Jens Weidmann, Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank, hält die fortgesetzte Beteiligung des Bundes an der Bank angesichts des laufenden Übernahmewettbewerbs mit Unicredit für sinnvoll. Der Bund besitzt derzeit rund 12 Prozent der Anteile und ist nach der italienischen Unicredit zweitgrößter Aktionär. Unicredit kontrolliert mittlerweile fast 50 Prozent der Commerzbank-Anteile.
Beteiligungsstruktur nach Unicredit-Einstieg
Der Bund hält seit der Finanzkrise Anteile an der Commerzbank. Vor zwei Jahren verkaufte er einen Teil seiner Beteiligung, was Unicredit zum Einstieg nutzte. Die italienische Bank unterbreitete im Mai ein Übernahmeangebot. Von den insgesamt rund 73 Prozent angebotenen Aktien wurden lediglich knapp 18 Prozent tatsächlich angenommen. Das Interesse von Groß- und Privatanlegern blieb gering: Weniger als drei Prozent beteiligten sich aktiv, der Großteil der Annahmen entfiel auf Banken in Verbindung mit Unicredit.
Kritik am deutschen Übernahmerecht
Weidmann sieht das Vorgehen von Unicredit kritisch. Trotz eines finanziell wenig attraktiven Angebots ohne angemessene Kontrollprämie konnte sich die italienische Bank eine Mehrheit sichern. Diese Entwicklung legt nach seiner Einschätzung nahe, dass das deutsche Übernahmerecht einer Revision bedarf.
Kostensenkungspläne und operative Auswirkungen
Weidmann äußerte Bedenken zu den Kostensenkungsplänen von Unicredit. Um innerhalb eines Jahres Kosten in Höhe von 1,3 Milliarden Euro einzusparen, seien umfassende Maßnahmen erforderlich. Dies könnte signifikante Reduzierungen im operativen Geschäftsfeld in Deutschland nach sich ziehen, mit weitreichenden Konsequenzen für Arbeitnehmer und Kundenbeziehungen. Langfristig sei ein Rückzug des Bundes wünschenswert, kurzfristig jedoch diene die staatliche Präsenz der Wahrung deutscher Interessen im Übernahmeprozess.
