent von Treibhausgasen, hauptsächlich aufgrund der umfangreichen Kohlenutzung. Der günstige Preis für Kohlestrom sichert dessen Position als wichtiges Backup-System während Energiekrisen. Zusätzlich setzt China auf Kohlevergasung zur Herstellung chemischer Stoffe, wodurch die Abhängigkeit von Erdölimporten reduziert wird.
Verlangsamung beim Photovoltaik-Zubau: Minus 62 Prozent
Zwischen Januar und Juli 2024 wurden 62 Prozent weniger neue Solarkapazitäten installiert als im Vorjahreszeitraum. Diese deutliche Verlangsamung resultiert aus einer grundlegenden Regeländerung: Seit Sommer 2023 entfallen staatliche Preisgarantien für Solarstrom-Projekte. Stattdessen bestimmen nun Marktkräfte die Strompreise, was die Investitionssicherheit für neue Anlagen verringert hat.
Energiestrategie zwischen Klimaschutz und Versorgungssicherheit
China steht vor der Herausforderung, den Ausbau erneuerbarer Energien mit der Versorgungssicherheit in Einklang zu bringen. Während Solarenergie nachhaltig ist, bietet Kohle Preisstabilität und Krisensicherheit. Die neue marktbasierte Preisgestaltung für Solarstrom könnte den weiteren Ausbau beeinflussen.
