Zins-Monitor: Durchschnittszinsen für Tagesgeld, Festgeld und Dispo im Monatsvergleich

Das Wichtigste in Kürze:

Der Zins-Monitor für Juli 2026: Tagesgeld bringt im Marktdurchschnitt rund 1,95 Prozent, die besten fünf Anbieter zahlen im Schnitt 3,79 Prozent. Zweijähriges Festgeld liegt bei rund 2,34 Prozent, der Dispozins bei rund 11,3 Prozent. Dazu: EZB-Zinswende im Juni 2026, 12-Monats-Verlauf und Realzins-Rechnung.

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Themen in diesem Artikel:

  • Zins-Überblick: Alle Durchschnittszinsen für Juli 2026 auf einen Blick.
  • Tagesgeld: Rund 1,95 % im Schnitt, Top-Banken zahlen deutlich mehr.
  • Festgeld: Was 1 bis 10 Jahre Laufzeit aktuell im Schnitt bringen.
  • 12-Monats-Verlauf: Vom Zinstief im Herbst 2025 bis zur Wende.
  • Dispozins: Warum du im Schnitt rund 11,3 % fürs Minus zahlst.
  • EZB und Ausblick: Zinserhöhung im Juni 2026 und die Prognose.

Zins-Monitor Juli 2026: Die wichtigsten Durchschnittszinsen im Überblick

Tagesgeld bringt im Juli 2026 im Marktdurchschnitt rund 1,95 Prozent pro Jahr — die besten fünf Banken zahlen im Schnitt 3,79 Prozent, einzelne Aktionsangebote reichen bis 4,05 Prozent. Das zeigen die aktuellen Marktauswertungen (Stand: Juli 2026).

Damit hat sich der Sparzinsmarkt spürbar gedreht. Zum 1. Juli 2026 stiegen die durchschnittlichen Tagesgeldzinsen den zehnten Monat in Folge — zuletzt um zehn Basispunkte von 1,85 auf 1,95 Prozent. Auslöser der jüngsten Beschleunigung: Die Europäische Zentralbank hat am 11. Juni 2026 erstmals seit September 2023 die Leitzinsen wieder erhöht.

Der Zins-Monitor bündelt die wichtigsten Marktdaten zu Tagesgeld, Festgeld und Dispokredit an einem Ort. Alle Zahlen stammen aus Primärquellen wie der Bundesbank-MFI-Zinsstatistik, laufenden Marktauswertungen sowie Untersuchungen der Stiftung Warentest. Wir aktualisieren die Daten monatlich — als Teil unserer Rubrik Geldanlagen.

Alle Kennzahlen in einer Tabelle

Zinsprodukt Durchschnitt (Stand: Juli 2026) Top-Konditionen
Tagesgeld (Marktschnitt) rund 1,95 % p. a. bis rund 4,05 % (Aktionszins für Neukunden)
Tagesgeld (Top 5 Banken) rund 3,79 % p. a. achter Monat in Folge über 3 %
Bestandseinlagen (Bundesbank) rund 0,26 % p. a. (täglich fällige Einlagen, Frühjahr 2026) zeigt die Lücke zwischen Bestand und Neukundenmarkt
Festgeld 1 Jahr Top-Zins bis 3,21 % p. a. rund 3,0 % auch mit deutscher Einlagensicherung
Festgeld 2 Jahre rund 2,34 % p. a. im Schnitt bis rund 3,2 % bei den besten Anbietern
Festgeld 5–10 Jahre Top-Zinsen bis rund 3,50–3,65 % p. a. längste Laufzeiten mit den höchsten Sätzen
Dispozins rund 11,2–11,3 % p. a. Spanne von rund 2,1 % bis über 15 %
EZB-Einlagenzins 2,25 % (seit 17. Juni 2026) erste Erhöhung seit September 2023

Die Spannbreite ist bemerkenswert: Zwischen dem, was Banken ihren Bestandskunden auf täglich fällige Einlagen zahlen (rund 0,26 Prozent laut Bundesbank-Zinsstatistik), und den besten Neukundenangeboten (über 4 Prozent) liegt mehr als der Faktor 15. Wer sein Geld nicht bewegt, verschenkt aktuell so viel Rendite wie selten zuvor.

Zinssätze im Vergleich: Sparzinsen gegen Dispozins (Juli 2026)

Dispozins (Durchschnitt)Dispozins (Durchschnitt): rund 11,2–11,3 %rund 11,2–11,3 %Tagesgeld Top‑5 BankenTagesgeld Top‑5 Banken: 3,79 %3,79 %Festgeld 1 Jahr (Top-Zins)Festgeld 1 Jahr (Top-Zins): bis 3,21 %bis 3,21 %Festgeld 2 Jahre (Schnitt)Festgeld 2 Jahre (Schnitt): 2,34 %2,34 %EZB-EinlagenzinsEZB-Einlagenzins: 2,25 %2,25 %Tagesgeld MarktschnittTagesgeld Marktschnitt: 1,95 %1,95 %Bestandseinlagen (Bundesbank)Bestandseinlagen (Bundesbank): 0,26 %0,26 %
Quellen: Marktauswertungen, Deutsche Bundesbank, EZB — Stand: Juli 2026. Werte p. a., gerundet.

Durchschnittszinsen Tagesgeld: Was Banken aktuell wirklich zahlen

Die Durchschnittszinsen für Tagesgeld liegen im Juli 2026 bei rund 1,95 Prozent pro Jahr über alle bundesweit verfügbaren Angebote. Das ist der höchste Stand seit Anfang 2025 — und der zehnte Monatsanstieg in Folge, wie die laufende Marktanalyse zeigt.

Der Marktdurchschnitt erzählt aber nur die halbe Geschichte. Die Streuung zwischen den Bankengruppen ist enorm:

  • Top-5-Anbieter: Die besten fünf Banken zahlen im Schnitt 3,79 Prozent — ein Plus von 43 Basispunkten allein gegenüber dem Vormonat (3,36 Prozent).
  • Direktbanken und überregionale Institute: Der reguläre Bestandskundenzins bundesweit verfügbarer Angebote liegt im Schnitt bei rund 1,34 Prozent (Auswertungsstand 8. Juni 2026). Das ist rund dreimal so viel wie bei den Regionalinstituten — und liegt trotzdem unter dem Marktschnitt von 1,95 Prozent, weil in diesen Wert die befristeten Aktionszinsen bewusst nicht einfließen.
  • Regionale Institute: Örtliche Sparkassen zahlten zuletzt im Schnitt nur rund 0,38 Prozent, regionale Genossenschaftsbanken rund 0,44 Prozent — auf derselben Bestandskundenbasis gemessen also rund ein Drittel dessen, was bundesweite Direktbanken bieten.
  • Bestandseinlagen insgesamt: Über alle täglich fälligen Einlagen privater Haushalte weist die Bundesbank-MFI-Zinsstatistik für das Frühjahr 2026 nur rund 0,26 Prozent aus.

Wichtig zum Einordnen: Der Marktschnitt von 1,95 Prozent und die Werte der einzelnen Bankengruppen messen nicht dasselbe. In den Marktschnitt fließen die aktuell beworbenen Konditionen von über 100 bundesweit verfügbaren Banken ein — samt der befristeten Aktionszinsen, die den Schnitt nach oben ziehen. Die Gruppenwerte nach Bankengruppen erfassen dagegen ausschließlich die regulären Bestandskundenzinsen ohne jedes Aktionsangebot. Deshalb liegt der Direktbanken-Wert von 1,34 Prozent rechnerisch unter dem Marktschnitt, obwohl Direktbanken die mit Abstand höchsten Tagesgeldzinsen zahlen.

Die Lücke zwischen Neukundenmarkt und Bestandszins ist das eigentliche Kernergebnis dieses Zins-Monitors. Bei 10.000 Euro Guthaben macht der Unterschied zwischen 0,26 Prozent (Bestandsschnitt) und 3,79 Prozent (Top-5-Schnitt) rund 353 Euro Zinsen pro Jahr aus — vor Steuern, ohne jedes zusätzliche Risiko innerhalb der gesetzlichen Einlagensicherung.

Aktionszinsen richtig einordnen

Die Spitzenwerte von bis zu 4,05 Prozent sind fast immer Aktionszinsen für Neukunden, befristet auf typischerweise drei bis sechs Monate. Danach fällt die Verzinsung auf den deutlich niedrigeren Bestandszins des jeweiligen Instituts zurück. Für die Vergleichbarkeit im Monat ist deshalb der Top-5-Durchschnitt von rund 3,79 Prozent die ehrlichere Messlatte als der einzelne Spitzenwert.

Warum die Bestandszinsen so weit zurückhängen

Der Bundesbank-Wert von rund 0,26 Prozent für täglich fällige Einlagen wirkt auf den ersten Blick wie ein Widerspruch zum Marktdurchschnitt von 1,95 Prozent. Er ist keiner: Die MFI-Zinsstatistik misst, was auf allen bestehenden Konten tatsächlich gezahlt wird — inklusive der Milliarden, die unverzinst oder fast unverzinst auf Girokonten und alten Sparkonten liegen. Die Vergleichsportale messen dagegen nur aktiv beworbene Tagesgeldangebote.

Genau diese Differenz ist das Geschäftsmodell vieler Institute: Sie refinanzieren sich über billige Bestandseinlagen und locken parallel mit hohen Aktionszinsen neue Gelder an. Für dich als Sparer heißt das im Umkehrschluss: Der Marktzins ist nicht das Problem — die Trägheit des eigenen Geldes ist es. Wer sein Guthaben einmal im Jahr aktiv umschichtet, holt sich die Differenz zurück.

📌 Good to know

Tagesgeld ist bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt — in Deutschland wie in allen EU-Ländern. Ein höherer Zins bei einer anderen EU-Bank bedeutet innerhalb dieser Grenze kein höheres rechtliches Sicherungsniveau nach unten.

Festgeld-Zinsen nach Laufzeit: Die Zinskurve steht wieder normal

Festgeld mit zwei Jahren Laufzeit bringt im Juli 2026 im Schnitt rund 2,34 Prozent pro Jahr, die besten Anbieter zahlen bis zu rund 3,2 Prozent — das zeigt die aktuelle Auswertung bundesweit verfügbarer Angebote. Ein breiter gefasster Marktindex, der auch regionale Institute einbezieht, lag für zweijähriges Festgeld Mitte Juni 2026 bei rund 2,04 Prozent.

Bemerkenswert ist die Form der Zinskurve. In der Zinssenkungsphase 2024/2025 war sie zeitweise invers — kurze Laufzeiten brachten mehr als lange. Seit der Zinswende hat sich das normalisiert: Je länger du dein Geld bindest, desto höher der Zins.

  • 1 Jahr: Top-Angebote bis 3,21 Prozent; auch Institute mit deutscher Einlagensicherung zahlen bis rund 3,0 Prozent.
  • 2 Jahre: Im Schnitt rund 2,34 Prozent, Spitze bei rund 3,2 Prozent.
  • 2–3 Jahre (Spitzenfeld): Die besten Angebote bewegen sich um 3,0 bis 3,2 Prozent.
  • 5–10 Jahre: Top-Konditionen bis rund 3,50 bis 3,65 Prozent — die höchsten Sparzinsen im Markt überhaupt.

Zum 1. Juli 2026 stiegen die durchschnittlichen Festgeldzinsen gegenüber dem Vormonat bei einjähriger Laufzeit um bis zu 5 Prozent (relativ). Der Markt preist also nicht nur die eine EZB-Erhöhung vom Juni ein, sondern bereits die Erwartung weiterer Schritte.

Auslandsbanken dominieren das Spitzenfeld

Ein Muster zieht sich durch alle Laufzeiten: Die höchsten Festgeldzinsen zahlen überwiegend Banken aus anderen EU-Ländern, die über Zinsplattformen oder direkt um deutsche Sparer werben. Institute mit deutscher Einlagensicherung liegen typischerweise 10 bis 20 Basispunkte darunter, haben aber zuletzt deutlich aufgeholt — bei einem Jahr Laufzeit sind auch hierzulande rund 3 Prozent erreichbar.

Rechtlich gilt in der gesamten EU dieselbe Sicherungsgrenze von 100.000 Euro pro Kunde und Bank. Praktisch solltest du bei Auslandsbanken zwei Punkte prüfen: die Abwicklung der Quellensteuer im Sitzland und die Frage, ob die Zinsgutschrift jährlich oder erst am Laufzeitende erfolgt — beides beeinflusst die Nettorendite und den Steuerzeitpunkt.

Tagesgeld oder Festgeld — was lohnt sich jetzt?

In einer Phase steigender Zinsen spricht vieles für eine Kombination: Ein Teil bleibt flexibel auf dem Tagesgeldkonto und profitiert von künftigen Erhöhungen, ein Teil sichert sich die aktuell hohen Festgeldzinsen für zwei bis drei Jahre. Wer alles langfristig festlegt, verzichtet auf mögliche weitere Zinsschritte; wer alles täglich fällig hält, verschenkt den Laufzeitaufschlag von aktuell rund einem Prozentpunkt.

💡 Tip

Mit einer Zinstreppe teilst du deinen Anlagebetrag auf mehrere Festgelder mit gestaffelten Laufzeiten (z. B. 1, 2 und 3 Jahre). So wird jedes Jahr ein Teil frei, den du zum dann gültigen Zinsniveau neu anlegen kannst — ein eingebauter Schutz gegen falsches Timing.

12-Monats-Verlauf: Vom Zinstief zur Zinswende

Die vergangenen zwölf Monate waren ein kompletter Zyklus im Schnelldurchlauf: erst der Boden der Zinssenkungsphase, dann Seitwärtsbewegung, schließlich die Wende nach oben. Auf 12-Monats-Sicht sind die durchschnittlichen Tagesgeldzinsen um rund 14,7 Prozent gestiegen, bei den fünf besten Banken sogar um rund 32,5 Prozent (relativ).

Die wichtigsten Etappen im Überblick:

Zeitpunkt Tagesgeld-Marktschnitt Marktereignis
Anfang 2025 rund 2,17 % p. a. EZB-Senkungszyklus läuft, Zinsen im Sinkflug
Juni 2025 weiter fallend EZB-Einlagenzins nach acht Senkungen bei 2,00 %
September 2025 rund 1,57 % p. a. (Tiefpunkt) Boden des Zinszyklus erreicht
Oktober 2025 Wende nach oben erste Anbieter erhöhen wieder, EZB pausiert
Juni 2026 rund 1,85 % p. a. EZB erhöht am 11. Juni erstmals seit 2023
Juli 2026 rund 1,95 % p. a. zehnter Monatsanstieg in Folge, Top 5 bei 3,79 %

Auffällig ist das Tempo der Erholung im Spitzenfeld. Während der Marktdurchschnitt seit dem Tief im September 2025 um rund 38 Basispunkte zulegte (von 1,57 auf 1,95 Prozent), zogen die Top-5-Angebote allein von Juni auf Juli 2026 um 43 Basispunkte an. Der Wettbewerb um Neukunden läuft der Geldpolitik voraus — die aggressivsten Anbieter preisen weitere EZB-Schritte bereits heute ein.

Für Bestandskunden regionaler Institute kam die Wende dagegen bislang kaum an: Sparkassen und genossenschaftliche Banken haben ihre Tagesgeldzinsen im Jahresverlauf im Schnitt sogar um rund ein Drittel gesenkt. Der Abstand zwischen träge gepreisten Filialkonten und dem umkämpften Online-Markt hat sich damit weiter vergrößert.

Was der Verlauf für deine Anlageentscheidung bedeutet

Der Blick auf zwölf Monate liefert zwei praktische Lehren. Erstens: Zinstiefs kündigen sich nicht an — wer im September 2025 lange Laufzeiten zum Tiefstzins festgeschrieben hat, ärgert sich heute. Zweitens: Die Wende nach oben kam beim Tagesgeld schneller an als beim Bestandszins der Hausbank. In Übergangsphasen ist Flexibilität deshalb mehr wert als in stabilen Zinsphasen.

Historisch bleibt das aktuelle Niveau moderat: In der Nullzinsphase bis 2022 lagen Tagesgeldzinsen im Marktdurchschnitt nahe null, teils drohten sogar Verwahrentgelte. Gemessen daran ist ein Top-5-Schnitt von rund 3,79 Prozent bei täglich verfügbarem Geld ein Umfeld, das es in dieser Form zuletzt vor der Finanzkrise gab — damals allerdings bei deutlich höherer Inflation.

Historische Einordnung: kein Vergleich zur Nullzinsphase

Der langfristige Blick relativiert jede kurzfristige Schwankung. Zwischen 2016 und Mitte 2022 lag der EZB-Einlagenzins bei null oder darunter — Tagesgeld brachte marktbreit praktisch nichts, viele Banken erhoben zeitweise sogar Verwahrentgelte auf größere Guthaben. Gemessen daran ist selbst der aktuelle Marktdurchschnitt von rund 1,95 Prozent ein anderes Zeitalter, und die Top-Angebote um 4 Prozent markieren das obere Ende dessen, was Sparer seit der Finanzkrise gesehen haben.

Wichtig für die Einordnung des Monatsvergleichs: Der aktuelle Anstieg ist kein einmaliger Ausreißer, sondern ein seit Oktober 2025 laufender Trend, der durch die EZB-Erhöhung im Juni 2026 zusätzlichen Schub bekommen hat. Ob er trägt, entscheidet sich an der Inflationsentwicklung der kommenden Monate — genau deshalb führen wir diesen Monitor monatlich fort.

Tagesgeld-Marktschnitt im Verlauf: vom Tiefpunkt zur Zinswende

1,4 %1,6 %1,8 %2,0 %2,2 %2,4 %EZB-Erhöhung 11. Juni 2026Jan. 2025: 2,17 %2,17 %Sep. 2025: 1,57 %1,57 %Juni 2026: 1,85 %1,85 %Juli 2026: 1,95 %1,95 %Jan. 2025Sep. 2025Juni 2026Juli 2026
Quelle: Marktschnitt Tagesgeld p. a. — Stand: Juli 2026.

Dispozins im Schnitt bei rund 11,3 Prozent: Die teure Kehrseite

Während Sparzinsen steigen, bleibt der Dispokredit hartnäckig teuer: Der durchschnittliche Dispozins in Deutschland liegt 2026 bei rund 11,2 bis 11,3 Prozent pro Jahr. Die Stiftung Warentest ermittelte in ihrer Erhebung zuletzt einen Schnitt von 11,22 Prozent, Auswertungen auf Basis der BaFin-Daten kommen auf rund 11,31 Prozent.

Die Spannbreite zwischen den Instituten ist gewaltig: Sie reicht laut Stiftung Warentest von rund 2,1 Prozent bei den günstigsten bis über 15,3 Prozent bei den teuersten Banken. Für die geduldete Überziehung — also das Minus jenseits des eingeräumten Rahmens — wurden im Schnitt sogar rund 13,1 Prozent fällig.

Setzt man die Zahlen ins Verhältnis, wird die Asymmetrie deutlich: Auf dem Girokonto und vielen Tagesgeldkonten regionaler Institute bekommst du unter 0,5 Prozent Guthabenzins — rutschst du auf demselben Konto ins Minus, zahlst du im Schnitt mehr als das Zwanzigfache. Die Marge zwischen Einlagen- und Dispozins gehört zu den größten im gesamten Privatkundengeschäft.

Warum reagiert der Dispozins so träge nach unten und so schnell nach oben? Die meisten Institute koppeln ihn vertraglich an einen Referenzzins wie den EZB-Hauptrefinanzierungssatz. In der Senkungsphase 2024/2025 gaben viele Banken die Entlastung nur teilweise weiter — die Stiftung Warentest wies über Jahre auf diese Asymmetrie hin. Nach der Leitzinserhöhung vom Juni 2026 ist dagegen davon auszugehen, dass etliche Institute ihre Dispozinsen zeitnah wieder anheben. Der Blick ins Preisverzeichnis lohnt sich deshalb gerade jetzt.

Was du konkret tun kannst

  • Dispo nur als Kurzzeit-Puffer: Für wenige Tage ist der Dispo unproblematisch — als Dauerfinanzierung ist er die teuerste legale Kreditform im Alltag.
  • Umschulden ab vier Wochen Dauerminus: Ein Ratenkredit kostet marktüblich deutlich weniger als der durchschnittliche Dispozins von rund 11,3 Prozent.
  • Bank vergleichen: Zwischen 2,1 und über 15 Prozent liegt der Unterschied bei 2.000 Euro Dauerüberziehung bei über 260 Euro Zinskosten pro Jahr.

📌 Good to know

Banken müssen den Dispozins gut sichtbar auf ihrer Website und im Preisverzeichnis ausweisen. Steigt der Referenzzins, darf der Dispozins bei den meisten Instituten automatisch mitsteigen — die Zinswende nach oben kommt beim Dispo also schneller an als beim Sparzins.

EZB-Leitzins und Ausblick: Wohin die Zinsen bis Ende 2026 laufen

Die EZB hat am 11. Juni 2026 alle drei Leitzinsen um je 25 Basispunkte angehoben — die erste Erhöhung seit September 2023. Seit dem 17. Juni 2026 liegt der Einlagenzins bei 2,25 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,40 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent.

Der Weg dorthin in Kurzform: Ab Juni 2024 senkte die EZB die Zinsen in insgesamt acht Schritten, bis der Einlagenzins im Juni 2025 bei 2,00 Prozent ankam. Es folgte rund ein Jahr Zinspause. Erst als die Inflation im Euroraum im Mai 2026 auf 3,2 Prozent stieg — getrieben von höheren Energiepreisen und geopolitischen Unsicherheiten — drehte die Notenbank wieder nach oben.

Realzins: Was nach Abzug der Inflation übrig bleibt

In Deutschland lag die Inflationsrate im Juni 2026 bei 2,3 Prozent (Mai: 2,6 Prozent, April: 2,9 Prozent), die Kerninflation bei 2,5 Prozent. Daraus ergibt sich eine klare Rechnung: Mit dem Tagesgeld-Marktdurchschnitt von rund 1,95 Prozent liegst du real leicht im Minus. Mit den Top-Angeboten von rund 3,8 bis 4 Prozent erzielst du dagegen einen realen Zinsgewinn von rund 1,5 Prozentpunkten — für täglich verfügbares, gesetzlich gesichertes Geld ein im historischen Vergleich starker Wert.

Zur Einordnung der Inflationszahlen: Der Rückgang von 2,9 Prozent im April auf 2,3 Prozent im Juni 2026 geht laut Statistischem Bundesamt vor allem auf die nachlassende Energiepreisdynamik zurück — im April verteuerte sich Energie noch um über 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr, im Juni nur noch um rund 3,4 Prozent. Hält dieser Trend, sinkt der Druck auf die EZB, und die Zinserwartungen könnten sich wieder abflachen.

Die Prognose für die kommenden Monate

Mehrere Analysten rechnen bis Ende 2026 mit bis zu zwei weiteren Zinserhöhungen auf einen Einlagenzins von 2,75 Prozent — abhängig von Inflation, Energiepreisen, Lohnentwicklung und Konjunktur. Für Sparer hieße das: Tagesgeldzinsen dürften im Marktdurchschnitt weiter moderat steigen, das Spitzenfeld dürfte die Schritte erneut vorwegnehmen. Beim Festgeld sind weitere Zinsschritte teilweise schon eingepreist; wer auf zwei bis drei Jahre anlegt, sichert die Erwartung bereits heute.

💡 Tip

In einer Phase steigender Leitzinsen lohnt sich beim Tagesgeld ein Zins-Check alle vier bis acht Wochen: Viele Banken reichen Erhöhungen nur an Neukunden weiter. Ein Wechsel dauert online meist unter 15 Minuten — und der Zins-Monitor liefert dir die aktuelle Benchmark.

Quellen und Methodik

Alle Zinssätze in diesem Zins-Monitor beruhen auf öffentlich zugänglichen Erhebungen (Stand: Juli 2026). Marktdurchschnitte für Tagesgeld und Festgeld stammen aus laufenden Auswertungen der bundesweit verfügbaren Angebote; Bestandszinsen aus der MFI-Zinsstatistik der Deutschen Bundesbank; Dispozinsen aus Erhebungen der Stiftung Warentest und BaFin-basierten Auswertungen. Da Konditionen anbieterabhängig sind und sich täglich ändern können, formulieren wir variable Sätze als Näherungswerte ("rund", "im Schnitt"). Zwei Messbasen sind dabei zu trennen: Marktdurchschnitte enthalten die beworbenen Aktionszinsen, die Gruppenauswertung nach Bankengruppen nur die regulären Bestandskundenkonditionen. Nächste geplante Aktualisierung: August 2026.

Häufig gestellte Fragen

Q

Wie hoch sind die Durchschnittszinsen für Tagesgeld aktuell?

Im Juli 2026 liegen die Durchschnittszinsen für Tagesgeld bei rund 1,95 Prozent pro Jahr über alle bundesweit verglichenen Banken. Die besten fünf Anbieter zahlen im Schnitt rund 3,79 Prozent, einzelne Aktionsangebote erreichen bis zu rund 4,05 Prozent.

Q

Was bringt Festgeld im Juli 2026 im Schnitt?

Zweijähriges Festgeld bringt im Schnitt rund 2,34 Prozent pro Jahr, die besten Anbieter zahlen bis rund 3,2 Prozent. Bei einem Jahr Laufzeit sind bis zu 3,21 Prozent möglich, bei fünf bis zehn Jahren bis rund 3,50 bis 3,65 Prozent.

Q

Wie hoch ist der durchschnittliche Dispozins 2026?

Der Dispozins liegt 2026 im Schnitt bei rund 11,2 bis 11,3 Prozent pro Jahr. Die Spanne reicht je nach Bank von rund 2,1 bis über 15 Prozent; für geduldete Überziehungen werden im Schnitt sogar rund 13,1 Prozent fällig.

Q

Steigen die Zinsen 2026 weiter?

Mehrere Analysten erwarten bis Ende 2026 bis zu zwei weitere EZB-Erhöhungen auf einen Einlagenzins von 2,75 Prozent. Tagesgeldzinsen dürften dann moderat weiter steigen; beim Festgeld ist ein Teil der Erwartung bereits in den aktuellen Konditionen eingepreist.

Q

Warum bekomme ich bei meiner Hausbank so viel weniger Zinsen?

Örtliche Sparkassen zahlen auf Tagesgeld im Schnitt nur rund 0,38 Prozent, regionale Genossenschaftsbanken rund 0,44 Prozent, weil sie kaum um Neukunden konkurrieren. Bundesweite Direktbanken liegen beim regulären Bestandskundenzins im Schnitt bei rund 1,34 Prozent, ihre Aktionsangebote für Neukunden deutlich darüber — ein Wechsel lohnt sich fast immer.


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