Die deutschen Industrieaufträge sind im Mai 2024 um 1,9 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen. Volkswirte hatten lediglich ein Plus von 1,1 Prozent erwartet. Damit fiel die Erholung nach dem April-Rückgang deutlicher aus als prognostiziert, konnte die Verluste des Vormonats jedoch nicht vollständig ausgleichen.
Entwicklung nach April-Einbruch
Im April waren die Auftragseingänge um revidierte 3,2 Prozent zurückgegangen. Eine frühere Schätzung hatte den Rückgang noch auf 3,8 Prozent beziffert. Der Mai-Anstieg wurde maßgeblich durch Großaufträge getragen: Ohne diese größeren Bestellungen hätte der Zuwachs nur 1,0 Prozent betragen.
Regionale Unterschiede bei Auslandsaufträgen
Die Auslandsnachfrage stieg insgesamt um 2,2 Prozent. Dabei zeigten sich jedoch deutliche regionale Unterschiede:
- Aufträge aus Eurozone-Ländern: plus 11,2 Prozent
- Bestellungen aus Nicht-Eurozone-Staaten: minus 3,2 Prozent
- Inlandsbestellungen: plus 1,3 Prozent
Verhaltene Prognosen für Industrieerholung
Commerzbank-Ökonom Marco Wagner sieht in den Zahlen Hoffnung auf eine moderate Erholung nach langer Stagnation, warnt jedoch vor überzogenem Optimismus. Eine rasche und kräftige Erholung sei aufgrund einer Erosion der Standortqualität unwahrscheinlich. VP-Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel teilt diese zurückhaltende Einschätzung und verweist auf die schrumpfende Automobilindustrie, die erhebliche Auswirkungen auf Zulieferer im Maschinenbau habe.
